Berufsunfähigkeitsversicherung: Arbeitskraft umfassend absichern

Wer sein volles Gehalt zum Leben braucht, sichert die finanziellen Folgen einer möglichen Berufsunfähigkeit am besten ab. Erfahren Sie, warum das sinnvoll ist, was die Berufsunfähigkeitsversicherung absichert, was Sie beim Abschluss beachten sollten und wie lange Sie eine BU-Rente erhalten.

Berufsunfähigkeit: Mann im mittleren Alter sitzt vornübergebeugt auf einer Parkbank und stützt den Kopf in die Hände.

Warum eine BU-Versicherung sinnvoll ist

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gilt heute als eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Der Grund: Unsere Arbeitskraft ist ein Vermögen wert – schon ein Einkommen von 2.000 Euro im Monat summiert sich im Laufe eines Arbeitslebens schnell auf einen Millionenwert. Und dieser Wert ist bei vielen schlecht versichert, mit entsprechenden finanziellen Folgen. Denn vom Staat gibt es nur die Erwerbsminderungsrente, die dann einstehen muss, wenn Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr oder nicht mehr voll eingesetzt werden können. Bei einer Einsatzmöglichkeit bis zu sechs Stunden gibt es eine teilweise Erwerbsminderungsrente, wer mehr als sechs Stunden arbeiten kann – egal in welchen Beruf –, geht leer aus. Die volle Erwersminderungsrente betrug 2018 in Deutschland im Schnitt 789 Euro im Monat. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung.

Das sichert die Berufsunfähigkeitsversicherung ab

Die Berufsunfähigkeitsversicherung versichert die Fähigkeit, im zuletzt ausgeübten Beruf tatsächlich arbeiten zu können. Ist das nicht mehr zu mindestens 50 Prozent der Fall, gilt ein Arbeitnehmer als berufsunfähig. Dann zahlt die private Berufsunfähigkeitsversicherung die versicherte monatliche BU-Rente aus. Oft wird der Versicherungsschutz um weitere Bausteine ergänzt:

  • Eine sogenannte AU-Klausel sorgt dafür, dass bereits bei längerer Arbeitsunfähigkeit die versicherte Rente gezahlt wird, selbst wenn keine Berufsunfähigkeit festgestellt wird.
  • Und ein weiterer Baustein sieht eine lebenslange Rentenzahlung bei Pflegebedürftigkeit vor – eine sinnvolle Ergänzung, weil der reguläre BU-Schutz spätestens mit Eintritt in die Altersrente endet.

Die Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsrente bestimmen die Versicherten selbst – nach oben ist sie lediglich durch ihr Einkommen begrenzt. Meist sichern Berufsunfähigkeitsversicherungen 70 bis 90 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens ab.

Das ist wichtig beim Abschluss

Die Qualität der Berufsunfähigkeitsversicherungen ist heute bei den meisten Tarifen exzellent. Wichtige Merkmale – wie der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung – sind heute Standard. Damit ist sichergestellt, dass der Versicherer den Versicherten nicht auf eine anderen Beruf oder andere eine andere Tätigkeit verweisen darf, um die Rentenzahlung zu verweigern.

Es lohnt sich immer, einen Blick auf weitere wichtige Leistungsmerkmale zu werfen: Wichtig sind vor allem für junge Menschen Nachversicherungsgarantien im Vertrag. Sie ermöglichen es, die versicherte Berufsunfähigkeitsrente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen, wenn eine der vereinbarten Anlässe eintritt. Das sind unter anderem:

  • Heirat der versicherten Person
  • Geburt oder Adoption eines Kindes
  • Erwerb einer selbst genutzten Immobilie
  • Erhöhung des Einkommens der versicherten Person um einen bestimmten Prozentsatz bzw. über eine bestimmte Bemessungsgrenze
  • Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit durch die versicherte Person

Oft sehen die BU-Policen in den ersten Vertragsjahren auch eine anlassunabhängige Nachversicherung vor, die die Anpassung der versicherten Rente erlaubt.

Entscheidend beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Risikoprüfung. Mit ihr bewertet der Versicherer das Risiko des Antragstellers – im Hinblick auf Gesundheit und Krankheit ebenso wie auf Freizeit-Gefahren. Wer Vorerkrankungen hat, sollte unbedingt vor der Antragstellung seine Krankengeschichte aufarbeiten. Am besten geschieht das mit den Unterlagen der Krankenkasse und der eigenen Ärzte. Häufig müssen Versicherte bei der Antragstellung auch ihre Ärzte von der Schweigepflicht gegenüber dem Versicherer entbinden.

Kompetente Makler sind in der Lage, die Krankenunterlagen auf ihre Relevanz für den BU-Antrag zu überprüfen und die wichtigsten Informationen herauszufiltern. Falsche Angaben im Antrag können verheerend sein, weil der Versicherer dann im Leistungsfall die Zahlung der versicherten Rente verweigern kann.

  • Tipp: Wer eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte gleichzeitig eine Rechtsschutzversicherung bei einer anderen Versicherungsgesellschaft abschließen, um seine Ansprüche gegebenenfalls auch durchsetzen zu können.

Kosten und Versicherungsleistungen

Die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind abhängig von verschiedenen individuellen Faktoren, die in die Kalkulation einfließen, wie

  • Beruf,
  • Alter,
  • Laufzeit des Vertrages und Rentenhöhe,
  • Gesundheitszustand und
  • Freizeitverhalten.

Sie bestimmen die Höhe der Beiträge und Leistungen. Hier hilft nur, sich individuell beraten zu lassen, damit der beste Schutz ermittelt werden kann.

Tipp: Unabhängig, dafür aber kostenpflichtig beraten lassen können Sie sich von den Verbraucherzentralen oder von einem unabhängigen Honorarberater.

Vor allem junge Antragsteller wie Studenten oder Auszubildende können bei vielen Versicherern von sogenannten Starter-Tarifen profitieren. Damit erhalten die Versicherten in den ersten Vertragsjahren bis zu 50 Prozent Rabatt und zahlen erst nach Abschluss der Ausbildung einen höheren Betrag.

Die Versicherungsleistung besteht zum einen aus der versicherten Berufsunfäigkeitsrente, die ausgezahlt wird, und meist auch aus der Übernahme der Beiträge durch die Versicherung für die Zeit der Berufsunfähigkeit. Die Renten steigen in aller Regel während der Vertragslaufzeit durch die erreichten Überschüsse an. Es besteht aber auch die Möglichkeit, eine Leistungsgarantie zu vereinbaren, um die Rentenanpassung garantiert jedes Jahr zu bekommen.

Steuerliche Aspekte

Die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung sind steuerlich absetzbar – zumindest theoretisch. Absetzbar sind die Beiträge als Sonderausgaben für “andere Versicherungen” bis 1.900 Euro (Angestellte) bzw. 2.800 Euro (Selbstständige). Das gilt aber nur, wenn die Krankenkassenbeiträge unterhalb dieser Beiträge bleiben, was selten vorkommt. Damit verpuffen die Beiträge steuerlich wirkungslos.

Die Rente muss mit dem besonderen Ertragsanteil versteuert werden. Der richtet sich danach, wie lange die Laufzeit der Rente bei Versicherungsbeginn ist.

  • Wer mit 45 berufsunfähig wird und eine BU-Rente bis zum 67. Geburtstag versichert hat, der versteuert 23 Prozent seiner Berufsunfähigkeitsrente.
  • Wer mit 59 berufsunfähig wird und nur noch zehn Jahre Rente vor sich hat, der versteuert lediglich zwölf Prozent der Rente.

Weitere Informationen

www.test.de
Die Stiftung Warentest testet und vergleicht regelmäßig Berufsunfähigkeitsversicherungen
(Ergebnisse zum Teil kostenpflichtig)

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