von
Dirk Schuster

Hallo,
Job weg, Frau weg, Haus weg, Auto weg, Krankheit, unbefristete volle EM-Rente, Privatinsolvenz in Planung.
Das ist meine Erfolgsgeschichte der vergangenen 5 Jahre.
Kurze Frage: Kann die EM-Rente im Rahmen der Privatinsolvenz gepfändet werden?
Gruss
Schuster

von
=//=

Ja, soweit der Pfändungsfreibetrag überschritten wird ( 850 c ZPO ).

Die Nettorente wird ab einem Betrag von 1080,- EUR mit mtl. 4,28 EUR gepfändet, sofern Sie keiner Person unterhaltspflichtig sind. Dieser Pfändungsbetrag erhöht sich natürlich, wenn die Rente höher ist (bei 1090,- EUR= 11,28 EUR; bei 1100,- EUR = 18,28 EUR etc.)

Bei einer unterhaltsberechtigten Person ist der pfändungsfreie Betrag 1479,99 EUR; ab 1480,- EUR = 0,98 EUR pfändbar etc.)

von
=//=

Die Tabelle über die Pfändungsfreigrenzen finden Sie im Internet unter "Pfändungsfreigrenzen Juli 2015".

von
EM-Renter

Hallo Dirk,

ja, die EM-Rente gilt wie normales Einkommen.
Ich musste diesen Weg auch gehen und kann heute nach vier Jahren sagen, dass ich wirklich dankbar bin, dass es diese Möglichkeit gibt.

Sicherlich, die erste Zeit ist extrem nervenaufreibend, aber wenn dann alles Organisatorische durch ist... mir geht es finanziell besser als vorher. Vor allem ist der seelische Druck weg.

Ich hatte einen guten Anwalt, der hat mir geraten, ab sofort keinerlei Kredite oder Rechnungen mehr zu zahlen (natürlich auch nix Neues mehr zu kaufen, außer Waren des täglichen Bedarfs). Alles Geld immer vom Konto abheben und in bar "zu bunkern" - am besten bei einer Person Ihres Vertrauens.

Erst wird ein Güteversuch durchgeführt, bis wirklich das Verfahren eröffnet wird, vergehen einige Monate.
So hatte ich mir einige Tausend Euro "zusammengespart".

Wichtig, legen Sie sich ein P-Konto zu. Falls Sie noch Einkommen bekommen, gehen Sie zu einer neuen Bank (am besten Sparkasse), eröffnen Sie dort erst ein normales neues Giro-Konto, leiten die Einkommen dorthin um und zwei Monate später bitten Sie darum, dieses Konto in ein P-Konto umzuwandeln.
Ich habe der Sparkasse erzählt, dass meine Frau mich verlassen hat und ich Angst habe, dass sie mein Konto pfänden lässt und ich mich schützen will.
Hat problemlos geklappt.

Mit der DRV geht es auch sehr gut. Ich habe denen die Kontaktdaten des Insolvenzverwalters mitgeteilt, die haben mit ihm alles geklärt und der Pfändungsbetrag wird direkt abgeführt, Rentenerhöhungen werden immer ohne Probleme angepasst.

Was ich festgestellt habe, man kommt mit negativer Schufa, ohne Kreditkarte sehr gut durchs Leben. Ich zahle alles bar, habe den totalen Überblick über meine Finanzen. Hab in der Zeit sogar zwei Wohnungen gefunden, private Vermieter (musste den Ort verlassen, weil meine Frau mich nicht in Ruhe gelassen hat).
Ich gehe odfensiv mit meiner Situation um, sprich, ich sage auch z. B. dem Vermieter gleich, dass ich zwar eine Schufa-Auskunft bringen kann, diese aber negativ ist. Mehrfach habe ich gehört, dass es wichtig ist, die pers. Situation darzulegen, dass die Insolvenz nicht daher kommt, dass man hemmungslos shoppen geht und 10 Handyverträge hat. Sondern die Insolvenz aufgrund der Verkettung unglücklicher Umstände eingetreten ist.
Privat wurde mir schon mehrfach gesagt, dass man "ganz neidisch" auf meinen Mut sei, weil ich den Schritt in die Insolvenz gegangen bin.
Viele Menschen sind verschuldet und wenn man sich selbst nicht Verschwendungssucht vorzuwerfen hat, braucht man sich nicht zu schämen.
Es geht weiter, Sie im Kleinen, Griechenland im Großen.
Alles Gute...

PS: Wollten Sie das jetzt eigentlich alles wissen? Naja, jetzt steht es hier, vielleicht kann jemand was für sich mitnehmen.

von Experte/in Experten-Antwort

Danke von =//=, kann den Ausführung nichts hinzufügen.

von
Dirk Schuster

Vielen Dank für die flotten Antworten.
Besonderen Dank an 'EM-Rentner' für die persönlichen und für mich sehr wichtigen Informationen.
Gruss aus HH
Schuster

von
Hans Kerner

Zitiert von: EM-Renter

Hallo Dirk,

ja, die EM-Rente gilt wie normales Einkommen.
Ich musste diesen Weg auch gehen und kann heute nach vier Jahren sagen, dass ich wirklich dankbar bin, dass es diese Möglichkeit gibt.

Sicherlich, die erste Zeit ist extrem nervenaufreibend, aber wenn dann alles Organisatorische durch ist... mir geht es finanziell besser als vorher. Vor allem ist der seelische Druck weg.

Ich hatte einen guten Anwalt, der hat mir geraten, ab sofort keinerlei Kredite oder Rechnungen mehr zu zahlen (natürlich auch nix Neues mehr zu kaufen, außer Waren des täglichen Bedarfs). Alles Geld immer vom Konto abheben und in bar "zu bunkern" - am besten bei einer Person Ihres Vertrauens.

Erst wird ein Güteversuch durchgeführt, bis wirklich das Verfahren eröffnet wird, vergehen einige Monate.
So hatte ich mir einige Tausend Euro "zusammengespart".

Wichtig, legen Sie sich ein P-Konto zu. Falls Sie noch Einkommen bekommen, gehen Sie zu einer neuen Bank (am besten Sparkasse), eröffnen Sie dort erst ein normales neues Giro-Konto, leiten die Einkommen dorthin um und zwei Monate später bitten Sie darum, dieses Konto in ein P-Konto umzuwandeln.
Ich habe der Sparkasse erzählt, dass meine Frau mich verlassen hat und ich Angst habe, dass sie mein Konto pfänden lässt und ich mich schützen will.
Hat problemlos geklappt.

Mit der DRV geht es auch sehr gut. Ich habe denen die Kontaktdaten des Insolvenzverwalters mitgeteilt, die haben mit ihm alles geklärt und der Pfändungsbetrag wird direkt abgeführt, Rentenerhöhungen werden immer ohne Probleme angepasst.

Was ich festgestellt habe, man kommt mit negativer Schufa, ohne Kreditkarte sehr gut durchs Leben. Ich zahle alles bar, habe den totalen Überblick über meine Finanzen. Hab in der Zeit sogar zwei Wohnungen gefunden, private Vermieter (musste den Ort verlassen, weil meine Frau mich nicht in Ruhe gelassen hat).
Ich gehe odfensiv mit meiner Situation um, sprich, ich sage auch z. B. dem Vermieter gleich, dass ich zwar eine Schufa-Auskunft bringen kann, diese aber negativ ist. Mehrfach habe ich gehört, dass es wichtig ist, die pers. Situation darzulegen, dass die Insolvenz nicht daher kommt, dass man hemmungslos shoppen geht und 10 Handyverträge hat. Sondern die Insolvenz aufgrund der Verkettung unglücklicher Umstände eingetreten ist.
Privat wurde mir schon mehrfach gesagt, dass man "ganz neidisch" auf meinen Mut sei, weil ich den Schritt in die Insolvenz gegangen bin.
Viele Menschen sind verschuldet und wenn man sich selbst nicht Verschwendungssucht vorzuwerfen hat, braucht man sich nicht zu schämen.
Es geht weiter, Sie im Kleinen, Griechenland im Großen.
Alles Gute...

PS: Wollten Sie das jetzt eigentlich alles wissen? Naja, jetzt steht es hier, vielleicht kann jemand was für sich mitnehmen.

Vielen, vielen Dank für diese eingehenden Informationen.
Was kann uns das lehren:
vielleicht lieber nicht heiraten bzw. besser getrennte Wohnung,
Geld bzw. Ersparnisse besser gleich verleben, nicht zu viel auf die hohe Kante legen
Schön, daß der Experte diesen wertvollen Beitrag nicht gelöscht hat.

von
EM-Renter

Nun, ich bereue mein "voriges" Leben nicht. Wenn eine Partnerschaft scheitert ist m. E. nie nur ein Partner verantwortlich.
Auch die Schulden, die bei uns/mir angefallen sind, entstanden durch relativ normalen Lebenswandel. Wir haben nie geprasst oder verschwendet.
Bedingt durch Krankheit, Aussteuerung und EM-Rente konnten die Kredite aber einfach nicht mehr bedient werden.
Was ich gelernt habe: Besitz besitzt, Immobilie macht immobil.
Ich brauche kein eigenes Haus, keine eigene Wohnung (mehr). Erstens gehört es sowieso über Jahrzehnte der Bank und andererseits ist man örtlich gebunden.
Ich habe jetzt gefühlt viel mehr Reichtum, auch wenn ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen bin.
Die seelische Verkrüppelung durch finanzielle Verpflichtungen haben vielleicht meine Krankheit mit unterstützt.
Wenn man sich von der Scham befreien kann, yt es wirklich ein erhebender Moment. Und was andere über mich denken, kann ich sowieso nicht beeinflussen.
Als ich meinem damaligen Arbeitgeber von der angestrebten Insolvenz informierte, sagte er zu mir: "Ach so, ich dachte schon, Sie wollen mir was schlimmes sagen."
Großes Unternehmen, die Personaltante sagte mir, dass ich wirklich kein Einzelfall bin.
Offen mit umgehen, Pflichten nachkommen, reinlesen, Wissen ist Macht, auch wenn das Insolvenzrecht nicht immer logisch erscheint...

von
=//=

Ich möchte jetzt auch noch meinen Senf dazu geben:

Für die Mitarbeiter der DRV ist es viel einfacher, die Pfändungsbeträge an EINEN Insolvenzverwalter anzuweisen als mehrere Pfändungen nacheinander zu erfüllen. Ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen, können keine Pfändungen "nachkommen". Das vereinfacht für alle Beteiligten die Angelegenheit.

Zum privaten Insolvenzverfahren selbst kann ich nur sagen, dass mir manchmal die privaten Gläubiger leid tun, da diese oftmals auf ihren teilweise horrenden Forderungen sitzen bleiben. Ich gehörte selbst auch schon dazu (Mietschulden meines Mieters, der insolvent war). Oder die kleinen Handwerksbetriebe, die durch ein Insolvenzverfahren des Schuldners manchmal selbst in Konkurs gehen. Ich persönlich finde es etwas ungerecht, aber die Möglichkeit ist halt mal von Gesetzes wegen vorgesehen.

von
Andrea Braun

Zitiert von: =//=

Ich möchte jetzt auch noch meinen Senf dazu geben:

Für die Mitarbeiter der DRV ist es viel einfacher, die Pfändungsbeträge an EINEN Insolvenzverwalter anzuweisen als mehrere Pfändungen nacheinander zu erfüllen. Ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen, können keine Pfändungen "nachkommen". Das vereinfacht für alle Beteiligten die Angelegenheit.

Zum privaten Insolvenzverfahren selbst kann ich nur sagen, dass mir manchmal die privaten Gläubiger leid tun, da diese oftmals auf ihren teilweise horrenden Forderungen sitzen bleiben. Ich gehörte selbst auch schon dazu (Mietschulden meines Mieters, der insolvent war). Oder die kleinen Handwerksbetriebe, die durch ein Insolvenzverfahren des Schuldners manchmal selbst in Konkurs gehen. Ich persönlich finde es etwas ungerecht, aber die Möglichkeit ist halt mal von Gesetzes wegen vorgesehen.

Ich kann mal die Sehweise eines Kreditsachbearbeiters dazugeben, dessen Kreditnehmer insolvent ist bzw. wurde.

Als erstes wird mal natürlich gefragt, warum man gerade diesem Schuldner einen Kredit gegeben hat. Man untersucht dann die Kreditakte auf mögliche Fehler bei der Kreditbewilligung und Kreditbearbeitung, die man dem Kreditsachbearbeiter anhängen kann.

Meistens hat der Kreditsachbearbeiter soviel Kunden und Kredite zu bearbeiten, daß eine genaue Sachbearbeitung überhaupt nicht möglich ist.

Wenn sie einen Kredit ablehnen, müssen sie damit rechnen, daß sich der Kreditantragsteller sich beschwert und beschimpft. Außerdem muß der Vertrieb Umsatz machen und sitzt ihnen an der Pelle.

Wenn sie Pech haben und einen schwachen oder unangenehmen Chef haben, sind ihre Tage als Kreditsachbearbeiter schnell gezählt.

Heutzutage bleiben viele Kreditsachbearbeiter schon von sich aus nicht lange in ihrem Job, da diese schon im voraus wissen, daß früher oder später der Schlammassel hochkocht.

Mahlzeit.

von
Friedhelm F.

In diesem Zusammenhang muß man sich natürlich fragen, warum eine Erwerbsminderungsrente im Vergleich zum bisherigen Arbeitseinkommen so niedrig ist?

Das liegt an der Berechnung der Erwerbsminderungsrente.

Vor der Wiedervereinigung liefen die Erwerbsminderungsrenten im Verhältnis zum Arbeitseinkommen weitaus günstiger aus.

Wer eine Betriebsrente mit der sog. Bruttoentgeltumwandlung laufen hat, hat damit nicht nur die spätere Altersrente, sondern auch die mögliche Erwerbsminderungsrente reduziert.

Hier taucht dann die Frage nach der privaten Erwerbunsfähigkeitsversicherung bzw. Berufsunfähigkeitsversicherung auf. Warum hat man sich nicht ausreichend bei einem guten Versicherer versichert?

Aber hinterher ist man immer klüger. Nur diese Klugheit im Nachhinein nützt nichts mehr.