von
Micha

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Bekannter ist 35 Jahre jung und chronisch krank. Er ist derzeit als ungelernter Arbeiter beschäftigt (vollzeit) Verdienst: ca. 30 000,00 Euro Brutto / jährlich

Er ist derzeit nicht krank geschrieben.

Aufgrund gesundheitlicher Probleme spielt er jedoch mit dem Gedanken demnächst bei seinem RV-Träger Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Wegen der Vorerkrankung ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich.

Laut Auskunft der DRV würde seine Rente wegen voller Erwerbsminderung ca. 700,00 Euro netto betragen. Bei teilweiser Erwerbsminderung ca. 350,00 Euro netto.

Fragen:

1) Würde es sich für ihn lohnen freiwillige Beiträge in Höhe von insgesamt 12537,00 Euro für seine Schulzeit zwischen 16 und 17 an die DRV zu überweisen oder würden sie eher davon abraten?

2) Um wieviel Euro würde sich durch diese Zahlung seine Erwerbsminderungsrente e t w a erhöhen?

3)Was sollte man noch alles in diesem Zusammenhang beachten?

Für Ihre Tipps / Hilfe möchte ich mich im voraus bedanken

MfG

von
Schiko.

Nicht so ohne weiteres können sie als rentenversicherungs –
pflichtiger freiwillige beiträge leisten.

Für die auffüllung für nicht mehr anrechnungsberechtigte
schulzeiten, auch für abschläge wegen vorzeitigen renten-
bezug ist dies möglich.

Eine fachauskunft bei der deutschen rentenversicherung er-
scheint hier zweckmäßig.

Weis nicht warum sie gerade als nachzahlungsbetrag 12.537
euro nennen, will aber eine antwort geben.

Bei derzeit 29.488 vorläufig angenommenen durchschnitts-
verdienst errechnet sich bei 19,90% geltenden gesamtbeitrag
ein beitragsaufwand von 5.868 €.und 26,13 rentenzuwachs
fürs jahr.
Demnach für 12.537 beitragsaufwand 55,83 rentenzuwachs,
trotz fasching ist dies eine ernstgemeinte ausrechnung.

Alles andere müssen sie selbst entscheiden.

Meine natürlich nicht sie,
sondern den betroffenen.

Mit freundlichen Grüßen.

von
bekiss

Besonders zu Pos. 3 ist zu beachten, dass man nicht zu vorschnell stirbt! ;-))

Eine solche Zahlung lohnt sich nämlich nur bei zeitnahem und langjährigem Rentenbezug, wie die Rechnung von "Schiko" schon nahelegt. Die 55,83 EUR Rentenzuwachs von "Schiko" zugrunde gelegt, müsste die Bezugsdauer bei sofortigem Rentenbeginn fast 19 Jahre dauern, bis ein Gewinn aus diesen Beiträgen entsteht. Natürlich könnte die Rente steigen, momentan würde ich darauf aber nicht wetten.

Da sehe ich doch deutliche Vorteile bei anderen Anlageformen, bei denen man die Zinsen verwenden oder wieder anlegen kann und wenigstens die lachenden Erben sich im Ernstfall noch freuen (oder streiten) können.

von
Michael1971

So einfach, wie Schiko und bekiss darstellen, ist es leider nicht.

Da die Nachzahlung für die Zeit zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr erfolgt, hat dies erhebliche Auswirkungen auf die sog. Gesamtleistungsbewertung. Die Höhe einer Erwerbsminderungsrente mit Beginn im Alter von 35 Jahren wird überwiegend durch die Bewertung der Zurechnungszeit bestimmt. Werden also Beiträge gezahlt, die den Gesamtleistungswert drücken ist dies sogar ein Verlustgeschäft. Werden allerdings Beiträge gezahlt, die den Gesamtleistungswert erhöhen, ergibt sich eine weit höhere Rentensteigerung als allein die Beiträge wert sind. Hier ist eine Probeberechnung vor Ort mit und ohne freiwillige Beiträge unumgänglich.

Anzumerken ist noch, dass freiwillige Beiträge, die nach Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt werden (egal ob der zu belegende Zeitraum vor der EM liegt) bei der Berechnung dieser Rente nicht mitzählen (§ 75 SGB VI).

von Experte/in Experten-Antwort

Versicherte können freiwillige Beiträge für Zeiten einer schulischen Ausbildung nach dem vollendeten 16. Lebensjahr, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, nachzahlen , sofern diese Zeiten nicht bereits mit Beiträgen belegt sind (§ 207 Abs. 1 SGB VI).
Bezüglich der Auswirkungen der freiwilligen Beiträge auf die Rentenhöhe usw. ist jedoch eine individuelle Beratung erforderlich. Ihr Bekannter sollte sich bei dem für ihn zuständigen Träger der Deutschen Rentenversicherung ausführlich beraten lassen.

Mit freundlichen Grüßen