Absicherung der deutschen Rentenhöhe bei Arbeit in Polen

von
Gerhard Meyer

Guten Abend, ich habe fast 30 Jahre in die deutsche RV eingezahlt, davon die meisten Jahre den Höchstbetrag. Seit 1. Januar arbeite ich jetzt in Polen und bin natürlich auch dort sozialversichert. Welche Möglichkeiten gibt es, damit ich bei Renteneintritt dieselbe Altersrente bekomme, wie wenn ich ununterbrochen in Deutschland gearbeitet hätte?

von
W*lfgang

Zitiert von: Gerhard Meyer

Guten Abend, ich habe fast 30 Jahre in die deutsche RV eingezahlt, davon die meisten Jahre den Höchstbetrag. Seit 1. Januar arbeite ich jetzt in Polen und bin natürlich auch dort sozialversichert. Welche Möglichkeiten gibt es, damit ich bei Renteneintritt dieselbe Altersrente bekomme, wie wenn ich ununterbrochen in Deutschland gearbeitet hätte?

Hallo Gerhard Meyer,

Ihnen steht die Möglichkeit offen, sich auch als in Polen lebender Deutscher weiterhin mit freiwilligen (Höchst-)Beiträgen zwecks weiterem Zuwachs Ihrer deutschen Rente an diesem System zu beteiligen. Lassen Sie sich die Kosten/zu erwartende Rente zum Tag X vorher genau von der DRV vorausrechnen ...Sie werden feststellen, dass die Rentabilität Ihrer Einzahlungen Sie um ein paar mehr Jahre überlebt.

Sinnvoll ist die Auswertung Ihrer bisherigen Rente/mögliche künftige (frühere) Rentenansprüche schon - freiwillige (Mindest-)Beiträge können vielleicht von Nutzen sein. Daneben können auch polnische Beiträge den gleichen Nutzen erfüllen (Anrechnung auf die deutschen Mindestversicherungszeiten, Erhalt des Erwerbsminderungsrentenanspruchs) und somit weitere deutsche Beiträge überflüssig machen.

Grobe Faustformel: 1000 EUR Mindestbeitrag fürs Jahr erhöhen Ihre monatliche Rente um 4,50 EUR. Das können Sie mit jedem Betrag multiplizieren, es gibt keinen zusätzlichen Bonus für höhere Beiträge (knapp 13200 EUR in 2012 möglich, ergibt rd. 58 EUR als Monatsrente). 'Schlicht' und schön gerechnet rd. 5 % Rendite ...Einzahlung nach 20 Jahren Rentenbezug wieder raus - dann liegen Sie wie lange schon wie tief und kalt ? ;-) Daneben sind noch etwaige Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn zu berücksichtigen sowie auch, dass Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung fällig werden. Die 5 % Rendite sind wirklich schon sehr schön gerechnet !

Gruß
w.

von
Rentenfloh

Na dann reden Sie die Rendite aber im falschen Forum schlecht. Immerhin bezieht sich jeder 2. Artikel auf die angeblich ach so tolle Rendite der gesetzlichen RV. 8)

von
B´son

Wenn es um die Rendite in der gesetzlichen Rentenversicherung geht, dann muss man unterscheidne, ob (Pflicht-)Beiträge aus einem Beschäftigungsverhältnis oder freiwillige Beiträge gezahlt werden.

Der Beitragsaufwand, um eine exakt gleiche Rentensteigerung zu erzielen liegt bei einer freiwilligen Versicherung beim doppelten, da ja hier neben dem Arbeitnehmerteil auch der sonst vom Arbeitgeber getragene Beitrag selbst aufzubringen ist...

von
Rentenfloh

Und wenn jemand anderes ihre Beiträge komplett bezahlt, z. B. Alg, Krankengeld, Pflege, etc. dann schnellt die Rendite gigantisch in die Höhe ;-)

von
B´son

Naja, also wenn ich jetzt mal von meinem Standpunkt ausgehe, dann stellt sich bei der Rendite doch die Frage :
Was bekomme ich für die VON MIR eingezahlten Beiträge ?

Experten-Antwort

Guten Tag, Herr Meyer,

auf die Möglichkeit, dass Sie als Deutscher mit gewöhnlichem Aufenthalt in Polen freiwillige Beiträge zur gesetzlichen deutschen Rentenversicherung entrichten können – und dies sogar trotz einer bestehenden Pflichtversicherung in Polen – wurde bereits zu Recht hingewiesen.

Hier können Sie zwischen dem Mindest- und dem Höchstbeitrag ( ab 01.07.2011: mtl. 79,60 Euro bzw. 1094,50 Euro und ab 01.01.2012: mtl. 78,40 Euro bzw. 1097,60 Euro) wählen.

Für Ihr Ziel, „bei Renteneintritt dieselbe Rente zu bekommen, als wenn Sie ununterbrochen in Deutschland gearbeitet hätten“, müssten Sie zunächst ausfindig machen, in welcher Höhe Sie polnische Rentenansprüche erwerben. Diese Rentenansprüche müssten Sie dann mit den deutschen fiktiven Rentenansprüchen, die Sie erwerben würden, wenn Ihr Arbeitsentgelt in Deutschland verbeitragt würde, vergleichen und sich nur für den noch fehlenden Anteil in Deutschland absichern. Ob Ihnen entsprechende Angaben gemacht werden können, die auch noch Gültigkeit haben, wenn Sie das Rentenalter erreichen, ist fraglich.

Hier noch einige Überlegungen, die Sie bei Ihrer Planung berücksichtigen sollten:

a) In der Regel sind auch polnische Versicherungszeiten über die europäischen Verordnungen bei dem Erwerb und bei der Berechnung der deutschen Rente zu berücksichtigen. Es bleibt aber der Grundsatz, dass jeder Staat aus seinen Versicherungszeiten zahlt. Hier stellt sich die Frage, ob eine freiwillige Beitragsentrichtung in Deutschland überhaupt sinnvoll ist.

b) Pflichtbeiträge haben in der deutschen Rentenberechnung eine andere Wirkung als freiwillige Beiträge.

c) In Deutschland richtet sich die Höhe der erworbenen Rentenanwartschaft aus einem Arbeitsentgelt auch nach dem jährlichen Durchschnittsentgelt aller Versicherten. Dies kann für das jeweilige Jahr zunächst nur in vorläufiger Höhe bestimmt werden. Bei der Rentenberechnung im Rentenalter ist aber oft das endgültige ggf. abweichende Durchschnittsentgelt zugrunde zu legen. In der Gesamtleistungsbewertung haben Pflichtbeiträge eine andere Wirkung als freiwillige Beiträge. Haben Sie in Ihrem Erwerbsleben beitragsfreie Zeiten bzw. beitragsgeminderte Zeiten zurückgelegt, wären die Auswirkungen auf diese Zeiten ebenfalls zu berücksichtigen.

d) Beachten Sie bitte aber auch, dass Sie in Polen ggf. zu einem anderen Zeitpunkt einen Altersrentenanspruch realisieren können als in Deutschland.

e) Beachten Sie bitte auch, dass ein Arbeitgeber in Deutschland die Pflichtbeiträge mitträgt und Sie freiwillige Beiträge selbst zahlen müssen.

f) Freiwillige Beiträge können immer nur bis zum 31.03. eines Jahres noch für das Vorjahr entrichtet werden.

Insgesamt bin ich davon ausgegangen, dass Sie in Polen abhängig beschäftigt sind, nicht nur für eine begrenzte Zeit und auch nicht aufgrund der europäischen Verordnungen die deutschen Rechtsvorschriften weitergelten.

Viel Erfolg bei Ihrer Planung!

von
W*lfgang

Liebe Experten,

selten einen so umfangreichen und treffenden Beitrag hier gelesen - darf ja mal erwähnt werden! :-)

Gruß
w.

(Edit: Dieser Beitrag wurde 1x editiert, noch ein + im Betreff hinzugefügt ;-)

von
Gerhard Meyer

Vielen Dank für all die interessanten Antworten. Generell schließe ich daraus, dass wohl eine private RV die bessere Alternative ist gegenüber freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche RV. Kann mir jemand dazu einen guten Anbieter empfehlen und eine Faustformel für die zu erwartende private Rentenhöhe in Abhängigkeit des Monatsbeitrags und der Einzahlungsdauer geben?

von
W*lfgang

Höre ich aus Ihrer Anfrage heraus, dass Sie alternativlos sichere Anlageformen Maschmeiern wollen ? ;-)

...dazu kann Ihnen die DRV sicher keine Konzepte anbieten.

Gruß
w.