Hallo Riester-Fan,
ich finde es gut, daß Sie hier mal eine ausführliche Argumentation einstellen. :-)
Sie argumentieren im Fahrwasser des "Mainstreams". Ich habe das jahrzehntelang auch so gesehen wie Sie, weil es in allen Medien, durch die Politik usw. so dargestellt wird.
Es ist aber falsch, daß Aktien unsicher und festverzinsliche Papiere sicher sind. Es ist SACHLICH falsch, es ist keine Frage der Meinung, es handelt sich hier um Fakten! Auch viele Ökonomen irren offensichtlich in dieser Frage.
Früher einmal waren alle Menschen davon überzeugt, daß die Erde eine Scheibe ist. Und wer was anderes behauptet hat, lief Gefahr, als Ketzer verbrannt zu werden. Nun, die Erde ist annäherungsweise eine Kugel, das wissen wir heute. Und Aktienfonds müssen zwangsläufig in langfristiger Betrachtung eine höhere Rendite erwirtschaften als Forderungspapiere, das folgt aus zwingenden Gründen. Wer das nicht glaubt, der kann es bei entsprechendem Einsatz des eigenen Denkvermögens selber nachvollziehen. Die Argumentation ist allerdings vielschichtig, also ganz leicht ist es nicht. Ich habe auch einige Monate gebraucht, um dies zu verstehen. Und es hat Jahre gedauert, um die eigenen (anti-kapitalistischen) Vorurteile zu überwinden, die einen daran hindern, die offensichtliche Wahrheit auch tatsächlich anzuerkennen.
Ich versuche mal einen Teil der Erklärung, wobei ich das nur laienhaft ausdrücken kann, da ich keine Ökonomin bin: neue Werte (Kapital, Güter) werden dadurch geschaffen, daß die vorhandenen Werte nicht sofort verbraucht (konsumiert) werden, sondern ein Teil davon gespart wird. Die gesparten Werte dürfen aber nicht einfach nur als Vorrat im Garten vergraben werden (da drohen sie auf längere Sicht auch noch zu vergammeln - Inflation), sondern müssen eingesetzt werden, um daraus etwas Neues zu schaffen, was einen höheren Wert hat als der Einsatz. Die Ersparnis muß investiert werden, und man erhofft sich dann einen Ertrag, der höher als der Einsatz ist. Wenn die Menschheit noch nie gespart und investiert hätte, lebten wir heute noch in der Steinzeit oder noch davor.
In der heutigen arbeitsteiligen Welt müssen wir unser erspartes Kapital einem (bzw. in winzigen Anteilen ganz vielen) Unternehmen zur Verfügung stellen, damit dieses Unternehmen das Kapital gewinnbringend investiert. Von dem erzielten Ertrag profitieren wir dann als Miteigentümer - Verluste müssen wir allerdings genauso mittragen. Gehen wir erstmal von einer erfolgreichen Investition aus: das Unternehmen erzielt einen Gewinn, ein Teil dieses Gewinns wird an die Aktionäre ausgeschüttet, ein Teil des Gewinns wird gleich erneut investiert, die entstandene Wertsteigerung kommt mittelbar dem Aktionär zugute. Je länger er sein Kapital dem Unternehmen als Eigenkapital zur Verfügung stellt, desto größer die Gewinnaussichten.
Jetzt im Unterschied dazu jemand, der in einer Anleihe dieses Unternehmens Geld anlegt. Das Unternehmen verschuldet sich also, es nimmt Fremdkapital auf, weil vielleicht nicht genug Eigenkapital zur Verfügung steht. Der Anleger erhält einen vorab vereinbarten festen Zins, der unabhängig vom tatsächlichen Ertrag ist. Ist es nicht naheliegend, daß langfristig der Gewinn der Aktionäre immer höher liegen muß als dieser Schuldenzins, allein schon deswegen, weil jedes Unternehmen lieber dem eigenen Vermögen (Eigenkapital = eigenes Vermögen) als seinen Schulden dient? Die Interessen von Aktionären und Unternehmen sind gleichgerichtet, die Interessen von Unternehmen und Gläubiger eher nicht. Das Unternehmen wird doch alles tun, um seinen eigenen Gewinn zu mehren und wird wenig begeistert sein, seine Schulden zu finanzieren. Das Unternehmen wird für die Anleihe einen geringeren Zins zahlen, als es selber zu erwirtschaften hofft. Das ist doch völlig logisch!
In kurzfristiger Betrachtung schwankt der Wert von Unternehmensanteilen abhängig von der Konjunktur und vom konkreten Erfolg/Mißerfolg des Unternehmens. Langfristig wird das Unternehmen aber entweder erfolgreich sein und wachsen oder es wird untergehen (Konkurs). Wenn es untergeht, dann füllt ein anderes, erfolgreicheres Unternehmen diese Lücke. Bisher ist es mit der Weltwirtschaft langfristig immer bergauf gegangen, sonst hätten wir heute keine Kühlschränke und Autos und Handys. Um zu vermeiden, daß man in das falsche Unternehmen investiert, streut man seine Investition. Aktienfonds streuen sowieso schon über manchmal 100 und mehr Unternehmen, zusätzlich streut man dann noch über mehrere Aktienfonds, die möglichst voneinander unabhängig sind. Was soll da dann noch in langfristiger Betrachtung schiefgehen? Wenn es tatsächlich zu einem Untergang der gesamten Weltwirtschaft kommen sollte und Aktien nichts mehr wert sind, dann sind sämtliche Forderungspapiere schon lange vorher nichts mehr wert (auch Versicherungsgesellschaften legen die Ersparnisse ihrer Kunden mittelbar oder unmittelbar in Unternehmen an, denn nur diese erwirtschaften Rendite - wo soll denn die Rendite sonst herkommen, die fällt doch nicht vom Himmel!).
Es ist garantiert, daß man mit Aktienfonds langfristig einen höheren Ertrag erzielt als mit Forderungspapieren! Wie hoch der Ertrag sein wird, kann man vorher nicht wissen. Aber das macht ja nichts, solange man garantiert keinen Verlust machen kann und sogar garantiert mehr erhält als alle, die in festverzinsliche Verträge sparen. Wer es nicht glaubt, kann es mit Hilfe der Informationen auf der von mir immer wieder genannten website selber nachvollziehen, z.B. hier (Frage 25):
http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=74
Und, natürlich nochmal die Warnung: nur das tun, was man selber vollständig verstanden hat! Wer investiert, tut dies auf eigene Verantwortung!
Gruß,
Maria L.