von
Crusader

Hallo! Die Arbeitsmarktrente wird ja teilweise aufgrund des Gesundheitszustandes und teilweise aufgrund Verschlossenheit des Arbeitsmarktes bewilligt.

Zieht eine Person in

1.eine andere Region Deutschlands, in der der Arbeitsmarkt erheblich besser ist, als am vorherigen Wohnort...

2.ein anderes EU/EWR-Land, in dem der Arbeitsmarkt erheblich besser ist, als im Heimatland...

...wird dann eine Neubewertung der Chancen der Person auf dem Arbeitsmarkt vorgenommen, die sogar zum Verlust der vollen Arbeitsmarktrente führen kann und somit nur noch die Teilrente bleibt ?

von
???

1. Arbeitsmarktrenten gibt es auch in Bayern, wo teilweise Vollbeschäftigung herrscht. Von daher sollte ein Umzug innerhalb Deutschlands unproblematisch sein.

2. Bei einem Wegzug aus Deutschland wird meines Wissens immer nur noch eine Teilrente gezahlt. Ob der neue Wohnsitz innerhalb oder außerhalb der EU liegt, ist egal.

von
=//=

Zu 1. : Es wird keine Überprüfung vorgenommen, ob an einem anderen Wohnort größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen.

Zu 2. : Der Rentner muss dem DEUTSCHEN Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und nicht einem ausländischen! Bei Verzug ins Ausland wird in diesem Fall nur noch eine teilweise EM-Rente gezahlt.

M.E. betrifft dies nicht sogenannte Grenzgänger, z.B. wohnhaft in der Schweiz nahe der deutschen Grenze, die in Deutschland arbeiten bzw. sich dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen.

von
Crusader

Die Aussage bzgl. dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, ist falsch ! Bezieher der Arbeitsmarktrente müssen sich nicht der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellen und müssen keine Bewerbungen schreiben.
Einzige Ausnahme: Die Person bezieht aufstockend zur Rente Hartz4. Nur in diesem Fall muss sich die Person um einen Teilzeitjob bemühen.

Verlegung Hauptwohnsitz: Gemäß Gebietsgleichstellungsregelung nach EG-Verordnung 883/2004 (EWR 140871) darf ein Bezieher der Arbeitsmarktrente in jedes EU-Land und bestimmte EWR-Abkommensstaaten (z.B. Schweiz, Norwegen) ziehen und hat weiterhin Anspruch auf seine VOLLE Arbeitsmarktrente. Der Umzug ist VORHER schriftlich der DRV mitzuteilen. Man erhält eine Zahlungsbestätigung R851 sowie Formular A1058 SB, in dem das neue Land eingetragen wird. Auch im neuen Land muss man keine Bewerbungen schreiben, außer man bezieht dort aufstockend Leistungen. Krankenversichert bleibt man weiterhin über die Krankenkasse in Deutschland und auch das deutsche Bankkonto kann man behalten. Quellen: Broschüre DRV "Erwerbsminderungsrente - Das Netz für alle Fälle" Seite 31, 9.Auflage (7/2014) Nr.201 und aus eigener Erfahrung. Mir selbst liegen aktuell o.g. Formulare vor, die ich aufgrund einer schriftlichen Anfrage bzgl. Umzug in ein anderes EU-Land erhielt.

von
=//=

Danke für die Berichtigung bzw. Ergänzung bzgl. EU/EWR-Abkommen. Ich hatte aber nie geschrieben, dass der EM-Rentner Bewerbungen schreiben oder regelmäßig bei der AfA nachfragen muss. Die Tatsache, dass der Rentner dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen muss, ist genauso theoretisch wie der "verschlossene" Arbeitsmarkt an sich.

Früher wurde tatsächlich noch geprüft, ob in dem Gebiet, in dem sich der Rentenantragsteller aufhielt, der Arbeitsmarkt tatsächlich verschlossen war! Heute "genügt" für die Bewilligung einer Arbeitsmarktrente das Leistungsvermögen von 3 - unter 6 Stunden UND abgesehen von wenigen Ausnahmen das Bestehen von Arbeitslosigkeit.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Crusader,
sofern ein Rentenversicherungsträger eine Einzelfallprüfung zur Verschlossenheit des Arbeitsmarktes durchführt, erfolgt diese immer nur regional unter Einbindung der zuständigen Agentur für Arbeit. Daher ist es für die Arbeitsmarktrente erheblich, ob der Versicherte seinen Wohnsitz in einer Region mit schlechter Arbeitsmarktlage oder mit guter Arbeitsmarktlage hat. Bei einer Verlegung des Wohnsitzes in eine andere Region ist somit der Anspruch auf Arbeitsmarktrente grundsätzlich neu zu prüfen. Ist der Arbeitsmarkt nun nicht mehr verschlossen, fällt die Arbeitsmarktrente zum Ende des Umzugsmonats weg.
Bei Verzug in ein anderes EU/EWR-Land wird die Arbeitsmarktlagerente weiter gezahlt. Eine spezielle Überprüfung der Arbeitsmarktsituation in diesem entsprechenden Land erfolgt nicht.

von
Crusader

Zitiert von:

Hallo Crusader,
sofern ein Rentenversicherungsträger eine Einzelfallprüfung zur Verschlossenheit des Arbeitsmarktes durchführt, erfolgt diese immer nur regional unter Einbindung der zuständigen Agentur für Arbeit. Daher ist es für die Arbeitsmarktrente erheblich, ob der Versicherte seinen Wohnsitz in einer Region mit schlechter Arbeitsmarktlage oder mit guter Arbeitsmarktlage hat. Bei einer Verlegung des Wohnsitzes in eine andere Region ist somit der Anspruch auf Arbeitsmarktrente grundsätzlich neu zu prüfen. Ist der Arbeitsmarkt nun nicht mehr verschlossen, fällt die Arbeitsmarktrente zum Ende des Umzugsmonats weg.
Bei Verzug in ein anderes EU/EWR-Land wird die Arbeitsmarktlagerente weiter gezahlt. Eine spezielle Überprüfung der Arbeitsmarktsituation in diesem entsprechenden Land erfolgt nicht.

Sehr geehrte/r Experte/in,

vielen Dank für die präzise Antwort. Demnach würde also die Lage für eine Person, die von MV nach z.B. Bayern zieht, neu geprüft werden. Trifft Ihre Assauge auch zu, wenn die Person ins deutschsprachige EU/EWR-Ausland zieht, da ja dann eventuelle Sprachbarrieren entfallen?

von
W*lfgang

Zitiert von: Crusader
Trifft Ihre Assauge auch zu, wenn die Person ins deutschsprachige EU/EWR-Ausland zieht, da ja dann eventuelle Sprachbarrieren entfallen?
Crusader,

statt Überprüfung des 'regionalen' Teilzeitarbeitsmarktes, ist in diesem Fall (Verzug in 'irgendein' EU/EWR-Ausland) der gesamtdeutsche Teilzeitarbeitsmarkt das Maß aller Dinge.

Wie das nun die einzelnen DRV-Träger bei Arbeitsmarktrenten handhaben, steht wieder auf einem anderen Blatt.

Gruß
w.