Altersteilzeit

Altersteilzeit bedeutet, die Arbeitszeit in den letzten Jahren vor der Altersrente mit geringen Einbußen bei der späteren Rente zu reduzieren. Entsprechend dem Altersteilzeitgesetz stocken Arbeitgeber das Gehalt und die Beiträge zur Rentenversicherung auf. Wie die Arbeitszeit genau verteilt wird, klären Arbeitnehmer direkt mit dem Arbeitgeber.

Ältere Handwerkerin bohrt mit einer Maschine Löcher in Holzstücke. – Bild: Mr.X - stock.adobe.com

Das Altersteilzeit-Konzept

Wer früher in Rente gehen will, kann das über Altersteilzeit realisieren. Das Konzept ist einfach: Arbeitszeit halbieren und entweder nur halb so viel wie vorher in Teilzeit arbeiten – oder die erste Hälfte der Altersteilzeit voll arbeiten und dann entsprechend früher in Rente gehen.

Wie die Arbeitszeit in dieser Zeit verteilt wird, regeln Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber. Überwiegend funktioniert das Ganze nach dem so genannten Blockmodell. Das heißt beispielsweise: Sie arbeiten drei Jahre voll und danach drei Jahre gar nicht und werden die gesamte Zeit entsprechend einer Teilzeitstelle entlohnt. Möglich ist aber auch: Sie arbeiten sechs Jahre auf einer halben Stelle, also in „echter“ Teilzeit.

Wer Anspruch hat

Anspruch haben Beschäftigte, die

  • mindestens 55 Jahre alt sind
  • noch mindestens drei Jahre bis zur Rente haben
  • innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeitarbeit mindestens 1.080 Kalendertage (3 Jahre) sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Dazu gehören auch Zeiten mit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II.

Altersteilzeitgesetz: Arbeitgeber stockt Gehalt und Rentenbeiträge auf

Da Sie bei einer Halbierung der Arbeitszeit natürlich sehr viel weniger verdienen, müssen Arbeitgeber das reduzierte Gehalt um 20 Prozent aufstocken und zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Das ist im Altersteilzeitgesetz festgelegt. Auch regeln etliche Tarifverträgen, dass in der kompletten Altersteilzeit mindestens 80 bis 85 Prozent des (früheren) Vollzeit-Nettogehalts gezahlt werden.

  • Tipp: Wie hoch Ihr Einkommen während der Altersteilzeit ist, können Sie mit unserem Altersteilzeitrechner ermitteln.

Vom Einkommen werden Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Der Aufstockungsbetrag ist steuer- und sozialabgabenfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.

Zusätzliche Rentenbeiträge

Arbeitgeber erhöhen die Rentenbeiträge auf 90 Prozent der Rentenbeiträge des Vollzeit-Entgelts. Wer in Altersteilzeit geht, muss daher nur relativ geringe Renteneinbußen hinnehmen. Grundlage für die Beiträge sind 80 Prozent des reduzierten Bruttoeinkommens – wobei der Betrag nicht höher sein darf als der Unterschied zwischen 90 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze und dem Bruttoeinkommen.

Hinzuverdienst

In vielen Tarifverträgen ist geregelt, dass Arbeitnehmer in Altersteilzeit nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen dürfen (450-Euro-Job). Wenn es keine anders lautenden Regelungen gibt, sind auch Nebenjobs mit einem höheren Einkommen zulässig.

ATZler müssen nach Ende der Altersteilzeit nicht zwingend in Rente gehen. Sie können auch weiter einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen – auch beim gleichen Arbeitgeber. Durch die Flexirente können sie auch über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten.

  • Tipp: Ob für Sie Altersteilzeit in Frage kommt, können Sie bei Ihrem Betriebsrat oder der Personalabteilung erfragen. Zur Voraussetzung gehört meist eine längere Betriebszugehörigkeit. Zudem kann in der Regel nur ein bestimmter Prozentsatz (beispielsweise 4 Prozent) der Beschäftigten eines Betriebs von der Altersteilzeit Gebrauch machen.

Arbeitszeit und Laufzeit der Altersteilzeit

Während der Altersteilzeit arbeiten Sie nur halb so viel wie in den 24 Monaten davor. Als Grundlage zählen ihre tatsächlich abgeleisteten Arbeitsstunden – unabhängig davon was im Tarif- oder Arbeitsvertrag steht. In der Regel läuft die Altersteilzeit über drei Jahre, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Arbeitnehmer eine Altersrente erhalten kann. Den Aufstockungsbeitrag und die zusätzlichen Beiträge zur Rentenversicherung müssen Arbeitgeber nur sechs Jahre lang zahlen.

Schritt für Schritt zur Altersteilzeit

Schritt für Schritt zur Altersteilzeit

Bevor Sie die Altersteilzeit in die Wege leiten, machen Sie einen Termin in einer Beratungsstelle der deutschen Rentenversicherung aus. Die Berater helfen Ihnen den Übergang in die Rente individuell zu gestalten. Dort erfahren Sie, wann Sie das Rentenalter erreicht haben, wann Sie frühestens in Rente gehen könnten und mit welchen Abschläge Sie rechnen müssen. Denn in der Regel endet die Altersteilzeit mit Erreichen der Rente. Vielleicht kann eine Kontenklärung sinnvoll sein.

Wenn Sie wissen, wann Ihre Altersteilzeit frühestens beginnen könnte, nehmen Sie Kontakt zur Personalabteilung Ihres Betriebes auf. Klären Sie mit Ihrem Chef, ob Altersteilzeit möglich ist. Vielleicht gibt es ja eine entsprechende Betriebsvereinbarung oder einen gültigen Tarifvertrag.

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihr Einkommen während einer möglichen Altersteilzeit. Dazu können Sie unseren Rechner nutzen. Wie hoch wäre ihre spätere Rente? Dazu können Sie sich an die Deutsche Rentenversicherung wenden. Dort erfahren Sie auch, ob Sie Einbußen bei der Rente durch die Zahlung freiwilliger Beiträge ausgleichen können. Stellen Sie den Einnahmen dann ihre regelmäßigen Ausgaben gegenüber. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier: Altersvorsorge richtig planen.

Wenn die Altersteilzeit auch aus finanzieller Sicht für Sie infrage kommt, können Sie sich überlegen, wie Sie ihre Arbeitszeit gestalten wollen. Möchten Sie für die Hälfte der ATZ voll arbeiten und in der anderen Hälfte gar nicht? Oder möchten Sie lieber dauerhaft weniger Stunden arbeiten?

Wenn alles geklärt ist, können Ihr Arbeitgeber und Sie die Altersteilzeit-Vereinbarung unterschreiben. Der Arbeitgeber meldet dies auch der Rentenversicherung. Einen offiziellen Antrag gibt es nicht.

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