Überblick

Ob Aktien, Fonds, Immobilien oder Bankprodukte – für die private Altersvorsorge ohne Zuschüsse von Staat oder Chef gibt es viele Möglichkeiten.

Junge Frau lehnt sich auf einen Tisch mit Architekturplan und rosa Sparschwein. – Bildnachweis: gettyimages.de © PeopleImages

Große Palette an Vorsorgemöglichkeiten – ein Überlick

Die gesetzliche Rente ist für die meisten Menschen auch künftig die wichtigste Einkommensquelle im Alter. Daneben gibt es eine große Palette an Möglichkeiten zur Geldanlage und zum Sparen. Hier ein Überblick.

Wer für sein Alter vorsorgen will, sollte seinen persönlichen Bedarf im Ruhestand möglichst genau abschätzen. Dabei können mehrere Faktoren eine Rolle spielen:

  • Vielleicht ist bis dahin das eigene Haus abbezahlt oder es reicht eine kleinere Wohnung.
  • Ausgaben für die tägliche Fahrt zur Arbeit entfallen.
  • Die Kosten für das Auto sinken (geringere Betriebskosten, weniger Inspektionen und Reparaturen).
  • Aufwendungen für Arbeitskleidung entfallen.
  • Die Kinder sind aus dem Haus und haben ihre Ausbildung abgeschlossen.

Das bedeutet: Der individuelle Finanzbedarf vieler Rentner liegt oft unter dem Finanzbedarf während des Berufslebens. Aber: Wer teure Hobbys hat, hohe Ansprüche an seine Wohnung stellt oder viel reisen will, braucht mehr Geld. Das gilt auch, wenn beispielsweise Hilfs- oder Pflegekräfte privat finanziert werden müssen. Und wer sich im Ruhestand einen besonderen Wunsch erfüllen will, muss rechtzeitig mit dem Sparen beginnen.

Dabei gelten folgende Grundprinzipien:

  • Je früher man anfängt, umso kleiner können die monatlichen Raten ausfallen. Denn auf lange Sicht profitiert man vom Zinseszinseffekt (Zinsen für angelegtes Geld erhöhen das Kapital, auf das gewachsene Kapital werden wieder Zinsen gezahlt). Das funktioniert natürlich nur, wenn es auch nennenswerte Zinsen gibt.
  • Die persönliche Anlagestrategie sollte sich nach Lebensalter, Lebenssituation, bisherigem Vermögensaufbau und den persönlichen Zielen richten.
  • Die laufende Inflationsrate sorgt für eine schleichende Entwertung des Geldvermögens.
  • Investitionen in Sachwerte (Immobilien, Aktien, Investmentfonds) profitieren in der Regel von Inflation und Preissteigerung. Voraussetzung ist natürlich, dass man sie zum gewünschten Zeitpunkt verlustfrei verkaufen kann.

Tipp: Bevor Sie sich für eine bestimmte Geldanlagestrategie entscheiden, sollten Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Anlageprodukte verschaffen. Dazu gehören auch staatlich geförderte Altersvorsorgeformen. Und Sie sollten sich fragen, welcher Anlagetyp Sie sind und welches Risiko Sie bereit sind einzugehen.

Wer zusätzliches Vermögen bilden möchte, kann unter drei Produktgruppen wählen:

  • Immobilien bieten relative Wertbeständigkeit, wenn der bauliche Zustand in Ordnung ist und die Lage einen Verkauf auch künftig zulässt.
  • Aktien, Investmentfonds und Wertpapiere bieten Renditechancen, sind aber Kursschwankungen ausgesetzt. Dieses Risiko muss man bedenken.
  • Versicherungen bieten Sicherheit und garantierte – wenn auch aktuell niedrige – Zinsen bei relativ hohen Abschluss- und Verwaltungskosten.
Risikoklassen Anlegertypen und Anlageformen
Anlagetypen Risiko Anlageformen Fazit
1) Die Sicherheits­orien­tier­ten Fast kein produktbezogenes Risiko. z.B. einlagengesicherte Anlagen wie Tages-, Termin-, Festgeld, Sparbuch, -brief, -pläne, Bausparverträge oder Pfandbriefe und europäische Geldmarktfonds. Sicherheit, Kapitalerhalt und kurzfristige Verfügbarkeit stehen im Vordergrund. Dafür sind nur geringe Renditen möglich.
2) Die Konservativen nur Zinsrisiko z.B. festverzinsliche Wertpapiere, Anleihen mit guter Bonität, Rentenfonds Europa und geldmarktnahe Fonds. Ein geringeres Risiko der Aktienmärkte besteht. Hier macht eine lange Anlagedauer Sinn, um die Renditechancen zu erhöhen.
3) Die Gewinn­orientierten Zins- oder Kursrisiko z.B. Aktien, Aktienfonds mit europäischen Standardwerten, internationale Renten-, Aktien- und Mischfonds. Das ist vor allem etwas für Sparer, die noch mindestens 10 Jahre bis zur Rente haben, um das Auf und Ab der Märkte ggf. auszugleichen.
4) Die Ertrags­orientierten Zins- und Kursrisiko z.B. Aktien und Aktienfonds mit europäischen und außereuropäischen Standardwerten, Zertifikate, Währungsanleihen mit mittlerer Bonität. Diese Anlageformen sind spekulativ und nur was für Leute, die schon andere, sichere Alterseinkünfte haben werden.  Ein Totalverlust ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich.
5) Die Risikobewussten Totalverlust möglich z.B. Hochspekulative Anleihen, ausländische Aktien-Nebenwerte, Optionsscheine, Futures, Optionen. Das ist sehr spekulativ und nur etwas für Leute, die es verkraften können, wenn das eingesetzte Geld weg ist.

Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

Sparen und Steuern

Kapitalerträge wie Zinsen, Kursgewinne und Dividenden von Aktiengesellschaften werden pauschal mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent belegt. Diese Abgabe sollen die Geldinstitute direkt an das Finanzamt abführen. Der Steuerzahler muss die Erträge dann in der Regel nicht mehr in seiner Steuererklärung angeben. 2018 wird es Änderungen bei der Investmentbesteuerung geben. Diese sind notwendig geworden, weil das derzeitige Steuersystem ausländische Anlagen benachteiligt, was mit europäischem Recht nicht vereinbar ist.

Bislang gilt noch: In der Realität werden mehr als 25 Prozent abgezogen, weil auch noch der Solidaritätszuschlag erhoben wird (5,5 Prozent auf die 25 Prozent). Das erhöht die Abgeltungsteuer auf 26,375 Prozent. Wer auch noch kirchensteuerpflichtig ist – je nach Bundesland noch einmal acht oder neun Prozent der Einkommensteuer – landet bei einer Gesamtbesteuerung von rund 28 Prozent.
So lange die Zinsen der Geldanlage den Sparerpauschbetrag von 801 Euro pro Jahr für Alleinstehende beziehungsweise 1.602 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare nicht übersteigen, sind sie steuerfrei. Dazu sollte man einen Freistellungsauftrag bei seinem Finanzinstitut einreichen.

Die Abgeltungssteuer wird nicht erhoben bei den staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie Riester-Verträgen, Basisrenten (Rürup-Rente) und der betrieblichen Altersversorgung. Auch private Rentenversicherungen, Erträge aus Immobilien oder der Verkauf des Eigenheims sowie Kapitallebensversicherungen und geschlossene Fonds (langjährige, nicht vorzeitig kündbare Unternehmensbeteiligungen) sind nicht betroffen. Für sie gelten die gleichen Steuerregeln wie vor der Einführung der Kapitalertragssteuer 2009.

Vor- und Nachteile verschiedener Anlageformen
Anlageform Vorteile Nachteile
Aktien überdurchschnittliche Renditechancen hohes Risiko, völliger Kapitalverlust möglich
Bausparverträge vermögenswirksame Leistungen, staatliche Wohnungsbauprämie, günstige Darlehenszinsen relativ niedrige Zinsen in der Ansparphase, hohe Abschlussgebühren
Bundesschatzbriefe fester Zins, unterschiedliche Laufzeitangebote extrem niedriges Zinsniveau, teilweise derzeit Negativzinsen
Festverzinsliche Wertpapiere kalkulierbarer, fester Zins

lange Laufzeiten, bei öffentlichen Anleihen meist zehn Jahre, Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
Fondssparpläne keine Kapitalbindung, monatliche Beträge werden eingezahlt anders als bei sonstigen Sparverträgen besteht ein Kursrisiko, Verluste möglich
Aktienfonds
überdurchschnittliche Renditechancen, viel Auswahl
Abhängigkeit von der Marktentwicklung, Verluste möglich
Kapitallebensversicherungen kalkulierbare Verzinsung, Versicherungsschutz enthalten lange Laufzeiten,
Verluste bei vorzeitigem Ausstieg,
niedrige Garantiezinsen,
inzwischen eingeschränktes Angebot

Offene Immobilienfonds kursstabiler als viele Aktienfonds oft müssen bestimmte Haltefristen eingehalten werden,
Verlustrisiken nach Schließung von Fonds

Banksparpläne neben der Grundverzinsung gibt es oft einen vertraglich garantierten Bonus, hohe Sicherheit wie beim Sparbuch zum Teil sehr lange Laufzeiten, vorzeitiger Ausstieg aus dem Sparvertrag meist nicht möglich oder nur mit Verlust des Bonus
Wohneigentum mietfreies Wohnen, sofort nutzbar langfristige Kapitalbindung, eingeschränkte Mobilität

Die Anlageprodukte

Aktien
Aktien sind Anteilsscheine an Unternehmen und unterliegen Kursschwankungen. Das muss man wissen, wenn man einen Teil seiner Altersvorsorge darauf aufbauen will.

Bankprodukte
Die Geldanlage auf dem Sparbuch ist noch immer weit verbreitet, bringt aber so gut wie keinen Ertrag. Sparer müssen sich mit mageren Zinsen begnügen. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten.

Immobilien
Die eigenen vier Wände sind für viele ein Traum. Und gerade in Krisenzeiten gelten Immobilien als sichere Geldanlage. Aber sie sind teuer und erfordern einen langen Atem.

Aktienfonds
Wer sein Geld in Fonds anlegt, hofft auf gute Gewinnchancen bei möglichst geringen Risiken. Unterschieden wird zwischen passiven und aktiv gemanagten Fonds. Worauf man bei der Geldanlage achten muss.

Versicherungen
Versicherungen decken die finanziellen Folgen von Unfällen, Krankheiten oder Tod. Renten- oder Kapitalversicherungen zahlen aber auch im Erlebensfall. Worauf man beim Abschluss achten sollte.

Festverzinsliche Wertpapiere
Da weiß man, was man hat: Bei festverzinslichen Wertpapieren gibt es kaum Überraschungen bezüglich der Rendite. Sicherheit steht im Vordergrund. Und das hat in Krisenzeiten wieder einen hohen Wert.

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