von
Alexa

Mein Mann und ich sind beide Beamte. Trotzdem wird der Versorgungsausgleich wohl über die Rentenversicherung durchgeführt. Die für mich berechnete auszugleichende Versorgung beträgt ca. 560,- €. Für meinen Mann ergibt sich ein Betrag von ca. 760,- € = 50 % der Differenz also 100,- €. Wie kann ich für mich errechnen, was ich (und wann) an Rente bekomme (andere Rentenanwartschaften habe ich nicht). Die Ehezeit beträgt ca. 16,4 Jahre. Muss ich Wartezeiten erfüllen? Kann es sein, dass sich bei dieser geringen Differenz von 100,- € keine Rente ergibt? Ist es möglich, eine Kapitalabfindung im Scheidungsverfahren zu erhalten? Wie hoch müsste sie sein? Mein Mann ist 53, ich bin 50 Jahre alt.
Vielen Dank im voraus!
Alexa

von
Bernhard

Es gibt auch Kleinstrenten, die absolute Höhe des Betrages spielt hier keine Rolle; sie bekommen aufgrund des Versorgungsausgleichs die erforderlichen Wartezeiten.

Bei Durchführung über die gesetzliche Rentenversicherung würden Sie 10 Monate nach Vollendung des 65. Lebensjahres eine Altersrente bekommen.

Ich würde Ihnen allerdings dringend empfehlen, sich mit Ihrem Mann gütlich zu einigen und statt dieses Versorgungsausgleichs eine Kapitalabfindung oder den Abschluss einer privaten Leibrentenversicherung zu vereinbaren.

Das Preis/Leistungsverhältnis der gesetzlichen Rentenversicherung wird (kaum noch Rentenerhöhungen) immer schlechter, und ist in 17 Jahren mit Sicherheit vergleichsweise extrem schlecht - und Sie sind wehrlos staatlichen Kürzungsorgien ausgeliefert.

Eine klassische private (Leib-) Rentenversicherung hingegen erwirtschaftet höhere Renditen und garantiert einen Rechnungszins und damit eine Mindestleistung, und bietet auch noch während des Rentenbezugs Dynamik, also jährliche Erhöhungen (und kann ausserdem niemals auf eine Beamtenpension angerechnet werden).

Da eine gesetzliche Rentenanwartschaft deutlich teurer kommt, könnten Sie von Ihrem Mann dann auch mehr als 100 € monatlich fordern, das ist Verhandlungssache, wenn er klug ist, wird er das akzeptieren.

Ermitteln Sie zunächst mithilfe von http://www.fss-online.de, wie hoch der Jahresbeitrag (jährliche Raten sind günstiger) für eine aufgeschobene (Aufschubzeit 15 Jahre) dynamische private Leibrente in Höhe von 100 € (falls Betrag zu niedrig, x 2 und Ergebnis halbieren) für eine Frau Ihres Geburtsjahrgangs wäre (das sind etwa 1300 € jährlich), dort sehen Sie auch die entsprechende Kapitalabfindung (um die 23.000 €) in 17 Jahren.

Diesen Betrag können Sie dann mit dem Barwertrechner (hier unter Finanzrechner) diskontieren, also unter Annahme eines Zinssatzes (z.B. 4 %, als Inflationsrate eingeben) auf den heutigen Wert diskontieren, damit hätten Sie die Höhe einer angemessenen Kapitalabfindung (mit diesen Zahlen 12.700 € hier und jetzt).Eine geringe Erhöhung könnten Sie auf die 100 € auch noch aufschlagen, da auch gesetzliche Renten noch geringfügig steigen werden, aber in den nächsten 17 Jahren ist da nicht viel zu erwarten.

Um eine gesetzliche Rentenanwartschaft in Höhe von 100 € (etwa 4 Entgeltpunkte) zu erwerben, müsste fast der doppelte Betrag aufgebracht werden (und diese Rente ist praktisch nicht mehr dynamisch, sondern dem Inflationsverzehr ausgeliefert und auch noch zum größten Teil steuerpflichtig - sehr schlecht neben einer Beamtenpension, Privatrenten werden hingegen nur nach dem weit niedrigeren Ertragsanteil besteuert).

Da haben Sie also durchaus Verhandlungmasse.

Aus steuerlichen Gründen sollten Sie (wenn gewünscht) dann ein (günstiges) Versicherungsunternehmen anschreiben, und sich nach einer aufgeschobenen (!) Leibrente gegen Einmalbeitrag (!) erkundigen. Das ist eher ungewöhnlich, da gegen Einmalbeitrag meist nur Sofortrenten angeboten werden. Es gibt auch Angebote mit Beitragsentnahmedepot (die alte sofort einzahlen, 5 Jahre entnehmen, mind. 12 Jahre warten Methode, alles wegen der Steuer).

Tja, und Ihr bisheriger Ehemann tätigt dann eben die errechnete Einzahlung.

Einzige Voraussetzung ist dabei eine vernünftige Einigung, was bei Scheidungen allerdings nicht immer möglich ist, aber rechtlich und finanz- bzw. versicherungsmathematisch ist es kein Problem.

von Experte/in Experten-Antwort

Nach den gesetzlichen Regelungen würde für Sie in der gesetzlichen Rentenversicherung aus den sog. begründeten Rentenanwartschaften Wartezeitmonate errechnet werden. Die genaue Anzahl ist abhängig davon, wann die für den Versorgungsausgleich festgelegt Ehezeit endet und ob Rentenanwartschaften Ost oder West begründet werden. Bei dem von Ihnen angegebenen Ausgleich von 100 € zu Ihren Gunsten werden sich aber auf jeden Fall mehr als 60 Wartezeitmonate ergeben. Diese 60 Monate sind Voraussetzung um die Regelaltersrente zu erhalten. Als Regelaltersgrenze würde für Sie 65 Jahre und 10 Monate (bei Geburtsjahrgang 1956) bzw. 65 Jahre und 11 Monate (bei Geburtsjahrgang 1957) gelten. Haben Sie keine weiteren Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung würde Ihre monatliche Rente den Wert haben, der durch den Versorgungsausgleich begründet worden ist zuzüglich der seit dem Eheende bis zum Beginn der Rente stattgefundenen Dynamisierungen der Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Da Sie voraussichtlich freiwillig oder privat krankenversichert sind würden Sie vermutlich zusätzlich noch einen kleinen Beitragszuschuss zu Ihrer Krankenversicherung erhalten. Dieser beträgt derzeit 6,65 % der monatlichen Rente.
Die Durchführung des Versorgungsausgleich ist grundsätzlich verpflichtend. Vermeiden könnten Sie ihn nur durch eine notariell beurkundete und gerichtlich genehmigte Parteienvereinbarung nach § 1587o BGB. Anstelle des gesetzlich vorgesehenen Versorgungsausgleichs können Sie durch eine derartige Vereinbarung beispielsweise auch eine Kapitalabfindung vereinbaren. In der Regel müsste diese aber zweckgebunden für eine alternative Alterssicherung verwendet werden. Eine abschließende Beurteilung der Zulässigkeit der Vereinbarung trifft das Familiengericht nach den Umständen des jeweiligen Einzelfalls. Insofern kann ich dazu keine konkreten Informationen geben. Bedenken Sie dabei aber, dass Sie mit der rechtskräftigen Entscheidung über den gesetzlich vorgesehenen Versorgungsausgleich durch die Begründung der monatlichen Rentenanwartschaften kraft Gesetzes Ansprüche erwerben, die Sie nicht mehr verlieren können. Sie sind auf keine Handlungen und Zusicherungen anderer mehr angewiesen. Sie stellen nur noch rechtzeitig den Antrag auf Regelaltersrente und erhalten Ihre Rente, deren Mindestwert Sie mit der Entscheidung des Familiengerichts schon kennen.