Private Altersvorsorge

Für die private Vorsorge gibt es viele Möglichkeiten der Geldanlage, darunter Aktien, Fonds, Versicherungen, Sparpläne und Immobilien. Sie alle haben Vor- und Nachteile. Legen Sie zunächst Ihre Strategie für die Altersvorsorge fest und grenzen Sie dann Ihre Entscheidung für eine Investition nach Risiko und Rendite ein.

Junge Frau lehnt sich auf einen Tisch mit Architekturplan und rosa Sparschwein. – Bildnachweis: gettyimages.de © PeopleImages

Strategie der Altersvorsorge festlegen

Die private Altersvorsorge ist die dritte Säule einer stabilen Altersvorsorge. Zusätzlich zu einer Basisversorgung wie der gesetzlichen Rente, ist die private Vorsorge eine Möglichkeit Vermögen anzusparen, um seinen Lebensstandard nach der Erwerbstätigkeit zu halten. Warum das generell sinnvoll ist, lesen Sie auf der Seite Altersvorsorge.

Bevor Sie sich für eine bestimmte Geldanlage entscheiden, sollten Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Anlageprodukte insgesamt verschaffen. Dazu gehören auch staatlich geförderte Altersvorsorgeformen. Im Gegensatz zur betrieblichen Altersvorsorge oder der Riester-Rente erhalten Sie bei der eigenverantwortlichen Vermögensbildung keine Förderung vom Staat oder dem Betrieb.


Bestenfalls setzen Sie auf eine Kombination aus allen drei Formen der Altersvorsorge, damit ausreichend Einkünfte im Alter gesichert sind. Wählen Sie eine Form der Altersvorsorge, die zu Ihnen passt und legen Sie zunächst Ihre Strategie fest. Wie Sie dabei vorgehen zeigt unser Tutorial Altersvorsorge richtig planen. Dabei gelten folgende Grundprinzipien:

  • Die persönliche Anlagestrategie sollte sich nach Lebensalter, Lebenssituation, bisherigem Vermögensaufbau und den persönlichen Zielen richten.
  • Je früher man anfängt, umso kleiner können die monatlichen Raten ausfallen. Denn auf lange Sicht profitiert man vom Zinseszinseffekt: Zinsen für angelegtes Geld erhöhen das Kapital, auf das gewachsene Kapital werden wieder Zinsen gezahlt. Das funktioniert natürlich nur, wenn es auch nennenswerte Zinsen gibt.
  • Die laufende Inflationsrate sorgt für eine schleichende Entwertung des Geldvermögens. Investitionen in Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Investmentfonds profitieren in der Regel von Inflation und Preissteigerung. Voraussetzung ist, dass man sie zum gewünschten Zeitpunkt verlustfrei verkaufen kann.

Risiko und Rendite

Welcher Anlagetyp sind Sie und welches Risiko können und wollen Sie eingehen? Danach grenzen Sie Ihre Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Anlageform ein. Sie können unter drei Produktgruppen wählen:

  • Aktien, Investmentfonds und Wertpapiere bieten Renditechancen, sind aber Kursschwankungen ausgesetzt. Dieses Risiko müssen Sie bedenken.
  • Immobilien bieten relative Wertbeständigkeit, wenn der bauliche Zustand in Ordnung ist und die Lage einen Verkauf auch künftig zulässt.
  • Versicherungen bieten Sicherheit und garantierte – wenn auch aktuell niedrige – Zinsen bei relativ hohen Abschluss- und Verwaltungskosten.

1) Die Sicherheitsorientierten

  • Produkt: Investition in einlagengesicherte Anlagen wie Tagesgeld, Termingeld, Festgeld, Sparbuch, Sparbrief, Sparpläne, Bausparverträge oder Pfandbriefe und europäische Geldmarktfonds
  • Risiko: Fast kein produktbezogenes Risiko
  • Fazit: Sicherheit, Kapitalerhalt und kurzfristige Verfügbarkeit stehen im Vordergrund. Dafür sind nur geringe Renditen möglich.

2) Die Konservativen

  • Produkt: festverzinsliche Wertpapiere, Anleihen mit guter Bonität, Rentenfonds Europa und geldmarktnahe Fonds
  • Risiko: nur Zinsrisiko
  • Fazit: Ein geringeres Risiko der Aktienmärkte besteht. Hier macht eine lange Anlagedauer Sinn, um die Renditechancen zu erhöhen.

3) Die Gewinnorientierten

  • Produkt: Aktien, Aktienfonds mit europäischen Standardwerten, internationale Rentenfonds, Aktienfonds und Mischfonds
  • Risiko: Zins- oder Kursrisiko
  • Fazit: Das ist vor allem etwas für Sparer, die noch mindestens 10 Jahre bis zur Rente haben, um das Auf und Ab der Märkte gegebenenfalls auszugleichen.

4) Die Ertragsorientierten

  • Produkt: Aktien und Aktienfonds mit europäischen und außereuropäischen Standardwerten, Zertifikate, Währungsanleihen mit mittlerer Bonität
  • Risiko: Zins- und Kursrisiko
  • Fazit: Diese Anlageformen sind spekulativ und nur was für Leute, die schon andere, sichere Alterseinkünfte haben werden. Ein Totalverlust ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich.

5) Die Risikobewussten

  • Produkt: Hochspekulative Anleihen, ausländische Aktien-Nebenwerte, Optionsscheine, Futures, Optionen
  • Risiko: Totalverlust möglich
  • Fazit: Das ist sehr spekulativ und nur etwas für Leute, die es verkraften können, wenn das eingesetzte Geld weg ist.

(Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen)

Vor- und Nachteile der Geldanlagen

Aktien

Aktien sind Anteilsscheine an Unternehmen und unterliegen Kursschwankungen. Das müssen Sie bedenken, wenn Sie einen Teil ihrer Altersvorsorge darauf aufbauen wollen.
Vorteile: überdurchschnittliche Renditechancen
Nachteile: hohes Risiko, völliger Kapitalverlust möglich

Bankprodukte

Die Geldanlage auf dem Sparbuch ist noch immer weit verbreitet, bringt aber so gut wie keinen Ertrag. Sparer müssen sich mit mageren Zinsen begnügen. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten.

Banksparpläne

Vorteile: neben der Grundverzinsung gibt es oft einen vertraglich garantierten Bonus, hohe Sicherheit wie beim Sparbuch
Nachteile: zum Teil sehr lange Laufzeiten, vorzeitiger Ausstieg aus dem Sparvertrag meist nicht möglich oder nur mit Verlust des Bonus

Bausparverträge

Vorteile: Vermögenswirksame Leistungen, staatliche Wohnungsbauprämie, günstige Darlehenszinsen
Nachteile: relativ niedrige Zinsen in der Ansparphase, hohe Abschlussgebühren

Bundesschatzbriefe

Vorteile: fester Zins, unterschiedliche Laufzeitangebote
Nachteile: extrem niedriges Zinsniveau, teilweise derzeit Negativzinsen

Fondssparpläne

Vorteile: keine Kapitalbindung, monatliche Beträge werden eingezahlt
Nachteile: anders als bei sonstigen Sparverträgen besteht ein Kursrisiko, Verluste möglich

Immobilien

Die eigenen vier Wände sind für viele ein Traum. Und gerade in Krisenzeiten gelten Immobilien als sichere Geldanlage. Aber sie sind teuer und erfordern einen langen Atem.

Wohneigentum

Vorteile: mietfreies Wohnen, sofort nutzbar
Nachteile: langfristige Kapitalbindung, eingeschränkte Mobilität

Offene Immobilienfonds

Vorteile: kursstabiler als viele Aktienfonds
Nachteile: oft müssen bestimmte Haltefristen eingehalten werden, Verlustrisiken nach Schließung von Fonds

Aktienfonds

Wer sein Geld in Fonds anlegt, hofft auf gute Gewinnchancen bei möglichst geringen Risiken. Unterschieden wird zwischen passiven und aktiv gemanagten Fonds.
Vorteile: überdurchschnittliche Renditechancen, viel Auswahl
Nachteile: Abhängigkeit von der Marktentwicklung, Verluste möglich

Versicherungen

Versicherungen decken die finanziellen Folgen von Unfällen, Krankheiten oder Tod. Dafür gibt es zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherung.
Private Rentenversicherung oder Kapitalversicherungen zahlen aber auch im Erlebensfall.

Kapitalversicherung

Vorteile: kalkulierbare Verzinsung, Versicherungsschutz enthalten
Nachteile: lange Laufzeiten, Verluste bei vorzeitigem Ausstieg, niedrige Garantiezinsen, inzwischen eingeschränktes Angebot

Festverzinsliche Wertpapiere

Da weiß man, was man hat: Bei festverzinslichen Wertpapieren gibt es kaum Überraschungen bezüglich der Rendite. Sicherheit steht im Vordergrund. Und das hat in Krisenzeiten wieder einen hohen Wert.
Vorteile: kalkulierbarer, fester Zins
Nachteile: lange Laufzeiten, bei öffentlichen Anleihen meist zehn Jahre, Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf

Steuern auf Kapitalerträge

Kapitalerträge wie Zinsen, Kursgewinne und Dividenden von Aktiengesellschaften werden pauschal mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent belegt. Diese Abgabe sollen die Geldinstitute direkt an das Finanzamt abführen. Der Steuerzahler muss die Erträge dann in der Regel nicht mehr in seiner Steuererklärung angeben. Seit 2018 müssen deutsche Fonds auf ihre Erträge eine Körperschaftsteuer von 15 Prozent aus dem Fondsvermögen bezahlen. Ausgenommen davon sind reine Rentenfonds. Damit Sie als Anleger nicht zweimal zur Kasse gebeten werden, werden die Teil-Freistellungen eingeführt.

In der Realität werden mehr als die 25 Prozent Abgeltungssteuer abgezogen, weil auch noch der Solidaritätszuschlag erhoben wird (5,5 Prozent auf die 25 Prozent). Das erhöht die Abgeltungsteuer auf 26,375 Prozent. Wer auch noch kirchensteuerpflichtig ist – je nach Bundesland noch einmal acht oder neun Prozent der Einkommensteuer – landet bei einer Gesamtbesteuerung von rund 28 Prozent. So lange die Zinsen der Geldanlage den Sparerpauschbetrag von 801 Euro pro Jahr (Stand 2019) für Alleinstehende beziehungsweise 1.602 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare nicht übersteigen, sind sie steuerfrei. Dazu sollte man einen Freistellungsauftrag bei seinem Finanzinstitut einreichen.

Die Abgeltungssteuer wird nicht erhoben bei den staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie Riester-Verträgen, Basisrenten wie der Rürup-Rente und der betrieblichen Altersversorgung. Auch private Rentenversicherungen, Erträge aus Immobilien oder der Verkauf des Eigenheims sowie Kapitallebensversicherungen und geschlossene Fonds (langjährige, nicht vorzeitig kündbare Unternehmensbeteiligungen) sind nicht betroffen. Für sie gelten die gleichen Steuerregeln wie vor der Einführung der Kapitalertragssteuer 2009.

 

 

Magazin

Artikel zum Thema

Altersvorsorge   / 

ETF: Altersvorsorge mit Indexfonds

Was sind ETFs? Welche Vorteile haben ETFs? Wie Indexfonds funktionieren und welche sich für die Altersvorsorge empfehlen.