Anrechnung Kindererziehungszeiten

von
Roswitha

Sehr geehrte Forumsteilnehmer, sehr geehrte Experten,

ich beziehe seit 1985 eine volle Erwerbsminderungsrente. Habe danach 3 Kinder geboren, diese sind bisher nicht
in der Berechnung der EU-Rente erschienen.Mein jüngstes Kind ist 14 J.
Kann ich mir die Anrechnung von insgesamt 5 J Kindererziehungszeiten (1992 für 3 J)plus 2x1 J.auf Antrag für meine laufende Rente auszahlen lassen?
Oder muss ich warten bis zur Altersrente
mit 65 J.?

Vielen Dank für eine klare Antwort

Roswitha

von
Amadé

Nach Ihrer Schilderung sind Ihre Kinder allesamt NACH Eintritt des Leistungsfalls der Erwerbsunfähigkeit geboren worden. Damit können die Kindererziehungs- aber auch die Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung, sowie Anrechnungszeiten wegen Schwangerschaft/Mutterschutz erst beim nächst höheren Leistungsfall bei der Rentenberechnung berücksichtigt werden. Das wäre z.B. jede Art von Altersrente.

Mit „Auszahlen“ zum derzeitigen Zeitpunkt wird es aber nichts, dafür fehlt jedwede rechtliche Grundlage.

Vereinbaren Sie bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle Ihres Rentenversicherungsträgers einen Termin und lassen von dort prüfen, ob, wann und inwieweit Sie künftig überhaupt in den Genuss einer Rentenerhöhung kommen können. Dort kann man ggf. eine Probeberechnung vornehmen.

Sie müssen nämlich berücksichtigen und unbedingt beachten, dass das Rentenrecht, was 1985 galt, wesentlich günstiger als das aktuell gültige war.

Ihre Hoffnung auf eine üppige Altersrente, die wesentlich höher als die bisher gezahlte ausfällt, möchte ich daher ein wenig dämpfen.

von
herter

sie werden wohl bis 65 warten müssen!

von
bekiss

Die Kindererziehungszeiten werden erst bei einem neuen Leistungsfall berücksichtigt.

von
Amadé

...nicht unbedingt, kann auch das 60. Lj. sein, wenn z.B. 35 Versicherungsjahre vorhanden sind (Zurechnungszeit/Rentenbezugszeit als Anrechnungszeit beachten!)

von
lotscher

Hallo Roswitha,

habe mich vor ein paar Minuten noch einmal mit einer Mitarbeiterin der DRV am Servicetelefon 0800 1000 4800 zu Ihrem Anliegen verständigt.

Es wird angeraten sich kurzfristig zur einer in der Nähe liegenden Beratungsstelle zu begeben und dort einen formlosen Antrag zu stellen mit Betreff:

Berücksichtigung von Sachverhalten für die laufende Rente- hier Geburt von drei Kindern - nach Bewilligung meiner Erwerbsminderungsrente -

Dadurch wird der Rentenversicherungsträger in die Pflicht genommen dazu Stellung zu nehmen und zu entscheiden, ob eine Berücksichtigung erfolgen kann.

Meine Frage an Sie, haben Sie denn dem Rentenversicherungsträger überhaupt schon mal die Geburt mitgeteilt. Das Formblatt V800 wäre dazu auszufüllen.

Eine Beitragserstattung hat der Gesetzgeber ausgeschlossen.

von
wipet

Warum wurden bis heute noch keine Rentenbeauftragte durch den Deutschen Bundestag berufen?

Über 50 Millionen Versicherte und über 20 Millionen Rentner/innen haben keinen Ansprechpartner = keine Interessenvertretung auf höchster Regierungsebene!

Hier besteht aktueller Handlungsbedarf, damit Fragen über die Höhe der versicherungsfremden Rentenleistungen und die Höhe der nicht durch Beiträge gedeckten Rentenleistungen endlich beantwortet werden.
Wie werden die jährlichen Bundeszuschüsse zu den GRV berechnet, gleich hoch oder etwa unterschiedlich hoch?
usw., usw.

von
Amadé

Ihr Anruf ist sehr lobenswert, weckt bei der guten Frau und Fragestellerin aber leider nur vergebliche Hoffnungen, die sich aus rechtlichen Gründen leider nicht erfüllen lassen.

Die KIEZ können zwar schon jetzt mittels Bescheid anerkannt - jedoch nicht bei der aktuell gezahlten Rente berücksichtigt werden.

Bekiss hat es ganz korrekt formuliert “Berücksichtigung ERST bei einem NEUEN Leistungsfall.

von
lotscher

Da ist wohl die Frage erlaubt, warum vom "Rentenservice", wo sämtlich nur Angestellte der DRV eingesetzt sind, solche Auskünfte erteilt, wenn sie jeder rechtsgrundlage entbehren?

von
Amadé

Nun, es kommt darauf an, WIE man eine Frage stellt. Mit dem von Ihnen vorgeschlagenen Überprüfungsantrag machen Sie der armen Sachbearbeitung nur unnötig Arbeit.

Übrigens, bei Antrag auf Anerkennung der KIEZ und BÜZ wegen Kindererziehung wird im Bescheid maschinell der Zusatz gesetzt, dass eine Anrechnung der KIEZ nur beim nächsten Leistungsfall erfolgen kann nicht aber bei der laufend gezahlten Rente Berücksichtigung findet.

Denken Sie an den versicherungsrechtlichen Grundsatz: “brennende Häuser kann man nicht gegen Feuer versichern”.

Nach Ihre eigentümlichen Auslegung des SGB VI müssten bei jeder Änderung des Rentenrechts Bestandsrenten neu festgestellt werden.

von
Amadé

Roswitha bezieht seit 1985 eine EU-Rente. Der Leistungsfall/ Versicherungsfall der EU ist also zu einem Zeitpunkt eingetreten, an dem es Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung noch gar nicht gab. Diese gibt es in der Deutschen Rentenversicherung nämlich erst seit dem 01.01.1986.

von Experte/in Experten-Antwort

Da die Kinder nach dem Leistungsfall der vollen Erwerbsminderungsrente geboren sind, kann eine Anrechnung der Kindererziehungszeiten nur bei einem späteren -neuen- Leistungsfall (Alter) erfolgen. Den vorstehenden Beiträgen wird insoweit zugestimmt. Es wird empfohlen die Anerkennung der Kinder- und Berücksichtigungszeiten beim zuständigen Rentenversicherungsträger zu beantragen und dort den frühstmöglichen Rentenbeginn der möglichen Altersrenten zu erfragen. Eine Erstattung kann nicht erfolgen.

von
lotscher

zunächst mal ist völlig logisch, daß man Sachverhalte, die nach der Bewilligung einer Rente eintreten, in die Berechnung für die Bewilligung nicht mit einbeziehen kann, egal, ob es da schon KEZ gab oder nicht.

Die Fragestellerin begehrt ja auch nicht die rückwirkende Einbeziehung, Sie fragt lediglich, ob es eine Möglichkeit der Berücksichtigung für die laufende Zahlung oder sogar Auszahlung gibt.

Offensichtlich war sich da mein Gesprächspartner am Servicetelefon nicht völlig sicher, weil er mit Bezug auf die 1985 fehlende Rechtslage meinte, die Fragestellerin solle einen Antrag bei der Auskunftsstelle abgeben.

Diese Aussage habe ich hier wiedergegeben.

Der Sachverhalt ist inzwischen geklärt, siehe auch letzte Antwort von Expertin, habe keine andere Meinung dazu.

von
Roswitha

Sehr geehrte Antwortgeber,sehr geehrte
Expertin,

ich danke Ihnen für Ihre vielen Antworten. Meine erste Tochter,die 1985
geb.ist, wurde in einem Vers.verlauf v^.1995 für die Pflichtbeiträge anerkannt.Desweiteren steht aber auch, Rentenbezug bis 55.Lj.,in 3 Jahren werde ich in diesem Alter sein.Wird es dann zu einer neuen Berechnung und Zurechnungszeit bis zum 60.Lj.kommen?
Von meinen 2 weiteren geborenen Kindern,weiß lt.Vers.verl.die DRV nichts.

Bitte noch eine klare Antwort
auf den Vers.verl.bis 55J.
Ich habe seit meinem 17.Lebensj.gearbeitet, bekomme eine unbefristete EU-Rente seit 1985

Roswitha

von
Amadé

Beantragen Sie 3 Monate vor Vollendung Ihres 60. Lebensjahres die Umwandlung Ihrer EU-Rente in eine Alterrente für schwer behinderte Menschen bzw. für Berufs- oder Erwerbsunfähige.

Aufgrund Ihres “Uralt-Versicherungsfalles” genießen Sie Vertrauensschutz (also keine Abschläge!).

Die Altersrente wird dann nach dem Recht berechnet werden, was dann künftig gelten wird.

Der Altersrente werden aber mindestens die Entgeltpunkte der bisher gezahlten EU-Rente zugrunde gelegt.

In die Rentenberechnung fließen dann die Sachverhalte ein, wie Zeiten der Kindererziehung, Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung, ggf. Zeiten der Schwangerschaft und des Mutterschutzes, die im Rahmen eines Kontenklärungsverfahrens von Ihnen unbedingt schon jetzt geltend gemacht werden sollten.

Bei der Altersrente wird die Ihnen seinerzeit gewährte Zurechnungszeit in eine Anrechnungszeit umgewandelt.

Kein Mensch kennt jedoch das Rentenrecht, was bei Vollendung Ihres 60. Lebensjahres gelten wird. So wird an der Bewertung von rentenrechtlichen Zeiten vom Gesetzgeber ständig herumgefummelt!

Allerdings ist die Richtung bekannt, in die sich das Rentenrecht schon seit Jahren entwickelt und weiter fortschreiten wird - von Jahr zu Jahr gehr es bergab.

Machen Sie sich daher nicht zu viele Hoffnungen , dass die Höhe der Altersrente wesentlich über der Höhe Ihrer derzeit gezahlten Rente liegt.

von
Roswitha

Hallo andre,

ich möchte Ihnen sehr für die ausführliche Antwort zu meiner noch "angehängten" Frage zu den KIEZT.
danken.
Illusionen mache ich mir nicht und deshalb habe ich ein Interesse an
realen Sachlagen zur RV.
Ich bin 1955 geboren, da kann ich mir nicht vorstellen, dass ich schon mit 60 J.in die Altersrente ohne Abschläge gehen kann(trotz Schwerbehinderung v.80%)!?

Schöne Grüße v.Roswitha

von
lotscher

Für 1955 Geborene wird das Lebensalter für Schwerbehinderte von 60 auf 60+9 Monate angehoben, Rentenminderung grundsätzlich 10,8%, wenn Sie den frühesten Beginn wählen würden.

von
Amadé

Lotscher hat hinsichtlich des ABSCHLAGSFREIEN Rentenbeginns recht. Es ist das Hinausschieben der Altersgrenzen zu beachten.

Auf folgende Tabelle wird insoweit hingewiesen:

http://www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/nn_11950/SharedDocs/de/Navigation/Rente/Leistungen/Alter/alter__Behindert__node.html__nnn=true

von
Amadé

Danke, für die Korrektur hinsichtlich des abschlagsfreien Rentenbeginns.

Viele Grüße

Amadé

von Experte/in Experten-Antwort

Da die Erwerbsunfähigkeitsrente vor dem 01.01.2001 begonnen hat, endet die Zurechnungszeit mit dem vollendeten 55. Lebensjahr.
Eine Anspruch auf Altersrente für schwerbehinderte Menschen hätten Sie bei einem Geburtsjahrgang von 1955 mit Vollendung des 60. Lebensjahres und einer Anhebung von 9 Monaten, zudem müssen Sie bei Beginn der Rente als schwerbehinderte Mensch anerkannt (GdB mindestens 50) sein und eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren erfüllt haben.
Bei der Umwandlung werden die bislang berücksichtigten Entgeltpunkte zugrundegelegt, so dass sich daraus keine Minderung der Rentenhöhe ergeben kann.
Ansonsten bleibt noch anzuraten, dass Sie für zwei Kinder noch die Anerkennung der Kindererziehungs- und Berücksichtigungszeiten beantragen sollten.