Betriebliche Altersvorsorge beim Jobwechsel

Für die betriebliche Altersvorsorge gelten beim Arbeitgeberwechsel besondere Regeln.

Junge Frau im Businessanzug wartet in Büro auf einem Stuhl. – Bildnachweis: gettyimages.de © Chris Ryan

Anwartschaften beim Jobwechsel mitnehmen

Arbeitnehmer können Anwartschaften beim Jobwechsel mitnehmen, wenn sich alle Beteiligten (neuer Arbeitgeber, Arbeitnehmer, alter Arbeitgeber) darüber einig sind. Bei Direktversicherungen, Pensionskassen oder Pensionsfonds besteht für Arbeitnehmer sogar ein Rechtsanspruch.

Was passiert mit dem Vertrag?

Der neue Arbeitgeber kann in den bestehenden Vertrag einsteigen oder das mitgebrachte Kapital in sein eigenes Versorgungssystem übertragen. Hat er kein eigenes Versorgungssystem, muss er den Beschäftigten zumindest eine Direktversicherung ermöglichen. Wenn beides nicht möglich ist – zum Beispiel weil ein Neuabschluss schlechtere Konditionen bedeutet würde –, können Mitarbeiter den alten Vertrag auch ruhen lassen oder ggf. mit eigenen Beiträgen privat weiterführen. Die Beiträge wären dann aber nicht mehr steuer- und sozialversicherungsfrei (keine Bruttoentgeltumwandlung). Nach dem Ausscheiden aus dem alten Betrieb haben Sparer ein Jahr Zeit für die Übertragung.

Bei Direktzusage und Unterstützungskasse kann der Arbeitnehmer zwar auch innerhalb eines Jahres die Übertragung von einem alten Arbeitgeber verlangen. In diesem Fall ist die Höhe des Übertragungswerts aber beschränkt: Mitnehmen können Arbeitnehmer Kapital bis zur Höhe der geltenden Beitragsbemessungsgrenze (West) der Deutschen Rentenversicherung (2017 sind das 76.200 Euro).

Was passiert mit dem Kapital (Stichwort „Unverfallbarkeit“)?

Mitnehmen können Arbeitnehmer nur „unverfallbare“ Rentenansprüche. Dafür gelten je nach Alter und Betriebszugehörigkeit verschiedene Fristen.

  • Zahlen Arbeitnehmer die Beiträge allein, ist das angesparte Kapital sofort unverfallbar.
  • Verträge, die ab 2009 abgeschlossen wurden: Beiträge, die der Arbeitgeber eingezahlt hat, können nicht mehr verfallen, wenn der Arbeitnehmer zum Zeitpunkt der Kündigung mindestens 25 Jahre alt ist und die Zusage seit mindestens fünf Jahren besteht.
  • Verträge, die zwischen 2001 und 2008 abgeschlossen wurden: Beiträge, die der Arbeitgeber eingezahlt hat, sind unverfallbar, wenn der Arbeitnehmer mindestens 30 Jahre alt ist und die Zusage seit mindestens fünf Jahren besteht.
  • Verträge, die bis Ende 2000 abgeschlossen wurden: Beiträge des Arbeitgebers sind unverfallbar, wenn der Arbeitnehmer 35 Jahre alt ist und die Zusage seit mindestens 10 Jahren besteht.
  • Bei Verträgen, in die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam einzahlen, ist der gesparte Anteil des Arbeitnehmers immer unverfallbar. Der Teil des Arbeitgebers unterliegt den oben genannten Fristen.

Bisher hatten also vor allem junge Arbeitnehmer unter 25 schlechte Karten bei der Mitnahme der betrieblichen Altersvorsorge. Das soll sich zum 1. Januar 2018 ändern. Dann sind Beiträge nach drei Jahren und ab einem Alter von 21 Jahren unverfallbar.

Fristen gelten auch bei Insolvenz

Kommt es zur Insolvenz des Arbeitgebers, sind die eingezahlten Beiträge über den Pensions-Sicherungs-Verein abgesichert. Allerdings gelten für arbeitgeberfinanzierte Beiträge hier die gleichen Unverfallbarkeits-Fristen wie beim Jobwechsel. Das heißt: Die Sicherung durch den Pensions-Sicherungs-Verein greift erst nach fünf Jahren.

Was für alle Verträge beim Jobwechsel gilt

  • Die Mitnahme muss innerhalb eines Jahres nach Arbeitgeberwechsel erfolgen.
  • Für die Übertragung können Gebühren anfallen.
  • Hat der alte Arbeitgeber einen Zuschuss gezahlt, ist der neue Arbeitgeber nicht verpflichtet, das auch zu tun.
  • Hat der alte Vertrag Zusatzkomponenten wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung, muss der Arbeitnehmer diese Komponenten künftig vielleicht selbst zahlen.

Nachteile bei Neuabschluss

Der neue Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die alten Verträge weiter zu führen. Wird das Kapital in einem neuen Vertrag angelegt, können Nachteile entstehen:

  • neue Abschlusskosten
  • niedrigere Garantiezinsen
  • schlechtere Konditionen wegen des gestiegenen Lebensalters
  • eventuell Nachteile durch erneute Gesundheitsprüfung
  • schlechtere steuerliche Regeln als bei Altverträgen, die vor 2005 geschlossen wurden.

Ruhen lassen

Eine Alternative kann sein, den Vertrag ruhen zu lassen. Der alte Vertrag verzinst sich auch ohne weitere Einzahlungen zu den alten Konditionen weiter. Die Rente wird bei kurzer Vertragslaufzeit dann aber entsprechend gering ausfallen. Bei häufigen Arbeitsplatzwechseln zerstückelt man außerdem seine Altersversorgung in mehrere Minirenten, was den Überblick erschwert.

Tipp: Es lohnt sich deshalb, mit dem künftigen Arbeitgeber über die betriebliche Altersvorsorge zu verhandeln. Ziel sollte sein, dass der neue Chef den bestehenden Versicherungsvertrag übernimmt, sofern der neue Arbeitgeber nicht ein besseres Angebot unterbreitet. Denn auch wenn erneute Abschlusskosten höher und Zinsen niedriger ausfallen, kann sich das bei einem entsprechend hohen Zuschuss des Arbeitgebers lohnen.

Kündigung

Bei allen Formen der betrieblichen Altersvorsorge gilt: Während der Ansparphase können Sparer nicht auf ihr bereits angespartes Vermögen zugreifen. Das gilt in der Regel auch bei Kündigung: Wenn der Arbeitgeber den Vertrag (mit-)finanziert, kann man ihn nur kündigen, wenn der Betrieb den Sparer zum Versicherungsnehmer macht. Hat der Arbeitnehmer den Vertrag durch Entgeltumwandlung selbst finanziert, ist die Kündigung zwar möglich, auf sein Erspartes zugreifen kann der Sparer aber erst, wenn er das Rentenalter erreicht hat. Und: Was der Sparer durch die Entgeltumwandlung an Steuern und Sozialabgaben während der Einzahlungsphase gespart hat, muss er bei vorzeitiger Kündigung nachzahlen. Das gilt für Arbeitnehmer, die ihren Vertrag vor Erreichen ihres 60. Lebensjahrs kündigen. Bei Verträgen ab 2012 ist es das 62. Lebensjahr.

  • Tipp: Wer sich die monatlichen Beiträge nicht mehr leisten kann, sollte die Versicherung beitragsfrei stellen, anstatt sie zu kündigen.

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