von
Stef

Liebe Leser,

ich möchte Ihnen meine Riester-Geschichte erzählen und Sie um Ihre Meinung fragen, wie ich am besten weiter verfahren sollte.

Ich habe während meiner Ausbildung einen Riestervertrag bei einer Direktversicherung abgeschlossen und einen niedrigen zweistelligen Eurobetrag pro Monat eingezahlt. Nach Ende der Ausbildung habe ich die Zahlung etwas erhöht, um die maximale Förderung zu erhalten. Die jährlichen Kontoauszüge zzgl. der Steuerrückzahlung für das jeweilige Jahr stimmten mich recht zuversichtlich.

Eines Tages rief mich ein Herr der Beratungsgesellschaft meiner Bank an, um meine Finanz- und Vorsorgelage durchzusprechen. Er ging auch auf meinen Riestervertrag ein:

Er zeige mir, dass mein bisheriger Anbieter relative hohe Verwaltungskosten ansetze und schlug mir einen besseren Versicherer vor. Weniger Verwaltungskosten, mehr Rente. Er belegte es mit allgemeinen Zahlen und Fakten für einen Neuvertrag in beiden Gesellschaften und ich stimmte einem Wechsel prinzipiell zu. In meinen bestehenden Vertrag war geregelt, dass eine Übertragung der Anwartschaften ohne Kosten möglich sei, also war auch dies keine Hürde.

Nach Abschluss bei der neuen Gesellschaft war es zunächst aufgrund von Prozess oder IT-Schwierigkeiten nicht möglich, meine Anwartschaften direkt einzubuchen, dies gelang erst nach einigen Monaten. Da ich den bisherigen Vertrag dazu ruhen lassen konnte - ohne große Kosten - war das auch noch akzeptabel.

Beim ersten Jahreskontoauszug kam die Enttäuschung: über 400 EUR Vertriebs- und Verwaltungskosten - zu allem Überfluss laut AGB auch noch über mindestens 5 Jahre abgeschrieben, d.h. mehr als 2.000 EUR!

Nicht nur hatte die mir der Berater völlig verschwiegen, sie waren ebenfalls nirgendwo in meinem Vertrag ausgewiesen (Abschluss Ende 2007) und zu guter Letzt ist auch der vom Berater aufgezeigte "Business Case" nicht mehr positiv, rechnet man diese Kosten mit Verlust durch Zinseszins.

Ich habe daraufhin mit der Versicherungsgesellschaft Kontakt aufgenommen, die sich allerdings etwas prasselig anstellte - ja, diese Beanstandeten Kosten seien tatsächlich Vertriebskosten - nach Schriftverkehr war ich also so schlau wie vorher. Telefonate wurden mit Verweis auf die Beratung abgewiesen.

Mit der Beratung habe ich noch nicht Rücksprache gehalten. Es scheint mir bei erlebtem Gebaren auch eher zwecklos.

Was sollte ich als nächstes tun? Den Rechtsweg beschreiten? Zumindest habe ich einen Rechtsschutz bei einer anderen Gesellschaft ;-)

Mit Spannung erwarte ich Ihre Antworten.

Stef

von
no

"Was sollte ich als nächstes tun? ..."

Erst mal ein paar EUR in eine Beratung bei der Verbraucherzentrale investieren - die können dazu sicher mehr sagen als ein Experte der DRV.

Experten-Antwort

Hallo Stef,
bei jedem Riestervertrag sind normalerweise vor Abschluß die genauen Bedingungen für den Vertrag an den Kunden mitzuteilen. Dabei sind auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten anzugeben, die bei jedem neuen Vertrag auf fünf Jahre verteilt sind ( bei den ersten Verträgen waren es 10 Jahre). Diese Angaben sind Voraussetzung für die Zertifizierung des Riestervertrags durch die Zertifizierungsstelle. Diese werden bei jedem neuen Vertrag fällig, da ja auch der Versicherungsvertreter eine Provision für den Abschluß des Vertrags erhält, die vom Kunden letztlich zu zahlen ist. Daher ist es wichtig, dass man sich vor Vertragsabschluß mehrere Angebote einholt und dann den günstigsten Vertrag wählt, da bei jedem neuen Vertragsabschluß erneut Abschlußkosten, welche auf fünf Jahre verteilt werden, anfallen und natürlich dadurch die Rendite des Riesterrentenvertrags schmälern. Ich empfehle Ihnen daher zuerst den Vertrag nochmals genau durchzulesen ob nicht aufgeführt ist, dass mit dem Vertrag Abschluß- und Verwaltungskosten fällig werden und diese auf fünf Jahre verteilt werden. Sollten diese Bedingungen aufgeführt sein, erscheint es mir wenig sinnvoll den Rechtsweg zu beschreiten.