von
Manfred

Seit 1.12.06 bin ich arbeitslos und werde die 58er Regelung in Anspruch nehmen. Über meinen letzten Arbeitgeber hatte ich einen Riester-Vertrag über eine Pensionskasse. In den Unterlagen steht, daß der Vertrag bei Arbeitsbeendigung in eine private Riester weitergeführt werden kann. Die Versicherung verneint das jetzt und sagt, der Vertrag ruht bis zur Rente. Kann das stimmen?
Würde sich für mich trotzdem noch der Abschluß einer privaten Riester lohnen (wegen der Zuschüsse, habe 2 Kinder, Ehefrau arbeitet nicht, hat keine eigene Riester)?
Danke im Voraus

von
Amadé

Wenn Sie Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung sind, sollte sich Ihre Trauer darüber, dass Sie die betriebliche Altersversorgung nicht mit eigenen Mitteln fortsetzen dürfen, in Grenzen halten.

Grund:

In der Auszahlungsphase wird Sie Ihre Krankenkasse nämlich um den VOLLEN Beitragssatz zur Kranken- und den VOLLEN Beitragssatz zur Pflegeversicherung erleichtern. Das können bald bis zu 20% der Gesamtleistung sein.

Versteuern dürfen Sie den kläglichen Rest dann auch noch. Die Zulagen sind Blendwerk, um nicht schlimmeres zu sagen und zu riskieren, dass dieser Beitrag gelöscht wird.

Der Staat holt sich MEHRFACH wieder, was er zuvor verteilt hat!

Zur Entwicklung der Kassenbeiträge lesen Sie hier nach:

http://www.focus.de/politik/deutschland/gesundheitspolitik/gesundheitsreform_nid_42582.html

Zu den Krankenkassenbeiträgen auf Versorgungsbezüge können Sie sich hier schlau machen:

http://www.vdk.de/cgi-bin/cms.cgi?ID=de11388&SID=Ql7J1uLbXfF1wcnbmDePBUUtSq2mOJ

Nun zur angeblichen Hartz IV-Sicherheit:

Diese vermeintliche Sicherheit ist nur so lange gegeben, wie kein Anspruch auf Auszahlung der Riester-Rente gegeben ist.

Fast alle Verträge sehen nun aber vor, das ab Vollendung des 60.Lebensjahrs eine Kapitalauszahlung vorgenommen werden kann. Auch kann die Riester-Rente in den meisten Fällen schon ab 60 bezogen werden.

Sind Sie nun nach Vollendung des 60. Lebensjahres Hartz IV-Empfänger, passiert folgendes:

1. Die Arbeitsagentur MUSS Sie wegen des gesetzlich vorgegebenen Nachrangs des ALG II gegenüber anderer Sozialleistungen und Vermögens dazu auffordern, sich das schön angesparte Kapital unverzüglich auszahlen zu lassen und die Riester-Rente vom frühestmöglichen Zeitpunkt an in Anspruch zu nehmen.
2. Das hat für die Arbeitsagentur die angenehme Folge, dass diese ihre Leistung einstellen kann. Sie werden dabei angewiesen, ja hübsch sparsam vom ausgezahlten Kapital Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
3. Bei unwirtschaftlicher Verwendung der Mittel ist die Agentur berechtigt, weitere Kürzungen und Sanktionen bei Wiedervorliegen von Bedürftigkeit zu verhängen. Setzt irgendwann Hartz IV wieder ein, wird diese Leistung außerdem netterweise genau um den Betrag gekürzt, der Ihnen aus der Riester-Rente zufließt.

Beachten Sie ferner, dass Sie Vertrauensschutzregelungen nur sehr bedingt vertrauen können. Solche Regelungen sind in der Vergangenheit schon mehrfach wieder kassiert worden.

Die Herren Schäuble, Raffelhüschen und Miegel haben uns schon seelisch darauf vorbereitet, das die Regelaltersrente mindesten auf 68 angehoben wird. Da sind Sie doch sicher noch topfitt und haben einen Bombenarbeitsplatz inne –oder?

von Experte/in Experten-Antwort

Haben Sie einen Riester-Vertrag im Rahmen einer Entgeltumwandlung abgeschlossen, so muss Ihnen das Recht eingeräumt werden, dass Sie den Vertrag mit eigenen Beiträgen weiterführen können (§ 1b Abs. 5 Betriebsrentegesetz - BetrAVG). So lange Sie Arbeitslosengeld beziehen, sind Sie auch zulagenberechtigt, da Sie in der gesetzlichen Rentenversicherung weiterhin pflichtversichert sind. Ich empfehle Ihnen, sich nochmals an Ihre Versicherung zu wenden.