von
Henry Wilt

Ich habe eine betriebliche AV in Form einer Pensionskasse vor 2005 abgeschlossen. Einer der Vorteile sollte der niedrigere Steuersatz im Rentenalter gegenüber dem in der Ansparphase sein. Jetzt endet die betriebl. AV lt. Vertrag mit 65. Durch die gesetzl. Änderungen muß ich aber bis 67 arbeiten, so dass der oben beschriebene Vorteil nicht mehr gegeben ist. Hat der Gesetzgeber hier irgendetwas vorgesehen oder was kann man machen?
Danke schon mal für die Antwort.

von Experte/in Experten-Antwort

Guten Tag Herr Wilt,

der spätere Steuersatz im Rentenalter hat mit der Erhöhung des maßgebenden Lebensalters für eine Altersrente durch das der RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz nur hinsichtlich der Rente aus der GRV und nicht der betrieblichen Alterssicherung etwas zu tun.
Aus ihrer Frage entnehme ich, dass Sie Beiträge in die Pensionskasse im Rahmen der Entgeltumwandlung einzahlen. Bitte präzisieren Sie Ihre Aussage, wenn meine Vermutung nicht zutrifft.
In der Einzahlungsphase sind diese Beiträge steuerfrei und in der Auszahlungsphase ist die Rente oder der Kapitalbetrag voll zu versteuern. Außerdem fallen dann Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Dahingehend hat sich durch die Anhebung der Altersgrenze in der GRV nichts geändert.

von
Henry Wilt

Sie haben recht, ich zahle meine Beiträge im Zuge der Entgeltumwandlung ein. Das die Erträge sozialversicherungspflichtig sind ist mir auch bewußt. Der Gesetzgeber hat, um die betriebliche AV zu fördern, u.a. auch Werbung damit gemacht, dass ein zusätzlicher Vorteil dieses Produktes darin besteht, dass die Steuersätze in der "Arbeitsphase" höher sind, als in der "Rentenphase". Durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, würde die Auszahlung oder Verrentung der betrieblichen Alterssicherung aber in die "Arbeitsphase" fallen, da diese lt. Vertrag schon mit 65 beginnt und ich dementsprechend noch eine höhere Besteuerung hätte.

von
Bernhard

Das Problem haben Sie richtig beschrieben, Änderungen, die in bereits abgeschlossene Verträge eingreifen, hat der Gesetzgeber (wie üblich) nicht vorgesehen.

Die neue Altersgrenze soll nur in zukünftig abgeschlossenen Vereinbarungen berücksichtigt werden.

Wenn die Pensionskasse als einmaliger Kapitalbetrag ausgezahlt wird, können Sie aber die sog. Fünftelregelung in Anspruch nehmen, dadurch wird die Steuerprogression nur für 1/5 des Betrages wirksam, aber an einer hohen Zusatzbelastung infolge der gleichzeitigen Berufstätigkeit ändert das leider nichts.

Sie müssen also entweder vorzeitig mit Abschlägen in Rente gehen oder die Leistung der Pensionskasse als Rente beziehen.

Aber Sie könnten die Entgeltumwandlung auch ganz einstellen: Mit Einführung der vollen Beitragspflicht zur KV/PV für gesetzlich krankenversicherte Rentner und dem Wegfall der Sozialabgabenfreiheit ab 2009 haben Arbeitnehmer davon keinen Vorteil mehr; ganz im Gegenteil: Ihr Geld können Sie auch im Ofen verbrennen.

Die Rentabilität von Sparvorgängen auch bei der Altersvorsorge muss NACH Abzug von Steuern und Abgaben betrachtet werden.

von
Henry Wilt

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort Herr Bernhard. Dass sich diese Form der AV nach Wegfall der Sozialversicherungsfreiheit durch die doppelte Besteuerung im Bereich der Krankenversicherung Ende 2008 nicht mehr lohnen wird ist mir auch schon klar geworden. Als ich mich für dieses Produkt entschieden habe war dieses noch nicht absehbar. Ich finde es unverantwortlich vom Gesetzgeber erst die Leute zu solchen Produkte n zu "überreden" und dann durch Gesetzesänderungen (Wegfall der SV-Freiheit, Verlängerung der Lebensarbeitszeit) diese Vorsorgevarianten unrentabel(er) werden zu lassen. Ob man durch solche Maßnahmen einen Vertrauensschutz in irgendwelche staatlich geförderte Maßnahmen schafft, ist extrem fraglich. Wahrscheinlich ist es das Beste sich über so einen langen Zeitraum, wie er für die Altersorsorge benötigt wird, nicht auf Politiker und Gesetze zu verlassen.
Dieses werde ich bei meinen zukünftigen Überlegungen bzgl. AV mit einfließen lassen.

von Experte/in Experten-Antwort

Allein aus Gründen des "Einsparens" von Steuern und Abgaben (Beiträgen) sollte man sich nie für oder gegen etwas entscheiden, ich denke dabei z.B. an die Millionenverluste, die Käufer von Wohnungen in den neuen Bundesländern hatten, in den 90er Jahren konnte man 50% des Kaufpreises zusätzlich bei der Steuerbemessung geltend machen.

von
Henry Wilt

Gut, aber was ist denn das "Einsparen" von Steuern anderes, als wenn ich mich zum Beispiel für eine Riesterrente entscheide, bei der ich "Zuschüsse" bekomme, welche auch über 20 Jahre festliegen. Wer sagt, mir denn, wenn irgend ein Politiker Geld braucht und die Summe der Riesterverträge eine beachtliche Größe erreicht haben, ob es dann in Zukunft noch zu "Zuschüssen" kommen wird, und ob es nach dem Einstellen der Förderung nicht anschließend einer besonderen Versteuerung solcher Verträge. Einige Politiker sind hier ja besonders erfinderisch.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Her Wilt,

genau das ist der Punkt. Niemand kann diesbezüglich je sicher sein!!

von
Bernhard

Doch, da kann man absolut sicher sein:

Sobald nennenswerte Beträge in Riesterverträgen angesammelt sind, werden hierauf Sozialabgaben und Steuern erhoben werden (z.B. eine neue Alters-Vermögenssteuer und Krankenkassensolidaritätszuschläge), zum Wohle der Allgemeinheit und zur Sicherung der Finanzierung von was auch immer.

Das Schicksal der betrieblichen Altersvorsorge und der jahrzehntelang geförderten Kapitallebensversicherung lässt ganz eindeutige Schlußfolgerungen zu - und die derzeit geförderten Leibrentenversicherungen sind doch ein mindestens genauso problematisches Instrument.

Der (Sozial-) Staat kann es sich in Zukunft gar nicht leisten, hier auf Umverteilung zu verzichten, und wen sollte man denn belasten, wenn nicht die "bessergestellten" Rentner, die zusätzlich vorgesorgt haben? Die künftigen Arbeitnehmer? Oder gar die Beamten und Selbstständigen?

Wenn man sich einmal in Zahlen ansieht, wie explosionsartig die Belastung von Rentnern mit nennenswerter Betriebsrente (die immer noch weit unter dem Versorgungsniveau eines Beamten liegen) in der letzen Zeit angestiegen ist (nachgelagerte Besteuerung, volle Kassenbeiträge, ...), dann erübrigt sich hier jede weitere Diskussion.

von
dirk_b

1/5-regelung in der P-Kasse?
Dachte bisher immer, dass dies der U-Kasse vorenthalten ist.
Oder hat sich da was geändert?