von
Seemann

Guten Tag,
Ich bin 1960 in Polen geboren und habe dort von 77-94 gearbeitet. 1994 sind wir mit der Familie nach Deutschland gezogen (Staatsangehörigkeit ist deutsch). Seitdem zahle ich durchgängig in die deutsche Rente ein (bis jetzt 24 Jahre).

Wir sind soweit ich es verstanden haben somit keine Vertriebenen oder Spätaussiedler, richtig?

Ich hab vor einigen Monaten einen Antrag zur Kontenklärung bei der DRV gestellt und alle notwendigen Nachweise (inkl. polnische Dokumente) eingereicht.
Hierauf bekam ich nun eine Antwort, die mich etwas verwundert. Die Rentenpunkte werden m.M.n. falsch berechnet (ca. Werte) :
deutsche Zeiten 18 Punkte
polnische Zeiten 13 Punkte
Summe 31 Punkte

Verhältnis: 18 Punkte / 31 Punkte = 0,58 (ca.)

Nun das unverständliche:
31 Punkte x 0,58 = 18 Punkte

Die 18 Punkte sollen nun meine Gesamtpunkte sein. Die Rechnung ist mathematisch gesehen absolut korrekt, kann man sich aber natürlich sparen, weil so immer nur die Punkte der deutschen Zeiten als Gesamtsumme herauskommen.

Oder bin ich hier insgesamt auf dem Holzweg? Ziel meines Antrags war eigentlich meine Polnischen Zeiten zu klären und herauszufinden, wie hoch meine Rente insgesamt ausfallen würde. Aus den Gesprächen mit der DRV hatte ich vermutet, dass die DRV dies entsprechend mit dem poln. Rententräger klären wird.

Aktuell habe ich somit nur die Info über meine Rente aus deutschen Zeiten - die kannte ich durch das jährliche Schreiben ohnehin schon.
Muss ich die Rente aus Polen entsprechend in Polen erfragen?

Und eine weitere Frage noch: Wann kann ich tatsächlich ohne Abzüge in Rente? Ich hab jetzt knapp 41 Jahre gearbeitet, Ausbildungszeiten kämen noch hinzu, wenn diese anerkannt werden, richtig?

Vielen Dank und beste Grüße
Seemann

von
Toll

wie wäre es, wenn Sie Ihre polnische Versicherungszeiten direkt in Polen klären lassen ?
Vermutlich hat die DRV Ihre Anfrage nach Polen zur Klärung weitergeleitet ?
Also auf nach Polen
Gruss

von
Seemann

Zitiert von: Toll
wie wäre es, wenn Sie Ihre polnische Versicherungszeiten direkt in Polen klären lassen ?
Vermutlich hat die DRV Ihre Anfrage nach Polen zur Klärung weitergeleitet ?
Also auf nach Polen
Gruss

Mir wurde beim Beratungsgespräch gesagt (zumindest habe ich es so verstanden), dass die Beantragung meiner Gesamtrente aufgrund des EU-Rechts über die DRV in Berlin abläuft. Diese leitet entsprechend weiter und meldet sich bei mir.
Wie Sie in meinem vorherigen Beitrag lesen können, habe ich dies ja bereits gemacht, jedoch keine Summe genannt bekommen.

Die Fragen an die Experten! ist somit, ob dies ein Fehler seitens DRV ist oder ich tatsächlich den Rentenbetrag aus Polen tatsächlich nur vom Rententräger in Polen erfahre?

von
DRV

Zitiert von: Seemann
Zitiert von: Toll
wie wäre es, wenn Sie Ihre polnische Versicherungszeiten direkt in Polen klären lassen ?
Vermutlich hat die DRV Ihre Anfrage nach Polen zur Klärung weitergeleitet ?
Also auf nach Polen
Gruss

Mir wurde beim Beratungsgespräch gesagt (zumindest habe ich es so verstanden), dass die Beantragung meiner Gesamtrente aufgrund des EU-Rechts über die DRV in Berlin abläuft. Diese leitet entsprechend weiter und meldet sich bei mir.
Wie Sie in meinem vorherigen Beitrag lesen können, habe ich dies ja bereits gemacht, jedoch keine Summe genannt bekommen.

Die Fragen an die Experten! ist somit, ob dies ein Fehler seitens DRV ist oder ich tatsächlich den Rentenbetrag aus Polen tatsächlich nur vom Rententräger in Polen erfahre?

Die Höhe der polnischen Rente können Sie nur beim polnischen Rententräger erfahren.
Der deutsche Rententräger leitet nur das Rentenverfahren in Polen ein, ist aber sonst bezüglich der Rente aus Polen nicht zuständig.

Experten-Antwort

Hallo, Seemann,

um den Vertriebenen- oder Spätaussiedlerstatus zu erhalten müßten Sie deutscher Volkszugehöriger sein, also Nachkomme von Deutschstämmigen.
Sind Sie ohne das vertriebenenrechtliche Aufnahmeverfahren durchlaufen zu haben "einfach so" nach Deutschland übergesiedelt, sind Sie nicht als Spätaussiedler anerkannt.

Die von Ihnen angegebenen Werte aus der zwischenstaatlichen Berechnung (18 Entgeltpunkte für deutsche Zeiten und 13 für polnische Zeiten) besagen folgendes:
Für die Zeiten, die Ihnen in der Deutschen Rentenversicherung angerechnet wurden, errechnen sich nach aktuellem Stand 18 Entgeltpunkte.
Auf dieser Basis werden fiktive Entgeltpunkte für die ausländischen - in diesem Fall die polnischen - Zeiten ermittelt; diese werden für die zwischenstaatliche Berechnung der Bewertung der beitragsfreien und der beitragsgeminderten Zeiten benötigt. Außerdem spielen diese fiktiven Entgeltpunkte für die ausländischen Zeiten eine Rolle, wenn in einem beteiligten EU-Mitgliedsstaat sog. Kleinstzeiten (weniger als 1 Jahr Versicherungszeiten) vorliegen; aus solchen Zeiten wird nämlich i.d.R. von diesem Staat keine Rente gezahlt, sondern die übrigen EU-Mitgliedsstaaten, in denen die betreffende Person gearbeitet hat, müssen diese Zeiten übernehmen.
Sind nur 2 Staaten beteiligt und liegen keine Kleinstzeiten vor, so ist es völlig korrekt, dass sich für die deutschen Zeiten am Ende bei Multiplikation aller (auch der fiktiven ausländischen) Entgeltpunkte mit dem Verhältniswert der deutschen zu allen vorhandenen Zeiten (also in Ihrem Fall 31 Entgeltpunkte x 18/31) genau die Entgeltpunkte ergeben, die auf die deutschen Zeiten entfallen.

Ihr Ziel, nämlich die Klärung der polnischen Versicherungszeiten, haben Sie jedenfalls erreicht. Wenn Sie in Ihrer Rentenauskunft den Versicherungsverlauf - zwischenstaatliche Berechnung aufschlagen können Sie sehen, welche polnischen Versicherungszeiten der polnische Träger angerechnet und der Deutschen Rentenversicherung mitgeteilt hat.

Die deutsche Rentenauskunft kann natürlich nur Aussagen zu Anspruch und zur voraussichtlichen Höhe Ihrer deutschen Rente treffen.
Inwieweit der polnische Träger eine Prognose zur voraussichtlichen Höhe Ihrer polnischen Rente erstellen kann, ist mir mangels länderspezifischer Kenntnis nicht bekannt. Allerdings kann Ihnen hierüber - sofern nicht der Kontenklärungsbescheid einen entsprechenden Hinweis enthält - der Träger der DRV, der Ihre Kontenklärung durchgeführt hat, sicherlich weitere Informationen geben.

Noch ein Hinweis: Sie wollten erfahren, "wie hoch meine Rente insgesamt ausfallen würde". Dazu möchte ich noch darauf hinweisen, dass Sie später nicht eine Gesamtrente erhalten werden, sondern vom polnischen Träger aus den polnischen Zeiten eine polnische Rente und von der DRV aus den deutschen Zeiten eine deutsche Rente. Die Rentenansprüche werden auch getrennt voneinander geprüft (beispielsweise wegen unterschiedlicher Altersgrenzen nach deutschem und polnischem Recht), wobei die Versicherungszeiten des anderen Staates (sowie ggfs. weiterer beteiligter EU-Mitgliedsstaaten) für die Prüfung der Mindestversicherungszeiten mit berücksichtigt werden. Am Ende erteilt der Rententräger jeden Landes einen eigenen Bescheid, mit dem der Rentenanspruch, der Rentenbeginn und die Rentenhöhe nach jeweiligem nationalen Recht festgestellt werden.

Nun noch Ihre Frage nach dem frühestmöglichen Rentenbeginn ohne Abschläge:
Die Regelaltersgrenze erreichen Sie als Geburtsjahrgang 1960 mit 66 Jahren und 4 Monaten. Ab dem Folgemonat können Sie auf jeden Fall eine abschlagsfreie Regelaltersrente erhalten.
Sollten Sie zu diesem Zeitpunkt als schwerbehinderter Mensch anerkannt sein und insgesamt 35 Versicherungsjahre erreichen (es können alle rentenrechtlichen Zeiten berücksichtigt werden), können Sie mit 64 Jahren und 4 Monaten abschlagsfrei Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Anspruch nehmen.
Für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte gilt ebenfalls die Altersgrenze von 64 Jahren und 4 Monaten. Voraussetzung für diese stets abschlagsfreie Rente ist die Erfüllung der Wartezeit von 45 Jahren; für diese gilt:
Auf die Wartezeit von 45 Jahren sind anrechenbar (§ 51 Abs. 3a und 4 SGB VI):
– Pflichtbeitragszeiten für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit,
– Ersatzzeiten,
– Pflichtbeitragszeiten und Anrechnungszeiten wegen des Bezugs von Entgeltersatzleistungen der Arbeitsförderung,
– Pflichtbeitragszeiten und Anrechnungszeiten wegen des Bezugs von Leistungen bei Krankheit,
– Pflichtbeitragszeiten und Anrechnungszeiten wegen des Bezugs von Übergangsgeld,
– Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung sowie Berücksichtigungszeiten wegen Pflege,
– Zeiten mit freiwilligen Beiträgen, wenn mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeitragszeiten für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit vorhanden sind,
– Wartezeitmonate aus Zuschlägen an Entgeltpunkten für ein Arbeitsentgelt aus geringfügiger versicherungsfreier Beschäftigung (§ 244a SGB VI),
– Wartezeitmonate aus Zuschlägen an Entgeltpunkten für ein Arbeitsentgelt aus geringfügiger Beschäftigung, für die Beschäftigte von der Versicherungspflicht befreit sind (§ 52 Abs. 2 SGB VI).
Nicht anrechenbar sind (§ 51 Abs. 3a SGB VI):
– Zeiten des Bezugs von Entgeltersatzleistungen der Arbeitsförderung in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn, es sei denn, der Leistungsbezug ist durch eine Insolvenz oder eine vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers bedingt,
– Zeiten mit freiwilligen Beiträgen in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn, wenn gleichzeitig eine Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit vorliegt,
– Kalendermonate, die durch Versorgungsausgleich oder Rentensplitting ermittelt werden,
– Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld II und Arbeitslosenhilfe (§ 244 Abs. 3 SGB VI).
Anrechnungszeiten wegen Schulausbildung können für diese Wartezeit also nicht berücksichtigt werden.

Für alle Wartezeiten gilt: die polnischen Zeiten werden ebenfalls berücksichtigt, soweit sie deutschen Zeiten entsprechen, die für die jeweilige Wartezeit angerechnet werden können (also können beispielsweise für die Wartezeit von 5 Jahren für die Regelaltersrente alle Beitragszeiten nach deutschem und polnischem Recht berücksichtigt werden.

von
Seemann

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Auf so etwas habe ich eigentlich bei den Beratungsgesprächen in der Niederlassung der DRV gehofft, aber leider nicht erhalten.

Nochmals vielen Dank!