von
micki

Guten Tag!
Vorab bitte ich um Entschuldigung, weil es so lang geworden ist, aber sonst kann man es nicht verstehen. Entschuldigung!
Mir ist bewusst, die Umstände einer Nachprüfung bei der „Erwerbsminderungsrente auf unbestimmter Dauer“ ist Einzelfall- abhängig. Aber ich bin in einer schwierigen Situation: Seit ca. 4,5 Jahren leider ich unter psychi. Krankheiten. Nun habe ich vor einem Jahr eine volle Erwerbsminderungsrente auf unbestimmte Dauer genehmigt bekommen, die vorher für ein Jahr befristet war. Zu meinem jetzigen Arzt wollte ich nun nicht mehr hin, weil dieser nur die Möglichkeit hat, an mir immerzu neue Medikamente auszuprobieren. Ich habe in den letzten 4,5 Jahren ca. 25 verschiedene Medikamente ausprobiert.NICHTS (!) hat geholfen, lediglich die breite Palette der Nebenwirkungen habe ich stark zu spüren bekommen. Im Moment versuche ich mein Glück mit nicht verschreibungspflichtigen pflanzlichen Präparaten, die aber auch keine Wirkung zeigen. Diese kaufe ich selber in der Apotheke, wo ich mich auch beraten lasse.
Auch ein Arztwechsel habe ich versucht, aber-und das habe ich noch nie gehört- der lehnte mich mit den Worten ab, er könne auch nicht mehr als die Kollegin versuchen und alles, was Sie versucht hat, hätte er so auch versucht.
Mein Psychotherapeut, zu dem ich auch 4,5 Jahre kontinuierlich gegangen bin, gibt mich auch auf, weil zum Einen er- so wörtlich- keine Erfolgsaussichten sieht und natürlich zum Anderen die Krankenkasse eine weitere Verlängerung nicht genehmigt.
Meine Frage wäre: Ich rechne auf kurz oder lang (ich bin erst 41 Jahre) mit einer Nachprüfung wegen der Rente auf unbestimmter Dauer. Aber ich habe kein Arzt, weil ich zu dem einen nicht mehr so wirklich Vertrauen habe und andererseits ich von andere nicht angenommen werde. Ich kann nur vielleicht einen Abschlußbericht von meinem Psychotherapeuten vorlegen, wobei ich vermute, dass dieser Bericht evtl. nicht ganz so ernst genommen wird, da er ja „nur“ Psychotherapeut ist und kein Arzt. Muss ich zwingend damit rechnen, dass ich nachgeprüft werde? Ich kann es nicht belegen, dass ich weiterhin Krank bin, also keine Besserung eingetreten ist. Es ist eher sogar schlimmer geworden.
Sollte ich dem DRVB diese Situation im Vorfeld ohne Aufforderung schildern?
Beim DRVB anzurufen traue ich mich nicht, weil ich Angst habe, dass ich dann erst recht mit der Nachprüfung „dran“ bin.
Bin äußerst beunruhigt und habe Angst, dass ich falsch beurteilt werde und man mir die Rente aberkennt.
Danke für den Versuch der Beantwortung!

von
Max

Hallo Micki!

Also es ist in der Tat so das es selbst bei Renten auf unbestimmte Zeit in gewiesen Zeitabständen zu einer Nachprüfung der weiteren Rentenberechtigung kommen kann! Im Normalfall bekommt Sie dann alles 2 Jahre einen Fragebogen in dem Sie Auskunft über Ihren Gesundheitszustand,Ärzte bei denen Sie in Behandlung sind oder eben ob Sie einen Minijob ausführen geben müssen!

Von daher wäre es ratsam zumindest einen guten Hausarzt zu haben der Ihren Gesundheitszustand gut kennt und dem eben auch sämtliche Facharztberichte über Sie vorliegen!

Ob das alleine vor einer Begutachtung schützt bzw. ob die Diagnose bei Ihnen so aussagekräftig ist das der Fall klar ist weiß ich nicht!

Jedenfalls würde ich keinesfalls gegenüber der DRV tätig werden ohne das diese mich dazu auffordert!

Alles Gute

Max

von
Volker

Sie sollten sich erstmal etwas beruhigen. Die Sache ist nicht so schlimm wie Sie es vielleicht befürchten.

Ob IHRE unbefristete EM-Rente auch wirklich noch einmal nachgeprüft wird wissen Sie also gar nicht. Sie " vermuten " es nur. Und Vermutungen müssen nicht immer zutreffen...

Nicht jede unbefristete EM-Rente wird noch einmal überprüft !

Das hat auch weniger mit dem Alter zu tun , sondern mit der Erkrankung/Erkrankungen an sich und der jeweiligen Verfahrensweise des Regionaltträgers der RV. Einige RV's überprüfen mehr oder weniger regelmässig fast jeden - andere gar nicht mehr, oder nur ganz wenige Ausnahmefälle.

Bei einigen Erkrankungen - dazu gehört auch eine Depression - besteht außerdem ( trotz Zuerkennung der unbefr. EM-Rente, was ja eigentlich heisst da geht nichts mehr... ) , manchmal noch die Möglichkeit das sich diese im Laufe der Jahre bessert. Natürlich besteht die Möglichkeit der Besserung auch und gerade wenn man noch relativ jung ist. Darum wird schon im Zweifelsfalle bei einem 40 jährigem eher eine Nachprüfung angeordet als bei einem 60jährigem. Insofern kommt dann das Alter doch wieder ins Spiel... Diese EM-Rentner werden dann eben zu einer Überprüfung vorgesehen. Das ist letztlich also immer Einzelfallabhängig.

Entscheidend ob geprüft wird oder nicht, ist ein Vermerk des med. Dienstes bereits bei Zuerkennung der unbefr. EM-Rente. Dort werden auch gleich die Abstände der Überprüfung festgelegt und auch Art und Umfang dieser Prüfung.

Kein Vermerk einer Überprüfung heisst also - keine Überprüfung !!

Ob zu wissen ob nochmal Überprüfungen anstehen , empfehle ich jedem bei Zuerkennung der unbefristeten. EM-Rente die Akte anzufordern und nach diesem Vermerk der Überprüfung zu schauen. Alternativ können Sie natürlich auch jetzt noch bei ihrer RV anrufen und jederzeit dazu nachfragen. Das hat auch im Prinzip nichts mit dem Wecken von schlafenden Hunden zu tun, sondern entweder ist dort eine Überprüfung früher vermekt worden oder nicht. Nur weil man jetzt bei der RV nachfragt wird sicher keine Überprüfung extra eingeleitet werden und Sie wären dann " dran "...
Da brauchen Sie also keine Angst zu haben.

Sollten allerdings dann Überprüfungen anberaumt sein, wird Sie das sicher auch nicht unbedingt beruhigen und für ihre psychische Situation vorteilhaft sein....Wenn Sie jetzt erfahren , das z.b. nächstes Jahr im Juli eine Überprüfung bei ihnen ansteht, sitzen Sie doch jetzt schon und bis dahin dann auf " heissen Kohlen " und machen sich komplett verrückt.

Die Überprüfung an sich erfolgt - normalerweise - immer nur per sog. Selbstauskunftsbogen, das ist nur ein Fragebogen wo z.b. nach einer eventuellen Arbeitsaufname und dem derzeitgen Stand ihrer Erkrankung(en) gefragt wird. Den Fragebogen füllen Sie dann nach besten Wissen und Gewissen einfach aus und schicken ihn zu ihrer RV. Das wars dann mit der Überprüfung !

Wenn in ihrer Akte vermerkt, KÖNNTE natürlich dann auch noch zusätzlich die Einholung eines aktuellen Befundberichtes bei ihrem behandelnden Arzt durchgeführt werden. Aber das ist - wie gesagt - nicht immer so !

Wenn Sie dann natürlich keinen Arzt mehr haben, weil Sie nicht mehr in Behandlung sind , müssen Sie dies der RV dann auch angeben ( bleibt ihnen ja nix anders übrig.. )

Ob die RV das dann einfach so akzeptiert oder nicht , kann man nicht vorhersagen. Grundsätzlich wäre es dann auch denkbar, das man Sie zu einer Begutachtung zu einem Facharzt schickt um ihre aktuelle gesundheitliche Situation zu überprüfen.

Der Abschlussbericht ihrer Psychotherapie wird ihnen wenig bis gar nichts nutzen, weil es bei der Nachprüfung immer nur um ihren dann AKTUELLEN Zustand ( also zum Zeitpunkt der Nachprüfung ) geht und nicht um den bei Ende der Therapie !

Eine Nachprüfung erfolgt in der Regel auch frühestens erst nach 2 Jahren und dann wäre dieser Bericht ja weit mehr als 2 Jahre alt und nicht mehr aussagekräftig genug zu ihrer aktuellen gesundheitlichen Sitauation. Außerdem sind Psychotherapeuten meistens ja keine Ärzte und nur Arztberichte zählen wirklich !

Insofern ist es grundsätzlich besser immer und durchgehend in fachärztlicher ( Psychiater ! ) Behandlung zu bleiben ( vom gesundheitlichen Aspekt mal abgesehen ) , damit man dann im Fall der Fälle auch etwas nachzuweisen hat. Ich rate ihnen also dringend sich weiter in psychiatrische ärztliche Behandlung zu begeben !!

Dies ist eben auch abgesehen von der ganzen Rentenüberprüfung sehr wichtig. Um einer weiteren Verschlechterung und/oder Rückfällen bei der Depression vorzubeugen, halte ich eine permanente und regelmässig andauernde Behandlung bei einem Psychiater
- aus eigener Erfahurng - für völlig unabdingbar !

Psychotherapie ist natürlich mal zu Ende und kann nicht ewig gehen. Die Therapie ist ja auch nur ein Anstoss an Sie etwas in ihrem Leben zu verändern. Die Schritte an sich müssen Sie dann selbst und alleine gehen. Nicht nur alleine aus Kostengründen ist dann auch das Ende eine Therapie mal angezeigt, sondern man gilt natürlich auch irgendwann dann mal aus " austherapiert ".

Das heisst aber nicht , das Sie dann nie mehr eine Psychotherapie bekommen. Durchaus können Sie nach einigen Jahren dann wieder eine entsprechende Therapie bei ihrer Kasse zumindest wieder beantragen. Ob diese dann genehmigt wird steht auf einem anderen Blatt. Auch dafür hätten Sie natürlich dann mit Unterstützung eines Psychiaters
bessere Karten.

Experten-Antwort

Hallo micki,
Volker hat Sie aus meiner Sicht bereits gut beraten.

von
micki

Hallo!
Ich bin richtig gerührt von diesen tollen, mühevoll verfassten Auskünften und die Art, wie man doch sehr behutsam und verständnisvoll geantwortet hat.
@Volker: Ihnen besonders Dank für diese sehr ausführliche Antwort! ich bin mir bewusst, dass Sie sich dafür sehr viel Zeit genommen haben. DANKE!!
Ich erwäge, mir doch mal ein Herz zu fassen und eine telefonische Auskunft über den Vermerk zu erfragen. Denn im Moment ist es ja schon so, dass ich jeden Tag Angst habe, zum Briefkasten zu gehen.
DANKE!!
micki

von
KSC

Wenn ich das so lese rate ich Ihnen dringend Ihre gesundheitlichen Probleme mit Hilfe von medizinischen Fachleuten anzugehen. Sie brauchen Hilfe!

Die Ängste zu bekämpfen und dagegen anzugehen scheint mir wichtiger als die Frage ob und wann vielleicht eine Nachuntersuchung kommt und was dann alles geschehen könnte.

Sie sollten m.E. das Problem angehen und nicht die Folgen des Problems lösen zu wollen.

Alles Gute!