von
Marc O.

Leider habe ich mich bisher nicht weiter mit der komplexen Thematik der Riester-Rente beschäftig bzw. zu sehr auf einen Versicherungsvertreter vertraut. Der Unterschied zwischen Riester-Fondssparplan und Fondsgebundener Riester-Rentenversicherung ist mir erst jetzt, durch die Infos auf dieser Website bzw. in diesem Forum einigermaßen klar geworden.

Ich habe Ende 2005 noch einen Riester-Renten-Vertrag abgeschlossen, um aufgrund der ab 2006 geltenden Uni-Sex-Tarife als Mann noch in den Genuss günstiger Vertragsbedingungen zu kommen. Ansonsten ging ich davon aus das man mit einem Riester-Renten-Vertrag nicht viel falsch machen kann. Seit Januar 2006 zahle ich monatlich 88 EUR an Beitrag. Damit bekomme ich für 2006 die volle Zulage (114 EUR). Als ich jetzt kürzlich meinen Kontoauszug für 2006 bekommen habe bin ich etwas skeptisch geworden:

+ gezahlte Eigenbeiträge 2006 1056 EUR
+ erwirtschaftete Erträge (garantierte Zinsen und Überschüsse) 9 EUR
+ Ergebnis aus Fondsentwicklung 15 EUR
- Abschluss-/Vertriebskosten 325 EUR
- einbehaltene Verwaltungskosten für gebildete Kapital 98 EUR

= Vertragsguthaben zum 31.12.2006 657 EUR

Das Vertragsguthaben setzt sich wie folgt zusammen:
Garantiertes Vertragsguthaben 453 EUR
Fondsguthaben 204 EUR

Man braucht kein Fachmann zu sein um zu sehen, dass die hohen Verwaltungskosten die Zulagen zum größten Teil neutralisieren.
(Ich gehe davon aus, dass die Verwaltungskosten jedes Jahr anfallen?)

M e i n e F r a g e n :

Ich habe gelesen, dass sich die Abschluss-/Vertriebskosten bei der Riester-Rente auf die ersten fünf Jahre verteilen müssen. Heißt das, dass ich für die kommenden vier Jahre ebenfalls noch Abschluss-/Vertriebskosten zahlen müsste?

Handelt es sich bei dem beschriebenen Riester-Renten-Vertrag um eine klassische Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung oder um eine Variante?

Wie hoch wären denn in etwa die Abschluss-/Vertriebskosten und die Verwaltungskosten bei einem Riester-Fondssparplan? Hängen diese Kosten von der Höhe der jährlichen Einzahlungen ab?

Ich gehe davon aus, dass es besser ist, diesen Vertrag schnellstmöglich zu kündigen und (mit 34 Jahren) einen Riester-Fondssparplan abzuschließen?

von Experte/in Experten-Antwort

Der Anbieter Ihrer Riester-Rente ist verpflichtet, Sie in den Vertragsunterlagen zu informieren, in welchem Zeitraum die Abschluss- und Vertriebskosten verteilt werden. Diese können bis zu einem Zeitraum von 10 Jahren verteilt werden,
mindestens über einen Zeitraum von 5 Jahren, sind aber von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.

Bei einem Abschluss eines Riester-Fondsparplan fallen ebenso Abschluss- und Vertriebskosten an, die beim Anbieter zu erfragen sind.

Zu einzelnen Produkten kann Ihnen das Sonderheft "Altersvorsorge" der Zeitschrift Finanztest oder http://www.stiftung-warentest.de weiterhelfen.

Bevor Sie einen Vertrag kündigen, wäre eine individuelle Beratung mit Produktbewertung bei der Verbraucherzentrale ratsam.

von
Bernhard

Ein abschreckendes Beispiel für die wohlbekannte Grundregel: Bei Riester-Verträgen sind die Kosten *das* wesentliche Kriterium.

Stornieren Sie diese Versicherung sofort, hier ist für einen Kunden nichts zu gewinnen, weder kurz- noch langfristig; den Rest Ihrer Einzahlung könnten Sie auf einen Fondsparplan übertragen, wenn nach den auch dafür wahrscheinlich fälligen Gebühren überhaupt noch etwas übrig bleibt.

Die Abschluß- und Vertriebskosten (= v.a. Vertreterprovision) eines Vertrages über eine kapitalbildende Versicherung (und genau das ist eine Riester-Rente), können bei 30 Jahren Laufzeit durchaus 1 bis 2 Jahresbeiträge betragen. Daher ist zu erwarten, dass Sie in den nächsten 4 Jahren ebenfalls 325 Euro dafür bezahlen werden, macht insgesamt 1625 Euro, eine ganz normale Provision ...

Verwaltungskosten von 98 € für 657 € Sparkapital hingegen sind schon ziemlich happig, zurückhaltend formuliert, wahrscheinlich bzw. hoffentlich auf die Versicherungssumme berechnet, würde also nicht weiter ansteigen.

Es ist auch durchaus üblich, normal und unter Sachkundigen kein Geheimnis, dass die gesamte staatliche Förderung bei einer Riester-Versicherung eines Normalverdieners für die Kosten verbraucht wird, im Prinzip fördert der Staat also nicht die "Förderberechtigten", sondern die Assekuranz.

Eine Leibrentenversicherung können Sie beim Riestern grundsätzlich nicht vermeiden, denn auch wenn Sie einen Bank- oder Fondsparplan abschließen, kommt das dicke Ende mit der gesetzlich vorgeschriebenen Restkapitalverrentung für die Zeit nach Vollendung des 80. Lebensjahres; dahinter steckt immer eine Rentenversicherung, die vom Anbieter (Bank, KAG) spätestens bei Beginn der Auszahlphase abgeschlossen werden muss; diese Kosten zahlen Sie dann eben später.

Kapitalbildende Versicherungen sind aus Kundensicht einfach fast immer unrentabel und fast immer ungeeignet, und das bleiben sie auch, wenn der Staat seinen "Riester-Segen" dazu gegeben hat.

Wer nur Anspruch auf eine einzige Erwachsenen-Grundzulage hat, und normal verdient, der hat einfach eine zu niedrige Förderquote, um auch nur länger darüber nachzudenken.

Wer in diesem Fall trotzdem "riestern" will, sollte primär auf möglichst niedrige Kosten achten. Die Zulagen sind immer gleich, und die Erträge sind auch fast überall gleich (niedrig), was natürlich nicht heißt, dass ein Anbieter es nicht auch noch schlechter machen kann.

von
Peter Podschuß

Bei einer fondsgebundenen Police zahlen Anleger für Versicherung und Fonds Gebühren und Provisionen. Als Fondssparer müssen Anleger nur für die Fonds Gebühren einkalkulieren.