von
Frank59

Liebe Experten,

ein 28-jähriger Malermeister ist nach Erlangung des Meistertitels in den elterlichen Betrieb (Einzelunternehmen) als Mitunternehmer mit eingestiegen. Der Vater, welcher das Unternehmen bisher allein führte, will auf Rat seines Steuerberaters das Unternehmen nach dem Einstieg seines Sohnes jetzt als GmbH&Co.KG führen. Die Frage lautet, muss der Sohn trotzdem die 216 Monate mit Pflichtbeiträgen belegen um sich aus der Versicherungspflicht in der Deutschen Rentenversicherung befreien zu lassen oder könnte er das sofort tun?

Vielen Dank im Voraus!

von
Werner67

Hallo Frank59,

das ist etwas kompliziert und hängt von der Gestaltung der Gesellschaft ab:

Wenn der Handwerksbetrieb als GmbH & Co. KG in die Handwerksrolle eingetragen ist, hängt die Versicherungspflicht der Gesellschafter (Handwerker) davon ab, ob es sich bei der GmbH & Co. KG. um eine Kapitalgesellschaft oder eine Personengesellschaft handelt. Gesellschafter einer KG sind Kommanditisten und Komplementäre. Wenn der einzige Komplementär der KG die GmbH ist (und die Handwerker Kommanditisten), so handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft und es kann keine Versicherungspflicht als Handwerker eintreten.
Wenn jedoch auch eine natürliche Person (Handwerker) als Komplementär auftritt, handelt es sich um eine Personengesellschaft und dann kann Versicherungspflicht für alle Handwerker eintreten, die die persönlichen Voraussetzungen erfüllen (Befähigungsnachweis).

von
Rentensputnik

Um Rechtssicherheit zu haben, empfehle ich Ihnen ein Statusklärungsverfahren über die Deutsche Rentenversicherung Bund zu beantragen. Die entsprechenden Formulare finden Sie auf der Internetseite der DRV oder Sie wenden sich an die nächstgelegene Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung.
MfG

von
=//=

Der junge Mann sollte es sich gut überlegen, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen (falls es überhaupt möglich ist). Denkt er denn auch an seine Altersvorsorge? Oder ist er auf Rosen gebettet, so dass er für die Altersvorsorge nichts machen muß? Man bekommt für die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht nur eine Altersrente, sondern man hält bei der Entrichtung von Pflichtbeiträgen auch die Anwartschaft für eine Erwerbsminderungsrente aufrecht und kann Reha-Leistungen erhalten.

Experten-Antwort

Wie von „Werner67“ bereits beschrieben, hängt der Eintritt der Versicherungspflicht nach § 2 S.1 Nr.8 SGB VI davon ab, ob die GmbH & Co. KG von der Handwerkskammer als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft eingetragen wird. Lautet der Eintrag auf eine Personengesellschaft, so tritt für alle selbständig tätigen Gesellschafter, die einen handwerkerrechtlichen Befähigungsnachweis besitzen, Versicherungspflicht ein. Die Befreiungsoption erfordert dann die notwendigen 216 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen.

von
Frank 59

Danke liebe Foristen und Experten, damit kann ich gut was anfangen!