von
Thomas H.

Meine Lebensgefährtin hat eine Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit bewilligt bekommen, schon vor ein paar Jahren.
Die Rente bekommt sie, weil sie neben körperlichen Problemen (anerkannte Sehbeschädigung) auch psychische Probleme hat. Sie leidet unter Panikattacken, Depressionen u.s.w.
Sie ist seit vielen Jahren deshalb in Behandlung, hatte auch Kur- und Klinikaufenthalte deshalb. Im Moment geht es ihr, Dank Medikamenten, halbwegs gut, aber sie ist seit Jahren krankgeschrieben.

Zum eigentlichen Problem: Ich bin Vollzeit-beschäftigt, aber verdiene wie viele andere so wenig, dass wir bei der ARGE Aufstockung beantragen müssen. Bisher war das alles OK, aber nun will die ARGE ein erneutes Gutachten Ihres Dienstes beauftragen. Allein die Erwähnung dieses Gutachtens (und das für eine Aufstockung vonmonatlich gerade 40 Euro) hat bei meiner Lebensgefährtin derart für Panikattacken (gepaart mit hohen Blutdruck, Kopfschmerz und Heulkrämpfen) geführt, dass ich mir Sorgen mache, dass alles das wieder eingerissen wird, was der Psychologe in den letzten Jahren aufgebaut hat.
Daher wollte ich ihr vorschlagen,, die volle BU zu beantragen.
Kann sie durch diesen Antrag ihre bisherige Teil-BU verlieren?
Allein die Erwähnung meines Vorschlags verursachte bei Ihr wieder Angst- und Panikattacken.
Sie sagte: "Was ist, wenn ich dann alles verliere? Dann muss ich ja erst recht wieder zu dem Dienst der ARGE und zu deren Psycho-Gutachtern. Ich will das nicht, ich kann das nicht. Ich geh kaputt"
Sie ist absolut nicht stressresistent, solche Gemütslagen habe ich bei ihr schon lange nicht erlebt.
Seit sie damals die Teil-BU erhielt, wurde die Gemütslage besser und ihr ging es entschieden besser.
Muss sie befürchten, ihre Teil-BU zu verlieren? Sollten wir besser auf diese Beantragung verzichten, um ihren Gesundheitszustand nicht zu verschlechtern?

Ich habe echt Angst, was dann passiert. Wie es dann im täglichen Leben weitergehen soll und vor allem auch im Zusammenleben.
Es ist ohnehin schon schwer, weil man jeden Stress, Aufregung und Ärger von ihr fernhalten muss.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir hier jemand kompetent antworten könnte. Das wäre nicht nur wichtig für mich, sondern noch viel mehr für meine Lebensgefährtin.
Ich benötige Hilfe, letztlich auch für mich und meine Nerven.

von
Mitbürger

Ihre Lebensgefährtin soll die volle EM-Rente beantragen.
Sie hat gute Aussichten, die volle Rente zu bekommen und braucht keine Angst zu haben, evtl. die halbe Rente zu verlieren, weil die ja schon auf Dauer bewilligt wurde.
Sie kann also nur gewinnen!
Es ist diese Scheiß-Angst, die verhindert, dass man das bekommen kann, was einem eigentlich zusteht - krankheitshalber.

Was ich sagen will: Leute mit guten Nerven stehen das locker durch und bekommen schließlich doch die Rente....zu lesen im ELO-Forum.
Angsterkrankte scheuen die Auseinandersetzung, weil sie es nervlich kaum schaffen und gehen dann leer aus, bzw. begnügen sich mit dem wenigen, das man ihnen zugesteht.

Experten-Antwort

Hallo Thomas H.,

wir können Ihrer Lebensgefährtin ebenfalls nur empfehlen, den Antrag auf die Rente wegen voller Erwerbsminderung zu stellen.

Die Angst, durch den Antrag auf die Rente wegen voller Erwerbsminderung die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu verlieren ist unbegründet, wenn sich der Gesundheitszustand Ihrer Lebensgefährtin im Vergleich zur Rentenfeststellung nicht gebessert hat.

Sie müssen jedoch damit rechnen, dass Ihre Lebensgefährtin im Rahmen des Rentenverfahrens zur Begutachtung eingeladen wird. Weitere Gutachten werden ihr leider nicht erspart bleiben.

von
?

" Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit "

Was ist das denn für eine Rente ? Die gibt es doch gar nicht. Teilweise BU Rente - hab ich noch nie gehört...

von
Stefan Lilienkamp

Zitiert von: ?

" Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit "

Was ist das denn für eine Rente ? Die gibt es doch gar nicht. Teilweise BU Rente - hab ich noch nie gehört...

Das ist die alte EU-Rente vor 2001. Damals gab es noch Gerechtigkeit in Deutschland.

von
=//=

Zitiert von: Stefan Lilienkamp

Zitiert von: ?

" Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit "

Was ist das denn für eine Rente ? Die gibt es doch gar nicht. Teilweise BU Rente - hab ich noch nie gehört...

Das ist die alte EU-Rente vor 2001. Damals gab es noch Gerechtigkeit in Deutschland.

Die Rente vor 2001 hieß entweder Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente.

Was die Lebensgefährtin von @Thomas H. erhält, ist aller Wahrscheinlichkeit nach die TEILWEISE ERWERBSMINDERUNGSRENTE wegen Berufsunfähigkeit, wenn sie vor dem 02.01.1961 geboren ist.

von
Thomas H.

Zitiert von: Mitbürger

Ihre Lebensgefährtin soll die volle EM-Rente beantragen.
Sie hat gute Aussichten, die volle Rente zu bekommen und braucht keine Angst zu haben, evtl. die halbe Rente zu verlieren, weil die ja schon auf Dauer bewilligt wurde.
Sie kann also nur gewinnen!
Es ist diese Scheiß-Angst, die verhindert, dass man das bekommen kann, was einem eigentlich zusteht - krankheitshalber.

Es ist nicht nur die Angst das zu verlieren, was sie bereits hat.
Viel mehr ist es die Angst, Ihre Seele wieder entblössen zu müssen vor Menschen, die sie nicht kennt, zu denen sie keinesfalls Vertrauen hat, nämlich ein wildfremder Gutachter.
Und dann die Angst davor, wenn ihre derzeitige Teil-BU wegfällt, dass sie dann wieder bei der ARGE immer wieder zu deren med. Dienst muss.
Sie ist dann da wieder völlig am Boden, und dann muss sie wieder härtere Pillen nehmen.
Und Arbeit? Das geht ja mal gar nicht, weil sie absolut nicht stressresistent ist, würde binnen kürzester Zeit zusammenbrechen und das will sie keinesfalls noch mal durchmachen, hatte sie schon, inklusive Klinik und Kur.
Das ist ihre grösste Angst.
Und deshalb hat sie auch Angst vor der Beantragung einer vollen BU.

von
Thomas H.

Zitiert von: =//=

Zitiert von: Stefan Lilienkamp

Zitiert von: ?

" Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit "

Was ist das denn für eine Rente ? Die gibt es doch gar nicht. Teilweise BU Rente - hab ich noch nie gehört...

Das ist die alte EU-Rente vor 2001. Damals gab es noch Gerechtigkeit in Deutschland.

Die Rente vor 2001 hieß entweder Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente.

Was die Lebensgefährtin von @Thomas H. erhält, ist aller Wahrscheinlichkeit nach die TEILWEISE ERWERBSMINDERUNGSRENTE wegen Berufsunfähigkeit, wenn sie vor dem 02.01.1961 geboren ist.


Ganz genau, es ist eine BU, wobei sie, wenn sie denn mal wieder gesund geschrieben wäre, noch ein paar Stunden täglich arbeiten gehen könnte (was ich aber für utopisch halte, auf Grund dessen, was dann passieren würde mit ihr)

von
Stefan Lilienkamp

Zitiert von: Thomas H.

Zitiert von: =//=

Zitiert von: Stefan Lilienkamp

Zitiert von: ?

" Rente wegen teilweiser Berufsunfähigkeit "

Was ist das denn für eine Rente ? Die gibt es doch gar nicht. Teilweise BU Rente - hab ich noch nie gehört...

Das ist die alte EU-Rente vor 2001. Damals gab es noch Gerechtigkeit in Deutschland.

Die Rente vor 2001 hieß entweder Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente.

Was die Lebensgefährtin von @Thomas H. erhält, ist aller Wahrscheinlichkeit nach die TEILWEISE ERWERBSMINDERUNGSRENTE wegen Berufsunfähigkeit, wenn sie vor dem 02.01.1961 geboren ist.


Ganz genau, es ist eine BU, wobei sie, wenn sie denn mal wieder gesund geschrieben wäre, noch ein paar Stunden täglich arbeiten gehen könnte

Sag ich doch, EU-Rente. Deutschland!

von
Thomas H.

Zitiert von: ?

Sie müssen jedoch damit rechnen, dass Ihre Lebensgefährtin im Rahmen des Rentenverfahrens zur Begutachtung eingeladen wird. Weitere Gutachten werden ihr leider nicht erspart bleiben.


Und genau da liegt das Problem.
Das sind fremde Menschen, vor denen sie ihr seelisches Leiden ausbreiten muss.
Ihre körperlichen Leiden sind nicht das Problem. Dafür gibt es Gutachten, die auch schon bei ihrer ersten Beantragung mit bewertet wurden.
Aber die anderen Probleme sind viel gravierender für sie. Selbst ein gesunder Mensch mag nicht vor fremden Menschen über sein Innerstes plaudern. Bei einem seelisch kranken Menschen ist das noch viel schwerer.
Wie bereits erwähnt hat es Ewigkeiten gedazert, bis sie zu ihrem ersten Psychiater Vertrauen hatte und mit ihm sprechen konnte. Und auch mir konnte sie sich erst nach langer zeit öffnen.

Deshalb bekommt sie schon Panik, wenn das Wort Gutachten nur erwähnt wird.

von
Schade

.....aber die Entscheidung ob Rente oder nicht muss im bestehenden System irgendein Arzt fällen......das sind die Gegebenheiten.........sich auf das Gefühl eines Kranken zu verlassen, hieße in allerletzter Konsequenz, dass jeder für sich selbst entscheiden darf "ich bin erwerbsgemindert und zu berenten"......und so ein System würde eben nie im Leben funktionieren.....

von
Thomas H.

Zitiert von: Schade

.....aber die Entscheidung ob Rente oder nicht muss im bestehenden System irgendein Arzt fällen......das sind die Gegebenheiten.........sich auf das Gefühl eines Kranken zu verlassen, hieße in allerletzter Konsequenz, dass jeder für sich selbst entscheiden darf "ich bin erwerbsgemindert und zu berenten"......und so ein System würde eben nie im Leben funktionieren.....


Arzt ist ja OK, musste sie ja bei der ersten Begutachtung auch, aber da waren es hauptsächlich die Hausärztin, der frühere behandelnde Psychologe und die derzeitige Psychologin.
Da gab es dann nur einen externen Gutachter, der die anderen körperlichen Dinge beurteilt hat, also das Augenproblem etc.

von
hannah

hallo,

ich kenne diese ängste auch, wenn auch nicht in diesem ausmaß.

ich habe, bei einer leider unheilbaren erkrankung , in den letzten 10 jahren 8 verschiedenen ärzten mein leid klagen müssen, damit die drv eine entscheidung treffen konnte.

alle ärzte incl. gutachter kamen zum gleichen ergebnis.
da stellt sich die frage, wieviele gutachten denn noch und wozu?

ich durchlaufe aktuell wieder das gleiche drama, für die bewilligung eines folgeantrages. :-(

das sind dinge für die man keine logische erklärung finden kann. leider sucht das gehirn stetig danach. man halt will verstehen. :-(

leiten sie für ihre freundin alles erforderliche in die wege. fragen sie nicht erst.

sie wird schon unterschreiben und versuchen sie es mit einer beruhigungspille am noch fernen tag x des gutachtens.
sie kommt dann schon mit. ;-)
vielleicht ist auch keines mehr nötig!

lg hannah

nichts ist besser als gesund und arbeitsfähig zu sein.
auch wenn der arbeitsmarkt eine katastrophe ist, so verbleibt jedoch die hoffnung auf veränderung.