von
Anna

Hallo,

habe gerade hier im Forum gestöbert und dabei einen Hinweis auf $207 SGB VI gestoßen. Ich habe seit meinem 18. Lebensjahr MS und mir ging es in den ersten Jahren während des Studiums psychisch sehr schlecht, weswegen sich das Studium sehr lange hingezogen hat und ich die anrechendbare Schul- und Studienzeit um 3 Jahre überzogen und in meinem Versicherungsverlauf jetzt 3 Jahre "Hochschulausbildun Höchstdauer überschritten" stehen.

Da ich schon während der Schulzeit MS bekommen habe, konnte ich keine BU abschließen. Und da ich realtiv spät zu arbeiten angefangen habe, wäre meine gesetzliche EM-Rente auch relativ gering (820EUR volle EM).

Als ich den Hinweis auf diesen $207 gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht für die Zeiten meines Studiums doch noch freiwillig nachzahlen könnte? Ich weiß, das lohnt sich normalerweise nicht (Ich würde das auch vorher bei der DRV ausrechnen lassen). Aber bei MS ist das Eintreten einer EM doch relativ wahrscheinlich und durch die Zurechnungszeit werden die Einzahlungen ja sozusagen stärker "gewichtet". Deswegen denke ich mir, in meinem sehr speziellen Fall, könnte es vielleicht doch sinnvoll sein.

Würde mich über Meinungen und fachkundige Antworten freuen.

Danke,
Anna

§ 207
Nachzahlung für Ausbildungszeiten

(1) Für Zeiten einer schulischen Ausbildung nach dem vollendeten 16. Lebensjahr, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, können Versicherte auf Antrag freiwillige Beiträge nachzahlen, sofern diese Zeiten nicht bereits mit Beiträgen belegt sind.

(2) Der Antrag kann nur bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres gestellt werden. Bis zum 31. Dezember 2004 kann der Antrag auch nach Vollendung des 45. Lebensjahres gestellt werden. Personen, die aus einer Beschäftigung ausscheiden, in der sie versicherungsfrei waren und für die sie nachversichert werden, sowie Personen, die aus einer Beschäftigung ausscheiden, in der sie von der Versicherungspflicht befreit waren, können den Antrag auch innerhalb von sechs Monaten nach Durchführung der Nachversicherung oder nach Wegfall der Befreiung stellen. Die Träger der Rentenversicherung können Teilzahlungen bis zu einem Zeitraum von fünf Jahren zulassen.

(3) Sind Zeiten einer schulischen Ausbildung, für die Beiträge nachgezahlt worden sind, als Anrechnungszeiten zu bewerten, kann sich der Versicherte die Beiträge erstatten lassen. § 210 Abs. 5 gilt entsprechend.

von
Anna

Hallo,

dann hätte ich gleich noch eine Frage zu den Thema: Kann man öfters ein paar Monate nachzahlen oder kann man nur einmal einen Betrag X nachzahlen. Denn die Beiträge kann man ja sicher von der Steuer absetzen und da wäre es ja sicher besser, etwas zu "stückeln".

Danke,
Anna

von
Agnes

Hallo Anna,
zunächst zu Ihrer Ergänzungsfrage:
Sie können einen Antrag mehrfach stellen, wenn und solange Sie das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Sie können aber auch einen Antrag auf Teilzahlung stellen (siehe Gesetzestext). Damit können Sie erreichen, dass sogar Teilzahlungen noch nach dem 45. Lebensjahr geleistet werden können.
Nur bedenken Sie, dass zwischenzeitlich die volle Erwerbsminderung eintreten könnte und danach geleistete Beiträge nur für eine Altersrente angerechnet werden können.
Zur Frage der Auswirkungen auf die Rentenhöhe ist es tatsächlich zweckmäßig zunächst eine Probeberechnung bei der DRV anzufordern.
Wie Sie richtig erkannt haben hat die Nachzahlung erhebliche Auswirkungen für die Bewertung u.a. der Zurechnungszeit.
Die beitragsfreien Zeiten werden mit einem Gesamtleistungswert berücksichtigt. Der Gesamtleistungwert ergibt sich im Prinzip aus dem Duchschnitt der geleisteten Beiträgen.
Werden niedrige Beiträge nachgezahlt sinkt dieser Durchschnitt mit der Folge, dass sich nur eine geringe Rentensteigerung, im extrem Fall sogar eine Rentenminderung ergeben kann.
Die Höhe des Nachzahlungsbeitrages sollte daher mindestens in Höhe des bisherigen Beitragsniveaus, besser noch höher, erfolgen.
Abhängig von Ihren finanzielllen Möglichkeiten sollten im Zweifel nur für wenige Monate und dafür hohe Beiträge anstelle von vielen Monaten und nur niedrige Beiträge gezahlt werden

Agnes

von
Anna

Hallo Agnes,

danke für die Info. Ich sehe, ich habe das grundsätzlich schon richtig verstanden. Aber Ihrer Aussage "Die Höhe des Nachzahlungsbeitrages sollte daher mindestens in Höhe des bisherigen Beitragsniveaus, besser noch höher, erfolgen." kann ich nicht ganz folgen. Ich gehe davon aus, dass die Einzahlungen höher sein müssen als der bisherige Durchschnitt, sonst bringt es doch nichts, oder?

Grüße,
Anna

von
Agnes

Hallo Anna,
Nachzahlungsbeiträge in Höhe des bisherigen Beitragsniveaus bringen natürlich eine Steigerung der Rentenhöhe, bewirken aber nicht eine Erhöhung des Gesamtleistungswertes.
Ihre Zielvorstellungen sind aber eine Erhöhung des Gesamtleistungswertes um die Zurechnungszeit höher zu bewerten.
Deshalb ja auch meine Äußerung >>besser noch höher<<.
Höchstbeiträge wären natürlich optimal (wenn es die finanziellen Möglichkeiten erlauben).

mfg
Agnes

Experten-Antwort

Hallo Anna,

sofern Sie das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind Sie grundsätzlich berechtigt, Nachzahlungen nach § 207 SGB VI zu tätigen. Diese Nachzahlungen sind auch in Teilbeträgen möglich. Die mtl. Höhe der Beiträge sollte nach individueller Beratung und ggf. Probeberechnung durch den Rentenversicherungsträger endgültig festgelegt werden. Ob eine Nachzahlung von Beiträgen rentabel ist, kann ohne genaue Einzelfallprüfung von hier aus nicht geklärt werden. Es kann z.B. passieren, dass durch die Entrichtung des Mindestbeitrages der Gesamtleistungswert geringer ausfallen kann. Auch sollte bei Bestehen einer Zusatzversicherung, z.B. einer Betriebsrente abgeklärt werden, ob sich durch eventuelle Erhöhung der gesetzlichen Rente nicht dort eine Minderung ergibt.

von
Haris

Hallo,
ich habe hier einen Beitrag von Ana gelesen und bin am grübeln und frage mich wieso meine Rente so gering ausfällt.
Ich habe 5 Jahre lang Rentenbeiträge bezahlt und bin durch einen Arbeitsunfall voll erwrbsgemindert.Nun meine Rente laut Rentenauskunft beträgt 144 Euro.Wenn ich Anas beitrag lese frage ich mich wie sie eine Rente von 820 Euro haben kann und dafür nicht mal 5 Jahre lang gearbeitet zu haben.