Abschluss- und Vertriebskosten (Riester Rente)

von
al3ko

Hallo,
wenn ich einen Riester-Vertrag abschließe, habe ich zunächst (min. 5 Jahre) Abschlusskosten und co zu tilgen. Ich fang salopp gesagt erstmal im Minus an, bevor das Riestern beginnt.

Gleichzeitig garantiert mir die Versicherungsgesellschaft zum Rentenbeginn die Summe meiner Einzahlungen wie auch der staatlichen Förderung.

Wenn ich allerdings erstmal im Minus anfange, wie kann ich dann am Ende alles wieder raushaben?

Da bin ich bis jetzt noch nicht ganz hinter gestiegen und hoffe, dass es mir jemand erklären kann.

Danke und Gruß

von
Realist

Nun, ich weiß nicht, was Sie für einen merkwürdigen Vertrag unterschrieben haben. Gewöhnlich werden die Abschlusskosten auf die gesamten laufenden Beiträge verteilt und werden nicht mit den ersten Jahresbeiträgen verrechnet. (Bei seriösen Anbietern ist das jedenfalls so!)

Im Fall der vorzeitigen Vertragsauflösung müsste ich pauschal 150 Euro Stornokosten bezahlen, egal, wie viel inzwischen eingezahlt wurde. Wurden weniger als 150 Euro eingezahlt, sind die Stornokosten auf das Guthaben begrenzt.

Sie fangen also keinesfalls im Minus an, sondern profitieren vom ersten Beitrag an von den staatlichen Förderungen.

(Es sei denn, Sie haben sich bei Vertragsabschluss übers Ohr hauen lassen!)

von
al3ko

Hallo und Danke für die Antwort.

Ich glaube, ich habe mich unklar ausgedrückt.
Um weitere Unklarheiten zu beseitigen:
Wir reden hier von der Kaiser Rente (HM).

Wenn ich also monatlich meinen Beitrag einzahle (min. 5€), erhalte ich vom Staat den vollen Zuschuss. Den habe ich auch bekommen, wie der jährlichen Abrechnung zu erkennen ist.

Jedoch hat man Abschluss- und Vertriebskosten, die sich prozentual zusammensetzen.

Wenn ich also einen Betrag einzahle (min. 60€ im Jahr) und die staatl. Förderung erhalte, habe ich eine Summe x im Pot, aus dem später meine private Rente bezahlt wird. Jedoch wird der Summe x ausm Pot zunächst (min. 5 Jahre) durch die Abschluss, Vertriebs und Verwaltungskosten gesenkt.
Sagen wir mal, dass das, was unterm Strich übrig bleibt, den Wert y erhält.

Sind wir uns soweit einig?

Meine eigentliche Frage ist jetzt folgende:

Die Summe x aus dem imaginären Pot wird mir garantiert (eine Zertifizierungsvoraussetzung). Jedoch ist in meinem Pot doch eigentlich nur der Wert z, weil ich ja zunächst die Kosten y zu zahlen habe.

Was also macht die HM oder andere Versicherungsgesellschaften, die die Riester Rente anbieten, um mir die Summe x zu garantieren?

Haben die ne gute Bank, bei der die so viele Zinsen bekommen, dass sich das alles bezahlt macht oder welcher Trick steckt dahinter?

Ich hoffe, Sie haben mich jetzt richtig verstanden.

MfG

von
al3ko

Entschuldigung, kleiner Nachtrag:

"Sagen wir mal, dass das, was unterm Strich übrig bleibt, den Wert y erhält."

Unterm Strich bleibt der Wert z übrig, nachdem von den eingezahlten Beiträgen (Eigenleistung + staatl. Förderung) x die Kosten y getilgt wurden.

von
Maria L.

Hallo al3ko,

das ist eine sehr gute Frage, finde ich. Sie sind offenbar einer der wenigen, die versuchen, hinter die Fassade der Finanzbranche zu schauen.

Ihre Beiträge werden Ihnen zum Zeitpunkt der normalen Beendigung Ihres Vertrags garantiert, aber nicht im Fall vorzeitiger Kündigung. Der Vertragsanbieter nimmt also einen Teil Ihrer Beiträge und legt diese je nach Vertrag z.B. in Rentenpapieren oder festverzinslich an, im Fall einer Versicherung z.B. zu 2,25% (Garantiezins). Er rechnet sich das vorab so durch, daß mit Endalter 60 durch den Zinseszins genau Ihre Beiträge zur Verfügung stehen.

Bei den Zulagen ist es anders, die müssen auch im Fall vorzeitiger Kündigung vollständig zur Verfügung stehen, um an die ZfA zurückgezahlt zu werden. Die Zulagen werden also vermutlich VOLLSTÄNDIG (oder nahezu vollständig) auf einem schwach festverzinsten Konto angelegt.

Verwaltungskosten werden jedes Jahr (nicht nur in den ersten 5 Jahren) in unterschiedlicher Höhe von Ihren Beiträgen einbehalten. Das wird Ihnen meines Wissens NICHT transparent ausgewiesen. Abschluß- und Vertriebskosten müssen auf zumindest 5 Jahre verteilt werden.

Was von Ihren Beiträgen dann noch übrig bleibt (sehr wenig), wird z.B. in Fonds investiert (sofern Sie einen Fonds-Vertrag haben). Ansonsten kommt das auch z.B. auf ein 2,25%-Konto.

Achtung: die Beitragserhaltungsgarantie garantiert Ihnen nur die NOMINALE Rückzahlung Ihrer Beiträge, nicht den KAUFKRAFTERHALT Ihrer Beiträge. Was die Inflation (langjährige Durchschnittsinflation in DE bei ca. 3,1% - in Zukunft sehr hohe Inflationsrisiken als Folge der enormen Geldmengenausweitung und der hohen Staatsverschuldung) mit Ihren Beiträgen macht, können Sie mit dem Barwertrechner selber nachvollziehen:

Upps, der hier ursprünglich verlinkte Inhalt steht nicht mehr zur Verfügung! Bitte nutzen Sie unsere Forensuche.
Ihnen wird also ein TEILWEISER VERLUST Ihrer KAUFKRAFT garantiert!

Wenn Sie WIRKLICH aufgeklärt werden wollen, dann informieren Sie sich hier:

http://www.gegen-altersarmut.de/Riester-Rente-Ruerup-Rente.htm

http://www.gegen-altersarmut.de/images/Riesterrente-eigene-Berechnung-eines-Versicherers.pdf

(Achtung, Produktanbieter, aber Informationen seriös)

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=29

(kein Produktanbieter, die beste mir bekannte website zum Thema Altersvorsorge)

Sie werden nicht ewig nur 60€ im Jahr zahlen müssen, nehme ich an. Wer nur den Mindestbeitrag zahlen muß, hat vielleicht einen geringen Gewinn mit einem Riester-Vertrag, aber sobald das Einkommen steigt, kann ich davon nur abraten.

Gruß,
Maria L.

von
al3ko

Hallo Maria,
danke für die ausführlichen Informationen. Nach solchen Links habe ich lange verzweifelt im Internet gesucht, weil ich bisher nur positives über die Riester Rente gelesen habe (focus, stiftung warentest...).

Ich bin aber ehrlich gesagt völlig überfordert, den ganzen Inhalt zu verstehen, ob es nun gut oder schlecht ist. Da teilen sich nämlich die Meinungen.
Alle sagen jedoch, dass bei einer Kündigung große Verluste entstehen und man unterm Strich ein mieses Geschäft macht.

Zu meiner Person:
Elektrotechnikstudent, der monatlich 20€ einzahlt - und das bis dato knapp über 2 Jahre. Bei 240€ Einzahlungen + 114€ staatliche Förderung im Jahr kamen satte 160€ an Abschluss- und Vertriebskosten zustande und fast 20€ Verwaltungskosten. Man sagte mir kürzlich, dass es nur 5 Jahre sei und ich dann bei 0 anfangen würde und endlich Riestern könne.

Jedoch beende ich mein Studium bald, so dass ich mit knapp 38000€ Brutto im Jahr nicht mehr als Geringverdiener zähle und somit min. 4% meines Einkommens als Eigenleistung zu zahlen habe. Soweit so gut, nur entstehen dadurch neue, größere Kosten für mich, weil, ich zitiere:
"Erhöhen Sie Ihren Beitrag, so erheben wir auf die Summe ... der Mehrbeiträge Abschluss und Verwaltungskosten".

Wenn ich also als Ingenieur (ledig, keine Kinder) umgerechnet knapp 120€ / Monat zahle, werden auf die 100€ Differenz ja ebenfalls Abschluss- und Vertriebskosten für min. 5 Jahre beaufschlagt.

Ist verständlich geworden, was ich damit meine?

Ich werde also immer hohe Abzüge haben, egal wie viele Jahre verdauern, weil ich ja auch mal bestimmt befördert werde oder den Arbeitgeber wechsel, bei dem ich mehr verdiene.

Ich stelle mir jetzt die Frage, ob ich kündigen soll oder mit Zähneknirschen weiter einzahlen soll. Bisher habe ich insgesamt "nur" 550€ eingezahlt. Da ist der Schmerz geringer, als wenn ich als Arbeitnehmer die "großen" Beträge zahle.

Aber wer wäre denn der passende Ansprechpartner für sowas? Ich mein, den Hernn, bei dem ich die Versicherung unterschrieben habe, kann ich ja schlecht zur Beratung ziehen.

Über eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

von
Maria L.

Hallo al3ko,

zunächst: überstürzen Sie nichts. Informieren Sie sich gründlich und machen Sie beim nächsten Mal nur das, was Sie selber verstanden haben!

Als Elektrotechnikstudent können Sie gewiß ganz gut rechnen und Sie können logisch denken. Seien Sie froh, daß Sie jetzt stutzig geworden sind und nicht erst in 40 Jahren, wenn es für den Aufbau einer Altersvorsorge zu spät ist.

Möglicherweise müssen Sie Ihre bisherigen Einzahlungen als Lehrgeld komplett abschreiben. Ggf. können Sie den Vertrag ruhend stellen lassen. Dann bekommen Sie mit Vertragsende Ihre Beiträge plus Zulagen garantiert - aber nur nominal, ob das dann mehr als ein Trinkgeld ist, sei dahingestellt. Sie haben richtig erkannt, daß der Produktanbieter Sie nicht unabhängig beraten wird. Sie können sich von ihm bzw. direkt dem Vertragsanbieter allenfalls vorrechnen lassen, wieviel bei Kündigung oder Beitragsfreistellung herauskäme.

Denken Sie mal darüber nach, wodurch sich Zeitungen/Zeitschriften einschließlich Finanztest hauptsächlich finanzieren...

Ich müßte selber suchen, um kritische Informationen zur Riester-Rente wiederzufinden. Suchen Sie selber hier im Forum nach alten passenden Beiträgen z.B. von Amadé. Auf die Schnelle fällt mir noch ein:

www.riesterrentenbetrug.de
www.nachdenkseiten.de (kann ich generell nicht empfehlen, aber in bezug auf Riesterkritik schon)

Ich empfehle Ihnen, grundlegend umzudenken. Sie möchten gewiß für Ihr Rentenalter vorsorgen und nicht für das Rentenalter Ihrer Finanzberater oder per Umverteilung das der zukünftigen Armutsrentner.

Suchen Sie nach früheren Beiträgen von mir zum Thema "Aktienfonds". Lesen Sie das hier als zusätzliche Warnung:

Upps, der hier ursprünglich verlinkte Inhalt steht nicht mehr zur Verfügung! Bitte nutzen Sie unsere Forensuche.
Schauen Sie mal, ob das hier was für Sie ist:

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=42

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=44

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=49

Ich kann im Rahmen des Expertenforums leider nicht allzu viel beraten. Denken Sie selber nach, gründlich und systematisch. Der Aufbau einer eigenen Altersvorsorge sollte Ihnen einigen Einsatz wert sein. Einige Monate bis zu einem Jahr darf es schon dauern, bis Sie selbständig in eigener Verantwortung ziel- und chancenorientiert gestreute Aktienfonds für Ihre Vermögensbildung (= Altersvorsorge) ausgewählt haben. Haben Sie Mut zur Eigenverantwortung. Denn alle wollen nur Ihr Bestes: Ihr Geld...

Hier bekommen Sie zielführende Hilfe zur Selbsthilfe:

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=172

Lassen Sie sich von etwas harschen Worten auf der Seite nicht abschrecken.

Gruß,
Maria L.

von
Realist

Die Stiftung Warentest als Herausgeber der "Finanztest", finanziert sich einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Test-Zeitschriften und Bücher. Werbeanzeigen suchen Sie in diesen Publikationen vergeblich, Sie kluge Frau!

Dass Sie nichts von der Rister-Rente halten, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Aber dass Sie jetzt auch noch seriöse, finanziell unabhängige und verbraucherfreundliche Institutionen wie die Stiftung Warentest verunglimpfen geht entschieden zu weit!

Mal abgesehen davon, dass Sie 11 Millionen "Riesterer" als Deppen darstellen!

von
Schiko.

Danke realist. dass sie mir die
arbeit abgenommen haben.

MfG.

von
Realist

Gern geschehen, @Schiko.!

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag!

von
Maria L.

Hallo Realist,

gratuliere: Sie haben in meiner Ausführung einen wunden Punkt gefunden.

Mein angedeutetes negatives Urteil über die Zeitschrift Finanztest nehme ich zurück. Es beruhte auf Informationen aus zweiter Hand, die ich auf die Schnelle nicht verifizieren kann. Richtig scheint Ihre Darstellung zu sein, daß in Finanztest im Unterschied zu anderen Zeitschriften keine Werbeanzeigen geschaltet werden. Es gibt dagegen wohl staatliche Zuschüsse, wozu ich aber keine genauen Informationen habe. Wenn ich mal Zeit und Lust dazu habe, recherchiere ich mal genauer zur Qualität von Finanztest.

Wovon ich auch ohne genauere Recherche abraten möchte: Fondsratings und Performance-Listen, wie sie wohl auch in Finanztest abgedruckt werden, sind für eine erfolgreiche Altersvorsorge über regelmäßiges Ratensparen irrelevant. Ein historisch erfolgreicher Aktienfonds kann, aber muß nicht auch in der Zukunft erfolgreich sein. Man sollte lieber nach chancenreichen Aktienfonds Ausschau halten, deren Potential sich erst in der Zukunft entwickelt - hier stecken die größeren Renditechancen.

Gruß,
Maria L.

von
Kioskbesitzer

Ich lade Sie ein, sich mal ein Heft von Finanztest zu kaufen. Ist vielleicht nicht alles so "geschwollen" geschrieben wie Ihre Beiträge, aber seriös recherchiert.

von
Realist

Stimmt genau, @Kioskbesitzer!

@Maria L. scheint zwar noch nie eine Ausgabe der "Finanztest" näher betrachtet zu haben, maßt sich aber an, diese Zeitschrift als staatlich finanziertes Propagandablatt zu verunglimpfen.

Und jeder zufriedene "Riesterer" ist in ihren Augen entweder blöd oder ebenfalls von der Regierung geschmiert worden.

Unglaublich, sowas!