von
Ralf

Hallo, ich habe am 01.12.2004 über meinen Betrieb eine Direktversicherung abgeschlossen. Laufzeit 26 Jahre.
Dabei werden 100,00 € monatlich direkt vom Nettolohn abgezogen und an die Versicherung überwiesen. Die Beiträge werden pauschal besteuert. Jedes Jahr bekomme ich eine Mitteilung zum Stand der Rentenversicherung. Zum 31.12.2006 beträgt die garantierte lebenslange Rentenanwartschaft monatlich 200,00 €. Die garantierte Kapitalabfindung würde zum Ende der Laufzeit, also zum 01.12.2030 40.834,00 € betragen.
Der Versicherer rechnet dann vor, dass bei einer Gesamtverzinsung des Kapitals mit bspw. 4,1 % die Kapitalabfindung 51.400,00 € betragen würde.
Mittlerweile rätsel ich, ob ich mit dieser Art der Versicherung eine gute Entscheidung getroffen habe. Mein persönlicher Steuersatz liegt bei rund 18%. Ich habe keine weiteren privaten Rentenversicherungen und überlege, ob ich diese Versicherung nicht vorzeitig kündige und auf ein Riester-Produkt umschwenke.
Wer kann mir hierzu ein paar Tips geben? Der Rückkaufswert der Versicherung liegt per 31.12.2006 bei 1.366,00 €. Eingezahlt wurden von mir per 31.12.2006 2.500,00 €.
Im Voraus vielen Dank für die Unterstützung.

von
Bernhard

Direktversicherungen (alter Bauart) sind nur sinnvoll, wenn der persönliche Grenzsteuersatz hoch ist, sollten Sie tatsächlich bei 18 % liegen (in der Spitze, nicht im Durchschnitt), wäre jedes weitere Nachdenken darüber geradezu lächerlich.

Direktversicherungen sind wie jede Kapitallebens- oder private Rentenversicherung sehr teure und für den Verbraucher meist ungünstige Produkte, das sehen Sie ja am Unterschied zwischen Beitragssumme und Rückkaufswert.

Die Umwandlung von sozialversicherungspflichtigem Entgelt verringert die Ansprüche auf gesetzliche Rente, Kranken- und Arbeitslosengeld, und stellt ein Geschenk an den Arbeitgeber dar, nämlich in Höhe des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben.

Die Auszahlungen aus einer Direktversicherung sind für gesetzlich krankenversicherte Rentner inzwischen voll beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil sind vom Rentner alleine aufzubringen).

Es war keine gute Entscheidung.

Bei einem privaten (!) Riester-Vertrag entfällt diese Sozialbeitragspflicht auf die Leistungen (bisher noch) und der Vorteil aufgrund von Zulagen ist bei niedrigem persönlichem Grenzsteuersatz weit höher als die "Steuerersparnis" einer Direktversicherung.

Aber renditemässig sind auch nach Riester zertifizierte private Rentenversicherungen äusserst bescheidene Produkte - die Kosten sind dort ebenfalls sehr hoch.

Einen höheren Rückkaufswert hätten Sie da auch nicht; jedenfalls mittelfristig gesehen (Zillmerung auf fünf Jahre verteilt).

Wie wäre es einfach mit Sparen? Frei und ungefördert, aber rentabel?

von
ERFAHRENER

Ich habe das alles "hinter" mir und rate Ihnen: Durchhalten. Die Prognosen über Gewinnbeteiligung etc. sind bei mir nicht eingetreten. Umgekehrt: Storno, Rückkauf, Neuabschluss, auch das kostet Geld. Ich hatte im Laufe von über 20 Jahren Laufzeit auch immer wieder Bedenken und bin froh, dass ich durchgehalten habe. Jetzt wurde ich auch noch von der KV-Pflicht überrascht. Egal, wer weiß, was mit den "Riester"-Produkten noch alles passiert?!

von
Ralf

Hallo Bernhard,
vielen Dank für Ihren Beitrag, der meine Befürchtungen bestätigt hat. Mein Versicherungsmensch beim Abschluss anscheinend nur an seine Provision gedacht.
Ihr letzter Satz ist interessant - haben Sie hier eine Empfehlung?
Danke im Voraus!

von
Betroffener

Ich kann Ihnen als Betroffener nur raten: Sofort kündigen, völlig uninteressant in vielen Beziehungen.
Vor allem (für mich das allerschlimmste): Bei der späteren Auszahlung wird die Krankenkasse ihre gierigen Hände aufhalten und von Ihnen den vollen Satz ( z.ZT. bekanntlich um 16 % insgesamt, d.h. 1/6 ) ) verlangen, verteilt auf 10 Jahre, unabhängig davon, ob Sie bis dahin bereits den KV-Höchstbeitrag bezahlt haben !!!!!!!!!! Neue Regelung ab 2004, Gesundheitsreform. Hätte ich das alles vor über 20 Jahren gewußt, ich hätte die DV nie abgeschlossen.

Experten-Antwort

Online kann nicht nachgeprüft werden, in welcher tatsächlichen Höhe in Ihrem Fall Abschlusskosten, Provision und Verwaltungsgebühren anfallen – gleiches gilt für die Höhe der Überschussbeteiligung etc. Bernhards Beitrag ist zwar wie immer in solchen belangen sehr lesenswert – ob dies dann alles bei Ihnen so eintrifft, sollte man aber nicht online, sondern vor Ort am konkreten Fall beurteilen.

Natürlich, wird es zur sogen. Zillmerung kommen. Darüber hinaus werden bei der Kapital/- wie monatlichen Rentenzahlung seit 2004 der volle Krankenversicherungsbeitrag fällig etc.

Inwieweit es aber Sinn macht die bereits längere Zeit laufende betriebliche AV (hier die Dierktversicherung) zu kündigen bzw. beitragsfrei zu stellen um dann mit diesem Kapital privat in ein Riester Produkt zu investieren ist die Frage.

Handelt es sich um bereits ältere Arbeitnehmer die via Riester auf Nummer sicher gehen wollen und nicht in Fondsprodukte investieren (ohnehin bitte keine Fondsbasierte Rentenversicherung via Riester, da hier zu hohe Zillmerung anfällt) sondern einen Banksparplan, sei darauf hingewiesen, dass zwar die (aufs erste) erscheinen niedrigen Verwaltungsgebühren mitsamt sicherer Verzinsung verlockend erscheinen.

Weil aber Riester-Produkte im Wesentlichen zwingend zu verrenten sind, wird bei Banksparplänen die Höhe der Rente erst zum Rentenbeginn ermittelt (etwa ab dem 60. Lebensjahr).

Eben weil eine Bank keine Versicherung ist, bedient sich diese einer Versicherung zur Verrentung des bis dato angesparten Kapitals. Die Rentenhöhe richtet sich dann nach dem Fondsguthaben , welches zuerst um die Kosten für die Rentenversicherung reduziert wird – zudem sind für diese Rentenhöhe die dann gültigen Sterbetafeln der DAV zu berücksichtigen.

Und jünger werden wir nach Meinung der Aktuare wohl nicht werden..... Ob dies alles in den von den Banken am Beginn des Sparzeitraums prognostizierten Ablaufleistungen enthaltenen ist sollte deshalb dahingehend überprüft werden....J

Was derzeit im Bereich der Pflegeversicherung – wohl zum Teil auch so nicht öffentlich geplant – passiert, ist durchaus interessant. Denn wie lange es dauern wird, bis man auch private Altersvorsorgeprodukte (etwa via Riester) der Beitragspflicht in der der KV/PV unterwirft ist danach zu urteilen nur noch eine Frage der Zeit.

Und übrigens: Die freie Kapitalanlage sollte man sich zum einen im Hinblick auf seine persönliche finanzielle Situation zum anderen im Hinblick auf die Änderungen durch die Abgeltungssteuer überlegen...

Bin hierzu aber auch gerne auf Bernhards Meinung gespannt.

MfG