von
Marlies

Vielen Dank für die Antworten, ich habe mich sehr gefreut. Nun habe ich noch eine Frage. Die 58 Regelung zu den alten Bedingungen läuft Ende 2007 aus. Was hat sich in der 58 Regelung 2008 geändert? Ich habe von einer Kollegin gehört, dass ab 2008 gilt: Ältere Arbeitslose können von den Ämter aus dem Bezug von Arbeitslosengeld II ausgesteuert werde. Denn alle anderen sozialen Leistungen, die die Hilfeempfänger in Anspruch nehmen könnten (Rente mit Abschlägen), sind gegenüber dem Arbeitslosengeld II vorrangig. Die Ämter haben nach Paragraf 5 Absatz 3 (?) des zweiten Sozialgesetzbuchs sogar das Recht, selbst für die Betroffenen einen Rentenantrag zu stellen. Ist man dann den Arbeitsämtern ausgliefert? Heißt das, wenn das Arbeitsamt will, muss man mit Abschlägen in Rente gehen und nicht wenn ich es will? Ist das richtig?

von
Neugieriger

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von
Amadé

Das Leben für Langzeitarbeitslose ist meistens hart, aber nach dem 31.12.2007 auch noch zunehmend ungerecht.

Marlies hat mir eigentlich schon die Arbeit abgenommen und die Fragen sich selbst beantwortet.

Wer erst nach dem 31.12. 2007 sein 58. Lebensjahr vollendet und bereits von Langzeitarbeitslosigkeit bzw. Hartz IV betroffen ist, ist zumindest in Hinblick auf die Gesetzliche Rente bös dran.

Es ist zutreffend, dass dieser Personenkreis aufgrund des Nachranges der Hartz IV-Leistung gegenüber allen anderen Sozialleistungen, wozu eben auch Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung gehören, dazu gezwungen wird, jedwede Altersrente vom frühestmöglichen Zeitpunkt an in Anspruch zu nehmen und dies ohne Rücksicht auf noch so hohe Abschläge.

Die Rentenerhöhung und damit verbunden die Erhöhung der Rentenanwartschaften fällt dieses Jahr zwar “sensationell hoch” aus, reicht aber bei weitem nicht aus, um auch nur annähernd sowohl die (bevorstehenden) Beitragssatzerhöhungen bei Kranken- und Pflegeversicherung als auch die Geldentwertung einigermaßen wett zu machen.

Eines ist sicher, nicht die Rente, sondern dass es wahrscheinlich nie mehr Rentenerhöhungen gibt, die auch nur annähernd die laufende Geldentwertung ausgleichen können. Lassen wir zu diesem Thema einen anderen sprechen, der es viel besser kann als ich:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=53848&dekade=6

Warum der Ausflug zu den Rentenerhöhungen?

Einfach deshalb, weil es sich immer klarer abzeichnet, dass der Personenkreis derjenigen, die nach dem 31.12.2007 dauerhaft auf Sozialhilfeniveau leben müssen, immer größer wird. So circa ab dem Jahr 2010 nimmt dann der Sozialhilfezug so richtig Fahrt auf, weil ab diesem Zeitpunkt das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfänger bedrohlich zu kippen beginnt. Da hilft leider weder Optimismus noch Gesundbeten. Keine Sorge!

Beamte, Abgeordnete und Berufspolitiker werden nicht in das System der Gesetzlichen Rentenversicherung aufgenommen, um dieses zu stabilisieren oder die Auswirkungen am eigenen Leibe zu erfahren.

Die über Jahrzehnte erworbenen Rentenanwartschaften werden durch die exorbitant hohen Abschläge schlicht und ergreifend entwertet. Das bisschen Riester - unabhängig davon, ob in der Leistungsphase der Verträge nun Hartz IV-Sicherheit besteht oder nicht, wird es mit Sicherheit nicht richten können.

Ist die viel gepriesene Grundsicherung für Alle der Rettungsanker?

Täusche sich niemand! Die Regelsätze sind an den Faktor gekoppelt, der für die Erhöhung der Gesetzlichen Renten maßgebend ist.

Ein alleinstehender Hartz IV-Empfänger kann sich ab dem 01.07. 2007 also auf die “satte” Erhöhung seines Regelsatzes in Höhe von 345 Euro um sage und schreibe 0,54 vom Hundert freuen. Das Regelsatzsystem wird vom Gesetzgeber für so elastisch angesehen, dass es anscheinend exorbitante Mehrwertsteuererhöhungen und die laufende Geldentwertung über Jahre ohne jedwede Anpassung einfach abfedern kann.

Wer sich schon mal einstimmen mag auf ein Leben mit “Hartz”, der lese die neuesten Nachrichten in

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/

oder kann hier ablesen, was man alles von seinem Regelsatz bezahlen soll !!!

http://www.hartz-iv-eiskalt.de/regelsatz_2007.htm

Zum Abschluss etwas optimistisches!

Es zeichnet sich ab, dass die Abschläge bei 0,3 % je Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme nicht auf 0,4 oder 0,5 erhöht werden. Dafür wird künftig aber fleißig noch an der Schraube der Verlängerung der Lebensarbeitszeit gedreht werden. Das hilft gegen Demenz (Schäuble!).

Wer nachlesen möchte, was im § 5 (3) SGB II drinsteht, mag es tun

http://www.rententips.de/gesetze/02/index.php?norm_ID=0200500

Übrigens: Viel Spaß beim “Vorsorgen” auf den Baustellen: Gesetzliche Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Staatsverschuldung usw. Vielleicht gibt es ja auch bald “herrliche” Zulagen bei Kranken- und Pflegeversicherung? Dann wird sicher alles gut.

Konjunkturzyklen haben es so an sich, dass sie nicht immer auf “Hoch” stehen.

Keiner soll sich jedoch ob der obigen “frohen” Kunde einen Strick nehmen!

Um glücklich zu sein muss man nicht reisen, braucht man kein Auto, braucht auch keinen Flachbildschirm, Photo-Handy usw.

Der Herr spricht in seiner Bergpredigt: “…wenn ihr Nahrung, Kleidung und Obdach habt, so ist´s genug…”

von
Papst Benedikt

AMEN !

Ich bin unverbesserlich und hoffe trotzdem noch auf bessere Zeiten !
In ein paar Jahren wissen wir mehr............

von
Peter Hartz & Genossen

Langzeitarbeitslose und von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Menschen werden nach dem 31.12.2007 gleich mehrfach abgestraft:

1. Rabiate Abschmelzung der erarbeiteten Rentenanwartschaften durch den Zwang in die frühestmögliche Altersrente MIT lebenslangen Abschlägen notfalls mittels § 5 (3) SGB II.

2. Entwertung der Rentenanwartschaften durch Inflationsverzehr und zu erwartender Beitragsexplosion in der Kranken- und Pflegeversicherung durch das Ausbleiben werterhaltender Rentenanpassungen auf nicht absehbare Zeit.

3. Durch Minibeiträge zur Rentenversicherung ab 01.01.2007 werden keine nennenswerten Steigerungen der Rentenanwartschaften mehr erzielt. Ganz im Gegenteil. Bei drohender Erwerbsminderung sinkt der Wert einer zu gewährenden Zurechnungszeit gefährlich ab.

4. Rentenkürzung durch das Hinausschieben der Altersgrenzen (immer hübsch an Schäuble denken!)

Eine Chance, diesen GAU durch Vorsorge abzuwenden, ist nur minimal.

Folge für Viele:

Einmal Hartz im Alter ab ca. 50, gleich für immer verhartzt bzw. vergrund(un)sichert.

von
Amadé

Eure päpstliche Hoheit,

ich empfehle das Studium des 24. Kapitel des Matthäusevangeliums!

http://www.bibel-online.de

Der 13. Vers lautet:

“Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.“

von
Lisa

Guten Morgen,
bin 59j. bei der A.Agentur wegen Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug gemeldet. Soll nun diese 58Regelung unterzeichnen. Möchte zunächst wissen ob diese Zeiten für mich rentenrechtl. von Bedeutung sind.
Wenn ich nicht unterzeichne wurden mir monatl.Einbestellungen in die Agentur in Aussicht gestellt. Ca 50km Fahrt auf eigene Kosten.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Lisa,
ob Sie nun diese Erkärung unterzeichnen oder nicht macht rentenrechtlich keinen Unterschied.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Marlies,
die Auswirkungen der Neugestaltung der 58.-Regelung sollten Sie bei Ihrer Agentur für Arbeit erfragen.

von
Papst Benedikt

Auch ein noch so gebildeter "Amadé" kann nicht in die Zukunft schauen. Wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages ein Märchen, das so anfängt: "Es war einmal ein herzensguter Mann, der sich Amadé nannte und permanent den Untergang unseres Rentensystems predigte, was natürlich total übertrieben war........."

In ein paar Jahren wissen wir mehr !