von
Jonny

Prüft rvDialog eigentlich bei Erteilung eines Rentenbescheides nicht, ob statt der Altersrente für langjährig Versicherte auch eine solche für BESONDERS langjährige Versicherte angebracht ist? Oder wird das manuell vorgegeben? In einem Fall mit 580 anrecnbaren Monaten und dem erreichten Alter ist jedenfalls noch eine Altersrente mit einem Zugangsfaktor von 0,916 enthalten. Ob das wohl noch berichtigt werden kann obwohl der Bescheid schon bindend ist
Fragt mal ganz verwundert
Jonny

von
W*lfgang

Zitiert von: Jonny
rvDialog
Jonny,

dabei handelt es sich offensichtlich um ein DRV-internes Programm/Verfahren, zu dem hier niemand Stellung nehmen kann ...außer DRV-Mitarbeiter/innen ;-)

Gruß
w.
PS: wird/ist das nicht sowieso gecancelt/neues Verfahren läuft?

von
Schlaubi123

Der RV Dialog überprüft nichts von alleine. Die Prüfung wird vorher vom Sachbearbeiter durchgeführt. Nach einem bindenden Bescheid gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Überprüfungsantrag zu stellen.

von
zelda

Hallo Jonny, hallo W*lfgang;

weder rvGlobal (das bisherige Programm der DRV Bund) noch rvDialog (das "neue" gemeinsame Programmsystem aller RV- Träger) prüfen vollmaschinell ab, ob eine andere Altersrente günstiger ist.

Lediglich in der Kontenübersicht bzw. in der Checkliste wird allgemein darauf hingewiesen, dass dieser Sachverhalt zu prüfen ist.
Auch hier ist jedoch von Hand zu prüfen, ob ein Anspruch auf eine andere Rentenart besteht. Hier ist also der Sachverstand der Sachbearbeitung gefragt.
Wenn die Hinweise vom aufstellenden Mitarbeiter als auch vom Prüfer "überlesen" werden, so berechnen beide Programmsysteme die Rentenart, die vorgegeben wird.

Sollten tatsächlich zum Beginn der Altersrente für langjährig Versicherte alle Voraussetzungen auch für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (angehobenes Lebensalter von 63 Jahren + x Monaten, Wartezeit von 45 Jahren, Einhaltung der Hinzuverdienstgrenzen) vorgelegen haben, so ist hier natürlich etwas falsch gelaufen.

Nachdem die Bindungswirkung bereits eingetreten ist (= Widerspruchsfrist abgelaufen) und der Wechsel der Altersrentenart nach § 34 Absatz 4 SGB VI ausgeschlossen ist, könnte hier m.E. jedoch ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch aufgrund einer unterbliebenen Spontanberatung des Versicherten bei der Antragsaufnahme bzw. vor der Bescheiderteilung nach § 14 SGB I geltend gemacht werden.
M.E. ist die Wahl der Altersrente für besonders langjährig Versicherte mit einem höheren Bruttorentenbetrag wegen des höheren Zugangsfaktors (keine Abschläge) eine naheliegende Gestaltungsmöglichkeit , über die der Versicherte aufzuklären war.

Die "Keule" des Amsthaftungs- / Schadensersatzanspruches muss hier dann wohl nicht eingesetzt werden.

Hierzu sollte jedoch zunächst Akteneinsicht genommen werden, ob nicht der Versicherte über die Möglichkeit der Altersrente für besonders langjährig Versicherte aufgeklärt wurde (z.B. bei der Antragsaufnahme) und dennoch diese Möglichkeit nicht gewählt hat.

MfG

zelda

von
Jonny

Hallo Zelda,
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Da braucht es keinen Experten mehr.
Wäre aber doch schön für alle Beteiligten, wenn da künftig besser vorgebeugt würde, oder?
Meint jedenfalls mit den besten Grüßen
Jonny

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Jonny,

zum RV Dialog kann ich leider nicht Stellung nehmen.
Allerdings wird die beantragte Altersrente durch einen Sachbearbeiter manuell vorgegeben.
Hierbei sollte auch von Sachbearbeiter die "günstigste" Rente von Amts wegen überprüft werden, um den Versicherten ggf. bei falscher Beantragung darauf hinweisen zu können.

Ist das in vorliegendem Fall nicht geschehen und ist die Widerspruchsfrist bereits verstrichen, haben Sie noch die Möglichkeit einen Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X zu stellen und um eine Korrektur zu bitten.

von
W*lfgang

Zitiert von: zelda
(...)
Dank, zelda, für die ausführlichen Hinweise!

"Auch hier ist jedoch von Hand zu prüfen, ob ein Anspruch auf eine andere Rentenart besteht. Hier ist also der Sachverstand der Sachbearbeitung gefragt."

:-) ...nein, das meine ich ganz unaufgeregt - das funktioniert eigentlich besser, als man es vor Ort 'beraten' hat. Anekdote: Versicherte _will_ die AR für langjährig Versicherte/höchstmöglicher Abschlag, obwohl bei ihm noch etwas höheres ALG läuft/mit natürlich entsprechenden 'Vergünstigungen' bei späterem RB. DRV-Sachbearbeitung gerät ins Routieren 'ja aber, das ALG ist doch höher' ...*schitt, der will mit der AfA nix mehr zu haben/wissen die nicht - und 4 Monate nach Antragsstellung ist endlich der gewünschte Bescheid im Briefkasten. DRV hatte (zeitverzögerlich) und richtig mitgedacht ...ICH war nur zu blöd, einen entsprechenden Kurzvermerk in den Antrag zu tippern bzw. örtlichen Vermerk über wiesoweshalbwarum gleich beizulegen – hatte die Sachbearbeitung unterschätzt ;-)

Gruß
w.