von
Biggi

Hallo,

ich erhalte die volle Erwerbsminderungsrente auf Dauer seit über 3 Jahren.
Jetzt habe ich festgestellt, dass die Rente nicht korrekt berechnet worden ist:

02.2011:
Hatte ich den Unfall konnte seit dem nicht mehr arbeiten.
Die KV hat mir dann ab 03.2011 Krankengeld überwiesen.

01.2012:
Habe ich die Rente beantragt (und auch bekommen). Die KV zahlte dann nicht mehr.
In die Rentenberechnung gingen meine pers. Entgeltpunkte bis zum 02.2011 mit ein.

Mein damaliger Arbeitgeber hat es einfach nicht geregelt gekommen und mir das Arbeitsentgelt immer munter weiter gezahlt (03.2011 - 11.2011).

Ich habe dann in 03.2012 mit ihm gemeinsam eine Lösung gefunden (da standen noch verschiedene variable Zahlungen aus, Weihnachtsgeld usw.):
Mein Arbeitgeber hat mich einfach weiter „beschäftigt“ gelassen von 03.2011 bis 11.2011 (obwohl ich nicht wieder arbeiten war) und damit waren alle weiteren Zahlungen an mich erledigt.

Selbstverständlich habe ich für diesen Zeitraum auch Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Und jetzt fehlen mir die pers. Entgeltpunkt von 03.2011 – 11.2011. Ich verliere damit monatlich ca. € 40 an Rente (meine Rechnung) und die täten mir ganz gut.

Fragen:
1. Kann ich die Rente einfach noch einmal neu berechnen lassen?
2. Gilt das dann ab dem 01.2012 oder ab heute?
3. Falls das rückwirkend möglich ist: Kann ich das auch erst in 10 Jahren machen?
4. Oder gilt die Erhöhung nur für die Altersrente und nicht für die Erwerbsminderungsrente?
4. Kann mir oder meinem Arbeitgeber bei der gewählten Lösung (mit der „Weiterbeschäftigung“) irgendetwas passieren? Ich denke nicht, aber das Thema ist so schon sehr kompliziert und es sind viele daran beteiligt. Ich mache in jedem Fall kein weiteres Fass auf was noch mehr nach sich zieht. Das machen meine Nerven einfach nicht mit.

Vielen Dank.

Gruss,
Biggi

von
kein Scherz

Offensichtlich sind Sie seit 02.2011 erwerbsgemindert.

Bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden für Beitragszeiten und Anrechnungszeiten, die nach Eintritt der hierfür maßgebenden Minderung der Erwerbsfähigkeit liegen, Entgeltpunkte nicht ermittelt (§75 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 SGB VI). Dementsprechend ist die Rente richtig berechnet worden und es war korrekt, die Beiträge für Zeiten nach 02.2011 nicht in die Berechnung einfließen zu lassen. Diese können sich erst auf einen späteren Leistungsfall auswirken.

von Experte/in Experten-Antwort

1.Auch wenn für Beitragszeiten und Anrechnungszeiten Entgeltpunkte nur bis zum Eintritt der Erwerbsminderung zu ermitteln sind, ist das beitragspflichtige Arbeitsentgelt oder Einkommen bzw. die Anrechnungszeit bis zum Ablauf des Monats zu berücksichtigen, in dem die Erwerbsminderung eingetreten ist. Dabei ist es unerheblich, ob der Beginn der Beitragszeit oder Anrechnungszeit vor oder nach dem Eintritt der Erwerbsminderung liegt.
2. Ist nach Ihren Ermittlungen die Rente nicht korrekt errechnet worden, sollten Sie einen Überprüfungsantrag stellen. Sollte sich dann eine Nachzahlung ergeben, werden die Sozialleistungen längstens für einen Zeitraum bis zu vier Jahren vor der Rücknahme erbracht. Dabei wird der Zeitpunkt der Rücknahme vom Beginn des Jahres an gerechnet. D.h. wird der Antrag im Jahr 2015 gestellt, sind gfls. Leistungen ab dem 01.01.2011 maximal rückwirkend zu erbringen.
3. Einen Antrag auf Überprüfung zu stellen ist Ihr gutes Recht. Sie erhalten dann einen Bescheid vom Rentenversicherungsträger, in dem die Rechtslage überprüft wird.

von
LS

ergänzende Anmerkung
.
Als Handhabungsregelung für die Berechnung der Erwerbsminderungsrente durch die DRV gilt,
wie von User "kein Scherz" schon ausgesagt, dass nur Verdienste bis zum Vortag des Eintritts
der Erwerbsminderung einbezogen werden dürfen.
.
Wenn darüber hinaus weitere gerechtfertigte Ansprüche auf Lohn oder Lohnersatzleistungen
(hier Krankengeld) bestehen, werden sie grundsätzlich erst bei Wandlung in eine andere
Rentenart oder erneutem Eintritt einer Erwerbsminderung in die Berechnung einbezogen.
.
Antwort zu Ihren Fragen:
zu 1. nein, ist rechtlich nicht möglich
.
zu 2. wenn für eine spätere neue Rentenberechnung Verdienste und/oder Lohnersatzleis-
. . . . .tungen zu berücksichtigen sind, die ab Rentenbeginn der vorangegangenen Rente
. . . . .bis zum Vormonat des Beginns der neuen Rente vorhanden sind, werden sie in der
. . . . ,Neuberechnung genau für diesen Zeitraum zusätzlich mit einbezogen, in Ihrem Fall
. . . . .ab 03.11.2011.
.
zu 3. siehe Erläuterung zu 2. Sie selbst können auch in 10 Jahren nichts machen, die Berück-
. . . . .sichtigung erfolgt durch den Rentenversicherungsträger an Hand der gemeldeten Daten.
. . . . .Sollten jedoch Zeiten nicht mit einbezogen worden sein, in denen sie Leistungen erhalten
. . . . .haben, die rentenrechtlich zu berücksichtigen sind, wäre Widerspruch einzulegen.
.
zu 4. Die Erhöhung gilt immer für jede vorgenommene Neuberechnung. Siehe Darlegung zu 2..
.
Der Beginn einer Erwerbsminderung muss nicht zwangsläufig zur Beendung des Beschäfti-
gungsverhältnisses führen.
Sehe hier eher einen arbeitsrechtlichen Sachverhalt, der nicht nur die DRV geklärt wird.
Sofern die Krankenkasse hier keine Einwände hat und oder geltend macht, kann der gezahlte
Lohn auch als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt betrachtet werden, weil, wie sie ausführen,
noch Ansprüche vorhanden waren.

von
Biggi

Vielen Dank an alle die geantwortet haben.

Eine Frage habe ich aber noch zu der "experten Antwort":
Den Punkt 1. verstehe ich einfach nicht.

Kann man mir das bitte nochmals erklären?

Danke!

von Experte/in Experten-Antwort

Im Zusammenhang mit der Anwendung des § 75 Abs. 2 SGB VI ist zu beachten, dass der Kalendermonat die kleinste Zeiteinheit ist. Nach Auffassung der RV-Träger sind deshalb die Pflichtbeitragszeiten und Anrechnungszeiten in dem Kalendermonat des Eintritts der Erwerbsminderung - unabhängig davon, ob der Beginn vor oder nach der Erwerbsminderung liegt - Entgeltpunkte zu ermitteln (für den Leistungsfall der Erwerbsminderung).

von
senf-dazu

Also in einfachem Deutsch:
Egal, ob die Erwerbsminderung zum 1. oder 31. eines Monats eingetreten ist, das Einkommen (und damit die Rentenbeiträge) in diesem Monat wird komplett bei der Berechnung berücksichtigt.

von
Biggi

vielen Dank

@senf
:-)