von
Christl

Hallo,
ich beziehe seit 5 Jahren volle EM-Rente (bisher 2xverlängert).
Nun hat mir ein Bekannter angeboten 2 Stunden wöchentlich bei ihm zu arbeiten.
Lt. meinem Bescheid darf ich zwar 400 Euro dazuverdienen, aber ich habe nun auch schon in anderen Foren gelesen, daß die Rentenversicherung dann versucht, die Rente zu streichen, weil wenn man zwei Stunden arbeiten kann, man ja evtl auch mehr arbeiten könnte.
Ist das richtig? Wenn ja, wieso gibts dann die Hinzuverdienstgrenzen?
Für mich wäre dieser Job doch eine kleine Abwechslung und Vorbereitung auf die Zeit nach der Rente. Ich hoffe ja, daß bis zum auslaufen der jetzigen Befristung mein Gesundheitszustand so ist, daß ich wenigstens wieder einen 400Euro Job machen könnte.

Aber nun weiß ich nicht so recht, ob ich das riskieren soll, denn wegen der 80 Euro im Monat eine volle EM-Rente zu verlieren, wäre ein finanzielles Desaster.

Mit freundlichem Gruß

Christl

von
Klemens

Bei einer vollen EM-Rente können Sie - ohne wenn und aber - bis zu 400 Euro monatlich rentenunschädlich dazuverdienen. 2x pro Jahr kann diese Grenze sogar um das doppelte überschritten werden.

Im Rentenbescheid wird ja ausdrücklich auf diese Möglichkeit des Hinzuverdienstens im Rahmen der 400 Euro Regelung hingewiesen.

Zu beachten ist dabei natürlich, das die tägliche Arbeitszeit 3 Stunden nicht übersteigen darf.
Dies ist ja Voraussetzung dafür, das die volle EM-Rente überhaupt genehmigt wurde und auch weiterhin bestehen bleibt.

Stammtischparolen nachdem - bei Einhaltung dieser Regeln ! - die Rente gestrichen werden könnte entbehren jeglicher Grundlage und sind einfach nur Blödsinn !

Allenfalls bei Überschreitung dieser 3 Stundengrenze und wenn die RV davon Kenntnis erhielte, k ö n n t e seitens der RV eine Rentenüberprüfung eingeleitet werden.

Dieses Verfahren könnte dann zu dem Ergebnis der Besserung der Erwerbsfähigkeit kommen und damit z.b. zur Herabstufung in eine teilweise EM-Rente oder natürlich auch zum kompletten Entzug der EM-Rente führen.

von
Christl

Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ja, das hatte ich gehofft, daß diese Horrorgeschichten nur Blödsinn sind.

Also kann ich ganz unschädlich für die Rente versuchen die zwei Stunden wöchentlich zu arbeiten.
Das ist sehr gut.
Und das muß ich beim Rentenversicherungsträger melden? Oder ist ein Zusatzverdienst unter der 400 Euro Grenze nicht zu melden?

von
Klemens

JEDER Hinzuverdienst ist der RV unverzüglich zu melden.

von
Christl

Hallo,
jetzt muß ich doch noch berichten:
War heute bei einer Kontrolluntersuchung beim Arzt, habe dort erzählt, daß ich es mit diesem Minijob versuchen möchte.
Der hat mir ganz entsetzt abgeraten, weil er hätte schon ein paar Patienten gehabt, da kam dann kurz drauf sofort eine Überprüfung der EM-Rente und bei einem Großteil wurde sie daraufhin auch tatsächlich entzogen.
Obwohl das angeblich auch nur so kleine Nebentätigkeiten waren.
Und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß diese armen Menschen eine Wunderheilung hatten. Die hatten doch vorher die EM-Rente auch nicht aus Spaß.

Und das macht mir jetzt Angst, das ist ja nun keine "Stammtischparole". Der Mann kennt seine Patienten ja persönlich!

Ich versteh das wirklich nicht, wieso macht man sowas: erst einen 400 Euro Nebenverdienst genehmigen und dann wegen ein paar Stunden die Woche sofort erklären, daß die Menschen, die vorher voll erwerbsgemindert waren, auf einmal wieder voll erwerbsfähig sein sollen.

Mit freundlichem Gruß

Christl

von
Klemens

Dann glauben Sie doch das was ihr Arzt ihnen erzählt und nehmen eben keinen 400 Euro Job an......

Das sind sie auf der 100% sicheren Seite.

Allerdings ist es unverständlich, das man das was die Rentenversicherung schwarz auf weiß auf dem Rentenbescheid bezüglich der 400 Euro Hinzuverdienstmöglichkeiten schreibt und was gestezlich festgelegt ist , nicht glaubt...

Mehr kann man dazu nicht sagen.

Experten-Antwort

Dem Beitrag von Klemens kann grundsätzlich zugestimmt werden.
Bei Aufnahme einer Beschäftigung prüft der Rentenversicherungsträger, ob unter Berücksichtigung dieser Beschäftigung noch weiterhin volle Erwerbsminderung vorliegt. Dies ist unabhängig von der Prüfung immer dann der Fall, wenn die ausgeübte Beschäftigung unter 3 Stunden täglich erfolgt.
Ihr Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung besteht somit weiterhin.
Bitte lassen Sie sich zur –Beruhigung- vor Aufnahme Ihrer gewünschten Tätigkeit dies schriftlich von Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger bestätigen.