4. Antrag auf Erwerbsminderungsrente

von
Karin

Hallo,

ich bin 55 und nun seit fast 5 einhalb Jahren an Krebs erkrank und hab nun gerade zum 4. Mal meine Erwerbsminderungsrente beantragt. Man kriegt`s echt im Kopf diesen ganzen Mist immer wieder aufzuschreiben. 100% Schwerbeschädigt, einen sehr bösartigen Weichteiltumor am Knie mit mehrfachen Rezidiven und Lymphknotenmetastasen, keine LK mehr in der Leiste, große OP-Narben im gesamten Bein +Bauch, dadurch erhebliches Lymphödem und alles was damit zusammenhängt. Hab zwar Gottseidank momentan keinen aktuellen Befund, aber Arbeit ist nicht möglich. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich wieder was Neues (Metastasen/Rezidive) findet. Eine grundsätzliche Änderung - Besserung -ist nicht zu erwarten.
Zuerst bekam ich 2 x 1 Jahr volle Erwerbsminderungsrente und letztes Mal erfreulicher Weise 18 Monate, die nun bald auslaufen.

Als ich nun meinen Rentenantrag abgab, sagte mir die Mitarbeiterin bei der RV, dass es eigentlich nur 3 Anträge bei krankheitsbedingter Berentung seien. Nur bei Rentengewährung wegen schlechter Arbeitmarksmarktlage würde man immer wieder nur befristet berentet.

Das ist aber bei mir nicht so, hab vor lauter Schreck gleich in die letzte Bewilligung geschaut - aber ich hatte nichts übersehen! Das irritiert mich und ich frage mich, ob nicht schon der letzte Bescheid unbefristet hätte sein müssen.

Muß ich nun weiter jedes Jahr neu beantragen oder gibt es tatsächlich eine begrenzte Anzahl bei der Antragstellung?

Vielen Dank schon mal!
__________

von
Elisabeth

Hallo Karin!
Warum deine Kiste so neben der Spur läuft, dazu fehlen mir die Einzelheiten. Man hat einen Anspruch auf Dauerrente nach 3maliger Verlängerung von 3 Jahren.

von
Karin

Danke, Elisabeth,
tja, was soll ich sagen!? Ganz nebenbei hat man dann noch einen Bandscheibenvorfall und einen Darmdurchbruch, weil es noch nicht genug ist und alles hinterläßt Spuren und letztenendes große Einschränkungen. Aber vielleicht denkt die RV, dass aus mir wieder die super dynamische immer mit 100 Sachen durch die Gegend rennende Arbeitnehmerin wird - so wie es früher war!? Leider ganz einfach ausgeschlossen!

Was soll ich Deiner Meinung nach tun?

LG KArin

von
KSC

Jetzt warten Sie doch am besten mal ab, was bei diesem Antrag rauskommt.

Wird auf eine Dauerrete entschieden, wäre "der Käse ja gegessen".

von
-_-

:P Die Befristung kann auch mehr als 3 mal nacheinander ausgesprochen werden. Nur die Gesamtdauer der Befristung insgesamt ist auf 9 Jahre begrenzt. Entweder hatte Ihr Berater keine Ahnung oder Sie haben ihn falsch verstanden. Die Befristung erfolgt jeweils für längstens drei Jahre nach Rentenbeginn. 3 mal 3 Jahre wären dann 9 Jahre. Rein theoretisch wäre aber auch 9 mal 1 Jahr möglich.

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden auf Zeit geleistet. Die Befristung erfolgt für längstens drei Jahre nach Rentenbeginn. Sie kann verlängert werden. Verlängerungen erfolgen für längstens drei Jahre nach dem Ablauf der vorherigen Frist. Renten, auf die ein Anspruch unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage besteht, werden unbefristet geleistet, wenn unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit behoben werden kann; hiervon ist nach einer Gesamtdauer der Befristung von neun Jahren auszugehen.
http://bundesrecht.juris.de/sgb_6/__102.html

von
Karin

vielen Dank für die ausführliche Antwort. Für mich bleibt trotzdem die Frage: immer nur ein Jahr bei meinem Gesundheits- oder besser Krankheitszustand??? Ich kenne viele Menschen, die gleich 3 Jahre für sehr viel weniger Einschränkun bekommen - das ist für mich nicht nachvollziehbar, vorallem unter dem Umstand, dass sich mein Zustand nicht mehr verbessern wird!

von
-_-

:P Die Einlassung ihrerseits ist verständlich aber leider unergiebig. Ich bin kein Medizinmann und kann Ihr Leistungsvermögen nicht beurteilen, schon gar nicht im Forum und noch dazu vergleichend. Wer mit seinem Bescheid nicht einverstanden ist, kann dagegen Widerspruch erheben und seine Sicht der Dinge darlegen, ggf. unterstützt durch selbst beigebrachte ärztliche Befundberichte. Das Widerspruchsverfahren kostet Sie nichts und wird schlimmstenfalls zu einer Nullnummer (außer Spesen nichts gewesen).

von
Klemens

Wie ihnen bereits gesagt wurde, kann eine EM-Rente die aus rein med. Gründen zuerkannt wurde bis zu 9 Jahren befristet gezahlt werden. Die Zahl der in diesem Zeitraum vorgenommen Verlängerungen der Rente spielt dabei keinerlei Rolle.

Erst nach 9 Jahren der Befristung hätten Sie Anspruch auf eine unbefristete EM-Rente ( wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen dazu d a n n noch vorliegen ).

Natürlich kann und wird in der Praxis - bei sehr sehr schweren Erkrankungen - , wo nach medizinsichem Ermessen keinerlei Chancen auf eine Heilung mehr bestehen und wo die Besserung der Erwerbsfähigkeit zu annähernd 100% ausgeschlossen werden kann , auch schon vor diesen 9 Jahjren eine unbefristet EM-Rente zuerkannt.

Dies ist aber nicht die Regel sondern eher die Ausnahme und ist immer eine Einzelfallentscheidung unter genauer Abwägung aller med. Gesichtspunkte.

Gerade bei Krebserkrankungen wird - in der Regel - die EM-Rente immer erst 1-2 x für einige Jahre befristet und abgewartet , wie sich die Erkrankung weiter entwickelt ( Rezidive etc. pp )
Dies ist bei ihnen ja auch genauso geschehen und damit nicht sehr ungewöhnlich.

Ähnlich dem Schwerbehindertenverfahren wo ibei Krebserkrankungen mmer die sog. ( mehrjährige ) Heilungsbewährung abzuwarten ist und danach - wenn kein Rezidiv vorgekommen ist - oft der GdB ja komplett dann wegfällt.

Ganz wichtig ist natürlich, das Sie jetzt im Verlängerungsanverfahren ärztliche Unterlagen ihrer behandelnden Ärzte einbringen , die eine wietere - erhebliche - Verschlechterung ihres Gesundheitszusatanden attesteiren !

Man muß in so einem EM-Verfahren und wenn man unbeidngt frühzeitig eine unbefr. EM-Rente haben will , auch immer selbst aktiv werden und nicht nur alles laufen lassen in der Hoffnung das wird schon... Man kann da selbst schon einiges beeinflussen.

Ich denke aber, in ihrem Fall und den geschilderten Umständen werden Sie jetzt nach ca. 4 Jahren der Berentung und weiteren Rezidiven bei diesem Verlängerungsantrag sehr guten Chancen haben, das man ihnen jetzt bereits eine unbefristete EM-Rente zuerkennen wird.

Wenn nicht , können Sie natürlich Widerspruch gegen die Befristung dann einlegen. Ob dies klug und sinnvoll ist, ist natürlich eine ganz andere Sache und Sie sollten sich vorher dazu rechtlich beraten lassen.

Leztlich bringt ihnen eine unbefristete EM-Rente auch nicht so viel mehr als eine immer wieder befristete, da auch die unbefr. EM-Rente JEDERZEIT von der RV überprüft werden kann. Dies ist natürlich abhängig vom med. Einzelfall und der Verfahrensweise des jeweiligen Regionalträgers.

Habe z.b. auch eine unbefr. EM-Rente die alle 2 Jahre von der DRV überprüft wird.

von
karin

Vielen Dank Klemens,

die ganze Geschichte ist für mich einfach immer so aufreibend und es bleibt im Inneren immer das Gefühle, dass man sich entschuldigen muß, dass man nicht mehr arbeitsfähig ist. Außerdem ist mir natürlich schon von Anfang an klar gewesen, möglichst umfangreiche Unterlagen beizulegen, was ich natürlich auch getan habe. Aus den Unterlagen ist eindeutig ersichtlich, dass es sich um eine metastasierende sehr bösartige Tumorerkrankung handelt, die nicht auf Chemo oder Bestrahlung reagiert und deshalb eine sehr schlechte Prognose hat. Weil sie so selten ist (1 zu 1.000.000) und die meisten Ärzte so was noch nie gesehen oder gehört haben, hab ich sogar Erläuterungen beigelegt. Zuerst wurde von einer Uniklinik der bösartige Tumor ohne Befundung ausgeschlossen, danach falsch operiert, dann hab ich mich nach der Diagnose selbst nach den wenigen Spezialisten in Deutschland umgesehen. Da war der Tumor bereits in den Lymphknoten metastasiert! Nicht genug - während der Reha gleich noch die Kündigung bekommen (kleine Firma). Das muß man schon mal im Kopf hinkriegen, wenn man vorher ein Arbeitstier war und nun ist man auf Null runtergedreht, weils einfach nicht mehr geht und letztlich muß ich jetzt alles allein ausbaden.
Aber ich will nicht jammern und mich nicht entschuldigen, dass ich noch lebe. Und ich bin auch dankbar, besonders meinen Ärzten und auch für die Rente, die ich bisher beziehen durfte. Vielleicht hab ich Glück und es war mein letzter Antrag!?

Ich danke Euch allen für Eure Beiträge.

von
Klemens

Also ohne mich hier allzuweit aus dem Fenster zu lehnen, ist bei den von ihnen geschilderten Tumorart und den damit verbundenen Einschränkungen nichts anderes als eine unbefristete EM-Rente angezeigt und würde auch von mir nicht akzeptiert werden.

Es scheint doch einiges bei den letzten Verlängerungssanträgen und der sich anschließenden medizinischen Prüfung seitens der RV schief gelaufen zu sein ( vielleicht auch gerade weil es sich um eine so seltene Tumorart handelt wie Sie schreiben und damit ensprechende " Erfahrungswerte " bei den Ärzten - auch und gerade bei denen der RV ! - fehlen ) , denn sonst hätten Sie eigentlich schon früher die unbefr. EM-Rente erhalten müssen.

Ich denke mit Hilfe des Vdk/SovD oder eines versierten und mit alllen Wassern gewaschenen Fachanwaltes für Sozialrecht der sich in Fragen der EM-Rente sehr gut auskennt , hätten Sie diese unbefr. EM-Rente schon lange...

Noch ein Tipp aus dem Nähkästchen ( wir sind ja unter uns... ):

Grundsätzlich ist es immer schwer ( schwerer) eine EM-Rente nur alleine aufgrund von körperlichen Einschränkungen zu erhalten. Psychische Erkrankungen führen weitaus öfter und frühzeitiger zu einer auch unbefr. EM-Rente...

Sie schreiben ja auch selber, das sie das alles nicht so einfach wegstecken können und Sie dadurch stark psychisch belastet sind. Ist ja auch vollkommen verständlich. Nur muss dies natürlich fachärztlich ( Psychiater ) attestiert werden.

Bei einer Krebserkrankung und gerade auch bei einer unheilbaren, spielt ja die psychische Komponente eine entscheidende Rolle und sie sollten hier diesen Aspekt beachten bzw. in den Vordergrund stellen !

Schwere Depressionen, Psychosen etc. nach oder während einer Krebserkrankung sind sehr häufig. Die Kombination Krebs u n d psychische Erkrankung führt demnach fast immer zur ( unbefr. ) EM-Rente.

Wie auch immer können Sie jetzt nur den Bescheid erstmal abwarten und dann noch entsprechend per Widerspruch reagieren. Vielleicht bringen Sie spätestens dann die psychische Komponente mit ins Spiel.
Dazu müssten Sie sich natürlich jetzt kurzfristig in entsprechende psychiatrische Behandlung begeben , um dann auch entsprechende fachärztliche Berichte dazu vorlegen zu können.
Aber unabhägig vom Ausgang des EM-Verfahrens wird ihnen dies auch gut tun und helfen die ganze Problematik besser zu bewältigen.

Ich spreche hier aus eigener Erfahrung,da ich leider sogar 2 bösartige Turmorerkrankungen habe..

Alles Gute für Sie und viel Erfolg.

von
karin

Hallo Klemens,
ja mit der Erkrankung hat mans natürlich auch im Kopf und beim letzten Antrag(also vor 18Mon.) hatte auch meine Psychologin Stellung genommen. Therapie für 4 Jahre, da lernt man schon etwas Lebensmut zu fassen und man springt nicht gleich aus den Fenster, was nicht heißt, das ein Tag wie der andere ist. Du siehst, auch das hab ich hinter mir.

Ich danke Dir sehr für Deine Hinweise und wünsche Dir persönlich alles Gute!

Und ich werd mich überraschen lassen und dann kämpfen (das hab ich schon immer, aber besonders die letzten 5 Jahre).

von
Klemens

für die guten Wünsche.

Noch als kleine Armerkung :
psychologische bzw. psychotherapeutische Berichte von " nur " Diplom- Psychologen ( also Nichtärzten ! ) haben im EM-Verfahren leider keine besonders große Bedeutung.

Mein Psychologe wo ich eine Verhaltenstherapie gemacht habe, wurde im EM-Verfahren gar nicht gehört bzw. um einen Befundbericht gebeten. Das interessierte die bei der RV gar nicht, weil er eben kein Arzt ist...

Ganz im Gegensatz dazu sind die Berichte/Atteste und vor allem die festgestellten Diagnosen von Psychiatern ( also Ärzten ) von einiger Bedeutung und können das Verfahren positiv beeinflussen.

Insofern und aus eigener Erfahrung ist immer eine Behandlung bem Psychologen u n d beim Psychiater angezeigt und für das ganze EM-Verfahren vorteilhaft.

von
karin

Das war mir tatsächlich noch nicht klar! Auf die Idee wär ich garnicht gekommen, dass eine Psychotherapie beim Therapeuten keine Beachtung finden könnte.

Vielen Dank für den Hinweis.

von
Elisabeth

Der Beweiswert von Gutachten von Psychologen gelten allerdings im SG-Verfahren. Da können sogar Heilpraktiker-Unterlagen vorgelegt werden. Ich habe einen Zugang zur juris-Bezahldatenbank und habe es gelesen.