von
Apothekerin

Hallo ich werde am 01.05.2010 als angestellte APO anfangen zu arbeiten. Nunmehr kann ich mich entscheiden, ob ich der gesetzlichen Rente oder der Kammerversorgung beitreten werde. So weit ich verstanden habe, werden Schul-, Studien- und Kindererziehungszeiten nur in der gesetzlichen Kasse angerechnet. Wäre es in diesem Falle "cleverer", nicht in die Kammerversorgung zu gehen? Auch scheint die Zukunft der Versorgungskasse finanziell nicht gesetzlich/staatlich abgesichert zu sein.

von
whisky

Es ist richtig, dass die Ausbildungszeiten und Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen RV anerkannt werden. Für einen Rentenanspruch benötigen Sie später mindestens 60 Kalendermonate Beitragszeiten, zu denen allerdings nicht die Anrechnungszeiten wegen Schul-und Hochschulausbildung zählen. Es müssen Beitragszeiten sein, zu denen auch Kindererziehungszeiten (3 Jahre pro Kind) rechnen.
In der Regel müssen Sie in die Kammer eintreten. Dann wäre eine Befreiung in der gesetzlichen Rentenversicherung sinnvoll, damit Sie nicht doppelt Beiträge zahlen müssen. Die Befreiung gilt dann aber nur für die Tätigkeit als Apothekerin. Wenn Sie aber befreit sind und im Rentenalter keine 5 Jahre Beitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung hätten, hätten Sie dann auch keinen Rentenanspruch. Eine freiwillige Beitragszahlung zur Aufstockung auf die 5 Jahre ist nach der Befreiung nicht mehr möglich. Die Kindererziehungszeiten würden dann im Rentenalter verfallen.
Aber schon bei 2 Kindern bestünde ein Rentenanspruch, weil Sie dann auf 6 Jahre Beitragszeiten kämen.
Die staatliche Rente kann man als sicher ansehen, nur nicht die Höhe der Rentenansprüche. Man kann schon - auch auf Grund des sinkenden Geburtenniveaus - mit einem sinkendem Rentenniveau rechnen. Die Mitgliedschaft in der Kammer ist berufsbezogen. Es werden hier in der Regel auch höhere Beiträge gezahlt. Somit sind die Leistungen in der Kammer auch oft höher. Wie sicher die Leistungen der Kammer sind, kann niemand voraussagen. Sie müssten sich dort erkundigen, welche Leistungen im Alter, bei Erwerbsminderung und im Todesfall gezahlt werden. Außerdem empfehle ich Ihnen eine Beratung in einer Auskunfts-und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung.

Experten-Antwort

Hallo Apothekerin,

zuerst einmal sollten Sie über die berufsständische Versorgungseinrichtung klären lassen, ob für Sie über ein "Wahlrecht" besteht. Soweit uns bekannt ist, handelt es sich um eine Versicherungspflicht in der berufsständischen Versorgungseinrichtung.
Als angestellte Apothekerin sind Sie dann aber auch in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig. Sie haben jedoch die Möglichkeit eine Befreiung in der gesetzlichen Rentenversicherung zu beantragen, um eine Doppelversicherung auszuschließen.

Schulische Ausbildungszeiten sind nach Vollendung des 17. Lebensjahres bis zu einer Höchstdauer von bis zu acht Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigungsfähig. Es handelt sich hierbei um beitragsfreie Anrechnungszeiten.

Kindererziehungszeiten sind aufgrund der neuen Rechtsprechung auch bei Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit sind und bei einer berufsständischen Versorgungseinrichtung versichert sind, in der gesetzlichen Rentenversicherung anrechenbar. Dies gilt, sofern die Kindererziehungszeiten bei der berufsständischen Versorgungseinrichtung nicht gleichermaßen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt werden.
Bei den Kindererziehungszeiten handelt es sich um Beitragszeiten.

Um in der gesetzlichen Rentenversicherung einen Rentenanspruch zu verwirklichen, wird die Erfüllung der allgemeinen Wartezeit (Mindestversicherungszeit) von fünf Jahren mit Beitragszeiten benötigt.

Sollte bei Erreichen der Regelaltersgrenze dieser Anspruch noch nicht erfüllt sein, haben Personen, die Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt bekommen haben, die Möglichkeit, die fehlenden Beitragsmonate gem § 208 Sozialgesetzbuch VI nachzuzahlen und somit den Anspruch zu erwerben.