von
Fabian Lang

Hallo zusammen,
ich habe eine Frage bzgl. einem Bekannten, der direkt nach der Sonderschule mit 24 Jahren in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) kam, seither dort arbeitet, jetzt 42 Jahre alt ist und wahrscheinlich mindestens bis zur Regelaltersente dort durchgehend arbeiten wird. Ich habe im §75 SGB VI gelesen, dass WfbM-Beschäftigte auf Antrag Entgeltpunkte auch für Beitragszeiten und Anrechnungszeiten nach Eintritt der vollen Erwerbsminderung für ihre Altersrente anrechnen lassen können, wenn diese Beitragszeiten 20 Jahre umfassen.
Jetzt meine Fragen hierzu:
1) Kann er nach 20 Jahren Beschäftigung in der WfbM eine volle Erwerbsminderungsrente beantragen und zählen hier auch die Zeiten des Eingangsverfahrens und des Berufsbildungsbereichs der WfbM mit in die 20 Jahre rein?
2) Welche Vorteile hat es genau, wenn nach §75 SGB VI nach Beginn der Erwerbsminderungsrente die Anrechnung zukünftiger Beiträge für die Altersrente beantragt werden. Ist ein möglicher Vorteil, dass die Zurechnungszeit für eine EM-Rente nur bis zum 62. Lebensjahr geht, die Anrechnung weiterer Beiträge aber bis zum 67. Lebensjahr (Beginn Regelastersrente) gehen könnte und so die Altersrente doch noch höher wird als die ursprüngliche EM-Rente? Gibt es andere Vorteile? Zur Info: der Bekannt verdient ca. 100 Euro in der WfbM und dies wird sich wahrscheinlich auch nicht groß erhöhen.
3) Kann der Bekannte auch über 67 (Regelaltersrente) hinaus in der WfbM arbeiten und wäre dies dann zusätzlich rentensteigernd bzw. würde die Altersrente dann nochmal deutlich höher als die EM-Rente?
Vielen Dank schon mal an alle für die Beantwortung dieser 3 Fragen.
Viele Grüße
Fabian

von
W*lfgang

Hallo Fabian Lang,

1. Die Wartezeit von 20 Jahren wird aus allen zurückgelegten Beitragszeiten ermittelt – möglicherweise ist die längst erfüllt, vorsorglich Antragstermin ausmachen.
2. Für die WfbM-Zeiten werden 0,8 Entgeltpunkte pro Jahr angerechnet, unabhängig von seinem kleinen tatsächlichen Verdienst. Man muss schauen, wie die Zurechnungszeit bewertet worden ist – dürfte nicht 80 % erreichen. Ein zusätzlicher/wirklicher Mehrwert dürfte für die Zeiten nach dem 62. Lbj. entstehen.
3. Natürlich. Bei Verschiebung über die Regelaltersrente gibt es ja auch noch Zuschläge.

Ob und wann sich das alles rechnet sollte später zeitnah entschieden werden. Bis dahin hat sind die Rentengesetze noch 3x um die eigene Achse gedreht worden. Im Rahmen von Beratung und Probeberechnungen wird man dann das beste Ergebnis ermitteln können.

Gruß
w.

von
Schade

Wenn Ihr 42 jähriger Bekannte mit 24 in die WfbM kam, können die 20 Jahre erst in 2 Jahren voll sein.
Genaueres erfährt er wenn er einen Versicherungsverlauf anfordert, darin sieht er ab wann Beiträge gezahlt sind und wann frühestens die 20 Jahre voll sind.

Zu gegebener Zeit (ca 3 Monate bevor 20 Jahre voll sind) beantragt er die Rente und bekommt diese auch.

Dann darf er weiter in der WfbM arbeiten und Beiträge zahlen.

Wie diese Beiträge dann in ca 20 Jahren bei der Altersrente bewertet werden, darüber sollte man heute nicht grübeln, weil doch niemand weiß wie sich die Gesetze entwickeln. Die Beiträge kosten ihn ja nichts (er kriegt nicht weniger Lohn / Taschengeld), so gesehen kann es doch heute piepegal sein ob und wie diese Beiträge später mal bewertet werden.

Und aus heutige Sicht kann er auch über die Regel AR hinaus in der WfbM arbeiten - aber auch das klärt sich zu gegebener Zeit.......bis er 67 ist dauert es noch 25 Jahre.....:)

von
****

Die Antworten zu Frage 1 + 2 sind soweit korrekt, aber da eine EM Rente max. nur bis zur Regelaltersgrenze gezahlt wird, würde für die Zeit ab Vollendung des 67 Lj bis zum aufgeschobenen Beginn der Regelaltersrente keine Zahlung erfolgen. Eine Erhöhung des Zugangsfaktors für die Regelaltersrente (Folgerente) wird max. bis auf 1,0 vorgenommen siehe § 77 Abs. 3 SGB 6

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Fabian,

zunächst verweisen wir auf die bereits durch die Teilnehmer erfolgten Aussagen zu den 3 Punkten. Ergänzend teilen wir noch mit, dass die Beantragung der Rente wegen voller Erwerbsminderung für Personen möglich sit, die bereits vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit (5 Jahre) voll erwerbsgemindert waren und seither ununterbrochen voll erwerbsgemindert sind (§ 43, Abs. 6 SGB VI). Anrechenbar sind alle vorliegenden Beitragszeiten, Anrechnungszeiten werden auf die Wartezeit von 20 Jahren nicht angerechnet.
Das Einkommen von ca. 100 EUR („Taschengeld“) stellt kein Einkommen dar, welches die Rentenanwartschaft in der Zukunft verändert. Lediglich das vom Träger der WfbM gemeldete Entgelt wird Grundlage für die weitere Rentenberechnung (80% von der Bezugsgröße, z.Zt. im Jahr 27.888 EUR Brutto).
Eine Weiterbeschäftigung in der WfbM neben dem Bezug einer Regelaltersrente ab dem 67. Lebensjahr führt nach momentaner Rechtslage nicht zu einer Erhöhung ab Rentenbeginn. Der Anspruch auf Erwerbsminderungsrente würde ab dem Erreichen der Regelaltersgrenze enden. Deshalb würde zu dem Zeitpunkt von Amts wegen eine Umwandlung in eine Altersrente erfolgen. Hier der Hinweis auf den Beitrag von ****. Bezüglich der Beantragung der Rente wegen Erwerbsminderung und Berechnung, in wie weit es zu Veränderungen in der Zukunft bei der Umwandlung kommen könnte, hat Ihr Bekannter die Möglichkeit bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle in dessen Nähe eine Probeberechnung zu beantragen, ferner feststellen zu lassen, wann genau die Wartezeit von 20 Jahren erfüllt ist.

von
Fabian Lang

Hallo zusammen,
herzlichen Dank für die Antworten von euch.
Viele Grüße
Fabian