Angehörigenpflege, hinzuverdienst oder nicht

von
Sascha

Ich beziehe eine volle EMR.
Und ich pflege eine Angehörige.
Diese hat Pflegegrad 3, erhält 519€ von der Pflegekassen und hat mich auf 450€ Basis für 6h die Woche (3 mal 2h) angestellt.
Soweit so korrekt? Oder ?
Nun erzählt mir gerade jemand, das man Pflegegeld durch Angehörigenpflege auch „einfach so“ hätte bekommen können und es gar nicht als Hinzuverdienst im Sinne der Obergrenze gilt.
Das man theoretisch jemanden pflegen könnte, das Pflegegeld bekommt und zusätzlich noch 450€ verdienen dürfte?
Für mich wäre es nur theoretisch, da ich gar nicht mehr als diese 6 Wochenstunde schaffe.
Aber ich kenne tatsächlich zwei, die pflegen Angehörige, bekommen volle EMR und verdienen sich noch fast 450€ dazu. Bleiben aber unter 3h täglich, das schon, aber darf man soviel Geld dazu verdienen? Darf man das Pflegegeld einfach nehmen, ohne das der DRV als Hinzuverdienst zu melden?
Mir käme das vor wie Schwarzarbeit, aber vielleicht ist es ja tatsächlich erlaubt?
Wie ist da die Regelung genau?

Experten-Antwort

Guten Tag Sascha,
wie Sie selbst erwähnt haben, gibt es bei der Rente wegen voller Erwerbsminderung und Hinzuverdienst folgende Regelungen:
Wenn Sie eine EM-Rente erhalten, dürfen Sie auch etwas hinzuverdienen, sofern es Ihr Gesundheitszustand erlaubt. Allerdings gibt es Hinzuverdienstgrenzen.
Bei der vollen Erwerbsminderungsrente liegt die Hinzuverdienstgrenze bei 6.300 Euro brutto im Jahr (14 mal 450 Euro). Wenn Ihr Gehalt darüber liegt, wird die Rente gekürzt oder – je nach Gehalt – möglicherweise nicht mehr gezahlt.
Das Entgelt, das Sie als nicht erwerbsmäßig tätige Pflegeperson von einem Pflegebedürftigen erhalten, gilt dabei nicht als Hinzuverdienst, wenn es das dem Umfang der Pflegetätigkeit entsprechende Pflegegeld nicht übersteigt.
Neben der Höhe des Hinzuverdienstes kommt es aber auch auf die Art Ihrer geleisteten Arbeit und Ihre tägliche Arbeitszeit an. Dabei müssen Sie natürlich die jeweiligen Grenzen Ihrer Restarbeitsfähigkeit von weniger als drei Stunden pro Tag beachten.
Die Rentenversicherung überprüft regelmäßig, ob die ausgeübte Erwerbstätigkeit im Rahmen des Restleistungsvermögens liegt. Arbeiten Sie länger, kann unter Umständen Ihr Anspruch auf die EM-Rente entfallen.
Auch hier gilt die Faustregel: "Melden Sie jede Beschäftigung oder Erwerbstätigkeit an Ihren Renten-versicherungs¬träger". Ihr zuständiger Rentenversicherungsträger stellt dann fest, ob sich Auswirkungen auf Ihre Rente ergeben und wie hoch diese ggf. ausfallen.

von
Sascha

Ok, dann hab ich das also richtig verstanden, theoretisch könnte man das Pflegegeld UND einen 450€ Job ausüben ?
Aber sicher nur bei Angehörigen Pflege oder auch wenn man für eine fremde Person da ist?

von
Peter

https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/die-neue-pflegeversicherung-hoehere-ansprueche-mehr-leistungsberechtigte.html

"Die bei der Pflegeversicherung am häufigsten in Anspruch genommene Leistung ist das Pflegegeld. Anspruch hierauf haben Pflegebedürftige, die von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden gepflegt werden und nicht in einem Pflegeheim leben."

Gruß, Peter

Experten-Antwort

Hallo Sascha,
ja, Sie haben das richtig verstanden.
Und das zitierte „Pflegegeld“ ist eine Leistung aus der Pflegeversicherung, die bei nicht erwerbstätiger Pflege gezahlt wird. Der vorherige Hinweis von Peter enthält eine zutreffende Beschreibung dazu.

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