Rürup-Alternative: Gesetzliche Rente

Freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse sind eine Ergänzung oder Alternative zur Rürup-Rente.

Automechaniker prüft Ölstand eines KFZ in einer Werkstatt. – Bildnachweis: stocksy.com © Suprijono Suharjoto

Die gesetzliche Rente macht keine schlechte Figur

Die gesetzliche Rente macht in aktuellen Tests der Stiftung Warentest neben Rürup- und Privatrente keine schlechte Figur. Jeder Selbstständige kann sie nutzen. Bei der Altersvorsorge sollten Selbstständige deshalb nicht nur private Lösungen im Blick haben, sondern auch prüfen, was ihnen die gesetzliche Rentenversicherung bringt. Denn die Steuervorteile sind die gleichen.

Rendite ist höher

Im Test der Zeitschrift Finanztest wurde unterstellt, dass ein Selbstständiger in den letzten zehn Jahren vor Renteneintritt insgesamt 40.000 Euro in seine Altersvorsorge investiert. Finanztest rechnet dabei die Verteilung der Einzahlung auf verschiedene Zeitspannen durch.

Bei allen berechneten Varianten zeigte sich: Die „Gesetzliche“ schlägt alle Privatrenten. Bei der Variante „10 Jahre lang Einzahlungen von je 4.000 Euro“ bringt etwa eine private Rürup-Rente mit Hinterbliebenenabsicherung eine spätere Monatsrente von 116 Euro. Bei der gesetzlichen Rente, bei der eine Hinterbliebenenabsicherung obligatorisch ist und nicht zusätzlich kostet, kämen demgegenüber 171 Euro heraus – also 55 Euro mehr. Klassische Privatrenten kommen zu ähnlich niedrigen Resultaten wie eine Rürup-Rente. Da die Beiträge da allerdings nicht von der Steuer abgesetzt werden können, dürfte sich diese Variante für viele Selbstständige überhaupt nicht lohnen.

Unser Rechner „Rentenversicherung – freiwillige Beiträge“ zeigt, was Einzahlungen für die spätere Rente bringen.

Gleicher Steuervorteil

Für die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gelten dabei die gleichen Steuervorteile wie für die Rürup-Rente: Die Beiträge können bis maximal 23.362 Euro (2017) pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Vom gezahlten freiwilligen Beitrag erkennt das Finanzamt 2017 immerhin 84 Prozent als Sonderausgaben an. Ein Selbstständiger, der 2017 insgesamt 10.000 Euro in die Rentenkasse einzahlt, kann damit 8.400 Euro von der Steuer absetzen und hat damit – je nach Einkommenshöhe und Steuerprogression – unter Umständen eine Steuerersparnis von mehr als 3.000 Euro.

Ältere müssen mehr Geld in die Hand nehmen

Die Ergebnisse von Finanztest machen allerdings deutlich, dass Selbstständige, die ihre Alterssicherung ab 50plus deutlich aufbessern möchten, wesentlich höhere Beträge in die Hand nehmen müssen – egal wie sie vorsorgen. Würde zum Beispiel zehn Jahre lang der heutige jährliche Höchstbeitrag in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt – also insgesamt (14.000 x 10 =) 140.000 Euro – so würde die monatliche gesetzliche Rente immerhin um knapp 600 Euro steigen. Bei einer Rürup-Rente würden 400 Euro monatlich herauskommen.

Höhe der Beiträge

Die gesetzliche Beitragsbemessungsgrenze für 2017 liegt bei 76.200 Euro, der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung bei 18,7 Prozent. Als (jährlicher) Höchstbeitrag ergeben sich damit (76.200 x 18,7 Prozent =) 14.249,40 Euro. Es sind allerdings auch weit niedrigere Beiträge möglich. Der monatliche Mindestbeitrag liegt bei 84,15 Euro (er ergibt sich aus der Berechnung 450 Euro x 18,7 Prozent).

Freiwillige Beiträge werden – genau wie Pflichtbeiträge – in Entgeltpunkte umgerechnet. Wer 2017 genau den Durchschnittsverdienst aller Versicherten erzielt – das sind (vorläufig) 37.103 Euro – und entsprechend Beiträge abgeführt hat, bekommt einen Entgeltpunkt gutgeschrieben. Wer 2017 entsprechend des Höchstbetrags (13.576,20 Euro) eingezahlt hat, erhält dafür 2,054 (76.200 geteilt durch 37.103) Entgeltpunkte.

Derzeit sind die Entgeltpunkte in den alten und neuen Bundesländern zwar noch unterschiedlich viel wert, für freiwillige Beiträge zählen jedoch immer die West-Werte. Ein Entgeltpunkt West bringt aktuell 31,03 Euro.

  • Tipp: Wer – zum Beispiel aus einer Erbschaft oder Durch Auszahlung einer Kapitallebensversicherung viel Geld zur Verfügung hat, stößt an Grenzen bei der limitierten Höchsteinzahlung, die bei der gesetzlichen Rentenkasse möglich ist. Er kann sich für einen Mix von gesetzlicher und Privatrente entscheiden.

Vorteil Hinterbliebenenschutz

Anders als bei privaten Renten gibt es bei der gesetzlichen Rentenversicherung auch für Zeiten der Kindererziehung oder Angehörigenpflege ein Rentenplus. Zudem ist hier die Hinterbliebenenrente ohne Leistungskürzung mitversichert. Einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente erwirbt man durch freiwillige Beiträge in der Regel nicht.

Antragspflichtversicherung prüfen

Für manche Selbstständige kann es auch sinnvoll sein, statt freiwilliger Beiträge Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Dies ist über die so genannte „Antragspflichtversicherung“ möglich. Eine Pflichtversicherung auf Antrag kann eingehen, wer nicht nur vorübergehend als Selbstständiger tätig ist und ansonsten nicht pflichtversichert ist (was etwa für Handwerker, Künstler, Lehrkräfte und Hebammen zutrifft). Die Antragspflichtversicherung ist vor allem für Selbstständige mit erheblichen gesundheitlichen Handicaps interessant. Sie können meist keine bezahlbare private Berufsunfähigkeitsversicherung finden.

Der Antrag auf Versicherungspflicht muss innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit gestellt werden.

Wer kann freiwillige Beiträge zahlen?

Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung können alle einzahlen, die

  • mindestens 16 Jahre alt sind,
  • nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind.

Für die meisten Selbstständigen, aber auch für Hausfrauen und natürlich für Hausmänner kommt damit eine freiwillige Versicherung in Frage. Umgekehrt bedeutet das: Wer aktuell in einem sozialversicherten Beschäftigungsverhältnis steht – auch in einem rentenversicherungspflichtigen Minijob – oder als Selbstständiger (wie Handwerker oder Künstler) versicherungspflichtig ist und damit Pflichtbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abführt, dem steht die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung nicht offen.

Freiwillige Beiträge auch für Altersrentner

Für Bezieher einer Altersrente gilt: Soweit sie eine Frührente beziehen und das reguläre Rentenalter (derzeit: 65 Jahre und sechs Monate) noch nicht erreicht haben, haben sie das Recht freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen.

Die Zahlung freiwilliger Beiträge ist seit dem 1.7. 2017 aber auch für Rentner möglich, die das reguläre Rentenalter erreicht haben. Dafür müssen die Betroffenen sich allerdings für den Wechsel in eine Teilrente entscheiden. Dabei reicht es aus, in eine 99-Prozent-Teilrente wechselt. Wer dies tut, hat das Recht freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen – und zwar ab dem Monat, in dem der Wechsel vollzogen wird.

  • Beispiel: Sie beantragen im Juli 2017 den Wechsel in eine 99-Prozent-Teilrente. Dieser Wechsel in die Teilrente wird im Folgemonat, also im August 2017, vorgenommen. Damit haben Sie ab August 2017 das Recht, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Die freiwilligen Beiträge bringen Ihnen dann ab Juli 2018 ein Rentenplus.

Antrag stellen

Wer freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen möchte, sollte einen Antrag auf Beitragszahlung für eine freiwillige Versicherung (Formular V0060) stellen. Jeweils bis März eines Jahres muss der Antrag gestellt werden, um auch noch rückwirkend für das Vorjahr Beiträge zahlen zu können.

Weitere Informationen gibt es in den Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung, am kostenlosen Servicetelefon unter 0800 1000 4800 oder auf www.deutsche-rentenversicherung.de

Magazin

Artikel zum Thema

Im Fokus   / 

Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Rettungsschirm, der sich lohnen kann

Wer sich selbstständig macht oder eine Auslandsbeschäftigung aufnimmt, kann sich über die Bundesagentur für Arbeit freiwillig arbeitslosenversichern....