von
kalixtus

Guten Abend,folgende Situation: Bis Febr. erhielt ich Leistungen nach SGB II. Infolge eines Erbfalls bin ich nunmehr für die Dauer von 6-7 Jahren aus dem Leistungsbezug ausgeschieden. meine Frage ist die,ob ich nun in dieser Zeit Rentenbeiträge von meinem Erbe zahlen muß/soll und ob diese sich ggfs. auf eine anschließende Rente/ Teilerwerbsminderung auswirken würden,wenn vorher die versicherungsrechtl. Voraussetzungen für den Bezug einer Rente nicht erfüllt waren. Vielen Dank! Bei Unklarheiten bitte fragen...! Danke

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo kalixtus,

diese Frage allumfassend, unter Abwägung aller Möglichkeiten und der sich in diesem Zusammenhang noch stellenden Fragen zu beantworten, würde einfach den Rahmen dieses Forums sprengen. Auch wenn in Ihrem Fall die Zahlung freiwilliger Beiträge prinzipiell möglich wäre, sollten Sie sich unbedingt in einer Auskunfts- und Beratungsstelle eines Rentenversicherungsträger individuell, unter Berücksichtigung Ihrer gesamten Versicherungsbiografie zur Frage „Ist es in Ihrem konkreten Einzelfall sinnvoll und vor allem auch notwendig freiwillige Beiträge zu zahlen?“ beraten lassen.

von
W*lfgang

Ergänzend:

Hallo kalixtus,

für Lücken im Rentenkonto, die jetzt ab 03.2015 erfolgen, können Sie noch bis 31.03.2016 freiwillige Beiträge einzahlen - insofern ist eine Spontanberatung nicht zwingend erforderlich, ob es notwendig/sinnvoll ist. Warten Sie vielleicht bis zum Jahresende erst mal ab, welche Situation sich bis dahin für Sie ergeben hat und vereinbaren dann einen Beratungstermin. Sofern Ihnen eine Beschäftigung 'droht', auch nur ein Minijob, oder Sie aufgrund der Vermögensmasse planen, das in eine selbständige Tätigkeit einzubringen, dann möglichst zeitnah das Beratungsgespräch suchen.

Denken Sie auch an Ihre Krankenversicherung (KV), wie es damit weitergeht (KK informiert Sie) und wie es im Rentenalter dann in der KV aussieht - und das sollte schleunigst geklärt werden.

Nein, vom Erbe _müssen_ Sie keine Rentenbeiträge zahlen.

Gruß
w.

von
kalixtus

Guten Abend Wolfgang,
ich möchte Ihnen kurz meine vollständige Geschichte erzählen. Das kann evtl. Unklarheiten beseitigen!
1997 infizierte ich mich kurz nach Ende meines Studiums mit HIV. Ich hatte bis dahin fast 5 Jahre Rentenbeiträge durch eine Tätigkeiten vor und während des Studiums gezahlt. (Krankenpflege) Infolge von ernsthafteren Erkrankungen und hinsichtlich der damaligen Lebenserwartung bei HIV entschloß ich mich eine freiberufliche Tätigkeit auszuüben,um so solange es irgendwie ginge,mich selbst zu finanzieren. Diese Selbständigkeit war eine eher fragwürdige Sache gerade hinsichtlich von Scheinselbständigkeit. Bis Ende 2010 ging alles soweit gut,dann durch eine mehrmonatige antibiotische Behandlung verschlechterte sich meine Situation trastisch(Vollbild Aids) Die Tätigkeit konnte nicht mehr ausgeübt werden und ein halbes Jahr später beantragte ich SGB II Leistungen. Der Rententräger DRV stellte im Amtshilfeersuchen die befristete volle Erwerbsminderung fest bis Ende 2013. Eine Rente wurde nicht gezahlt wegen fehlender versicherungsrechtl. Voraussetzungen. SGB XII Leistungen wurden bewilligt. Ab 2014 wieder SGB II Leistungen. Dann Februar 2014 Lungentumor mit anschließender Teilresektion . Infolge dessen Erhöhung des GdB der Schwerbehinderung auf 90 + G !Eine erneute Überprüfung meiner Erwerbsfähigkeit durch die DRV wurde nicht veranlaßt. Oktober 2014 Antrag auf Reha zur Wiedereingliederung. Hier erfolgte nun Feststellung der Erwerbsfähigkeit durch die Arbeitsagentur. Ergebnis. Voll Erwerbsfähig mit Einschränkungen! Ärztl. Befunde und Bescheid d. Versorgungsamtes wurden zur Kenntnis genommen. Neben der Aids erkrankung liegt infolge von Aids ein gemichtförmiges Asthma bronchiale/Copd sowie Bluthochdruck mit hytertensiven Entgleisungen als auch exokrine Pankreasinsuffiziens vor. Laut meiner behandelnden Ärzte wäre ich bestenfalls 3-4 h tgl. arbeitsfähig. Laut Jobcenter gelte ich im Grunde als unvermittelbar! Nun ist meine Mutter gestorben und ich erbe 100000 Euro. Werde da einige Jahre von leben können und dann vermutlich irgendeine Leistung nach SGB beantragen. Es fehlen in meinem Versicherungskonto 3 Monate um die 5 Jahre voll zu haben.

von
W*lfgang

Hallo kalixtius,

vielen Dank für die Offenheit!

Aber genauso offen/ehrlich, das ist eine 'Scheißprognose' für Ihre Erwerbsfähigkeit, für eine leider 'statistisch' verkürzte Lebenserwartung, um daran die rentenrechtlichen Möglichkeiten für ein dauerhaft gesichertes 'lebenslanges' Einkommen zu ermöglichen. Darüber werden Sie sich schon längst selbst im Klaren sein, insofern muss ich nichts beschönigen - Sie wollen Rat, ich versuche es nach besten Erkenntnisse, sofern es sich auf Rentenfragen bezieht.

Nein, Sie werden die EM-Rente leider nicht mehr erreichen, wegen der fehlenden 3 Monate. DIE können Sie nicht nachzahlen, erarbeiten, oder wie auch immer nachträglich/rückwirkend unterbringen.

Die fehlenden 3 Monate - oder erläuternd: VOR Feststellung der EM müssen 36 Monate an Pflichtbeiträgen vorliegen, die lassen sich nachträglich in keiner Weise rückwirkend einbauen – können Sie nicht mehr erreichen. Die EM ist festgestellt, der Zeitpunkt unverrückbar, da geht leider gar nichts mehr in die 5 Jahre davor, wo die 36 Monate liegen müssen.

Zudem ist auch zu hinterfragen, welchen Sinn Rentenbeiträge/freiwillige Beiträge jetzt hätten/für die Zukunft, um damit langfristig aus der 'Bedürftigkeitszone'/hier Grundsicherung/Sozialamt herauszukommen – um damit eine Altersrente oberhalb des staatlichen Sicherungsniveaus zu erreichen.

Ihr aktueller Altersrentenanspruch dürfte 300-100 EUR mtl. kaum erreichen. Daran gemessen ist es völlig sinnlos für vielleicht 100 EUR mehr noch Beiträge in die DRV zu schießen, damit sind Sie später immer noch auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen - freiwillige Beiträge zur DRV wären völlig verfehlt/aus dem Fenster raus ...

Mein Rat: genießen Sie ihr Leben, so lange es geht/Sie es können (aus dem Erbe), danach ist der Staat mit seinen ergänzenden Leistungen für Sie da.

LG
w.

von
kalixtus

Hallo W*lfgang,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Sie haben Recht! Wenn man sich einmal in diesen "Rädern" befindet,spätestens dann wird einem klar ,wie letzlich der Gesetzgeber die Dinge gefügt hat,daß man da auch kaum noch Möglichkeiten hat oder bekommt,wirklich aus der Bedürftigkeitszone heraus zu kommen. Ich bin jetzt 46 Jahre alt und im Grund besteht der Inhalt meines Lebens lediglich noch darin,mich mit irgendwelchen Behörden herumzuplagen,die je nach ihrer Interessenslage entscheiden. So wurde der Rehaantrag abgelehnt,weil meine gesundheitl. Einschränkungen nicht so wesentlich wären,daß durch eine Rehamaßmahme Abhilfe geschaffen werden könne. Der Rehaantrag war gestellt worden um dadurch eine Vermittlungsmöglichkeit durch den IFD zu ermöglichen .Die amtsärztl. Untersuchung bestand in Seh- und Hörtests und der Frage,ob ich Treppen steigen könne ,ach ja,man wollte wissen,ob ich auf einem Bein stehen könne. Die Erkrankungen und Einschränkungen durch dieselben,die zur Schwerbehinderung gefürt hatten interessierten überhaupt nicht. Drei Jahre zuvor war ich beim Gutachter der DRV. Der sagte mir gleich zu Beginn,er dürfe das zwar eigentl. nicht,aber er wisse nicht,warum in meinem Falle eine gutachterliche Stellungnahme nötig sei,das hätte man in Berlin entscheiden könne und fragte,ob ich ein Problem damit hätte,wenn er mich -befristet- voll erwerbsgemindert beurteilen würde.Das wisse doch jeder,daß jemand wie ich nicht erwerbsfähig sei. Es erfolgten noch ein paar wenige Standartuntersuchungen..das wars dann. Die COPD; Bluthochdruck,Lungenteilresektion,Pankreasinsuffiziens bestanden zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal und Schwerbehinderung war noch nicht beantragt. Der große Vorteil bei der ganzen Misere : Ein wirklich verständnisvolles Jobcenter!! Kein Druck,keine Bewerbungen(die ohnehin) aussichtslos wären und sehr viel Verständnis für die zuweilen schwierige Situation.

von
W*lfgang

Zitiert von: kalixtus
Der große Vorteil bei der ganzen Misere : Ein wirklich verständnisvolles Jobcenter!! Kein Druck,keine Bewerbungen(die ohnehin) aussichtslos wären und sehr viel Verständnis für die zuweilen schwierige Situation.
kalixus,

das mit dem Jobcenter/verständnisvolle Mitarbeiter liest man eher selten, meist wird in den Krawallmedien doch eher das gegenteilige Bild gezeigt und Einzelfälle überzeichnet ...es mag hier und da zu recht geschehen, will ich nicht weiter kommentieren. Auch die KollegInnen dort geben sich meist größte Mühe, sofern es die örtlichen 'Gegebenheiten' zulassen - da liegen die Unterschiede. Da ich ein rechtes gutes Verhältnis zu meinem Jobcenter habe (was Rentenfragen betrifft), sind die eher zurückhaltend in diesen Sachen, statt gleich die 'Keule' rauszuholen und damit unnötigen Verwaltungsaufwand zu produzieren.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft,

Gruß
w.