von
Kurt08

Hallo an alle Rentenexperten!

Ich habe eine teillweise EM-Rente jetzt bewilligt bekommen bis zum Eintritt der Regelaltersgrenze im Jahre 2020. Bin vor Rentenantragstellung zur Reha gewesen und da arbeitsunfähig entlassen worden, mit der Einschätzung, dass ich erwerbsunfähig bin. Beim Gutachter war ich auch.
Nach jetzt erfolgter Akteneinsicht in meine Rentenakte (angeforderte Kopien der Gutachten) ist zu entnehmen, dass der Gutachter in seiner sozialmedizin. Leistungsbeurteilung mich mit 3 bis unter 4 Stunden täglich erwerbsfähig eingestuft hat.
Der beratende Arzt der DRV hat diese Einschätzung in seiner Stellungnahme ebenfalls übernommen, da das Gutachten schlüssig wäre.
Den Bericht der Reha hat der beratende Arzt der DRV mit teilweise schlüssig, da "retrospektiv zu positiv", beurteilt.
Wie ist das zu verstehen?

Ich überlege noch, ob ich in Widerspruch gehe (Frist läuft noch wenige Tage).
Z.Z. bin ich immer noch arbeitsunfähig krank geschrieben. Mein Arbeitsverhältnis (Teilzeitarbeitsplatz) besteht noch.

Für Antworten danke ich.

von
Feli

Ob Sie in Widerspruch gehen sollten, hängt davon ab, was Sie wollen.
Da Sie offensichtlich einen Teilzeitarbeitsplatz haben, ist eine teilw. EM-Rente eigentlich perfekt - sie können Ihr noch verbliebenes Leistungsvermögen einsetzen und beziehen daneben die Teilrente.
Wenn Sie allerdings auf die volle EM-Rente spekulieren, müsste ihr Leistungsvermögen insgesamt nur noch für unter 3 Stunden eingeschätzt werden, was offensichtlich laut dem GA noch nicht der Fall ist und der Reha-Entlassungsbericht schätzt Ihr Leistungsvermögen noch positiver ein.
Bei der Bewilligung der vollen EM-Rente wäre ein rentenunschädlicher Hinzuverdienst allerdings nur bis zu 400 Euro möglich.

von
Volker

Sind Sie sicher das dort wirklich steht bis unter 4 Stunden ?
Normal wird man bei einer teilweisen EM als mehr als 3 aber unter 6 Stunden eingestuft und nicht unter 4 Stunden. So eine nochmalige Abstufung innerhalb der Bewertung ist mir nicht bekannt und höre ich zum ersten Male. Gibt es aber wohl offentsichtlich.

Auf jeden Fall aber war das dann wohl eine sehr knappe Entscheidung, wenn der damalige Gutachter so eine detaillierte Abstufung der EM bei ihnen bis unter 4 Stunden vorgenommen hat und damit ihnen "nur" eine teilweise EM-Rente zuerkannt werden konnte.

Persönlich würde ich jetzt bei so einer knappen Entscheidung per Anwalt oder Sozialverband Widerspruch einlegen und so versuchen eine volle EM-Rente zu erzielen. Legen Sie möglichst neue ärztliche Berichte ihrer Ärzte vor, die eine weitere Verschlechterung ihrer Erkrankugen belegen. Dann haben Sie gute Chancen vielleicht doch noch unter 3 Stunden eingestuft zu werden und somit die volle Rente zu bekommen.

"retrospektiv zu positiv " bedeutet in dem Fall, das die Beurteilung im damaligen Gutachten RÜCKBLICKEND ( für den med. Dienst der RV bzw. den beratenden Arzt ) zu negativ hinsichtlich ihrer EM erfolgt ist. Also das eigentlich eine Erwerbsminderung bei ihnen n i c h t unter 4 Stunden besteht , sondern eher in Richtung der schon genannten 6 Stunden. Genau darum hat ihnen letztlich dann auch der med. Dienst in seiner Entscheidung zur Bewertung ihrer EM auch keine volle EM-Rente zuerkannt, weil Sie von der unter 3 Stunden weiter entfernt sind als der Gutachter damals becheinigt hat.

Diese Einschätzung ist aber letztlich reine Auslegungssache des beratenden Arztes der RV und kann/sollte per Widerspruch angefochten werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Retrospektive

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Kurt08,
wie Feli bereits ausgeführt hat, ist entscheidend, ob Sie sich nicht mehr in der Lage fühlen, 3 Stunden täglich beschäftigt zu sein. Die Widerspruchsführung ist auch nur dann sinnvoll, wenn Sie neue ärztliche Gutachten vorlegen können.

von
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Ob Sie jetzt mit 3 - unter 4 Std. (ungewöhnlich!) oder 3 - unter 6 Std. eingestuft wurden: Solange Sie einen Teilzeitarbeitsplatz inne haben, KANN Ihnen nur die teilweise EM-Rente gewährt werden. 3 - unter 6 Std. UND ohne Arbeitsplatz > die sog. Arbeitsmarktrente, also volle EM-Rente.

Werden Sie tatsächlich in einem Widerspruchsverfahren mit einem Leistungsvermögen von unter 3 Std. beurteilt UND sind weiter beschäftigt, wird eine Einkommensanrechnung vorgenommen.

Liegt dann Ihr mtl. Einkommen weit über 400,- EUR, fahren Sie unter Umständen mit einer teilweisen EM-Rente besser oder zumindest nicht schlechter. Denn bei einer vollen EM-Rente würde diese evtl. auch nur in Höhe einer teilweisen EM-Rente gezahlt.

Sind Sie nicht mehr beschäftigt und haben weiterhin ein LV von 3 - unter 6 Std. , können Sie die volle EM-Rente beantragen.

von
Kurt08

Danke für die bisherigen Antworten.
Im Rentenbescheid besteht wortwörtlich auf der Seite 2: "Sie haben Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Ein Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung besteht nicht, weil Sie nach unseren Feststellungen noch mindestens drei bis unter vier Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbstätig sein können und einen entsprechenden Arbeitsplatz innehaben."

Ich kann aber auch diese wenigen Stunden nicht mehr arbeiten, dies würde zu Lasten meines Restleistungsvermögens gehen.

Wie würde es sich denn jetzt verhalten, wenn ich mein bestehendes Arbeitsverhältnis in Absprache mit meinem Arbeitgeber auflöse? Bekäme ich dann die sog. "Arbeitsmarktrente", also die volle EM-Rente gezahlt?