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Altersrente für Schwerbehinderte

von
Nadja

Eine Freundin von mir hat folgendes Problem:
Sie wurde im Juni 60, ist sehr schwerhörig und hat auch sonst noch einige Krankheiten.
Nun kam sie leider erst im September auf die Idee, Rentenantrag zu stellen und auch die Schwerbehinderung zu beantragen. Auf Rat der Rentenversicherung hat sie Altersrente für Frauen und Altersrente wegen BU (nach altem Recht) ab 1.7. beantragt (35 Jahre sind erfüllt). Nun bekam sie vom Versorgungamt ein Schreiben, dass sie ab Antragstellung (Ende Sept.) einen GdB von 70 + RF erhält.
Außerdem wird sie zur Zeit begutachtet (offenbar wegen BU). Falls die Gutachter jetzt zu dem Schluss kommen, dass sie nicht nach altem Recht BU ist, kann sie dann ab 1.7. Altersrente für Frauen und ab 1.10. für Schwerbehinderte erhalten?
Oder kann sie dann die Rente gleich erst ab 1.10. kriegen, weil man nicht wechseln kann? Ihr Hörproblem, dass einen Einzel-GdB von 50 erhalten hat, hat sie aber mindestens schon 10 Jahre...

von
zelda

Hallo Nadja,

mal gesetzt dem Fall, dass keine Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit festgestellt wird, würde ich folgende Verfahrensweise vorschlagen:

Stellen Sie einen Überprüfungsantrag beim Versorgungsamt zur Feststellung eines GdB von mindestens 50 % bereits im Juni 2009 aufgrund der Schwerhörigkeit. Dann liegen die Voraussetzungen für die Altersrente für Schwerbehinderte bereits zum 01.07.2009 vor.
Sofern dies auch nicht klappt, kann nach meiner Auffassung nur ab dem 01.07. die Altersrente für Frauen oder erst ab dem 01.10. die Altersrente für Schwerbehinderte bezogen werden.
Ein Wechsel von einer Altersrente in eine andere Altersrente ist nach bindender Bewilligung einer Rente wegen Alters oder für Zeiten des Bezugs einer solchen ausgeschlossen.

Es wäre dann zu prüfen, was „schmerzlicher“ ist: Die etwas geringere Altersrente für Frauen durch die höheren Abschläge oder der Verlust von 3 Monaten Rente.

MfG

zelda

von
sab

Wie Sie schon richtig schreiben, ist ein Wechsel der Altersrenten nicht möglich.

Ich kenne die Verfahrensweise, dass die Versicherten bei einem so gelagerten Fall bereits bei bzw. kurz nach der Rentenantragstellung diesbezüglich aufgeklärt werden und folgendes Schreiben zur Weiterleitung an das Versorgungsamt erhalten:

Herr/Frau XXX hat hier Altersrente beantragt.

Nach unseren Informationen wurde auch ein Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft (§ 2 SGB IX) gestellt. Sofern eine Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von mind. 50% festgestellt wird, kommt auch eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen (§ 236a
SGB VI) in Betracht, die für den Obengenannten / die Obengenannte günstiger wäre.

Nach § 34 Abs. 4 SGB VI ist ein Wechsel von einer Altersrente in eine andere Altersrente grundsätzlich nicht mehr möglich, wenn die zweite Rente später beginnt als die zuerst gezahlte.

Die Altersrente beginnt voraussichtlich am XXXXX.

Um dem Obengenannten / der Obengenannten den Wechsel in die günstigere Altersrente für schwerbehinderte Menschen problemlos ermöglichen zu können, bitten wir Sie zu prüfen, ob die Feststellung der Schwerbehinderten-
eigenschaft (Gültigkeit des entsprechenden Ausweises) mit Rückwirkung spätestens zum (Beginn der anderen Altersrente) erfolgen könnte.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Deutsche Rentenversicherung

Vielleicht kann Ihre Freundin Teile davon für ein eigenes Schreiben an das Versorgungsamt brauchen. Außerdem würde ich einen Abdruck davon an die DRV senden.

Experten-Antwort

Ich schließe mich den Vorbeiträgen an und rate unter Hinweis auf den Beitrag von Zelda, dass sich Ihre Bekannte bei einer Beratungsstelle ihres Rentenversicherungsträgers zu einem persönlichen Beratungsgespräch den Bescheid (und ggf. den Schwerbehindertenausweis) vorlegt und sich konkret ausrechnen läßt, wie hoch die Rentenbeträge bei der Frauenaltersrente ab dem 01.07. und wie hoch die Altersrente wegen Schwerbehinderung wäre, damit sie sich dann entscheiden kann. Parallel kann sie jedoch auch noch das Ergebnis der medizinischen Ermittlungen der Rentenversicherung abwarten, ob evtl. eine Erwerbsminderung vor September eingetreten ist und so die höhere Altersrente bei Erwerbsminderung vor dem 01.10. möglich ist.