Riester-Rente: So funktioniert sie

Wer hat Anspruch auf eine Riester-Rente, wie funktioniert sie genau und welche Produkte gibt es? Ein Überblick mit Tipps zur Kündigung, bei Wechsel ins Studium, in die Selbständigkeit oder Arbeitslosigkeit.

Riester-Rente: Überblick

Das Riester-Prinzip

Bei der Riester-Rente fördert der Staat die private Altersvorsorge durch einen finanziellen Zuschuss in Form einer Zulage. Zusätzlich sind die Einzahlungen in den Riester-Vertrag bis zu einer gewissen Höhe steuerfrei. Riester-Sparer können sich ihr angespartes Guthaben später in Form einer lebenslangen Rente auszahlen lassen oder sie nutzen die staatliche Förderung zur Finanzierung eines Eigenheims (Wohn-Riester). Die lebenslange Rente lohnt sich meist nur bei hoher Lebenserwartung. Dabei steht die Sicherheit der Riester-Produkte im Vordergrund: Die eingezahlten Eigenbeiträge und die staatlichen Zulagen sind bei Renteneintritt garantiert. Was Anbieter zusätzlich erwirtschaften, kommt oben drauf. Das Anlagerisiko ist gering, die Renditechancen dementsprechend nicht übermäßig hoch. Dafür steigert die staatliche Zulage die Rendite.

Wer hat Anspruch?

Anspruch auf staatliche Förderung haben alle pflichtversicherten der Deutschen Rentenversicherung. Das sind die meisten Arbeitnehmer und Azubis, aber auch versicherungspflichtige Selbstständige wie Handwerker, Lehrkräfte, Hebammen oder Künstler. Sie nennt man unmittelbar förderberichtigt. Und dazu gehören auch:

  • Beamte
  • Bezieher von Arbeitslosengeld oder Hartz IV
  • Eltern in Elternzeit
  • Pflegende Angehörige
  • Erwerbsminderungsrentner (volle Erwerbsminderung)
  • Minijobber, die den Eigenbeitrag von derzeit 3,6 Prozent an die Rentenversicherung zahlen.

Tipp: Ob Sie förderberichtigt sind, erfahren Sie auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung.

Anspruch für Ehe- oder Lebenspartner

Wer nicht förderberechtigt ist, kann unter Umständen Anspruch auf „abgeleitete Förderung“ erhalten. Das gilt für Ehe- oder Lebenspartner von unmittelbar Zulageberechtigten, wenn sie pro Jahr mindestens 60 Euro Mindesteigenbeitrag in ihren eigenen Riester-Vertrag einzahlen. Sie sind dann "mittelbar förderberechtigt".

Beispiel Selbstständige: Selbstständige können Anspruch auf Riester-Förderung haben, wenn sie verheiratet sind und der Ehepartner oder die Ehepartnerin förderberechtigt ist, einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat und regelmäßig den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr einzahlt. Erfüllt der Ehepartner die Kriterien, haben Selbstständige Anspruch auf „abgeleitete Förderung“. Wenn sie 60 Euro im Jahr einzahlen, bekommen sie die volle staatliche Zulage von 175 Euro (154 Euro bis 2017). Wer mehr einzahlt, hat bei der abgeleiteten Förderung keinen Steuervorteil, denn die Einzahlungen können nicht steuerlich geltend gemacht werden.

Achtung: Wer weniger als 60 Euro pro Kalenderjahr einzahlt, erhält bei mittelbarer Zulageberechtigung keinerlei Zulage.

So funktioniert’s

Vier Prozent des Vorjahresbruttos, aber maximal 2.100 Euro, müssen Riester-Sparer in ihren Vertrag einzahlen. Dann bekommen sie die staatliche Grundzulage von derzeit 175 Euro pro Jahr (154 Euro bis 2017). Für bis 2008 geborene Kinder gibt es noch einmal 185 Euro pro Jahr obendrauf, für ab 2008 geborene Kinder jährlich 300 Euro. Vom zu zahlenden Eigenbetrag können Riester-Sparer die Zulage schon abziehen. Wer 2.100 Euro zahlen müsste, muss daher nur 1.925 Euro überweisen. Für Familien wird es nochmal günstiger: Eine Familie mit zwei Kindern, beide nach 2008 geboren, bekommt 775 Euro Zulagen (154 Euro + 300 Euro + 300 Euro) und muss daher nur 1.325 Euro einzahlen. Gleichzeitig sind die Einzahlungen bis 2.100 Euro steuerfrei, senken also das zu versteuernde Einkommen. Ehepaare können das Doppelte gefördert ansparen. Ehepaare, bei denen nur ein Partner unmittelbar förderberichtigt ist, 2.160 Euro. 

Riester-Zulagen beantragen

Wer die Riester-Zulagen bekommen will, muss folgende Bedingungen erfüllen:

  • Er oder sie muss unmittelbar förderberechtigt sein.
  • Das Riester-Produkt muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zertifiziert sein.
  • Sie müssen einen Zulagenantrag bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) stellen (Das erfolgt über den Anbieter).
  • Bei Gehaltsveränderungen, Geburt von Kindern oder Jobwechsel müssen Sie die Beitragszahlungen und Zulagenanträge anpassen.

Tipp: Sie können den Zulagenantrag auch als Dauerzulagenantrag stellen. Dann müssen Sie nicht jedes Jahr daran denken, ihn abzugeben, sondern ihn nur anpassen, wenn sich etwas Grundlegendes geändert hat.

Riester-Produkte

Diese Varianten gibt es:

  • Riester-Rentenversicherung
  • Fondgebundene Riester-Rentenversicherung
  • Riester-Fondssparplan
  • Riester-Banksparplan
  • Riester-Bausparvertrag
  • Riester-Darlehen
  • Riester-Kombikredit

Auszahlung

Ihre Riester-Rente können Sparer sich als lebenslange Rente auszahlen lassen oder bei Renteneintritt bis zu 30 Prozent davon auf einen Schlag entnehmen. Die Rente wird voll versteuert. Den vollen Betrag können Sie entnehmen, wenn Sie damit die Restschuld eines Immobilienkredits fürs Eigenheim tilgen. Dafür lässt sich die staatliche Zulage auch schon in der Phase der Einzahlung verwenden (Stichwort Wohn-Riester). Über einen Riester-Bausparvertrag oder ein Riester-Darlehen können Sie fürs Eigenheim sparen, einen Kredit abzahlen oder ihr Haus altersgerecht umbauen.

  • Wichtig: Bei Wohn-Riester muss die Immobilien selbst genutzt werden. Wer das nicht tut oder später verkauft oder vermietet, muss die Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Wer für die Altersvorsorge riestert, spart Steuern. In der Auszahlungsphase werden dafür Steuern fällig. Versteuert wird nach dem persönlichen Steuersatz.

Einzahlung: Beiträge anpassen

Riester-Sparen ist flexibel: Wer die Beiträge wegen eines finanziellen Engpasses nicht aufbringen kann, kann die Raten reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Die staatliche Zulage gibt es dann allerdings nicht oder zumindest nicht mehr in voller Höhe. Im Vergleich zu einer Kündigung, erwirtschaftet das angesparte Kapital aber wenigstens weiter Zinsen. Wenn daraus eine Mini-Rente wird, können Sparer sich diese auf einen Schlag auszahlen lassen.

Anbieter wechseln

Ein Wechsel ist meist unproblematisch – wenn auch nicht immer billig. Faustregel: Ein Vertragswechsel innerhalb eines Konzerns ist häufig günstiger zu haben als ein Umzug zu einem neuen Anbieter. Für Wechselwillige gilt es einiges zu bedenken: Sie müssen sich nicht nur vom alten Anbieter „freikaufen“ (je nach Vertrag in der Regel zwischen 10 und 150 Euro), sondern auch beim neuen Anbieter Abschlusskosten zahlen (Ausnahme: Banksparpläne). Fondssparer müssen zudem den richtigen Zeitpunkt für den Absprung abpassen: Die Garantie, dass sie auf jeden Fall ihren Beiträge plus die staatlichen Zulagen erhalten, erstreckt sich nur auf die Auszahlphase – davor können durchaus Verluste entstehen. 

Riester-Vertrag kündigen

Eine Kündigung sollte der letzte Ausweg bleiben, denn Riester-Sparer müssen die staatliche Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen zurückzahlen. Sie werden vom bislang gesparten Vermögen abgezogen. Die Ermittlung der Summe ist einfach, da die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen für jeden Riester-Sparer ein Konto unterhält, auf dem die staatliche Förderung festgehalten wird. Kündigen können Sparer mit einer Frist von drei Monaten zum Quartalsende.

Zulagen zurückzahlen

Sparer müssen Zulagen und Steuervorteil auch dann zurückzahlen, wenn sie das angesparte Geld nicht als Altersvorsorge nutzen, sondern für einen anderen Zweck aus dem Bank- oder Fondssparplan entnehmen (Stichwort: Schädliche Verwendung).

Riestern bei Arbeitslosigkeit und Hartz IV

Bei Arbeitslosigkeit bleibt der Anspruch auf Förderung erhalten. Selbst Arbeitslose, die aufgrund ihres Vermögens kein Arbeitslosengeld II erhalten, sind weiter unmittelbar förderberechtigt, wenn sie sich arbeitssuchend gemeldet haben.

Riester-Beiträge und gefördertes Riester-Vermögen (Einzahlungen bis 2.100 Euro im Jahr) sind pfändungssicher und werden auch nicht angetastet, wenn ein Sparer Hartz IV bezieht.

Wer im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist, profitiert bei der Riester-Rente von Freibeträgen, die seit 2018 gelten: Wurden die Riester-Renten bislang voll aufs Einkommen angerechnet, wird jetzt nur angerechnet was den Freibetrag von 208 Euro (Stand 2018) übersteigt.

Gerechnet wird so: Zunächst gilt bei Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung ein Freibetrag von 100 Euro aus zusätzlicher Altersvorsorge. Wer mehr als 100 Euro aus dieser privaten Rente bekommt, soll 30 Prozent des übersteigenden Betrags behalten können. Maximal bis zur Höchstgrenze (halber Regelbedarf; 2018: 208 Euro). Erst wer mehr als diese 208 Euro an zusätzlicher Rente kassiert, bekommt den darüber liegenden Betrag auf die Grundsicherung angerechnet. Das gilt für Betriebsrenten, private Riester-Renten, Rürup-Renten und Renten, die auf freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung beruhen.

Wechsel in die Selbstständigkeit

Wechselt ein Arbeitnehmer in die Selbstständigkeit, verliert er nicht zwangsläufig das Recht auf Zulagen und Steuervorteile. Ist er auch als Selbstständiger in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert, erhält er weiterhin die staatliche Förderung. Das trifft etwa auf Hebammen, Handwerker oder Künstler und Publizisten zu, die Mitglied in der Künstlersozialversicherung sind. Das gilt nicht für freiwillig Versicherte und Selbstständige, die anstatt in die gesetzliche Rentenversicherung in ein Versorgungswerk einzahlen (zum Beispiel Anwälte oder Ärzte).

Riestern im Studium

Einige junge Sparer wechseln nach einer Ausbildung (sozialversicherungspflichtige Tätigkeit) an die Uni. Während ihres Studiums erhalten sie keine Förderung. Der Trick: Ein Tag im Jahr mit sozialversicherungspflichtiger Arbeit reicht, um Anrecht auf die staatlichen Zulagen zu erhalten. Das dürfte sich mit einem sozialversicherungspflichtigen Ferienjob oder einem Minijob bewerkstelligen lassen.

Weitere Infos dazu auf www.minijob-zentrale.de

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