von
Mike53

SACHVERHALT:
L. bezieht seit dem 01.06.11 eine "Große Witwenrente" (60% der Altersrente des verstorbenen Ehegatten, dessen Rentenbeginn das Jahr 1978 war). Anzurechnendes Einkommen auf die Witwenrente besteht nicht. Im Jahr 2011 wurde die Witwenrente für die ersten 3 Monate zu 100% gezahlt und danach dauerhaft zu 60% - soweit so gut.
Die Rentenbezugsmitteilungen zur Vorlage beim Finanzamt weisen für die Jahre 2011 und 2012 aber keinen Rentenanpassungsbetrag (einzutragen in der Einkommensteuererklärung - Anlage R - Zeile 6) aus.
FRAGE:
Die Witwenrente ist nach meiner Kenntnis keine "neue" Rente, sondern als Folgerente einzustufen.
Deshalb ist auch auf den ursprünglichen Beginn der
Altersrente des verstorbenen Ehegatten abzustellen.
Da diese Altersrente bereits vor 2005 bezogen wurde, ist fiktiv der 01.01.2005 maßgeblich für die
steuerliche Behandlung der Witwenrente.

Müßte der Rentenanpassungsbetrag nun nicht
als Differenz der ursprünglichen Altersrente im Jahr
2005 - diese "heruntergerechnet" auf 60% -und der
aktuellen Rente ausgewiesen werden? Schließlich
bestimmt dieser Wert doch die Höhe des Besteue- rungsanteils: 50% der Rente im Jahr 2005 bleiben
dem Betrag nach dauerhaft steuerfrei, und nur der
Rest unterliegt der "dynamischen" Anpassung (Ver-
steuerung 50% im Jahr 2005 bis 100% im Jahr 2040). Ohne Berücksichtigung des Rentenanpass-
ungsbetrages wäre aber die gesamte Rente dem
aktuellen Besteuerungsanteil (2011 = 62%, 2012 =
64%, ...) unterworfen, was steuerlich ungünstiger
ist.

Es wäre wirklich hilfreich, zu diesem Problemkreis
eine umfassende, nachvollziehbare Darstellung der
Rechtslage zu veröffentlichen - mit anschaulichen
Beispielen, auch unter Berücksichtigung des ersten
Rentenbezugsjahres (Anspruch auf Witwenrente
besteht im Normalfall nur für einen Teil des Jahres, 3 Monate Zahlung von 100%, anschließend 60%, ...).

Je nach Quelle im Internet finden sich leider teil-
weise völlig widersprüchliche oder unvollständige
Aussagen - auch bei (selbsternannten) Fachleuten.

von
Gigi

Hallo,
die umfassende Darstellung der Rechtslage können Sie in diesem Forum nicht erwarten da es sich um Fragen des Steuerrechts handelt.
Aber zu den Fragen:
>> Die Witwenrente ist nach meiner Kenntnis keine "neue" Rente, sondern als Folgerente einzustufen.
Deshalb ist auch auf den ursprünglichen Beginn der
Altersrente des verstorbenen Ehegatten abzustellen.

von
Gigi

Hoppla,
der wesenliche Teil meines Beitrages ist verschwunden.
Teil 1:
Hallo,
die umfassende Darstellung der Rechtslage können Sie in diesem Forum nicht erwarten da es sich um Fragen des Steuerrechts handelt.
Aber zu den Fragen:
--Die Witwenrente ist nach meiner Kenntnis keine "neue" Rente, sondern als Folgerente einzustufen.
Deshalb ist auch auf den ursprünglichen Beginn der
Altersrente des verstorbenen Ehegatten abzustellen.--

Also nochmal den weiteren Teil:
Der Knackpunkt liegt in diesem Satz.
Es ist zwar eine Folgerente aber dennoch eine neue Rente.
Für den Steuersatz für diese Rente ist auf den Steuersetz der Vorrente, hier also 50 Prozent abzustellen.
Der zu versteuernde Anteil der Rente (in Euro) wird neu festgestellt auf der Basis des Jahres in dem die (neue) Rente für 12 Kalendermonate gezahlt worden ist, hier also aus den Rentenbezügen für das Jahr 2012.
Für die Jahre 2011 und 2012 spiel der Rentenanpassungbetrag keine Rolle. In der Steuerbescheiniung für 2013 wird erstmals der Rentenanpassungsbetrag ausgwiesen.
Fazit:
Es ist alles korrekt

Gigi

Experten-Antwort

Zu Frage 1.
In der aktuellen Anlage R zur Steuererklärung fehlt ein Feld zur Eintragung des Anpassungsbetrages. Das liegt daran, weil u. a. dieser mittlerweile maschinell an die Finanzverwaltung übermittelt wird (§ 22a EStG).

Zu Frage 2.
Zur Ermittlung des zu versteuernden Anteils der Witwenrente ist auf deren Beginn abzustellen. Zur Ermittlung des Besteuerungssatzes ist allerdings bei nahtlosem Bezug einer Vorrente der Bezugszeitraum dieser Vorrente hinzuzurechnen. Somit gilt auch für die Witwenrente hier ein Besteuerungssatz von 50% im ersten Jahr, weil die Vorrente bis 2005 begonnen hat.

Im Jahr des Rentenbeginns beträgt der zu versteuernde Anteil der 50% der Witwenrente, die in 2011 bezogen wurde einschl. der Bezüge des sog. Sterbevierteljahres. Der Rest ist steuerfrei.
Erst im Jahr nach dem Beginn der Witwenrente wird der Freibetrag ermittelt und statisch festgeschrieben. Dazu werden von der Jahresrente nach dem Jahr des Rentenbeginns 50% ermittelt und abgezogen. Dieser Betrag ist zu versteuern. Der sich ergebende Restbetrag ist der für die gesamte Dauer des Witwenrentenbezuges festgeschriebene statische Freibetrag.

Daraus ergibt sich, dass jährliche Rentensteigerungen der vollen Besteuerung unterliegen. Denn ab den Folgejahren wird von der Witwenjahresrente der ermittelte statische Freibetrag abgezogen. Der Rest unterliegt der Rentenbesteuerung.

von
Gigi

Zitiert von:

In der aktuellen Anlage R zur Steuererklärung fehlt ein Feld zur Eintragung des Anpassungsbetrages. Das liegt daran, weil u. a. dieser mittlerweile maschinell an die Finanzverwaltung übermittelt wird (§ 22a EStG).

Hallo @Experte,
nein, dies ist nicht ganz zutreffend.
Auch die Anlage R (2012) hat noch ein entsprechendes Feld (Zeile 6)
Auch der Anpassungsbetrag wird in der Steuerbescheinigung der DRV besonders ausgewiesen.
In dem hier zitierten Fall gibts noch keinen Anpassungsbetrag.
Für das Rentenbezugsjahr 2013 sieht es dann ganz anders aus, da dann erstmals auch ein Anpassungsbetrag an die Finanzverwaltung zu übermitteln ist.
Gigi

Experten-Antwort

In der Anlage R zur Steuererklärung 2012 ist das Feld 6 mit "Rentenanpassungsbeträge" benannt. Im vorliegenden Fall ist es aber - wie bereits in den Beiträgen erwähnt - ohne Relevanz, da sich noch kein Anpassungsbetrag ergeben kann. Denn:
Einzutragen ist der Betrag, um den die jährliche Rente im Vergleich zum Jahresbetrag der Rente aus dem Jahr der Ermittlung des steuerfrei bleibenden Teils der Rente aufgrund regelmäßiger Anpassungen (z. B. jährliche Rentenerhöhungen) geändert wurde. Im geschilderten Fall würde das tatsächlich bedeuten, dass sich erst ab 2013 ein solcher Betrag ergeben kann.
Bei ununterbrochenem Rentenbezug (z. B. ab 2006) sieht es aber ganz anders aus. Hier wären sämtliche Anpassungsbeträge ab dem Jahr der Ermittlung des steuerfreie bleibenden Teils der Rente zu ermitteln und einzutragen. Da ist es hilfreich, dass diese Werte maschinell an die Finanzverwaltung übermittelt werden.

von
Gigi

Hallo @Experte,
nun, dann wir ja einer Meinung.
Mißverständlich war halt die Äußerung, es gebe dieses Feld nicht mehr.
Gigi