von
Susi5463

Hallo!
Ich habe ein großes Problem und würde mich freuen, wenn mir hier in diesem Forum jemand helfen kann. Kurz zum Sachverhalt:
Mein Bruder (1949 geboren) hat Anfang November einen schweren Schlaganfall erlitten und ist nun - zumindest bis auf weiteres - linksseitig komplett gelähmt. Da er nun auch noch in einer absoluten finanziellen Notlage ist, wollte ich die Grundsicherung für ihn beantragen. Ich habe leider nur einen Versicherungsverlauf von der BfA gefunden, wo lediglich 7 Monate im Jahr 1966 aufgeführt sind....also viel zu wenig, denn er müsste ja wohl 5 Jahre lang eingezahlt haben, um überhaupt einen Anspruch zu haben, richtig? Ich habe nun mit Hilfe der Familie alle ungefähren Zeiten (also Schule, Ausbildung, Job, Studium etc.) aufgeführt, aber es existieren für alle Zeiten KEINE Nachweise. Gibt es trotzdem eine Chance???
Vielen, vielen Dank für Eure Antworten uund herzliche Grüße,
Susi

von
Rosanna

Hallo Susi5463,

so wie es aussieht, stehen die Chancen für eine RENTE aus der gesetzlichen Rentenversicherung gleich Null! Es reicht nicht aus, NUR die Wartezeit von 5 Jahren zu erfüllen, wobei auch nur Beitragsjahre zählen und keine Anrechnungszeiten wegen Schulausbildung/Studium.

Es müssen AUSSERDEM die zusätzlichen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente vorliegen: in den letzten 5 Jahren vor Eintritt des Leistungsfalles - hier also von Nov. 2004 - Okt./Nov. 2008 - müssen mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt worden sein.

Sofern Ihr Bruder nach dem Studium, was ja lange her sein dürfte, KEINE Beiträge zur gesetzlichen RV (mehr) gezahlt hat, auch in den letzten Jahren keine Beiträge über einen Sozialleistungsträger aufgrund ALG I oder II - Bezuges entrichtet wurden, besteht aus versicherungsrechtlichen Voraussetzungen kein Rentenanspruch!

Aus einer privaten Versicherung gibt´s ja auch keine Leistungen, wenn keine Beiträge gezahlt wurden.

Für einen zu beantragenden Anspruch auf GRUNDSICHERUNG ist keine Wartezeiterfüllung Voraussetzung, sondern das Bestehen einer ERWERBSMINDERUNG.

Stellen Sie beim Landratsamt - Grundsicherungsamt - einen entsprechenden Antrag.

Übrigens ist eine Kontenklärung vermutlich zu mühsam, wenn die Zeiten in den 60er-Jahren zurückgelegt wurden. Da es sich wohl überwiegend um Schul- und Studiumszeiten handelt, durch die die Wartezeit nicht erfüllt wird, sollten Sie sich überlegen, ob Sie diese Nachforschungen aufnehmen wollen. Denn wenn kein Anspruch auf Altersrente besteht, ist alles für "die Katz´".

Entweder es werden noch die fehlenden Wartezeitmonate durch eine freiwillige Beitragszahlung erfüllt oder Ihr Bruder kann sich mit 65 die von ihm gezahlten RV-Beiträge auszahlen lassen (ergibt aber nur paar Euro, also nicht mit zu hohen Beträgen rechnen).

MfG Rosanna.

Experten-Antwort

Dem Beitrag von Rosanna wird zugestimmt. Allerdings sollte Ihr Bruder oder Sie, als Bevollmächtigte für Ihren Bruder, trotzdem ein Kontenklärungsverfahren durchführen. Nur so kann der Rentenversicherungsträger prüfen, ob und ggfs. welche Zeiten rentenrechtliche Zeiten sind, und ob in Versicherungskartenarchiven z.B. Versicherungskarten vorhanden sind. Darüber hinaus können sich bei den Krankenkassen wo Ihr Bruder versichert war noch entsprechende Hinweise aus den Mitglieds- und Leistungskarten sowie den Krankenblättern ergeben. Ob sich eine solche Kontenklärung lohnt, kann daher erst nach Abschluss eines solchen Verfahrens gesagt werden.