Überblick: So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge – das heißt Altersvorsorge über den Arbeitgeber, im Idealfall mit einem Zuschuss vom Chef.

Frau schüttelt Hand eines Geschäftspartners – Bildnachweis: gettyimages.de © Sam Edwards

Förderung durch Steuervorteil

Neben der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge ist die betriebliche Altersvorsorge die dritte Säule der Altersversorgung in Deutschland. Und eine, die vom Staat durch Steuervorteile und teilweise Befreiung von Sozialabgaben gefördert wird. Arbeitnehmer haben das Recht, über den Betrieb vorzusorgen. Aber in welcher Form und über welchen Vertrag, das entscheidet in den meisten Fällen der Chef.

Wer hat Anspruch?

Einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, auch Auszubildende, Mitarbeiter in Teilzeit oder geringfügig Beschäftigte (Minijobber). Minijobber haben diesen Anspruch aber nur, wenn sie Beiträge in die Rentenversicherung zahlen.

So funktioniert’s: Die Entgeltumwandlung

In der Regel werden Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge über die Bruttoentgeltumwandlung bespart. Das heißt Beschäftigte zahlen Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen. Bislang können sie bis zu vier Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze (West) steuerfrei einzahlen. Das sind 3.048 Euro pro Jahr (Stand 2017) oder auf den Monat gerechnet 254 Euro. Für diese Summe werden auch keine Sozialabgaben fällig. Das Bruttogehalt wird dadurch reduziert. Zusätzlich können Arbeitnehmer pro Jahr 1.800 Euro zusätzlich steuerfrei einzahlen – allerdings nicht sozialabgabenfrei.

Das ändert sich durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz: Ab 2019 sind bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, sozialabgabenfrei bleiben vier Prozent. Dafür gibt es den zusätzlichen steuerfreien Höchstbeitrag von 1.800 Euro künftig nicht mehr.

Das hat auch Vorteile für Arbeitgeber: Wenn das Bruttogehalt sinkt, sinken auch die Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber zahlen muss. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht allerdings vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 – vorbehaltlich einer tarifvertraglichen Regelung – mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts bezuschussen.

  • Tipp: Mit unserem Förderrechner können Sie berechnen, wie hoch die Förderung bei der Betrieblichen Altersversorgung ist.

Nachteile der Bruttoentgeltumwandlung:

  • Weil das Bruttogehalt reduziert wird, zahlen Arbeitnehmer auch weniger Sozialabgaben. Und wer weniger in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt auch entsprechend niedrigere Leistungen.
  • In der Auszahlungsphase werden auf die Betriebsrente Steuern fällig. Außerdem müssen gesetzliche krankenversicherte Betriebsrentner auch die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Zahlt der Arbeitgeber für Beschäftigte noch knapp die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge, trägt der Betriebsrentner die Beiträge in voller Höhe allein. Das sind derzeit etwa 17 Prozent.
  • Bei der gesetzlichen Rentenversicherung sind alle Versicherten, also Arbeitnehmer und Rentner, auch indirekt betroffen. Bei ihnen wachsen auf Grund der Entgeltumwandlung die Rentenanwartschaften bzw. die Renten in einem geringeren Maße als ohne Entgeltumwandlung. Das ist unabhängig davon, ob der Einzelne selbst an einer Entgeltumwandlung teilnimmt oder nicht.

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung: Dabei werden die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge nicht aus dem Brutto-, sondern nach Abzügen von Steuern und Abgaben aus dem Nettogehalt gezahlt. Dann ist eine Riester-Förderung durch den Staat möglich.

Vorteil für Arbeitgeber

Einen Vorteil hat die Bruttoentgeltumwandlung auch für Arbeitgeber: Weil das Bruttogehalt reduziert wird, fallen auch die Abgaben geringer aus, die der Arbeitgeber für Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung des Arbeitnehmers anteilig zahlen. Er spart dadurch in der Regel bis zu 20 Prozent an Sozialabgaben ein. Viele Arbeitgeber stecken die eingesparten 20 Prozent als Zuschuss in die betriebliche Altersvorsorge der Arbeitnehmer. Dann lohnt sich die Altersvorsorge über den Chef fast immer.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 – vorbehaltlich einer tariflichen Regelung mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts bezuschussen müssen.

Fünf verschiedene Modelle

Es gibt fünf verschiedene Formen der betrieblichen Altersvorsorge:

  • Direktversicherung,
  • Pensionskasse,
  • Pensionsfonds,
  • Unterstützungskasse und
  • Direktzusage.

Das Grundprinzip aller fünf Modelle ist gleich: Die Einzahlungen werden vom Staat gefördert, dafür müssen Sparer später Steuern und Sozialabgaben zahlen. Die Betriebsrentenmodellen unterscheiden sich vor allem in den Renditechancen, aber auch bei der Frage nach Zusatzbausteinen und beim Jobwechsel.

Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind externe Durchführungswege; hier werden die Verträge über externe Einrichtungen wie Versicherungsunternehmen abgewickelt. Bei den internen Durchführungswegen (Direktzusage und Unterstützungskasse) wird die Altersvorsorge weitgehend über den Arbeitgeber finanziert. Er organisiert die betriebliche Altersvorsorge intern und legt für spätere Rentenzahlungen Geld zurück. Das bringt ihm steuerliche Vorteile, aber auch wirtschaftliche Risiken.

Regelungen im Betrieb

In vielen Betrieben ist die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Der Arbeitgeber entscheidet, welches Modell er anbietet. Er kann festlegen, welche Anlageform den Arbeitnehmern angeboten wird und er kümmert sich um Anträge und Beitragszahlungen. Der Betriebsrat hat allerdings ein Mitspracherecht. Bietet der Arbeitgeber nur eine Direktzusage oder Unterstützungskasse an, können Arbeitnehmer alternativ eine Direktversicherung verlangen.

In vielen Branchen ist die betriebliche Altersvorsorge schon jetzt über Tarifverträge geregelt. Das wird ab 2019 noch gestärkt: Dann vereinbaren die Tarifparteien sämtliche Bedingungen für die betriebliche Altersvorsorge.

  • Tipp: Es lohnt sich, das Angebot vom Chef mit anderen Angeboten zu vergleichen. Holen Sie sich dazu Angebote von anderen Versicherern und Riester-Angebote ein und vergleichen Sie die garantierte Rente.

Zusatzbausteine

Bei vielen Verträgen sind Zusatzbausteine wie Hinterbliebenenschutz oder Berufsunfähigkeitsversicherung möglich. Sie kosten allerdings meist extra und schmälern die Rendite. Dafür ist ein Berufsunfähigkeitsschutz dank besonderer Konditionen für die Arbeitgeber oft ohne Gesundheitsprüfung möglich. Und das ist ein Vorteil für Arbeitnehmer, die auf dem freien Markt wegen gesundheitlicher Probleme keine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

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