von
AH

Liebe Teilnehmer am Forum,

als überwiegend erziehender Vater habe ich folgende Frage. Meine Frau hat 39 Std. pro Woche gearbeitet. In diesem Zeitraum habe ich 30 Std. pro Woche gearbeitet. Ab wieviel Stunden gilt man als überwiegend erziehend nach objektiven Gesichtspunkten? - Siehe hierzu Arbeitsanweisung R3.3.
Übrigens habe ich im Zuge der Beantragung meiner Kindererziehungszeiten nur Probleme gehabt. Beim ersten Kind ist die übereinstimmende Erklärung bei der Rentenversicherung verloren gegangen und beim zweiten Kind haben wir leider vergessen eine solche Erklärung abzugeben. Ein Sachbearbeiter wollte gar, dass ich auf alles verzichte und mir nur ein lächerlicher Monat anerkannt wird. Hier wurde mit gezinkten Karten gespielt und meine damalige Unkenntnis wurde dazu genutzt, sich möglichst wenig Arbeit zu machen. Es hat insgesamt über 1 Jahr gedauert bis ich den endgültigen Bescheid erhalten habe, dass auch dass zweite Kind (im Widerspruchsverfahren) mir zugeordnet wurde. Für diesen Zeitraum habe ich 25 Std. pro Woche gearbeitet, während meine Frau 39Std. pro Woche gearbeitet hat. Für 10 Monate vor diesem Zeitraum war die Verteilung wie bereits erwähnt 30 bzw. 39 Std. pro Woche. Wie ist hier die Rechtslage? Ich habe hier unterschiedliche Informationen. Eine sehr nette Sachbearbeiterin, die mir damals sehr geholfen hat, war der Meinung, dass es hier Zuordnungsprobleme geben könnte. Eine Rentenberaterin, die 3x im Jahr hier ins Dorf kommt, war anderer Auffassung. Ein Rentenberater bei der nächsten Rentenberatungsstelle sagte mir, dass bei 30 und 39 Std. pro Woche eine Zuordnung schwierig ist und es hier zum Gerichtstermin kommen könnte.
Für eine Auskunft wäre ich Ihnen sehr dankbar, denn ich habe bisher nur mit hartnäckigem Kampf, die Verluste (Beitragsbemessungsgrenze bei meiner Frau) in Grenzen halten können.

Experten-Antwort

Hallo AH,

im Forum kann keine abschließende Beantwortung Ihrer Frage erfolgen, da eine objektive Prüfung des Antrages durch den zuständigen Rentenversicherungsträger vorzunehmen ist. Es ist somit eine Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung sämtlicher Sachverhalte herbeizuführen. Ggfs. muss in Ihrem Fall auch eine sozialgerichtliche Entscheidung herbeigeführt werden, wenn der Rentenversicherungsträger nicht antragsgemäß entscheidet.
Rechtzeitig abgegebene gemeinsame Erklärungen hätten dieses Problem gar nicht erst aufkommen lassen. Insofern sollten solche Unterlagen für zukünftige Fälle entweder persönlich gegen Aushändigung einer Empfangsbestätigung oder per Einschreiben/Rückschein per Post geschickt werden. Dann hätten Sie auch dann noch einen Nachweis wenn die Erklärung bei der Rentenversicherung abhanden kommen sollte.

von
Schade

Da werden Sie "objektiv" nichts dazu hören, denn das muss nach dem Einzelfall beurteilt werden.

Zunächst hört sich Ihr Beispiel Frau = 39 Wochenstunden, Mann =30 Wochenstunden ganz einfach an.
Klare Lösung: der Mann hat überwiegend erzogen.

Haben Sie aber täglich 2 Stunden Fahrweg und die Frau arbeitet zu Hause, sieht die gleiche Verteilung ganz anders aus.

Und wer hat tatsächlich die überwiegende Erziehung geleistet?

Vielleicht war das Kind ja während 40 Stunden bei Tageseltern oder in der KiTa - und der Vater hat erziehungstechnisch keinen Finger krumm gemacht? Oder auch die Frau? Schon kann man sich nicht mehr an den Arbeitszeiten als alleiniges Kriterium orientieren.

Letztlich ein Problem der Beweiswürdigung, ob es so ist, wie es die Eltern aus Optimierungsgründen gerne hätten, weiß kein Sachbearbeiter - er/sie war ja nicht dabei.

Mir wollte mal ein türkischer Vater von Zwillingen weismachen, das Mädchen hätte die Mutter und den Sohn hätte der Vater erzogen - würden Sie so etwas "einfach so als gegeben" hinnehmen? So wie sich manche "Paschas" im Haushalt aufführen?

von
W*lfgang

Hallo AH,

bei gemeinsamer Erziehung der Kinder im selben Haushalt haben Sie als Vater außerordentliche Probleme, die entscheidenden Stellen objektiv davon zu überzeugen, dass der überwiegende Anteil wirklich bei Ihnen liegt - die geringfügig abweichende Arbeitszeit ist kein Maßstab dafür (die Mutter könnte auch Null-Arbeit haben, hat den Kindern aber 12 Std. nächtlich Lilalaunebär-Geschichten erziehenderweise präsentiert :-)), hier würde im ersten Schritt immer zugunsten der Mutter entschieden werden.

Heute darüber zu lamentieren, warum nicht zeitnah eine wirksame Zuordnung/gemeinsame Erklärung abgegeben worden ist, ist natürlich müßig – und von der BBG hängt es schon gar nicht ab, da mangelt es an rechtzeitiger Beratung.

Nur, 'wie früh' wird Mutter/Vater denn mit dieser Entscheidung der Anerkennung/Vormerkung dieser Zeiten konfrontiert (ich mein jetzt nicht das Info-Schreiben der DRV unmittelbar nach Geburt) – da sind die Kids bereits in der Pubertät und der Rentendrops ist gelutscht ...ich halte eine ergebnisoffene Entscheidung/Zuordnung so lange für richtig, bis erstmals über Leistungen der DRV zu entscheiden ist.

Gruß
w.

von
AH

Zitiert von: Schade

Da werden Sie "objektiv" nichts dazu hören, denn das muss nach dem Einzelfall beurteilt werden.

Zunächst hört sich Ihr Beispiel Frau = 39 Wochenstunden, Mann =30 Wochenstunden ganz einfach an.
Klare Lösung: der Mann hat überwiegend erzogen.

Haben Sie aber täglich 2 Stunden Fahrweg und die Frau arbeitet zu Hause, sieht die gleiche Verteilung ganz anders aus.

Und wer hat tatsächlich die überwiegende Erziehung geleistet?

Vielleicht war das Kind ja während 40 Stunden bei Tageseltern oder in der KiTa - und der Vater hat erziehungstechnisch keinen Finger krumm gemacht? Oder auch die Frau? Schon kann man sich nicht mehr an den Arbeitszeiten als alleiniges Kriterium orientieren.

Letztlich ein Problem der Beweiswürdigung, ob es so ist, wie es die Eltern aus Optimierungsgründen gerne hätten, weiß kein Sachbearbeiter - er/sie war ja nicht dabei.

Mir wollte mal ein türkischer Vater von Zwillingen weismachen, das Mädchen hätte die Mutter und den Sohn hätte der Vater erzogen - würden Sie so etwas "einfach so als gegeben" hinnehmen? So wie sich manche "Paschas" im Haushalt aufführen?

Schade,

zunächst einmal herzlichen Dank für ihren Beitrag. Allerdings muss ich hier noch etwas anmerken. Bezüglich der geleisteten Arbeit im Haushalt bzw. mit den Kindern kann ich Sie beruhigen. Ich entspreche nicht dem klassischen Modell eines "Paschas". Für mich ist es selbstverständlich, dass ich im Haushalt mit anpacke. Dazu gehört Kochen( übrigens gute Sternköche sind durchaus männlich) putzen, fegen wischen alles keine Fremdworte für mich und ganz nebenbei ist mir dabei noch kein Zacken aus der Krone gefallen. Ich mache diese Tätigkeiten ganz selbstverständlich, da ich einfach mehr Zeit habe als meine Frau. Außerdem kümmere ich mich auch mehr um unsere Kinder. Ich fahre sie zum Schwimmen, Karate oder verbringe Zeiten mit Ihnen beim Musikunterricht oder hole sie vom Kindergarten ab bzw. von der Schule etc.. Um Ihre nächste Frage gleich mit zu beantworten! Ja meine Kinder entwickeln sich sehr gut. Ich habe zwei glückliche Kinder, die hervorragend in der Schule zurechtkommen und die einfach nur Spass machen! Wie wir diesen enormen Druck an Verpflichtungen zwischen Beruf und Familie bewältigen weiß ich auch manchmal nicht(manchmal denke ich der Tag müsste 36 Std. haben), aber wir haben es geschafft, weil wir eine hervorragende Kindertagesstätte hier im Dorf haben, die schon mehrfach Preise für ihre Konzepte bekommen hat. Aber wirklich verstehen, was meine Frau und ich leisten, kann man natürlich nur, wenn man selbst Kinder hat. Meine Frau hilft natürlich auch im Haushalt, doch ich habe schon einen erheblichen Teil zu managen. Soviel zur Aufteilung bei uns.

Übrigens gehörte Elternarbeit in dieser Kita(aus einer Elterninitiative enstanden) zum allgemeinen Konzept dazu. Hier habe ich meiner Frau den Kopf frei gehalten, indem ich sämtliche Arbeitseinsätze und für drei Jahre im Vorstand tätig war. Bei einigen Vorstandsgesprächen dauerte es auch schon mal bis Mitternacht. Durch diese Arbeit wusste man allerdings, dass die Kinder hervorragend betreut wurden, weil die Erzieherinnen einfach mehr Zeit für die Kinder hatten.

Sie können jetzt selbst beurteilen, ob diese Tätigkeiten einer Würdigung als Lebensleistung wert sind oder nicht.

Übrigens als Kriterium zur Festellung der überwiegenden Erziehung sind die Verteilung der Erwerbstätigkeit der Eltern oder die Inanspruchnahme von Erziehungsurlaub bzw. Elternzeit eines Elternteiles. Nur das ist ein Kriterium, weil der Gesetzgeber hier die finanzziellen Nachteile des überwiegend Erziehenden kompensieren will und nicht wie von W*lfgang beschrieben die Mutter 12 Std. Geschichten erzählt.

von
W*lfgang

Zitiert von: AH
Übrigens als Kriterium zur Festellung der überwiegenden Erziehung sind die Verteilung der Erwerbstätigkeit der Eltern oder die Inanspruchnahme von Erziehungsurlaub bzw. Elternzeit eines Elternteiles. Nur das ist ein Kriterium, weil der Gesetzgeber hier die finanzziellen Nachteile des überwiegend Erziehenden kompensieren will und nicht wie von W*lfgang beschrieben die Mutter 12 Std. Geschichten erzählt.
AH,

habe ich im Kontext der RAA 3.3 bedacht. Wie oben schon beschrieben "es wird schwierig, zu Ihren Gunsten die KEZ/BÜZ zu aktivieren" ...wünsche Ihnen dennoch, da Durchsetzungsvermögen zu 'beweisen' und notfalls per Gerichtsentscheid die Zuordnung zu Ihren Gunsten zu erzwingen.

Gruß
w.
...wie ich schon sagte, ich halte eine ergebnisoffene Entscheidung 'bei wem ist die KEZ/BÜZ rentenrechtlich 'besser' positioniert bei relativ gleichwertiger Erziehungsleistung', bis Leistungsentscheidungen/auch Versorgungsausgleich anstehen, für die bessere Lösung, nicht zuletzt auch wegen der unterschiedlichen Versorgungssysteme - der Gesetzgeber sieht es aber zz. anders.

von
AH

Zitiert von: W*lfgang

Hallo AH,

bei gemeinsamer Erziehung der Kinder im selben Haushalt haben Sie als Vater außerordentliche Probleme, die entscheidenden Stellen objektiv davon zu überzeugen, dass der überwiegende Anteil wirklich bei Ihnen liegt - die geringfügig abweichende Arbeitszeit ist kein Maßstab dafür (die Mutter könnte auch Null-Arbeit haben, hat den Kindern aber 12 Std. nächtlich Lilalaunebär-Geschichten erziehenderweise präsentiert :-)), hier würde im ersten Schritt immer zugunsten der Mutter entschieden werden.

Heute darüber zu lamentieren, warum nicht zeitnah eine wirksame Zuordnung/gemeinsame Erklärung abgegeben worden ist, ist natürlich müßig – und von der BBG hängt es schon gar nicht ab, da mangelt es an rechtzeitiger Beratung.

Nur, 'wie früh' wird Mutter/Vater denn mit dieser Entscheidung der Anerkennung/Vormerkung dieser Zeiten konfrontiert (ich mein jetzt nicht das Info-Schreiben der DRV unmittelbar nach Geburt) – da sind die Kids bereits in der Pubertät und der Rentendrops ist gelutscht ...ich halte eine ergebnisoffene Entscheidung/Zuordnung so lange für richtig, bis erstmals über Leistungen der DRV zu entscheiden ist.

Gruß
w.

Hallo W*lfgang,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben einen interessanten Gedankengang aufgeschrieben in bezug auf eine ergebnisoffene Entscheidung/Zuordnung.

Um zu verstehen, was in meinem Fall passiert ist, werde kurz einen Einblick gewähren. Als unser erstes Kind geboren wurde war ich am Anfang Vollzeit tätig. Meine Frau war in Elternzeit zu Hause. Da meine Frau wieder arbeiten wollte und bei mir in der Firma die Arbeit weniger war habe ich mit meinem damaligen Arbeitgeber einen Teilzeitvertrag ausgehandelt. Selbstverständlich gab es für diese Regelung gute Gründe, da meine Frau ungefähr genauso viel verdient wie ich und Ihr Job etwas sicherer ist als meiner, lag dieser Weg auf der Hand.

So nun wieder zurück zur Rentenversicherung, die meiner Frau ein Schreiben kurz nach der Geburt des Kindes gesendet hat. Meine Frau hat mir damals nur mündlich mitgeteilt, dass man die Erziehungszeiten vorab beantragen kann. Allerdings sind hier wesentliche Informationen an mich nicht herangetragen worden. Ich wußte garnicht, dass die Erziehungszeiten grundsätzlich erstmal der Mutter zugeordnet werden. Nun hat meine Frau mich damals zu einem sogenannten Rentenberater (so macht er jedenfalls "Werbung"im Dorfblätchen)mitgenommen und diese übereinstimmende Erklärung abgegeben. Meine Frau und ich haben die KEZ halbiert (jeder 18 Monate) dies entspricht übrigens auch der tatsächlichen überwiegenden Erziehung. Für die BÜZ war meine Frau der Meinung, dass diese Zeiten bei Ihr sein sollten. Hier habe ich nachgefragt warum ich hier nichts bekommen sollte. Sie sagte mir, dass diese Zeiten nur Zeiten wären und nicht weiter berechnet würden. Zur Sicherheit habe ich damals zweimal gefragt. Der "Rentenberater"( später stellte sich heraus, dass es sich um einen Versichertenältesten handelt, der einmal im Jahr eine Schulung erhält). Hat mich damals natürlich auch nicht darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Aufwertung für diese Zeiten gibt, obwohl diese immerhin über 2 Jahre eingefürt waren. Außerdem hat er keine Kopie von diesem Antrag angefertigt. Kurze Zeit später erhielt ich Post von der DRV zur Kontenklärung. Da ich ein paar Fragen hierzu hatte, ging ich zum"Rentenberater". Danach erhielt ich einen Bescheid, wo mir ein Monat Erziehungszeit zugeordnet wurde. Für mich war damit erstmal alles in Ordnung. Bei unserem Zweiten Kind war meine Frau für ein Jahr in Elternzeit. Ich war nachwievor in Teilzeit tätig. Meine Frau bekam auch hier ein Schreiben von der DRV kurz vor Weihnachten. Sie hatte mir mündlich wieder mitgeteilt, dass der Antrag nur 2 Monate rückwirkend und nur für die Zukunft möglich sei. Da aber Weihnachten kurz vor der Tür stand und ich nicht den Kopf frei hatte für die Einteilung unserer Zeiten für die Zukunft sah ich mich erstmal überfordert hier eine Festlegung zu treffen, zumal mir das mit den BÜZ etwas merkwürdig erschien. Ich sagte nur wir müßten es doch nicht gleich ausfüllen, was natürlich stimmt, denn meine Frau war noch in Elternzeit. Leider Gottes habe ich später nicht mehr daran gedacht den gemeinsamen Antrag zu stellen. Meine Frau hat auch nicht daran gedacht.

So gingen die Jahre ins Land bis ich 10 Jahre später ein Schreiben von der DRV erhielt. Mit einigen Formularen Unter anderem ein Formular zur Bestätigung der Personenstandsdaten. Ich fragte mich was das soll, denn ich hatte bereits bei der Kontenklärung alles ausgefüllt. Bei dem Antrag wegen Kindererziehungszeiten hatte ich auch meine Probleme, weil ich der Meinung war, dass doch alles geklärt wäre. In diesem Jahr hatte ich zusätzlich sehr viel in der Firma zu tun, so dass mein Kopf für diese Dinge nicht frei war. Ich legte also alle Formulare beiseite. Ein 3/4 Jahr später erhielt meine Frau ein Schreiben von der DRV wegen Kontenklärung. In diesem Jahr erkrankte meine Mutter sehr schwer und mein Nervenkostüm war sehr angespannt - ich wußte nicht, ob Sie am Ende des Jahres noch lebt. In dieser Zeit füllte meine Frau die Unterlagen aus. Sie war übrigens auch bei besagtem "Rentenberater". Als sie kurz vor Abgabetermin mir sagte, dass bei mir etwas falsch gelaufen sein muss. Suchte ich meine Unterlagen durch und stellte fest, dass nur ein Monat zugeordnet war. Meine Frau hatte in Ihrem Antrag daraufhin alle restlichen Monate beantragt. Jetzt füllte ich meinen Antrag so gut es ging aus, denn ich hatte wie gesagt durch die Krankheit meiner Mutter keinen klaren Kopf und habe versucht in Berlin bei der DRV jemanden zu erreichen. Am ersten Tag kam keine Verbindung zustande, weil der Server defekt war. Am zweiten Tag hatte ich endlich jemandem am Apparat. Dieser Mann konnte aber nur ins Rentenkonto schauen eine Akteneinsicht hatte er nicht. Er sagte wenn man immer gearbeitet hätte, dann würde man nicht viel bekommen für die KEZ.

Da ich nun nicht wußte was ich machen sollte und meine Frau sagte, dass ihre Unterlagen auch zur DRV müßten habe beide Unterlagen zu den entsprechenden Rentenstellen geschickt. Ich hatte gehofft, dass die Rentenstellen hier eine Entscheidung herbeiführen könnten und meine Frau im Bedarfsfall Widerspruch einlegen könnte.

Nach zwei Tagen erhielt meine Frau Ihren Bescheid und sagte noch:"Sind die aber schnell und alles wäre "richtig" eingetragen. Ich mußte etwas warten bis ich ein Schreiben von einer sehr netten Sachbearbeiterin, die mir am Telefon erzählte, dass man auch im Nachhinein etwas machen kann, erhielt. Hier sollte ich ein Aufstellung der Erwerbtätigkeit erstellen und V805 ausfüllen. Die Aufstellung hatte ich schnell fertig, aber V805 dauerte etwas, weil meine Frau erst krank war und später wenig geneigt war dies Formular zu unterschreiben, wegen dem ganzen Schreibkram (sie hatte eine Kontenklärunggerade hinter sich).

Nach über 6 Wochen erhielt ich Post von der DRV. Hier sollte ich mich einverstanden erklären, dass die KEZ und BÜZ bei meiner Frau verbleiben, weil die Zeiten dort bereits anerkannt wurden.

Ein Anruf bei diesem unangenehmen Zeitgenossen wurde zu einem Fiasko für mich. Er kam erstmal ganz kameradschaftlich um die Ecke. So nach dem Motto wenn meine Frau und ich Rentner wären, dann kann meine Frau mir von ihrer höheren Rente etwas abgeben. Ich würde angeblich nichts verlieren. Darüber musste ich erstmal eine unruhige Nacht schlafen. Am nächsten Tag wollte ich wissen was los ist bei Scheidung oder Tot meiner Frau und ob ich dann nicht der Dumme sei? Wie aus der Pistole sagte er:" Das würde er nicht so sehen, es gäbe ja einen Versorgungsausgleich und eine Hinterbliebenrente und ich würde nichts verlieren". Natürlich hat er mir auch von der gemeinsamen Erklärung erzählt und dass man nur für die Zukunft abgeben kann, Hier wurde ich zum erstenmal darauf aufmerksam gemacht, dass die KEZ automatisch der Mutter zugewiesen werden. Mir kam das alles sehr merkwürdig vor und ich begann im Internet zu forschen. Eine andere Sachbearbeiterin, die mit im Zimmer war gab mir als Rat ich solle mit meiner Frau sprechen.

Am nächsten Tag fand ich die Information, dass die Frau ein Schreiben nach der Geburt des Kindes erhält. Ich ging jetzt ihre Unterlagen durch, die ich mir vorher nie angesehen habe. Tatsächlich fand ich diese Schreiben. Jeder kann sich denken, was in mir jetzt vorging. Warum habe ich diese Schreiben nicht gesehen?

Dieser Tag war übrigens der schlimmste in meiner ganzen Ehe!

Ich musste jetzt klären warum meine Frau mein Vertrauen ausgenutzt hatte. Es kam zum Gespräch. Meine Frau entschuldigte sich bei mir und sagte mir, dass sie die Formulare so ausgefüllt hätte, weil wir doch vergessen hätten eine gemeinsame Erklärung abzugeben(ihr war nicht bekannt, dass es auch noch die Möglichkeit der überwiegenden Erziehung gibt) und sie mir meine Rente nicht wegnehmen wollte. Sie wollte ein Konto extra für mich einrichten und darauf Geld einzahlen.

Immerhin war ich etwas beruhigt, dass meine schlimmste Befürchtung einer Trennung nicht eingetreten war - ehrlich gesagt konnte ich mir das auch nicht vorstellen - schließlich paßte das nicht zu meiner Frau - sie ist sehr treu und macht solche gemeinen Sachen nicht.

Allerdings war jetzt eine Klärung meiner KEZ anzustreben. Für diesen unangenehmen Zeitgenossen sollte ich eine Verzichtserklärung abgeben. Ich rief also nochmals an und sagte, dass meine Frau doch V805 unterschrieben hätte. Das würde nicht zählen, weil die übereinstimmende Erklärung fehlen würde. Sie würden nur solche Erklärungen und Erziehungszeiten anerkennen. Bei meinem großen Kind sähe er noch Chancen, weil hier ein Erklärung abgegeben worden wäre, aber es würde sich doch widersprechen und es wäre ganz schwer hier etwas zu machen. bei meinem kleinen Kind würde er keine Möglichkeit sehen. Er wüßte nicht ob dass überhaupt rechtmäßig sei.

Die aufkommende Hilflosigkeit die jetzt über mich ging kann ich hier schlecht beschreiben. Nur soviel ich habe in drei schlaflosen Nächten an einem Schreiben gebastelt, dass fast drei Seiten lang war und die Kunst bestand am Ende daraus sich mit dem Vorschlag zwar einverstanden zu erklären, aber gleichzeitig diesen Sachverhalt zu widerrufen.

Weitere Telefonate folgten, wo ich immer wieder zu diesem Mann durchgestellt wurde. Ich würde nichts verlieren und ich sollte ihm das glauben. Ich kämpfte hier mit dem Mut der Verzweiflung und zog ihm ganz allmählich noch ein paar Infos aus der Nase. Es gäbe zwar noch eine Möglichkeit, aber da müßte die Frau unterschreiben und hätte viel Arbeit( die meine Frau nicht haben wollte) und davon würde ich sowieso nichts wissen wollen.

Das Schreiben was ich aufgesetzt hatte mit der Bitte um Hilfe für den Fall das es doch noch eine Möglichkeit gäbe(ich dachte an die nette Sachbearbeiterin, die mir gesagt hatte, dass man noch was machen kann) sendete ich an beide Dienststellen. Das Schreiben hatte ich übrigens an die nette Sachbearbeiterin gerichtet. Als ich ein paar Tage später dort anrief hatte ich wie schon so oft die Zentrale dran und wurde wieder zu dem unangenehmen Zeitgenossen durchgestellt, weil ich wissen wollte was jetzt wird. Der Mann hollte das Schreiben von seiner Kollegin und sagte mir ich hätte nicht so viel schreiben sollen. Ich wollte diesen Kerl einfach nur los werden und wies ihn auf das Ende hin, wo ich im Prinzip den Verzicht unterschrieben hätte.
Am nächsten Tag rief ich wieder bei der netten Sachbearbeiterin an was sie zu meinem Schreiben sagt. Sie sagte erst, ich hätte doch verzichtet. Nachdem ich sie darauf hinwies, dass ich aber auch anders geschrieben hätte. Sie sagte Sie wolle mit der Dienststelle meiner Frau reden.

Mittlerweile erhielt ich einen ablehnenden Bescheid(vermutlich von dem unangenehmen Zeitgenossen.

Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von der netten Frau, ich solle ein kurzes Schreiben aufsetzen und alles wie ursprünglich bei meinem großen Kind beantragt ausfüllen.

Kurz darauf erhielt ich den positiven Bescheid und fasste neuen Mut. Allerdings mußte ich hier ins Widerspruchverfahren. Die nette Frau sagte nur: "Vielleicht ist es besser so." Mittlerweile hatte ich im Internet sehr viel recherchiert und war auf Arbeitsanweisung R3.3 gestoßen. Überwiegende Erziehung. Mit diesem Wissen argumentierte ich bei der nächsten Sachbearbeiterin, die übrigens auch sehr nett war und mir sehr geholfen hat.

Es dauerte dann noch sehr lange bis ich meinen Bescheid für die zweite Tochter bekam - von Antragstellung bis Bescheid insgesamt etwas über ein Jahr. Wie gesagt bei meiner Frau 2 Tage. Ich weiß sehr wohl, dass das Verfahren Anhörung -geänderter Bescheid lange dauert, aber trotzdem verbleibt ein halbes Jahr reine Arbeitszeit um Festzustellen, dass 25 Stunden weniger als 39 Stunden sind! Meine Kinder lösen so eine Aufgabe innerhalb kürzester Zeit!

Übrigens habe ich während des Widerspruchverfahrens eine gemeinsame Erklärung über die restliche Berücksichtigungszeit eingereicht, die mir kurzfristig bestätigt worden ist.
Hierzu muss ich noch anmerken, dass der "Rentenberater", den ich nochmals aufgesucht hatte, der Meinung war das man diese Erklärung nur am Anfang einreichen könnte. Was für ein unqualifizierter Stümper!
Ein Besuch 2 Monate später bei der richtigen Rentenberatung in unserem Dorf, hat, wie ich mir gedacht hatte, etwas anderes ergeben.

So nun auf den von Ihnen eingangs geäußerten Gedankengang. Aus meiner Sichtweise ein guter Vorschlag, denn dann hätte meine Frau den Antrag sicherlich anders ausgefüllt.

Außerdem verstehe ich nicht, warum ich als Vater kein Informationsschreiben nach Geburt erhalte? Schließlich liegt es doch in meinem Interesse solch eine Erklärung abzugeben. Hier werden wichtige Informationen für den Vater vorenthalten. Warum?

Durch obiges Verfahren erhält der Mann keine bzw. unvollständige Informationen(er ist abhängig davon,was seine Frau ihm mitteilt). Das es hier schon mal zu Fehlern kommen kann ist doch wohl klar. Hätte ich von diesem Schreiben eher erfahren, hätte ich selbstverständlich eine Erklärung eingereicht.

Ich bin mir zwar klar, dass ich Fehler gemacht habe, weil ich dass Schreiben der DRV zu spät bearbeitet habe, aber dass ich so über den Tisch gezogen werde hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Das Verfahren in seiner jetzigen Form ist diskrimierend und zugleich wird ein Baustein von Mobbing erfüllt(Informationsvorenthaltung).

Hier muss sich etwas ändern, damit solche Fälle wie meiner erst garnicht entstehen.

Sich hinter der Feststellung zu verbergen, dass keine Erklärung eingereicht worden ist finde ich etwas dünn. Angesichts der Informationvorenthaltung.

Ich habe im Zuge dieses Nervenkrieges eine Phase der Depression erlebt. Viel schlaflose Nächte insgesamt habe ich einen Monat gebraucht um aus diesem Loch zu kommen. Übrigens mit der Hilfe meiner Frau, die ich sehr liebe, weil sie mir sehr geholfen hat.

"Danke" Rentenversicherung. Könnte ich die Versicherung wechseln hätte ich genügend Gründe dies zu tun. Leider ist dies nicht möglich. Und ganz verloren habe ich das Vertrauen auch nicht, weil es sehr nette Frauen gab die mir geholfen habe. Einen Mann kann ich hier auch nennen in der nächstgelegenen Beratungsstelle.

Da ein Gerichtstermin für mich keine Option ist und meine Frau in Bezug auf dieses Thema auch nichts mehr wissen will, werde ich mich damit trösten die größten Verluste minimiert zu haben.

Verluste hätten sich übrigens dadurch ergeben, weil meine Frau einige Jahre jünger ist als ich. Bei der Milchmädchenrechnung von diesem unangenehmen Kerl, hätte meine Frau faktisch eine Lohnpfändung gehabt um meine Rente zu bezahlen. Außerdem, und das wußte meine Frau auch nicht, wäre sie über die Beitragsbemessungsgrenze gekommen.

Als ich dem "Rentenberater(Stümper) das erzählte hat er viermal nachgefragt ob das denn stimmt. Er konnte sich nicht vorstellen, dass eine Frau soviel Geld verdient. Offensichtlich muss in den Köpfen vieler Zeitgenossen noch ein Wandlungsprozess stattfinden, damit sie verstehen wie eine gleichberechtigte Ehe funktionieren kann.

Ich überlege, ob ich von diesen Missständen Frau Nahles und Frau Schwesig berichte. Das könnte interessant werden, schließlich haben beide Frauen auch Kinder und einen Mann im Hintergrund, der ihnen den Rücken freihält.

Mit freundlichen Grüßen
AH

Experten-Antwort

Wie mein Kollege am 26.01.2015 bereits geschrieben hat, ist das Thema „objektive Prüfung der überwiegenden Erziehung“ in der Praxis nicht gerade leicht und eine abschließende Beantwortung kann hier nicht erfolgen. Allerdings möchte ich Ihnen einen Auszug aus unserer gemeinsamen Arbeitsanweisung an die Hand geben. Demnach spricht doch Einiges für eine Berücksichtigung bei Ihnen, da Sie – wie Sie geschrieben haben – doch erheblich weniger Arbeitsstunden hatten.

Auszug: „Eigenverantwortliche Prüfung der überwiegenden Erziehungsanteile nach objektiven Gesichtspunkten:
Es hat eine unabhängige und neutrale Beurteilung der Erziehungssituation zu erfolgen. Dabei kann es sich ausschließlich um das objektiv mögliche zeitliche Maß der Zuwendung des jeweiligen Elternteils zu seinem Kind handeln. Auf den zeitlichen Umfang der täglich im Einzelnen anfallenden Erziehungsleistungen kommt es bei der objektiven Betrachtungsweise insoweit nicht an. Die Qualität der Zuwendung kann vom Rentenversicherungsträger nicht ermittelt werden.
Wesentliches Kriterium zur Feststellung der überwiegenden Erziehungsanteile ist daher die Verteilung der Erwerbstätigkeit der Eltern in dem maßgeblichen Zeitraum. Hat ein Elternteil die Erwerbstätigkeit - als abhängig Beschäftigter oder als Selbständiger - allein ausgeübt, ist das ein wesentliches Indiz dafür, dass der andere (also nicht erwerbstätige oder arbeitslose) Elternteil den überwiegenden Anteil an der Erziehungsarbeit geleistet hat. Sind beide Elternteile in etwa gleichem zeitlichen Umfang erwerbstätig gewesen, ist davon auszugehen, dass sie sich auch zu gleichen Teilen der Kindererziehung gewidmet haben, so dass keine überwiegende Erziehung eines Elternteils vorliegt.“
Umkehrschluss daraus: Ihre Frau hatte den größeren zeitlich größeren Anteil an der Beschäftigung, folglich spricht vieles für eine Berücksichtigung bei Ihnen.