von
tilly

Liebe Experten,

Ich stehe am Ende einer langen (über 3 Monate) ambulanten medizinischen Reha, aus der ich arbeitsunfähig und unter 3 Stunden am Tag leistungsfähig entlassen werde, das hat mir der Reha-Arzt schon gesagt. Wie geht es jetzt weiter ? Muss ich selber den Rentenantrag stellen, oder passiert das automatisch ?

Ich bin außerdem noch ungekündigt (obwohl ich 1 1/2 Jahre nicht mehr gearbeitet habe und auf keinen Fall in meinen früheren Beruf zurück kann, das Arbeitsverhältnis ruht halt). Soll ich das weiter laufen lassen oder kündigen ? Oder erst kündigen, wenn ich Rente bekomme ? Mein Arbeitgeber kann mich dabei von sich aus praktisch nicht kündigen (am zweitlängsten dabei, Familienstand, Schwerbehinderung...), aber eigentlich hätte ich das gerne für mich abgeschlossen. Kündigung aus gesundheitlichen Gründen ginge von meiner Seite aus, aber würde mir das die Rentenversicherung eventuell negativ auslegen ?

Für die Zeit, in der der Rentenantrag läuft muss ich zum Arbeitsamt und bekomme irgendeine Form von Arbeitslosengeld, bin weiter krankgeschrieben, oder ? Meine Betreuerin hat wegen meiner Behinderung einen Termin in der Reha-Abteilung vom Arbeitsamt gemacht. Ist das richtig ?

Da ich eine verkorkste Familie habe, und nicht möchte, dass sie was von meiner Berentung und Arbeitsunfähigkeit erfährt möchte ich das Sozialamt/Aufstocken wenn möglich vermeiden und mir eine 450-Euro-Beschäftigung suchen (nicht, weil ich unbedingt arbeiten *will* oder mich eigentlich gesund genug fühle, aber ich bin in sehr argen seelischen Nöten deswegen).

Da ich ziemlich Angst habe, dass das alles glatt geht, würde ich mir den Job gerne schon jetzt suchen, damit ich schon einen habe, wenn die Rente, so ich sie bekomme, anfängt, damit kein Versorgungsloch entsteht, wo ich dann doch zum Amt muss. Kann mir das nachteilig ausgelegt werden, und geht das denn überhaupt ? Ich wünschte, ich könnte dem Sachbearbeiter dann erklären, warum ich quasi arbeiten "muss"...

Irgendwie fehlt mir immer mehr der Durchblick...ich bin dann ja arbeitslos, obwohl ich ungekündigt bin, und krankgeschrieben, da würde ich jetzt rein von der Logik her sagen, dass ich da keinen Job suchen darf, meine Betreuerin meint aber, ich darf.

Dürfte ich mich außerdem wieder an der Uni einschreiben ? Ich will nicht wirklich studieren, aber das ist nach sehr viel Kalkulation die einzige Möglichkeit, wie ich mir ein Ticket leisten kann, mit dem ich zu nicht-utopischen Preisen regelmäßig in die Stadt zu Therapien und Terminen fahren kann (Monatsticket kostet über 200 Euro und für ein Sozialticket würde ich mich meines Wissens nach nicht qualifizieren, wenn ich nicht zum Sozialamt gehe, auch wenn ich genauso wenig Geld habe)...ich werde auch versuchen, Merzeichen im Behindertenausweis zu beantragen, aber das wird keinen Erfolg haben, fürchte ich...

Lieben Gruß

Tilly

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo tilly,

Ihre Fragestellung ist leider viel zu komplex und zu vielschichtig, als dass man Ihnen hier im Forum wirklich weiterhelfen könnte. Die Beantwortung aller Fragen - unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten und Varianten - würde einfach den Rahmen dieses Forums sprengen. Insoweit möchte ich Ihnen empfehlen sich direkt an eine Auskunfts- und Beratungsstelle Ihres Rentenversicherungsträgers zu wenden, um sich dort persönlich und individuell bezogen auf Ihre derzeitige Situation beraten zu lassen.

von
Herz1952

Hallo Tilly,

wenn Sie auf absehbare Zeit nicht mehr voll arbeitsfähig werden, kann Ihnen der Arbeitgeber sehr wohl Kündigen. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, ist Krankheit sehr wohl ein Kündigungsgrund. Es kann Ihnen auch niemand zumuten, dass Sie der Kündigung widersprechen.

Dies wäre eine Kündigung aus persönlichem Grund, aber nicht negativ.

Was die Rente und Aufstockung angeht ist folgendes zu beachten: Das Sozialamt wird sich nicht nach dem Vermögen Ihrer Verwandten erkundigen (dürfen). Auch der Verdienst Ihrer Eltern (z.B.) darf nicht erfragt werden, wenn nicht handfeste Vermutungen bestehen, dass der Jahresverdienst über 100.000 Euro liegt.

Wenn Sie ein "G" im Ausweis haben, können Sie gegen eine jährliche Zahlung von 60 Euro einen Beleg für Ihren Behindertenausweis (muss aber von vornherein mindestens einen GdB von 50 ausweisen) bekommen, dann dürfen Sie sogar bundesweit die Nahverkehrsmittel benutzen. Erkundigen Sie sich mal beim Sozialamt, bzw. bitten Sie Ihre Betreuerin, das zu klären. Bei G brauchen Sie nicht durch eine äußere Behinderung gehbehindert sein, es gibt auch organische Erkrankungen, die das erfüllen.

Natürlich kann ich diese Angaben nur unverbindlich machen.

von
Herz1952

Ergänzung zur Kündigung

Natürlich kündigt Ihnen Ihr Arbeitgeber nicht mit "Freude". Er kann es aber tun und sogar aus wichtigem Grund.

Bei Krankheit zählt nicht die Betriebszugehörigkeitsdauer und die Behinderung (hierfür ist die Zustimmung des Versorgungsamtes leicht zu bekommen).

Der Sachliche Grund wäre in Ihrem Fall die Krankheit und das damit verbundene Unvermögen, die Arbeitsleistung zu erbringen. Auch ein Ersatzarbeitsplatz wäre vermutlich nicht vorhanden.

von
Schorsch

Zitiert von: Herz1952

Wenn Sie ein "G" im Ausweis haben, können Sie gegen eine jährliche Zahlung von 60 Euro.....

Wieso 60 Euro? Es sind mittlerweile 72 Euro.

http://www.rhein-erft-kreis.de/Internet/Themen/Jugend_Soziales_und_Gesundheit/schwerbehinderung/dienstleistung/wertmarke-schwerbehindertenausweis.html

Zitiert von: Herz1952

....(muss aber von vornherein mindestens einen GdB von 50 ausweisen)

Wenn der GdB unter 50 liegt, gibt es überhaupt keinen Ausweis, sondern nur einen Feststellungsbescheid.

Zitiert von: Herz1952

Natürlich kann ich diese Angaben nur unverbindlich machen.

Das merkt man.

von
tilly

Hallo zusammen !

Danke für den Hinweis mit dem Arbeitgeber. Das wusste ich nicht, dann geht es vielleicht doch leichter mit dem Kündigen, als gedacht (und es wäre ja auch in gegenseitigem Einvernehmen).

Herz 1952, das mit der Fahrkarte über den Schwerbehindertenausweis ist mir bekannt, und ich werde auch versuchen, das Merkzeichen zu beantragen, was aber, da ich meine Schwerbehinderung aufgrund von sehr schweren psychischen Erkrankungen habe, aber organisch gesund (keine Epilepsie o.ä.) und orthopädisch nur ganz leicht eingeschränkt bin (hat bei meinem GdB bei der letzten Feststellung nur zu einem Teil-GdB von 20 geführt), vermutlich nicht erfolgreich sein wird. Ein "B" könnte ich vermutlich bekommen, weil ich fast überall Begleitung brauche, aber das nützt einem ja leider beim Fahrschein nichts. Es gibt zwar vereinzelt Fälle, wo jemand das "g" bei einer psychischen Erkrankung erstritten (in der Regel auf dem Klageweg) hat, aber diese Fälle sind sehr, sehr selten, eine echte Chance sehe ich da nicht. Probieren kann man es mal...

Zur Information der Familie: das ist so richtig, wenn man Grundsicherung bekommt, was der Fall ist, wenn man eine unbefristete Rente erhält, was aber in meinem Fall, da es ein Erstantrag ist, sehr unwahrscheinlich ist.

Bei einer befristeten Rente gibt es Hilfe zum Lebensunterhalt, und da sind die Eltern unterhaltspflichtig und werden daher offenbar ausnahmslos immer informiert und auch herangezogen.
Ob es da eine Ausnahmen geben kann, konnte ich nicht abschließend sicher herausfinden. "Das Internet" (Foren, wo angeblich Leute schreiben, die im Sozialamt arbeiten, Texte, die ich so gelesen habe) sagt jedenfalls "nein". Vielleicht lasse ich meine Betreuerin mal dort anrufen, das wäre wohl das sinnvollste.

Lg
tilly

von
Herz1952

Hallo Tilly,

Sie können auch direkt beim Sachbearbeiter (geht nach Alphabet) im Amt anrufen oder anrufen lassen.

Dort bekommen Sie bestimmt eine individuelle Auskunft, die Sie weiterbringt in Bezug auf eine günstigere Mobilität.

Ich wünsche Ihnen alles Gute

Herz1952

von
Herz1952

Hallo Schorsch,

bei uns in Bayern gehen die Uhren anders, allerdings, machen die Preise/Gebühren auch nicht halt.

Mit dem SB-Ausweis habe ich doch nicht etwas grundlegend falsches gesagt, oder?

Als "Rechtsverdreher" bin ich immer etwas vorsichtig mit meinen Aussagen. Auch ein Anwalt sagt Ihnen nicht rechtsverbindlich wie eine Rechtsstreitigkeit entschieden wird.

Und in Bayern - nur in Bayern - gibt es die Möglichkeit mit einem "G" öffentliche Parkplätze kostenlos zu benutzen, bzw. sogar auf Behindertenparkplätzen zu parken. Das würde mir mehr bringen, als außerhalb unseres "Freistaates" im deutschen Ausland mit dem Zug (nur Nahverkehrszüge) rum zu gondeln.

Danke für Ihren Hinweis, sonst hätte ich nicht gegoogled.

Kimm halt ach emool noch Bayern. I load Di zur boarischen Brotzeid ein. Dann drink' mia zusam' jeder oi Maß.

Schönen Abend

Herz1952