Riester-Rente: Altersvorsorge mit staatlicher Förderung

Was ist die Riester-Rente, wer hat Anspruch darauf und für wen lohnt sie sich? Ein Überblick mit den wichtigsten Infos rund um die Themen staatliche Förderung, Beiträge, Auszahlung und Kündigung.

Mit der Riester-Rente Geld sparen: Das Bild zeigt Sparschwein, Taschenrechner und Geldmünzen.

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Wer regelmäßig einen bestimmten Teil seines Einkommens einzahlt, erhält vom Staat Zulagen zu seinen Beiträgen und Steuervorteile. Im Alter können sich Riester-Sparer eine lebenslange Rente auszahlen lassen. Oder sie nutzen die Förderung, um einen Immobilienkredit schneller abzubezahlen (Wohn-Riester).

Das Wichtigste zur Riester-Rente im Überblick

  • Die Riester-Rente ist eine sichere Anlageform. Die eingezahlten Eigenbeiträge und die staatlichen Zulagen sind bei Renteneintritt garantiert (Garantiekapital).
  • Jeder Riester-Sparer bekommt eine Grundzulage von jährlich 175 Euro. Für jedes Kind gibt es bis zu 300 Euro zusätzlich Kinderzulage.
  • Voraussetzung für die vollen Zulagen: Sie zahlen einen Mindestbeitrag von vier Prozent Ihres Jahreseinkommens ein. Die Zulagen dürfen Sie dabei schon miteinrechnen.
  • Die Rente kann bereits mit 62 Jahren ausgezahlt werden (Verträge bis 2011 schon ab 60) und muss dann versteuert werden. Dafür sind die Beiträge in der Ansparzeit steuerlich absetzbar.
  • Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Familien mit geringem Einkommen, aber auch für Geringverdiener ohne Kinder, Gutverdiener und Arbeitslose.

Für wen ist die Riester-Rente sinnvoll?

Die Riester-Rente hat Vorteile und Nachteile. Sie lohnt sich jedoch fast immer, wenn man die staatliche Zulage ausschöpft. Dann ist die Förderquote am höchsten, also der Anteil der staatlichen Förderung am Eigenbeitrag. Und je höher die Förderquote, desto höher ist die Rendite.

  • Familien mit geringem Einkommen profitieren besonders von der Riester-Rente. Wer weniger verdient, muss weniger einzahlen, bekommt aber die gleiche Zulage wie Gutverdiener.
  • Auch für Geringverdiener ohne Kinder lohnt sich die Riester-Rente, weil die Zulage ein Großteil der Einzahlungen ausmacht. Seit 2018 wird die Rente nicht mehr voll auf die Grundsicherung im Alter angerechnet.
  • Für Gutverdiener fällt die Förderquote geringer aus. Sie profitieren vor allem vom Steuervorteil und können ihre Steuerlast senken.
  • Wer für ein Eigenheim spart oder einen Immobilienkredit abbezahlt, kann die Zulage nutzen, um den eigenen finanziellen Aufwand zu senken.
  • Auch für Arbeitslose lohnt sich riestern: Sie erhalten für fünf Euro im Monat (Mindestbeitrag 60 Euro im Jahr) die volle Zulage.

Wer hat Anspruch auf die Riester-Förderung?

Anspruch auf die Riester-Förderung haben alle Pflichtversicherten der Deutschen Rentenversicherung. Das sind die meisten Arbeitnehmer und Azubis, aber auch versicherungspflichtige Selbstständige wie Handwerker, Lehrer, Hebammen oder Künstler. Sie nennt man unmittelbar förderberechtigt. Dazu gehören unter anderem:

  • Beamte
  • Bezieher von Arbeitslosengeld oder Hartz 4
  • Eltern in Elternzeit
  • Pflegende Angehörige
  • Erwerbsminderungsrentner (volle Erwerbsminderung)
  • Minijobber, die den Eigenbeitrag von derzeit 3,6 Prozent an die Rentenversicherung zahlen

Riester-Rente für Ehepartner oder Lebenspartner

In einer Ehe oder Lebenspartnerschaft hat oft nur ein Partner unmittelbaren Anspruch auf die Riester-Zulagen. Wenn Sie selbst nicht unmittelbar förderberechtigt sind, können Sie unter Umständen trotzdem Zulagen erhalten. Sie sind mittelbar förderberechtigt, wenn Ihr Ehepartner oder Ihre Ehepartnerin folgende Kriterien erfüllt:

  • Er oder sie muss unmittelbar förderberechtigt sein,
  • einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben und
  • regelmäßig den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr einzahlen.

Wenn Sie selbst 60 Euro im Jahr einzahlen, bekommen Sie die volle staatliche Zulage von 175 Euro. Wer mehr einzahlt, hat bei der abgeleiteten Förderung keinen Steuervorteil, denn die Einzahlungen können nicht steuerlich geltend gemacht werden. Wer weniger als 60 Euro pro Kalenderjahr einzahlt, erhält bei mittelbarer Zulageberechtigung keine Zulage.

Tipp: Riester-Rente für Studenten

Studenten können nur dann eine Riester-Förderung erhalten, wenn sie einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Ein Tag im Jahr mit sozialversicherungspflichtiger Arbeit reicht bereits, um auch als Student Anrecht auf die staatlichen Zulagen zu erhalten. Das dürfte sich mit einem sozialversicherungspflichtigen Ferienjob oder einem Minijob bewerkstelligen lassen.


Welche Riester-Formen gibt es?

Sparer können auf unterschiedliche Art riestern. Die Zulagen gelten für alle Riester-Anlageformen gleich. Einige Riester-Verträge sind jedoch flexibler oder bieten bessere Renditechancen als andere. Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie sich gründlich mit den Vor- und Nachteilen der Formen beschäftigen und gut beraten lassen. Eine spätere Kündigung oder ein Anbieterwechsel bringt einige Nachteile mit sich.

  • Eine klassische Riester-Rentenversicherung garantiert schon bei Abschluss eine feste Rente, bringt aber wenig Rendite.
  • Eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung (Riester-Fondspolice) erhöht die Renditechancen, verlangt aber mehr Aufwand.
  • Ein Riester-Fondssparplan bietet die derzeit besten Renditechancen unter den Riester-Formen, aber auch das höchste Risiko, nur das Garantiekapital ausgezahlt zu bekommen.
  • Ein Riester-Banksparplan ist einfach und günstig, aber schwer zu bekommen.
  • Wohn-Riester ist eine spezielle Form, bei der die Förderung in den Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie fließt.

Riester-Förderung: Wie hoch sind Beitrag und Zulagen?

Der Staat bezuschusst Ihren Riester-Vertrag mit einer jährlichen Grundzulage und Kinderzulage für jedes Kind. Berufseinsteiger erhalten einen einmaligen Bonus. Um die vollen Zulagen zu erhalten, müssen Sparer einen Mindestbeitrag in den Vertrag einzahlen, der vom Einkommen abhängt. Wer weniger zahlt, bekommt nur einen entsprechenden Anteil der Förderung.

  • Die Grundzulage für jeden Sparer beträgt 175 Euro pro Jahr.
  • Den Berufseinsteigerbonus von einmalig 250 Euro erhält, wer den Riester-Vertrag vor seinem 25. Geburtstag abschließt.
  • Die Kinderzulage beträgt 185 Euro für bis Ende 2007 geborene Kinder und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder.
  • Der Mindestbeitrag für die volle Förderung beträgt vier Prozent des Vorjahresbruttos (rentenversicherungspflichtiges Einkommen), aber maximal bei 2.100 Euro. Davon dürfen Sie die Zulagen schon abziehen.

Riester-Beiträge von der Steuer absetzen

Einzahlungen sind bis 2.100 Euro steuerfrei, senken also das zu versteuernde Einkommen. Sie können als Vorsorgeaufwendungen beim Finanzamt geltend gemacht werden. Ehepaare können das Doppelte gefördert ansparen. Ehepaare, bei denen nur ein Partner unmittelbar förderberechtigt ist, 2.160 Euro. Mehr zum Steuervorteil erfahren Sie im Beitrag Riester und Steuererklärung.

Beispiel für Beitrag und Zulagen

Sie haben zwei Kinder, beide nach 2008 geboren. Im Vorjahr lag Ihr Bruttoeinkommen bei 40.000 Euro. Das bedeutet:

  • Sie müssen 1.600 Euro in den Vertrag einzahlen (4% von 40.000).
  • Sie bekommen 775 Euro Zulagen (175 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulage).
  • Sie tragen nur 825 Euro aus eigener Tasche (1.600-775).

Riester-Zulagen beantragen

Wer die Riester-Zulagen bekommen will, muss folgende Bedingungen erfüllen:

  • Er oder sie muss förderberechtigt sein.
  • Der Riester-Vertrag muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zertifiziert sein.
  • Sie müssen einen Zulagenantrag bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) stellen. Das erfolgt über den Anbieter.
  • Bei Gehaltsveränderungen, Geburt von Kindern oder Jobwechsel müssen Sie die Beitragszahlungen und Zulagenanträge anpassen.

Tipp: Dauerzulagenantrag

Sie können den Zulagenantrag auch als Dauerzulagenantrag stellen. Dann müssen Sie nicht jedes Jahr daran denken ihn abzugeben, sondern ihn nur anpassen, wenn sich etwas Grundlegendes geändert hat.


Riester-Beiträge anpassen

Riester-Sparen ist flexibel: Bei Bedarf können Sie die Raten reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Wenn das Geld knapp wird, ist diese Lösung besser, als den Vertrag zu kündigen. Die staatliche Zulage gibt es dann allerdings nicht oder nicht mehr in voller Höhe. Im Vergleich zu einer Kündigung, erwirtschaftet das angesparte Kapital aber weiter Zinsen. Wenn daraus eine Mini-Rente wird, können Sparer sich diese auf einen Schlag auszahlen lassen.

Riester-Rente Auszahlung

In der Regel beginnt die Auszahlung, wenn Sie Ihr gesetzliches Rentenalter erreicht haben. Eine Auszahlung ist aber auch schon mit 62 Jahren möglich, bei bis einschließlich 2011 geschlossenen Verträgen mit 60. Dabei haben Sie mehrere Möglichkeiten, das Ersparte auszahlen zu lassen:

  • als lebenslange Rente
  • bis zu 30 Prozent auf einen Schlag ohne Zweckbindung, den Rest als lebenslange Rente
  • den vollen Betrag, wenn die Rente besonders gering ausfällt (Abfindung einer Kleinstbetragsrente) oder zur Tilgung einer Restschuld für selbstgenutztes Wohneigentum.

Mehr zur Auszahlungsphase erfahren Sie im Artikel Riester im Alter.

Riester-Rente ist steuerpflichtig

In der Auszahlungsphase werden auf die Riester-Rente Steuern fällig. Versteuert wird nach dem persönlichen Steuersatz. Da jedoch der Steuersatz im Alter in der Regel niedriger ist, ergibt sich trotzdem ein Vorteil.

Riester-Rente und die Grundsicherung

Wer im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist, profitiert bei der Riester-Rente von Freibeträgen. Wurden die Riester-Renten bis 2018 voll aufs Einkommen angerechnet, wird nun nur angerechnet was den Freibetrag übersteigt. 2020 liegt der Freibetrag in der Grundsicherung bei 216 Euro (Hälfte des Regelsatzes).

So viel Rente dürfen Sie in der Grundsicherung behalten

Zunächst gilt bei Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung ein Freibetrag von 100 Euro aus zusätzlicher Altersvorsorge.

Wer mehr als 100 Euro aus dieser privaten Rente bekommt, darf 30 Prozent des übersteigenden Betrags behalten bis zur Höchstgrenze von 216 Euro (2020).

Wer mehr als 216 Euro an zusätzlicher Rente kassiert, bekommt den darüber liegenden Betrag auf die Grundsicherung angerechnet. Das gilt für Betriebsrenten, private Riester-Renten, Rürup-Renten und Renten, die auf freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung beruhen.

Riester-Rente kündigen und Anbieter wechseln

Eine Kündigung des Riester-Vertrags ist jederzeit möglich. Beachten Sie aber die Kündigungsfristen. Den Riester-Vertrag zu kündigen sollte der letzte Ausweg bleiben. Besser ist es, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Grund: Sparer müssen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Sie werden vom bislang gesparten Vermögen abgezogen. Die Ermittlung der Summe ist einfach, da die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen für jeden Riester-Sparer ein Konto unterhält, auf dem die staatliche Förderung festgehalten wird.

Ein Wechsel des Riester-Anbieters ist meist unproblematisch – wenn auch nicht immer billig. Wer wechselt, muss sich nicht nur vom alten Anbieter „freikaufen“ (je nach Vertrag in der Regel zwischen 10 und 150 Euro), sondern auch beim neuen Versicherer Abschlusskosten zahlen (Ausnahme: Banksparpläne). Fondssparer müssen zudem den richtigen Zeitpunkt für den Absprung abpassen: Die Garantie, dass sie auf jeden Fall ihre Beiträge plus die staatlichen Zulagen erhalten, erstreckt sich nur auf die Auszahlphase – davor können durchaus Verluste entstehen.

Tipp: Vertrag statt Anbieter wechseln

Ein Vertragswechsel innerhalb eines Konzerns ist häufig günstiger zu haben als ein Umzug zu einem neuen Anbieter.


Riester-Zulagen zurückzahlen

Sparer müssen Zulagen und Steuervorteil auch dann zurückzahlen, wenn sie das angesparte Geld nicht als Altersvorsorge nutzen, sondern für einen anderen Zweck aus dem Bank- oder Fondssparplan entnehmen (Schädliche Verwendung).

Riestern bei Arbeitslosigkeit und Hartz 4

In der Arbeitslosigkeit bleibt der Anspruch auf Förderung erhalten. Auch Arbeitslose, die aufgrund ihres Vermögens kein Arbeitslosengeld (ALG) II erhalten, sind weiter unmittelbar förderberechtigt, wenn sie sich arbeitssuchend gemeldet haben.

  • Sie können Einzahlungen in den Riester-Vertrag drosseln oder stoppen. Dadurch kann aber die staatliche Förderung sinken.
  • Solange Arbeitslosengeld oder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fließen, erhalten Sparer die staatliche Riester-Förderung.
  • Angespartes Riester-Kapital wird nicht angerechnet.

Riester ist nicht pfändbar

Riester-Beiträge und gefördertes Riester-Vermögen (Einzahlungen bis 2.100 Euro im Jahr) sind pfändungssicher und werden auch nicht angetastet, wenn ein Sparer ALG II (Hartz 4) bezieht.


Mit Riester in die Selbstständigkeit wechseln

Arbeitnehmer, die in die Selbstständigkeit wechseln, behalten in bestimmten Fällen das Recht auf Zulagen zum Riester-Vertrag und Steuervorteile.

Voraussetzung für die staatliche Förderung ist, dass sie als Selbstständige in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Das trifft etwa auf Hebammen, Handwerker oder Künstler und Publizisten zu, die Mitglied in der Künstlersozialversicherung sind.

Freiwillig Versicherte und Selbstständige, die statt in die gesetzliche Rentenversicherung in ein Versorgungswerk einzahlen (zum Beispiel Anwälte oder Ärzte), können dagegen keine staatlichen Zulagen zur Riester-Rente erhalten.

Magazin

Artikel zum Thema

Altersvorsorge   / 

Riester: Wie Fondsanbieter die Rendite killen

Vielen Riester-Sparern hat der Börsencrash viel mehr geschadet als sie ahnen. Warum trotz steigender Kurse die Rendite oft futsch ist.