von
Jens

Hallo, ich habe folgende Frage. Ab 01.05.07 bekomme ich eine volle Erwerbsunfähigkeitsrente ( von sehr geringer Höhe ) zuvor habe ich Alg II bekommen. Ich habe jetzt bei der zuständigen ARGE die Weiterzahlung der Leistungen unter Berücksichtigung der Renteneinkünfte beantragt. Dies wurde aber abgelehnt auf Grund das man wenn man volle Erwerbsunfähigkeitsrente bekommt keinesfalls mehr eine tägliche Arbeit von 3 Stunden leisten könne. Kann denn dies von der ARGE einfach ohne Prüfung oder Befragung angenommen werden ? Und wie kann ich diese Leistung bekommen um meinen monatlichen Verpflichtungen nachzukommen und noch zu Leben ? ( monatl.Rente ist 461,57 Euro ) Miete + Nk 354 Euro.
Ich möchte noch erwähnen das ich 80 % GdB Behindert und 41 Jahre alt bin. Ich bedanke mich für jede Antwort.

von
Amadé

Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II (Hartz IV) kann Ihnen nicht mehr gewährt werden, da Sie dem Arbeitsmarkt mit dem Ihnen verbliebenen Leistungsvermögen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Es gibt aber noch das gute alte Sozialamt und das SGB XII (Sozialgesetzbuch)

a) Beziehen Sie eine EM-Rente nur auf Zeit dann beantragen Sie ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel des SGB XII

b) Ist Ihnen hingegen eine EM-Rente auf Dauer bewilligt worden dann wäre die Grundsicherung nach dem Vierten Kapitel des SGB XII zu beantragen

Die Leistungen werden Ihnen nicht auf Zuwarten hin gewährt. Nehmen Sie Ihre Beine also in die Hand und stellen unverzüglich einen Antrag!!!

Die ALG II -zahlende Stelle ist bzw. war im Rahmen des § 15 SGB I verpflichtet, Ihnen die für die Sicherung des notwendigen Lebensunterhalts nunmehr zuständige Stelle zu benennen.

http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/01/index.php?norm_ID=0101500

Hilfe zum Lebensunterhalt ist im übrigen zu gewähren, sobald dem Träger der Sozialhilfe die Bedürftigkeit bekannt wird (§ 18 SGB XII)

http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/12/index.php?norm_ID=1201800

Achten Sie darauf, dass Ihnen nahtlos die neue Leistung gewährt wird.

Eine weitere Tücke ist zu beachten! - Als ALG II-Bezieher hatten Sie einen relativ großzügigen Vermögensfreibetrag. Dieser schmilzt bei SGB XII-Leistungen jedoch auf kümmerliche 2.600 Euro für eine Einzelperson zusammen. Fahren Sie also einen klapprigen Gebrauchten im Wert von 4000,- Euro, wird es nichts mit Sozialhilfe oder Grundsicherung.

Zur Antragstellung sollten Sie Einkommens- und Vermögensnachweise vorlegen. Schwerbehindertenausweis nicht vergessen (evtl. Mehrbedarf). Ausgaben für die Kosten der Unterkunft sind ebenfalls nachzuweisen, Ausgaben für notwendige Versicherungen usw.

Alles Gute!

von
KSC

wenn Sie voll erwerbsgemindert sind, kann weder ARGE noch Arbeitsamt Sie in einen Job vermitteln.

Das ist doch eigentlich sonnenklar und es war schon mit Ihrer Rentenantragsstellung klar, dass im erfolgsfall das ALG II endet.

Und wenn Sie jetzt weniger Rente als ALG II haben, haben Sie mit Ihrem Rentenantrag ein klassisches Eigentor geschossen.

Aber wie Amade schon anmerkte, es gibt ja noch die gute alte Sozialhilfe....

von
Jens

Es ist mir bei der Beantragung nicht um Torchancen gegangen, vielmehr habe ich die Rente krankheitsbedingt beantragt. Es ging auch nicht um Erfolg oder Misserfolg bei der Beantragung. Ich habe durch meine Behinderung genügend Nachteile, bin jedoch der Meinung das ich auch ohne Beine und mit Prothesen zb.eine Tätigkeit an einem Bildschirmarbeitsplatz annehmen könnte und würde. Ich bin beruflich dazu in der Lage und habe mich nach meiner Amputation auch im Krankenhaus und der anschliessenden Reha weitergebildet. Ich bin gelernter Bauzeichner / FG.Architektur und kann dies auch weiterhin ausüben denn dazu benötige ich " meine Beine " nicht. Einen Gang zum Sozialamt lehne ich kategorisch ab und das werde ich auch nicht beantragen. Vielen Dank für's Antworten.

von
Amadé

Sie fragen: “Kann denn dies von der ARGE einfach ohne Prüfung oder Befragung angenommen werden ?“

Hier die Antwort:

http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/02/index.php?norm_ID=0204401

Übrigens:

Sollten Sie die persönlichen und finanziellen Vorraussetzungen nach dem SGB XII erfüllen, haben Sie einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen. Diese sind keine “Almosen”!

Wenn Sie aber partout nicht wollen, bleiben Ihnen nur noch Leistungen nach dem Wohngeldgesetz (WoGG). Diese decken aber nicht den notwendigen Lebensunterhalt. Man wird versuchen, Sie vom SGB XII zu überzeugen.

Machen Sie sich ggf. hier “schlau”:

http://www.beamte4u.de/wohngeld.html

Bitte entschuldigen Sie meine Bemerkung “vom Beine in die Hand nehmen”. Das sollte nur die Dringlichkeit der Antragstellung unterstreichen, aber keine Anspielung auf Ihre mir bis dato unbekannte gesundheitliche Situation sein.

von
Antonius

Worüber beschweren Sie sich eigentlich ? Wenn Sie sich für erwerbsfähig halten, hätten Sie ja keine EM - Rente beantragen brauchen ! Es ist völlig logisch, dass Sie jetzt keinen ALG_II - Anspruch mehr haben. (Volle EM - Rente beziehen und trotzdem berufstätig sein, passt irgendwie nicht zusammen !)

von
KSC

wenn Sie eine Arbeit finden, können Sie die ja annehmen,
schlimmstenfalls überschreiten Sie die Zuverdienstgrenzen für die EM Rente und diese wird dann gekürzt oder fäält weg.

Ich wünsche alles Gute

von Experte/in Experten-Antwort

Die Voraussetzung für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähgikeit ist, dass der Berechtigte unter Berücksichtigung des allgemeinen Arbeitsmarktes einer Erwerbstätigkeit von mindestens drei Stunden täglich nicht nachgehen kann. Daher stehen Sie dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.
Wir empfehlen Ihnen sich an das zuständige Grundsicherungsamt zwecks Prüfung von Leistungen zum Lebensunterhalt zu wenden.

von
JJ

Aber ALG II haben Sie nicht abgelehnt?
Ist doch im Endeffekt egal ob ALG II oder Sozi oder Grusi.
Die Leistungen sind mehr oder weniger gleich...