Ablehnung onkologische Reha - EM-Rente?

von
silence

Mein Mann (44 J.) erkrankte vor einem Jahr an einem sehr agressiven Lymphdrüsenkrebs. Weil Standardchemos nichts halfen wurde im März 09 eine Hochdosis-Chemo mit anschließender Stammzellentransplantation durchgeführt. Er erholt sich überraschend gut. Zur Zeit ist er krankgeschrieben, doch die Ärzte sind zuversichtlich, dass er zum Jahreswechsel wieder erwerbstätig sein kann - leider nicht in seinem Beruf, weil seine Tätigkeit den Kontakt mit vielen Menschen beinhaltet (er ist Busfahrer). Als Transplantierter ist man sehr infektanfällig. Es wäre also besser, nicht mehr Bus zu fahren, sondern eine Tätigkeit im Innendienst aufzunehmen. Trotzdem ist er keinesfalls komplett Berufsunfähig.
Wir haben jetzt bereits zweimal eine onkologische Reha für meinen Mann beantragt und die Rentenversicherung hat dieses zweimal abgelehnt. Begründung jedesmal: er sei nicht rehafähig, sein Gesundheitszustand kann sich angeblich durch die Reha nicht verbessern.
Die Ärzte sind sicher, dass er wieder arbeiten kann und mein Mann will unbedingt wieder arbeiten. Natürlich wäre eine Reha-Maßnahme aber gut um wieder Kondition und Muskulatur aufzubauen.
Die DRV und die KK legen ihm nahe EU-Rente zu beantragen. Was sollen wir tun?

von
F U N

Guten Tag Silence,
als erstes hofft man ja einmal, dass es wieder bergauf geht.

Nach der Primärbehandlung sollten sie auf jeden Fall noch einmal einen Antrag auf eine onkologische Nachsorgereha stellen (innerhalb eines Jahres).

Sie sollten nur wissen, dass eine Reha-Antrag auch immer einen Rentenantrag darstellt, wenn
1.
ein Erfolg von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht zu erwarten ist oder

2.
Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht erfolgreich gewesen sind, weil sie die verminderte Erwerbsfähigkeit nicht verhindert haben.

Darüber hinaus hat die Krankenkasse immer noch die Möglichkeit zum Reha-Antrag aufzufordern, damit Teile des Krankengeldes bei rückwirkender Bewilligung einer Rente wieder an die Krankenkasse zurück fließen.

Sollte die Krankenkasse zu diesem validen Mittel greifen, kommt man in der Regel nicht um den Reha-Antrag rum, da die KK sonst das Krankengeld einstellt und gezahltes Krankengeld zurück verlangen kann. Das heißt nichts anderes, als dass das persönliche Dispositonsrecht hier von der KK eingeschränkt würde.

Auf jeden Fall kann man mit einem Antrag auf Rehabilitationsleistungen nichts kaputt machen.

von
Koulchen

Hallo silence,

wenn Sie dem erneuten Reha-Antrag, den F U N zurecht vorgeschlagen hat, sollten Sie auf jeden Fall den Befund der Ärzte beilegen, die die Reha befürworten, weil sie Besserungschancen sehen.

Spätestens beim nächsten ablehnenden Bescheid sollten Sie Widerspruch einlegen. Dann müßten nach meinem Verständnis Renten- oder Krankenversicherung daraufhin zumindest mal ein gegenteiliges Gutachten eines Amtsarzts oder des MDK ins Feld führen, was bei einer Beurteilung nicht rein nach Aktenlage schwierig werden könnte, wenn Ihr Mann sich jetzt so viel besser fühlt.

Viele Grüße
Koulchen

Experten-Antwort

Wie von "FUN" vorgeschlagen einen neuen Reha-Antrag stellen.

von
Monika

Guten Tag,
von einer 6-wöchigen Reha wurde ich arbeitsunhähig entlassen.
Die Reha-Ärzten haben EM-Rente vorgeschlagen, bzw. werden dies im Entlassungsbericht entsprechend begründen.
Muss ich nun parallel dazu einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen ?
Viele Dank vorab und freundliche Grüße
Monika

von
Skatrentner

Ein formeller Rentenantrag muss trotzdem gestellt werden. Falls die Ärzte in Ihrem Entlassungsbericht angeben, dass bei Ihnen eine Erwerbsminderung vorliegt müssten Sie von Ihrem RV-Träger eine Aufforderung zur Stellung des Rentenantrages bekommen, diesen sollten Sie dann in der im Anschreiben genannten Frist auch stellen. Sie können aber auch ohne Aufforderung schon jetzt den Antrag stellen. Setzen Sie sich diesbezüglich mit einer Beratungsstelle der Rentenversicherung, der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung oder mit einem Versichertenältesten in Verbindung. Die sind bei der Antragstellung behilflich. Viel Erfolg und gute Besserung.

Experten-Antwort

Normalerweise werden Sie von der Rentengruppe angeschrieben, dass es ein Rentenfall ist und Sie den formellen Antrag stellen können. Sie könnten aber auch selbstständig einen Antrag stellen.

von
Jack

Hallo Silence.

ich kann die vorhergegangenen Meinungen nicht so ohne Weiteres teilen.
Wenn man Ihnen ( bzw. Ihrem Mann) sogar seitens der DRV und der KK nahelegt, die EM-Rente in Anspruch zu nehmen, so würde ich dies umgehend tun.
Auchwenn Sie meinen, dass Ihr Mann nicht komplett berufsunfähig ist (Berufsunfähigkeit im eigentlichen Sinne gibt es ja nicht mehr - ich vermute, Sie meinen voll erwerbsgemindert) so kann man bei der Erkrankung, die Ihr Mann hat, nur mit Zurückhaltung die zukünftige berufliche Entwicklung planen.
Nur wenn Ihr Mann tatsächlich schon einen festen Job im Innendienst in Aussicht hat, würde ich das Risiko einer Ablehnung der EM-Rente in Kauf nehmen. Wenn er sich diese Stelle (in dem Alter und mit dem Krankheitsbild) erst suchen muss, so rate ich Ihnen dringend die EM-Rente so schnell wie möglich in Anspruch zu nehmen, bevor er in rechtlichen Sinne arbeitslos und Hartz4-Empfänger wird.
Je schneller er die EM-Rente hat, je eher können Sie dann über Ihre Krankenkasse einen Reha-Antrag stellen (und notfalls sozialrechtlich durchsetzen), dann dann definitiv die KK dafür zuständig ist und bei einer berechtigten Indikation gar nicht ablehnen kann.
Falls es Ihrem Mann tatsächlich später etwas besser geht, dann kann er im Rahmen eines 400,00 Euro-Jobs als voller EM-Rentner immer noch im geringen Umfang beruflich tätig sein (auch im Innendienst), ohne dass bei einer eventuellen erneuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes Ihre Existenzgrundlage weitgehend entfällt.
Insofern wundert es mich sehr, dass ich bislang hier der einzige bin, der Ihnen diesen Ratschlag gegeben hat.

von
Auskenner

Stimme dem Beitrag von @Jack vollständig zu.

Wenn die RV ihren Mann für so erwerbsgemindert hält, das bereits 2 x eine Reha abgelehnt wird, weil Sie keinerlei Aussicht auf Erfolg hat und ihm darum eine EM-Rente quasi auf dem Silbertablett serviert, wären Sie schlecht beraten diese EM-Rente abzulehnen.

Ihr Mann muss erst wieder vollständig gesund werden ( was bei der Art von Krebs nicht leicht sein wird... ) um neue berufliche Herausforderungen durchstehen zu können.

Das ihr Mann selber wieder arbeiten möchte ist sicher sehr löblich , nur leider unterschätzen sehr viele Leute die Auswirkungen ihrer Erkrankung und steigen viel zu früh wieder ins Berufsleben ein. Das Ergebnis hinsichtlich des Gesundheitszustandes könnte dann verheerend sein...

Die Einschätzung der behandelnden Ärzte ist auch immer mit grösster Vorsicht zu geniessen, weil die Ärzte überhaupt nicht wissen können , welche beruflichen Belastungen und Herausforderungen auf ihren Mann zukommen werden.

Da wird dann schnell mal daher geredet : Das geht schon wieder mit dem arbeiten.

Nur die Probleme wenn es denn eben nicht geht, hat dann ihr Mann und nicht der Arzt der ihn zur verfrühten Arbeitsaufnahme verleitet hat.......

Letzlich kann nur ihr Mann selbst - nach dem Bauchgefühl - entscheiden wann er wieder ins Berufsleben entsteigen will.

Aber man sollte dies wirklich sehr sehr realistisch und emotionslos prüfen und sich nicht von Wunschgedanken und Hoffnungen leiten lassen.

Persönlich würde ich die EM-Rente erstmal nehmen ( ist ja eh nur befristet vielleicht für
1-2 Jahre ) und dann im Rahmen einer 400 € Tätigkeit die eigene Belastbarkeit prügen !

von
silence

Vielen Dank für die diversen obigen Ratschläge, wobei ich
einige der Antworten nicht nachvollziehen kann.

Ich hatte ja erwähnt, dass mein Mann schon z w e i m a l
einen Rehaantrag gestellt hat und dieser z w e i m a l abgelehnt wurde. Insofern sind erneute Anträge und auch der Hinweis auf eine Nachsorge-Reha im kommenden Jahr völlig fruchtlos zumal ja jetzt die Aufforderung erging, die EM-Rente zu beantragen.

Nach diversen Rückfragen in alle Richtungen sind wir zu dem Schluß gekommen, dass
die Beantragung der EM-Rente im Moment die einzige Option ist.

Vielleicht macht zu einem späteren Zeitpunkt ein Antrag auf "Teilhabe am Arbeitsleben" (Umschulung) Sinn?

Weiß jemand wie die DRV dazu steht?

Vielen Dank.

von
Auskenner

Mit der EM-Rente haben Sie sich für die wohl beste Lösung
entschieden.

Die Reha wurde ihrem Mann
2 x abgelehnt, weil er aus Sicht der RV zu krank dafür ist.

Die RV hält also ihren Mann für Erwerbsgemindert. Daran würde auch eine Rehamassnahme - aus Sicht der RV - nichts dran ändern.

Eine Reha wird aus Kostengründen aúch nur dann genehmigt , wenn Erfolgsaussichten bestehen.

Und weil eben bei ihrem Mann keine Aussicht besteht, das eine Reha hinsichtlich der bereits eingetretenen erwebsminderung etwas bringt, lehnt die RV diese weiterhin ab.

Dann gibt es eben nur die Möglichkeit die EM-Rente anzunehmen oder wieder arbeiten gehen.

Und natürlich können Sie nach der EM-Rente auch dann noch einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben stellen.

Aber ihr Mann sollte erstmal während der Berentung die 400 € Variante nutzen und antesten, wieweit und wie lange er überhaupt arbeitsfähig ist.

Alles Gute !