von
Leser

Rechnen für die Rente
So ermitteln Sie Ihren monatlichen Sparbetrag fürs Alter
Düsseldorf (RP). Versorgungslücke” ist eines der Schlagwörter dieser Tage. Wie viel aber sollte jemand zusätzlich sparen, um im Alter gut zu recht zu kommen? In zwei Schritten lässt sich überschlagen, wie viel monatlich etwa als Sparrate notwendig ist. Zunächst muss die voraussichtliche Versorgungslücke ermittelt werden. Dafür gibt es verschiedene Herangehensweisen.

Die eine besteht darin, die Einnahmen und Ausgaben im Alter zu schätzen. Aus der Differenz ergibt sich dann eine monatliche Versorgungslücke. Eine weitere Variante kann sein, jeweils die Hälfte des aktuellen Anspruchs auf gesetzliche Rente als das persönliche Sparziel zu sehen. Zumindest 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens sollten bei einem Durchschnittsverdiener mit dieser Strategie möglich sein.

Das Beispiel eines 35jährigen, der mittlerweile rund 50.000 Euro brutto im Jahr verdient und es laut Standmitteilung bislang auf rund 1500 Euro gesetzliche Rente monatlich gebracht hat. Die Hälfte davon, 750 Euro, soll zusätzlich aus einer Privatvorsorge fließen.

Erster Schritt: der Kapitalbedarf. Etwa 20 Jahre (240 Monate) lang wird die Zusatzeinnahme im Schnitt benötigt. Macht bei 750 Euro monatlich einen Gesamtbetrag von 180.000 Euro. In der Auszahlphase erwirtschaftet das Geld aber noch Zinsen. Der mögliche Zins wird mit vier Prozent angesetzt. Davon sollte zugleich eine erwartete Inflation von zwei Prozent jährlich abgezogen werden, so dass ein „Realzins” von etwa zwei Prozent verbleibt. Der Kapitalbedarf nach heutiger Kaufkraft reduziert sich dadurch auf knapp 149.000 Euro.

Wer das mit anderen Werten rechnen möchte, etwa mit kürzerer oder längerer Lebenserwartung, kann das mit Entnahmeplan-Rechnern im Internet tun.

Zweiter Schritt: der Ansparbedarf. Nachdem die Zielsumme von 149.000 Euro nach heutiger Kaufkraft bekannt ist, kann die dafür notwendige Sparrate ermittelt werden. In diesem Fall soll für 30 Jahre (360 Monate) regelmäßig monatlich gespart werden. Den Realzins setzt der Vorsorgesparer ebenfalls vorsichtig mit zwei Prozent an. Die notwendige Rate würde sich auf 303 Euro monatlich belaufen (3636 Euro je Jahr). Das entspricht 7,3 Prozent des Bruttojahreseinkommens. Das liegt genau in der Mitte der üblichen Empfehlungen (5 bis 10 Prozent des Bruttojahreseinkommens), die Banken und andere Finanzdienstleister aussprechen.
(rp-online, 13.2.2007)

Habe diesen Bericht heute gelesen; und bin vom Hocker gefallen?Die Zeitungen in Deutschland müssen mehr realistische Altersvorsorgebeispiele für Kleinverdiener präsentieren,wenn Sie in der Bevölkerung glaubhaft wirken wollen. Oder verdienen Journalisten auch soviel (EUR 50.000,-- Jahresbrutto), so dass sie sich mit diesen Berechnungsbeispielen anfreunden.
Wer Privatvorsorge für den Geringverdiener(die Altersvorsorge wirklich nötig haben) wirklich schmakhaft machen will, muss geringere Gehaltshöhen als Vorsorgebeispiele liefern; z.B. für einen, der z.B. monatlich Brutto2.393,--x 12 = jährlich EUR 28.716,-- verdient.

ERGO: An der Altersvorsorge sind auch die von der Realität fernberichtenden Journalisten dieses Landes schuld! Wenn die Journalisten derartiger eingentlich seriöser Zeitungen derartige blödsinnige Berechnungsbeispiele bringen, bleibt der um die Vorsorge sich sorgende kleine Bürger/Leser auf der Strecke und depremiert(EUR50.000,-- Bruttojahresgehalt; davon träume ich)
Mich würde interessieren, was die Experten hier im Forum dazu meinen.

Gruss
Der empörte Leser

von
DN

Welches Bruttoeinkommen Sie einsetzen ist vollig unerheblich. Mit dem Beispiel soll nur das Verhältnis Bruttoeinkommen zu Aufwendungen für die Altersvorsorge dargestellt werden. Das Beispiel können Sie für einen Jahresverdienst von 28000 Euro oder von mir aus auch von 100000 Euro anwenden. Das Verhältnis wird Einkommen zu Versorgungslücke bzw. Auwand für die Altersvorsorge wir etwa gleich bleiben. Verdienen Sie "nur" rund 2/3 der 50000, beträgt Ihre Rente auch "nur" grob gerechnet 2/3 der angeführten Rente - ergo brauchen Sie auch "nur" rund 2/3 der mtl. 303 Euro sparen.

Leider ist dies aber nur Theorie: Wer jährlich 50000 Euro brutto verdient, kann wahrscheinlich ehr 303 Euro mtl . für das Alter auf die Hohe Kante legen, als jemand der "nur" 28000 Euro brutto jährlich verdient und entsprechend mtl. 165 Euro für das Alter aufwenden muss.

Aber ärgern Sie sich nicht: Wer weiss was der Staat mit demjenigen macht, der 150000 Euro für die Altersvorsorge angespart hat und mit 55 Jahre arbeitslos wird und Harzt IV beantragen muss. Vielleicht werden in Zukunft Einkünfte aus Privatrente/Betriebsrenten oder ähnliches auf die gesetzliche Rente angerechnet. Bei den Beamten wir die gesetzliche Rente auch schon auf die Pension angerechnet? Dem Ideenreichtum des Staates sind keine Grenzen gesetzt...

von
Bernhard

Solche Beispielrechnungen haben lediglich einen einzigen Zweck:

Sie sollen Personen, die über ein hohes Einkommen verfügen, dazu veranlassen, die Dienstleistungen von Banken und Versicherungen in Anspruch zu nehmen.

Durchschnittsverdiener sind hier keine geeignete Zielgruppe, denn das frei verfügbare Einkommen nimmt leider nicht linear mit dem Bruttoeinkommen zu oder ab, und der kostenintensive "Peanuts-Bereich" wird bereits mit standardisierten Massenprodukten wie z.B. Riester-Verträgen bedient.

Der "sich sorgende kleine Bürger" sollte trotz allem versuchen, einen klaren Kopf zu behalten und das Unvermeidliche zu akzeptieren:

Wer nicht wenigstens 2/3 eines Durchschnittseinkommens erzielt, der kann auf gar keinen Fall gegen die bereits erfolgten und noch kommenden Kürzungen bei Renten und Krankenkassen ansparen. Private Vorsorge ist in diesen Fällen aus persönlicher Sicht sinnlos und dient nur zur künftien Entlastung der Sozialhilfe. Dem Staat mag das nützen, dem Vorsorgesparer nicht.

Und ich habe erhebliche Zweifel, ob diese (ständig ansteigende) Einkommensgrenze inzwischen nicht schon weit höher anzusetzen ist ...