von
Peter Caspers

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin 33 Jahre und habe 1993 bis 1999 studiert. Auf meinem Versicherungsverlauf finden sich keine Studienzeiten. Welche Unterlagen sind in welcher Form einzureichen, um Studienzeiten anerkennen zu lassen? Wie viele Jahre werden standardmäßig anerkannt? Für wie viele Jahre kann ich darüberhinaus freiwillig Beiträge nachzahlen und wie hoch wären diese? Wie wäre das Verfahren hierzu? Vielen Dank für Ihre Antwort, Peter Caspers

von
M.

ab dem 17. Lebensjahr bis zu 8 Jahre Schul-, Fach- oder Hochschulausbildung sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen werden angerechnet.

Zeugnisse, immatrikulationsbescheinigung, alles was Ihre Studienzeit nachweisen kann.

Experten-Antwort

Hallo Peter Caspers,

die Antwort von "M." ist zwar knapp, aber grundsätzlich zutreffend. Ergänzend wäre noch die Möglichkeit der Nachzahlung von freiwilligen Beiträgen nach § 207 SGB VI zu nennen.

Um Ihre Frage allumfassend beantwortet zu bekommen, würde ich Ihnen jedoch raten, persönlich eine Auskunfts- und Beratungsstelle eines Rentenversicherungsträgers aufzusuchen und sich konkret auf Ihren Einzelfall bezogen beraten zu lassen. Hier kann man Ihnen auch konkrete Beträge nennen, was im Rahmen dieses Forums leider nicht so ohne weiteres möglich ist.

Wo sich Ihre nächstgelegene Auskunfts- und Beratungsstelle befindet, erfahren Sie zum Beispiel unter der Rubrik Service/Beratungsstellen auf www.ihre-vorsorge.de

von
M.

Oh ja stimmt das wollte ich auch noch miteinfügen hmm da war der kopf schneller als der Rest

Danke ans Expertenteam!

von
Bernhard

Wenn ich richtig zurückrechne, waren Sie 1999 nicht älter als 25 Jahre; in diesem Fall dürfen Sie höchstwahrscheinlich gar keine freiwilligen Beiträge für Ausbildungszeiten nachzahlen, das ist nur möglich für Zeiten, die nicht angerechnet werden.

"Angerechnet" oder "anerkannt" ist auch eine bewußt irreführende Bezeichnung, demnächst (nach 2009, Auslaufen einer Übergangsregelung) werden solche Zeiten überhaupt nicht mehr bewertet, man nennt das dann "unbewertete Anrechnungszeiten" - für eine Altersrente bringen solche Zeiten meistens gar nichts und sind damit im Prinzip das genaue Gegenteil einer Anrechnungszeit.

Sehr viel wichtiger und nützlicher wäre es für Ihre gesetzliche Rente, wenn Sie als Student einen nicht-geringfügigen Nebenjob gehabt hätten, da sich daraus bewertete Pflichtbeitragszeiten ergeben. Studienzeiten führen nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch zu Lücken bei der gesetzlichen Rente.

Das empfehlenswerte Vorgehen, um die Anerkennung von Studienzeiten zu erreichen, ist die Durchführung eines Kontenklärungsverfahrens, hier können Sie das "Komplettpaket Kontenklärung" herunterladen.

Vorher oder nur deswegen eine Beratungsstelle der DRV aufzusuchen, ist nichts als verschwendete Zeit.

von
lotscher

Hallo Herr Peter Caspers,
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auf Grund Ihrer Jugend kommen nur noch die gesetzlichen Regelungen mit Wirkung ab 2009 für die Berücksichtigung von beruflichen und schulischen Ausbildungszeiten für Sie in Betracht.
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Danach wird als schulische Ausbildungszeit nur noch ein Fachschulbesuch bis 36 Mon. eigenständig bewertet, mit (75% des Gesamtleistungswertes, wenn er <75% Bundesdurchschnitt ist, sonst 75% Bundesdurchschnitt, entspricht maximal 0,0625 Punkte für jeden Monat Fachschule.
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Alle anderen Schulischen Zeiten bis maximal 8 Jahre sind "betragsfreie Zeiten ohne Leistungsbezug".
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Die Meinung von Bernhard ist da nicht korrekt.
Beitragsfreie Monate ohne Leistungsbezug werden an einer bestimmten Stelle im Berechnungsverfahren einer Rente herausgelöst, wodurch ein zu ermittelnder Monatswert an Entgeltpunkten eine höhere Bewertung erfährt, da ich Gesamtpunkte durch Monate dividiere.
Der zu ermittelnde Monatswert wiederum ist ausschlaggebend für die Ermittlung der Höhe zusätzlicher Entgeltpunkte, wozu u.a. auch die Monate Faschule zählen, volle Monate Krankheit u.u., aber auch beitragsgeninderte Monate.
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Die Höhe der Monate für freiwillige Beitragszahlungen würde in Ihrem Fall, wenn keine Faschule vorliegt, den gesamten Zeitraum Schule ausmachen, maximal aber nur 8 Jahre.
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Da die Rendite einer freiwilligen Beitragszahlung in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht, ist eigentlich nicht zu diesem Schritt zu raten, dafür lieber das Geld langfristig sinnvoll anlegen, muss nicht unbedingt ein Aktienfond sein.
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Dazu müssen Sie aber dem zuständigen Rentenversicherungsträger erst mal Ihre schulischen Ausbildungszeiten wie schon genannt, darlegen. Im Ergebnis bekämen Sie einen neuen Versicherungsverlauf, aus dem hervogeht, wieviel Monate berücksichtigt wurden und wieviel "Monate ohne Leistungsbezug" vorhanden sind. Die Letzte Angabe wäre dann für freiwilige Zahlungen von Bedeutung. Reiflich überlegen, ob man zahlen will. Zahlenmaterial liefere ich noch nach.
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Im konkreten Fall der DRV Bund mitteilen, für wieviel Monate und zu welchem Sachverhalt die Zahlung erfolgen soll. In der Rückäußerung werden dann Angaben gemacht, ob freiwillige Zahlungen am unteren Limit, zum Durchschnitt oder bis zur Obergrenze erfolgen sollen, dazu auch die Beiträge genannt.
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Jusermeinung

von
lotscher

Hallo Herr Peter Caspers,
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Wirkung freiwilliger Beitrag auf die Rente, dazu Beispiel mit Werten aus 2007.
Der Mindestbeiträge der monatlichen Zahlung ist
79,66 €, fürs Jahr = 955,20 €, entspricht einem Bruttowert von 4800 €.
Daraus ergeben sich als monatliche Rente 4,25 €, für ein Jahr 51,0 €.
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Rendite: In 18,73 Jahren Rentenbezug hätten Sie den eingezahlten Betrag wieder quitt.
Weitere Überlegungen bitte selbst anstellen.
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Usuermeinung

von
lotscher

Korrektur des Wertes für den Mindestbeitrag
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richtig sind 79,60 € monatlich, nicht 79,66 €

von
Bernhard

"Rendite: In 18,73 Jahren Rentenbezug hätten Sie den eingezahlten Betrag wieder quitt."

Das ist natürlich eine völlig falsche Aussage. Noch milchmädchenhafter kann man Versicherungsmathematik wirklich nicht betreiben.

Schon einmal etwas von Barwert, Sterbetafeln oder Zinsen gehört? Eine so primitiv berechnete Rentenbezugsdauer (Beitrag/Jahresrente = Bezugsdauer) ist immer erheblich zu kurz.