von
Soulmate

Hallo liebe Gemeinschaft,
meine Teilrente wurde mir zwischenzeitlich zum 01.05.2015 genehmigt. Nun bin ich dennoch weiterhin krank geschrieben und mein AG hält sich noch sehr wage, ob er mit meiner Leistungseinschränkung noch einen passenden Arbeitsplatz für mich hat. Nun weiß ich, dass, wenn nicht, die RV prüfen kann, ob ich eine Arbeitsmarktrente bekommen kann. Ich habe soviel rumtelefoniert, weil ich 1000 unterschiedliche Infos bekommen habe und nun gar nicht mehr weiß, wo ich dran bin :( Der VdK hat mir gleich mal geraten, schon vorsorglich gegen den Rentenbescheid Widerspruch einzulegen, da ich später ansonsten einen ganz neuen Antrag stellen müsste. Stimmt das? Die RV sagte mir, sie prüfen automatisch, wenn ich keine Arbeit mehr habe, ob der Teilzeitmarkt für mich verschlossen ist? Außerdem sagte man mir dort, dies könne auch geprüft werden, wenn ich noch im Krankengeldbezug bin. Ist das so?

Meine große Sorge ist einfach, dass ich erst arbeitslos sein muss, denn das hieße, ich bekäme ALG 1, was auf die Rente angerechnet würde, welche mir dann komplett wegfallen würde. Heißt, mir würde viel Geld fehlen und wer weiß, wie lange so eine Prüfung dauert? Hätte ich da auch zusätzlich Anspruch auf ALG 2?

Ich dachte, wenn ich erst mal die Teilrente habe, ist alles gut und nun sowas :-( Wie stehen denn die Chancen auf eine Umwandlung?

Danke erstmal fürs Lesen und ich hoffe auf Ratschläge und Infos :-)

von
Schorsch

Mir sind 2 Fälle aus meinem Bekanntenkreis bekannt, in denen selbst nach 5 Jahren "Arbeitsmarktrenten" verweigert wurden, weil der regionale Arbeitsmarkt nach Auskunft des Landesarbeitsamtes nicht als verschlossen galt.

Dass Beide trotzdem nicht in Arbeit vermittelt wurden, war egal.

Denn die DRV-Mitarbeiter wissen natürlich auch, dass niemand in Arbeit vermittelt werden kann, wer das absolut nicht will.

von
KSC

Na, die Antwort von Schorsch wird Soulmate unheimlich weiterhelfen.

Wie lange genau die Prüfung dauert, wird Ihnen hier niemand sagen können.
Ebesowenig ob Sie konkret ergänzend ALG II oder sonstige Sozialleistungen bekommen können - das hängt letztlich von Ihrer finanziellen Situation / Bedürftigkeit ab.

Und "alles gut" ist bei einer Teilrente erst dann, wenn der Teilrentner entweder einen passenden Teilarbeitsplatz gefunden hat, oder per Bescheid festgestellt ist, dass es die (volle) Arbeitsmarktrente gibt.

Bis das geklärt ist, besteht für Sie Unsicherheit.
Die besteht übrigens auch solange Sie ein Widerspruchsverfahren führen - erst nach dessen Abschluß erkennen Sie ob der "VDK Tipp" ein guter oder ein weniger guter Ratschlag war.

von
HSV

Zitiert von: KSC

Na, die Antwort von Schorsch wird Soulmate unheimlich weiterhelfen.

Genauso wie Ihre....

Diese Antwort hilft insofern weiter, als dadurch überzogene Erwartungen gebremst werden.

Eine Arbeitsmarktrente ist nämlich kein Automatismus, der automatisch greift, sobald man eine Weile arbeitslos war.

Genau DAS glauben aber Viele.

von
Soulmate

Wie schön, von lauter Fussballvereinen umgeben zu sein ;-)

Nein, ernsthaft, schlauer bin ich jetzt nicht wirklich, aber ich bin auch nicht so naiv zu glauben, dass man sofort eine Arbeitsmarktrente bekommt. Die wichtigste aller Fragen für mich wäre aber erst einmal, ob die RV auch während meiner noch laufenden Krankschreibung prüfen kann, ob der TZAM verschlossen ist für mich oder nicht.

Dass ALG 2 auf die Höhe der Einkünfte ankommt, weiß ich. Ich wollte nur wissen, ob es überhaupt grundsätzlich möglich ist, beides, also ALG 1 und 2, zu bekommen.

Ich werde morgen mal mit meinen Fragen im Gepäck zur Beratungsstelle der RV gehen und mal hören, was die sagen bzw. mir raten zu tun.

Vielen Dank aber für die Mühe aller hier :-)

von Experte Experten-Antwort

Ihr Arbeitgeber ist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz grundsätzlich verpflichtet, Ihnen einen Ihrem Leistungsvermögen entsprechenden Teilzeitarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Eine Ausnahme besteht nur, wenn Ihr Arbeitsverhältnis noch nicht länger als 6 Monate bestanden hat, Ihr Arbeitgeber nicht mehr als 15 Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) beschäftigt, wenn der Arbeitgeber betriebliche Gründe nachweist, die gegen eine Reduzierung der Arbeitszeit sprechen oder die Verkürzung der Arbeitszeit zu unverhältnismäßig hohen Kosten führt. "Einfach so" kann Sie Ihr Arbeitgeber also nicht entlassen bzw. einen Teilzeitarbeitsplatz verweigern.

Darüber hinaus sollten Sie prüfen, ob Sie nach tarifvertraglichen Regelungen oder arbeitsvertraglicher Regelungen nicht ohnehin einen Anspruch auf einen Teilzeitarbeitsplatz haben.

Stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber hingegen keinen Teilzeitarbeitsplatz zur Verfügung, weil er aus einem der genannten Gründe nicht dazu verpflichtet ist, sollten Sie dies Ihrem Rentenversicherungsträger umgehend mitteilen. Der Rentenversicherungsträger prüft dann umgehend, ob Sie einen Anspruch auf eine Arbeitsmarktrente haben. Sie müssen also nicht so lange warten, bis Sie bereits Arbeitslosengeld beziehen.

von
Soulmate

Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ich habe gerade noch einmal mit meiner Schwerbehindertenvertretung telefoniert und diese meinte, wenn der Betriebsarzt von meinen Einschränkungen liest, wird es eng werden mit einem leidensgerechten Arbeitsplatz. Ich arbeite zwar in einer großen Stadtverwaltung, aber ich weiß auch, dass diese überall einsparen muss. Wenn er also aus betrieblichen Gründen mir keine adäquate Stelle zuweisen kann, habe ich wohl schlechte Karten :(

Was die Arbeitsmarktrente angeht habe ich so viele unterschiedliche Informationen. Mal lese ich davon, dass grundsätzlich von einem verschlossenen Arbeitsmarkt auszugehen ist, mal nicht. Ich kann es selbst nicht einschätzen, wie realistisch eine Vermittelbarkeit mit meinen Einschränkungen ist.

Ist es denn nun sinnvoll, vorsorglich Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen?

von Experte Experten-Antwort

In den vergangenen Jahren sind die Rentenversicherungsträger von einer generellen Verschlossenheit des Teilzeitarbeitsmarktes ausgegangen. Dennoch konnten die Rentenversicherungsträger in Einzelfällen prüfen, ob geeignete Teilzeitarbeitsplätze in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen.

Da sich die Arbeitsmarktsituation konjunkturbedingt gebessert hat, prüfen die Rentenversicherungsträger zur Zeit sogar, ob die Annahme einer generellen Verschlossenheit des Teilzeitarbeitsmarktes aufgegeben werden sollte.

Fazit: Auch wenn Sie keinen Teilzeitarbeitsplatz haben, müssen Sie damit rechnen, dass in Ihrem Einzelfall geprüft wird, ob der Teilzeitarbeitsmarkt für Sie verschlossen ist.

Einen vorsorglichen Widerspruch können Sie natürlich einlegen, er stärkt zunächst einmal Ihre Rechtsposition. Bedenken Sie aber, dass Sie Ihren Widerspruch irgendwann begründen müssen, sonst wird er wahrscheinlich zurückgewiesen. Holen Sie sich also möglichst Rat von einem Fachmann, der sich "Ihren Fall" einmal genauer ansieht.

von
:-)

[quote=2]
Ihr Arbeitgeber ist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz grundsätzlich verpflichtet, Ihnen einen Ihrem Leistungsvermögen entsprechenden Teilzeitarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Eine Ausnahme besteht nur, wenn Ihr Arbeitsverhältnis noch nicht länger als 6 Monate bestanden hat, Ihr Arbeitgeber nicht mehr als 15 Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) beschäftigt, wenn der Arbeitgeber betriebliche Gründe nachweist, die gegen eine Reduzierung der Arbeitszeit sprechen oder die Verkürzung der Arbeitszeit zu unverhältnismäßig hohen Kosten führt. "Einfach so" kann Sie Ihr Arbeitgeber also nicht entlassen bzw. einen Teilzeitarbeitsplatz verweigern.

Stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber hingegen keinen Teilzeitarbeitsplatz zur Verfügung, weil er aus einem der genannten Gründe nicht dazu verpflichtet ist, sollten Sie dies Ihrem Rentenversicherungsträger umgehend mitteilen. Der Rentenversicherungsträger prüft dann umgehend, ob Sie einen Anspruch auf eine Arbeitsmarktrente haben. Sie müssen also nicht so lange warten, bis Sie bereits Arbeitslosengeld beziehen.

Was ist wenn Soulmate von seinem Arbeitgeber mit einer Abfindung entlassen wird. Er sich aber nicht Arbeitslos meldet weil er nicht Arbeitsfähig ist und sich die Strapazen auf dem Arbeitsamt nicht an tun möchte, kann er dann auf eine volle Rente rechnen. Dann fragte Soulmate wie lange er dann darauf warten muss wenn z. B. sein Arzt der RV bestätigt, dass er nicht arbeitsfähig ist.

von
:-)

Was ist wenn Soulmate von seinem Arbeitgeber mit einer Abfindung entlassen wird. Er sich aber nicht Arbeitslos meldet weil er nicht Arbeitsfähig ist und sich die Strapazen auf dem Arbeitsamt nicht an tun möchte, kann er dann auf eine volle Rente rechnen. Dann fragte Soulmate wie lange er dann darauf warten muss wenn z. B. sein Arzt der RV bestätigt, dass er nicht arbeitsfähig ist.

von
Soulmate

Dieser Seelenverwandte ist ein Mädchen ;-) Aber danke, für deine Antwort :-)

Abfinden wird mich mein AG sicher nicht, auch wenn ich schon 23 Jahre im ÖD bin, würde es sich nicht lohnen (so die Aussage des Personalrates).

Ja, wichtig wäre mir zu erfahren, wie lange so eine Prüfung des Teilzeitarbeitsmarktes dauern kann. Ich habe da von der RV schon ganz abenteuerliche Aussagen bekommen. Einer sprach von 2 Jahren :o

von Experte Experten-Antwort

Die Prüfung, ob der Teilzeitarbeitsmarkt verschlossen ist, erfolgt unabhängig davon, ob jemand gerade arbeitsunfähig ist oder ob er sich bei bestehender Arbeitslosigkeit bei der Agentur für Arbeit meldet.

Erwerbsminderung im Sinne der Rentenversicherung und Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Krankenversicherung sind zwei verschiedene Sachverhalte. Die Gutachter der Rentenversicherung beurteilen das Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (Erwerbsfähigkeit / Erwerbsminderung) unabhängig vom Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit. Grundsätzlich haben daher weder der Beginn noch das Ende einer Arbeitsunfähigkeit Einfluss auf das Vorliegen von Erwerbsminderung.

Bei der Prüfung, ob der Teilzeitarbeitsmarkt für einen Versicherten verschlossen ist, wird anhand der vom Gutachter festgestellten Leistungseinschränkungen ermittelt, welche Tätigkeiten der Versicherte noch zumutbar ausüben kann. Dabei spielen natürlich auch seine Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildung) eine Rolle. Über die Agentur für Arbeit wird sodann geprüft, ob ein ausreichendes Stellenangebot vorhanden ist, ob der Versicherte also (voraussichtlich) innerhalb eines Jahres in eine zumutbare Tätigkeit vermittelt werden kann.

Diese Prüfung erfolgt unabhängig davon, ob sich der Versicherte arbeitslos gemeldet hat oder nicht. Meldet sich der Versicherte nicht bei der Agentur für Arbeit, kann dies im Hinblick auf eine Arbeitsmarktrente sogar negativ für ihn sein. Denn wenn die Agentur für Arbeit einen Versicherten trotz ursprünglich positiver Prognose tatsächlich nicht innerhalb eines Jahres auf einen geeigneten Teilzeitarbeitsplatz vermitteln kann, hat er einen Anspruch auf eine Arbeitsmarktrente. Dazu muss er der Arbeitsvermittlung natürlich zur Verfügung gestanden haben, also gemeldet gewesen sein.

Zur Dauer der Prüfung können wir hier leider keine Aussage treffen, sie kann von Fall zu Fall (je nach Komplexität) variieren. Die Dauer der Prüfung soll aber nicht zu Lasten der Versicherten gehen, d. h. Arbeitsmarktrenten werden nach Abschluss der Prüfung entsprechend rückwirkend gezahlt, die Nachzahlungen gegebenenfalls verzinst.