Vorsorgemix spart Abgaben

Wer neben Rürup mit gesetzlicher Rente und gesetzlicher Krankenversicherung vorsorgt, hat Anspruch auf die Krankenversicherung der Rentner.

Junge Frau sitzt am Schreibtisch und sichtet Unterlagen. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Sozialabgaben für Rentner

Wer fürs Alter vorsorgt, sollte auch daran denken, welche Sozialabgaben später während des Rentenbezugs anfallen. Und wer heute schon aufpasst, kann dabei ordentlich Geld sparen.

Für viele Selbstständige dürfte das folgende Modell sozialer Absicherung ideal sein:

  • Freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, um sich so zumindest eine kleine gesetzliche Altersrente zu sichern.
  • Sich im Erwerbsleben freiwillig gesetzlich krankenversichern (soweit nicht ohnehin Versicherungspflicht besteht).
  • Höhere Beiträge in eine private Rürup-Rente einzahlen. Wichtig dabei: Wer die Voraussetzungen 1 und 2 erfüllt, dessen Rürup-Rente wird im Alter in der Regel nicht mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet.

Wieso freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung?

Zum einen kann sich die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung gerade angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt durchaus sehen lassen. Die Zeitschrift Finanztest stellte schon im Januar 2014 fest, dass die gesetzliche Rente gemessen an der Leistung ihrer privaten Konkurrenten keine schlechte Figur macht. Seitdem ist der Ertrag von Privatrenten noch weiter gesunken.

Zum anderen sorgen freiwillige Beiträge dafür, dass später im Alter überhaupt ein gesetzlicher Rentenanspruch besteht. Und das wiederum ist Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der (gesetzlichen) Krankenversicherung der Rentner (KVdR). In diese kommt nur rein, wer überhaupt eine gesetzliche Rente bezieht. Diese KVdR ist aber gerade für diejenigen, die zusätzlich noch eine private Rente erhalten, ein Schnäppchen.

Mehr zu freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung erfahren Sie hier.

Voraussetzungen für eine Altersrente

Die reguläre gesetzliche Altersrente gibt es immer dann, wenn Versicherte fünf Beitragsjahre vorweisen können – und dabei zählen freiwillige Beitragsjahre mit. Deutlich vorher, im Alter von 63 Jahren, gibt es die Altersrente für langjährig Versicherte. Dafür muss man 35 Versicherungsjahre vorweisen. Auch dabei zählen freiwillige Beitragszeiten mit.

Mitgliedschaft in der KVdR: Voraussetzungen

Der Bezug einer Altersrente allein reicht für die Mitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentner nicht aus. Es kommt auch darauf an, wie man in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens krankenversichert war.

Beispiel: Karl S. ist mit 21 ins Erwerbsleben eingetreten und geht mit 65 in Rente. Dazwischen liegen genau 44 Jahre. Für die KVdR kommt es dabei auf die letzte Hälfte an, also auf die letzten 22 Jahre. 90 Prozent dieses Zeitraums müssen die Betroffenen gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Egal ob familienversichert, freiwillig versichert oder pflichtversichert. 90 Prozent von 22 Jahren, das sind 19,8 Jahre. Wer so viel an gesetzlicher Krankenversicherung vorweisen kann, kommt als Rentner in die KVdR. Das ist so etwas wie ein Exklusivangebot für besonders treue gesetzlich Versicherte. Die anderen müssen sich im Alter freiwillig gesetzlich krankenversichern - wenn sie nicht ohnehin privat krankenversichert waren und sind.

  • Tipp: Seit August 2017 sind die Hürden für die KVdR deutlich weiter gesenkt worden – und zwar für alle diejenigen, die ein Kind haben. Ob es sich dabei um ein leibliches-, Stief-, Pflege- oder Adoptivkind handelt, spielt keine Rolle. Es kommt auch nicht darauf an, wann das Kind geboren wurde. Für jedes Kind werden in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens rechnerisch drei „GKV-Jahre“ zugeschlagen. Beispiel: Ein Versicherter war in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens nur 14 von 22 Jahren gesetzlich krankenversichert. Er hat jedoch zwei Kinder. Deshalb werden aus den 14 Jahren 20 Jahre. Der rechnerische GKV-Anteil liegt damit bei mehr als 90 Prozent. Mithin kommt die KVdR-Versicherung zustande.

Vorteil der KVdR: Geringere Beiträge

Der Vorteil der KVdR liegt in der Höhe der Beiträge: Beiträge zur KVdR werden nur für die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und Arbeitseinkünfte aus selbstständiger Tätigkeit erhoben, aber nicht auf Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte oder Privatrenten. Und die gesetzliche Rentenversicherung beteiligt sich an den Krankenversicherungsbeiträgen. Das heißt: Auf die Rürup-Rente werden Krankenkassenbeiträge fällig. Und das sind bei der gesetzlichen Krankenversicherung derzeit mindestens 14,6 Prozent (Stand 2017). Hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag, der zurzeit im Schnitt bei 1,1 Prozent liegt.

Die Leistungen sind weitgehend so wie für alle gesetzlichen Versicherten. Die KVdR ist keine gesonderte Krankenkasse. Die Rentner sind weiterhin Mitglied ihrer gesetzlichen Kasse.

Unterschied zu freiwillig gesetzlich Versicherten

Für diejenigen, die im Alter freiwillig gesetzlich versichert sind, weil sie die Voraussetzungen für die KVdR nicht erfüllen und sich nicht privat krankenversichern wollen oder können, gelten bei der Beitragserhebung andere Regel: Für die Beitragsberechnung ist bei ihnen die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ bis zur Beitragsbemessungsgrenze ausschlaggebend. Damit werden etwa auch Einkünfte aus Mieten sowie Zinsen mit angerechnet, aber ebenso Riester-Renten, die rein steuerlich geförderten Rürup-Renten sowie Bezüge aus anderen privaten Rentenverträgen.
Gleiches gilt auch für die Pflegeversicherung. Auch hier gibt es die Pflegeversicherung der Rentner (als Pflichtversicherung) und die freiwillige gesetzliche Pflegeversicherung.

Beispiel:
Ein früherer Selbstständiger hat im Alter monatlich eine Rürup-Rente in Höhe von 800 Euro sowie 500 Euro an gesetzlicher Rente zur Verfügung. Ist er Mitglied der KVdR, so fallen lediglich auf die kleine gesetzliche Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. Dies wären – bei den derzeit geltenden Beitragssätzen – im Schnitt monatlich rund 55 Euro (Stand 2017) für Versicherte mit Kind. Für Versicherte ohne Kind wäre es noch ein wenig mehr.

Die Beiträge sind hier auch deshalb so niedrig, weil sich die gesetzliche Rentenversicherung an den Krankenversicherungsbeiträgen beteiligt. Für einen freiwillig gesetzlich Versicherten würden dagegen zusätzlich die vollen Beiträge auf die Rürup-Rente und auf die Mieteinnahmen anfallen. Von der Rürup-Rente würden damit im Schnitt 18,25 Prozent an die Kranken- und Pflegeversicherung abgehen. Dies wären monatlich 146 Euro. Für kinderlose Versicherte würde der Betrag noch etwas höher ausfallen. Insgesamt würden im Beispielfall also 201 Euro (55 Euro plus 146 Euro) für die Kranken- und Pflegeversicherung anfallen – statt nur 55 Euro.

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-Rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

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