von
Jürgen

Ich habe da ein Problem. Meine Mutter bezieht eine Regelaltersrente (77 Jahre alt). Nun ist mein Vater verstorben und sie erhält nun eine Witwenrente. So weit, so gut. Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, das ihre Altersrente auf die Witwenrente als Einkommen angerechnet wird. Desgleichen das von beiden Renten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge einbehalten werden. Ein Toter wird ja nun nicht mehr zum Arzt gehen, oder gepflegt werden müssen.
Bin für jeden Hinweis, der mir die Sache verständlich macht, dankbar.

Jürgen

von
Karl-Heinrich

Die Witwenrente ist ja nicht die Rente Ihres verstorbenen Vaters sondern die Ihrer Mutter, welche ja auch zum Arzt geht. Die Tatsache, dass sie zwei Renten erhält, ist ohne Bedeutung. Die Krankenkassenbeiträge werden auf die Rente(n) erhoben, die SIE erhält. Man könnte ja genauso die beiden Renten in einer Summe auszahlen, da sie beide quasi aus dem gleichen Topf kommen. Wer zwei Jobs hat bezahlt auch auf beide die Beiträge und nicht nur auf einen.

Die Anrechnung der Rente erfolgt nach § 97 SGB VI, da die Witwenrente Unterhaltsersatz darstellt, soweit sie diesen aus Ihrer eigenen Rente nicht bestreiten kann.

Experten-Antwort

Den Ausführungen von Karl-Heinrich kann dem Grunde nach zugestimmt werden.

von
Jürgen

Danke. Wenn ich es zwar verstehe, aber nicht begreife. Da meine Mutter mehr verdient hat, als mein Vater --> daher höhere Rente, wird sie im nachhinein dafür bestraft. Sie liegt über den, wie auch immer zu begründenden "Freibetrag" und daher kommt es zum Abzug bei der Witwenrente...
Jürgen

von
pro-fess-or

Seit wann ist man bestraft, wenn man ein Leben lang mehr verdient hat? Man ist dann doch nicht in vollem Umfang auf den Unterhaltsersatz aus der Versicherung des/der Verstorbenen angewiesen sondern kann sich selbst mit seiner Rente unterhalten.

von
Jürgen

Ganz einfach. Gegenüber Anderen, die, warum auch immer, weniger verdient haben, ist man insofern gestraft, dass alles, was über den Freibetrag hinaus geht, von der Rente abgezogen wird. In meinem Fall stehen 46 AJ (Mutter) 35 AJ (Nachbarin) gegenüber. Diese aber nun 150 € mehr Rente (Alters + Witwenrente) bekommt. Das vermittle mal jemanden.
Jürgen

von
Schiko.

Es ist schon richtig dass ein toter nicht mehr zum
arzt braucht.

Aber, auch ein lebender, der nie zum arzt geht muß
beitrag zahlen.
Ein toter braucht auch keine rente mehr. Viele be-
mängeln dass für den toten krankenversicherung auf-
zubringen ist, sind aber froh, dass sie von der rente des
verstorbenen in der regel 60%, erhalten.
Deswegen ist auch beitrag auf diese rentenart fällig.

Es führen ja nur ? 40 % des anrechnungspflichtigen
teiles der eigenen nettorente zur kürzung der witwenrente.

800,00 eigene nettorente
024,00 3 % zinsausgleich
693,83 anrechnungsfrei ( alte länder)
082,17 mit 40% anrechnungspflichtig. Die brutto
rente wird um 32, 87 euro gekürzt.

Mit freundlichen Grüßen.

von
Jürgen

Hallo Schiko,
ist ja im Großen und Ganzen richtig. Nur "neue Länder" --> weniger Einkommen --> geringere Rente und komischer Weise --> geringerer Freibetrag
--> noch geringere Rente.
880 € eigene Rente
609 € anrechnungsfrei
100 € Kürzung der Witwenrente

Soll kein Jammern sein, aber Gerechtigkeit ist was Anderes.

Mit freundlichen Grüßen

von
Schiko.

Maßgebend für die berechnung sind die jeweiligen
rentenwerte.
Es gelten für uns hier euro 26,27 rentenwert für
1 EP. (Entgeltpunkt) für sie 23,09 je EP.
Immer aber mal das 26.4 fache sind eben 693,53
bzw. 609,58.
Hoffe ja, dass mal die entgeltpunkte gleich hoch sein
werden.
Die erwähnten 3 % werden scheinbar erst berücksich-
tigt wenn neuberechnung der eigenen rente anstehen würde.

Mit freundlichen Grüßen.

von
Kurt

Hallo Schiko,
was bedeutet "3% Zinsausgleich"

von
Schiko.,

Habe soeben den rentenbescheid eines freundes gefunden.
Der neue bescheid wurde notwendig, da die frau ver-
starb und witwerrente zu beantragen war.
Das von mir gebrauchte wort" Zinsausgleich " ist falsch,
entschuldigung, 3% steuerentlastung muß es heißen.

Lese folgende zahlen des neuen rentenbescheides;

Monatlicher zahlbetrag 1.243,39 EUR
abzüglich 3 % Steuerentlastung 37,30 EUR
zu berücksichtigende Rente 1.206,09 EUR

Die rente ist bereits um den beitragsanteil
zur krankenversicherung vermindert

minus 26,27 EUR x 26,4 693,53 EUR

Das einkommen übersteigt den freibetrag um 512,56 EUR

hiervon sind 40 % = 205,02 anzurechendes
einkommen ab 1.7.07.

Mit freundlichen Grüßen.

Experten-Antwort

Ich möchte gerne mit einer recht theoretischen Betrachtung des Produktes Rentenversicherung zur Diskussion beitragen:

Mit Ihrem Beitrag sichern Sie sich und Ihre nahen Angehörigen (Ehepartner und Kinder) in der gesetzlichen Rentenversicherung mit einer Leibrente gegen die Lebensrisiken Langlebigkeit, Invalidität und Tod ab. Die Berechnung der Rente hängt dabei von den im gesamten Erwerbsleben entrichteten Beiträgen ab.
Die Beitragsanteile für den Todesfall sichern die Hinterbliebenenrente nur in so weit ab, wie sich die Hinterbliebenen nicht selbst unterhalten können. Dies wird durch die Einkommensanrechnung realisiert.
Beide Berechnungen sind immer auf den Einzelfall zu beziehen. Allgemeine Vergleiche sind wegen der Unterschiedlichkeit der Erwerbsbiografien nicht möglich (Manche Leute rechnen hier auch die Betriebsrente oder andere private Einnahmen dazu, dadurch wird ein Vergleich noch schwieriger).

Gegenüber der Krankenkasse zählt für die Beitragsberechnung die Summe aller Renteneinnahmen, die jemand bezieht. Also auch die Hinterbliebenenrente.

von
FR

Gilt letztere Aussage auch für eine Witwen(r)rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung?

Experten-Antwort

Für eine Witwen-/Witwerrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung fallen keine Beiträge zur Krankenversicherung an.

von
FR

Ich hoffe, nicht zu nerven: Gilt das auch, wenn man freiwillig in einer gesetzl. Krankenkasse versichert ist und außerdem Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit bezieht? Wenn ja, mit welchen Paragraphen kann ich meinen Einspruch gegen eine entsprechende Berechnung der KK untermauern?

Experten-Antwort

Ich vermute Ihnen geht es um Ihren monatlichen Beitrag als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung und weniger um die Frage der Versicherungspflicht. Sie müssen daher die Frage unterscheiden, ob Sie aufgrund des § 5 Abs.1 Nr. 11 SGB V i.V.m. § 5 Abs.2 S.2 SGB V der Krankenversicherungspflicht unterliegen von der Frage, welche Beitragspflichtigen Einnahmen bei freiwilligen Mitgliedern im Rahmen des § 240 Abs.1 SGB V zu berücksichtigen sind. Hiernach ist die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des freiwilligen Mitgliedes zu berücksichtigen. Daher hat Ihre Krankenkasse die Unfallrente oder Unfallhinterbliebenenrente bei der Beitragshöhe, als beitragspflichtiges Einkommen mitberücksichtigt.

von
FR

Vielen Dank, so ist es exakt. Leider hat meine KK wirklich in diesem Jahr erstmals auch die Unfallhinterbliebenenrente für die Berechnung des freiwilligen Beitrages herangezogen. Im Vergleich zu pflichtversicherten Arbeitnehmern empfinde ich das als ungerecht, aber was ist schon wirklich gerecht?