Anrechnung von EU-Auslandsjahren in deutsche Mindestzeit

von
Thorsten

Ich habe da ein paar Fragen:
Meine Frau ist EU Ausländerin und arbeitet seit 2,5 Jahren in Deutschland.
Werden bei Ihr die vorher im EU Ausland (Ungarn) gearbeiteten Jahre (18) als Versicherungsjahre (zur Erfüllung der Mindesversicherungszeit von 5 Jahren) angerechnet um in Deutschland einen Rentenansppruch zu haben?

Wir planen für einige Jahre ins nicht EU Ausland zu ziehen und dort zu arbeiten (Azerbaijan, soweit ich weiß kein Sozialversicherungsabkommen).
Kann sie weiterhin freiwillige Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen um Ihren Rentenanspruch zu erhöhen, oder falls die ungarischen Jahre nicht angerechnet werden, den Anspruch zu erwerben?

Kann ich (Deutscher mit 35 deutschen Rentenjahren) ebenfalls weiter in die Rentenkasse einzahlen um meinen Anspruch zu erhöhen, bzw lohnt sich das ohne steuerliche Vorteile davon zu haben?
Kann ich evtl auch in 4 Jahren, falls ich wieder In D arbeite, die Rentenbeiträge nachzahlen und dadurch ggf steuerliche Vorteile und Rentenerhöhung erzielen?

Experten-Antwort

Guten Tag Thorsten,
zu Ihrer 1. Frage („Werden bei Ihr die vorher im EU Ausland (Ungarn) gearbeiteten Jahre (18) als Versicherungsjahre … angerechnet, um in Deutschland einen Rentenansppruch zu haben?“)
Grundsätzlich ja, wenn der ungarische Rentenversicherungsträger gegenüber dem deutschen Rentenversicherungsträger diese Zeiten in Ungarn so bestätigt.
Dazu sollte Ihre Frau im Rahmen einer sogenannten „Kontenklärung“ gegenüber Ihrem deutschen Rentenversicherungsträger diese Zeiten in Ungarn geltend machen. Dann würde der deutsche Rentenversicherungsträger sich dahingehend mit dem ungarischen Rentenversicherungsträger in Verbindung setzen.
Weitere Informationen dazu finden Sie unter:
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/2_Rente_Reha/01_Rente/01_allgemeines/05_rente_und_ausland/00_rente_und_ausland_node.html

zu Ihrer 2. Frage („Wir planen für einige Jahre ins nicht EU Ausland zu ziehen und dort zu arbeiten (Aserbaidschan), soweit ich weiß kein Sozialversicherungsabkommen). Kann sie weiterhin freiwillige Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen …?“)
Es ist korrekt, dass bisher zwischen Deutschland und Aserbaidschan kein Sozialversicherungsabkommen geschlossen wurde. Damit handelt sich bei Aserbaidschan aus Sicht der Rentenversicherung um sogenanntes „vertragsloses“ Ausland.
Verzieht nun Ihre Frau als Staatsangehörige eines EU-Mitgliedsstaates nach Aserbaidschan, also ins „vertragslose“ Ausland, hat sie das Recht zur freiwilligen Versicherung in der deutschen Rentenversicherung, wenn sie
- mindestens 16 Jahre alt ist
- nicht in Deutschland rentenversicherungspflichtig bleibt, z.B. im Rahmen einer Entsendung durch einen deutschen Arbeitgeber
- mindestens einen Vorbeitrag in die deutsche Rentenversicherung eingezahlt hat.

zu Ihrer 3. Frage („Kann ich (Deutscher mit 35 deutschen Rentenjahren) ebenfalls weiter in die Rentenkasse einzahlen um meinen Anspruch zu erhöhen...?„)
Hier gilt die Antwort, die für Ihre Frau gegeben wurde. Es besteht nur eine Abweichung darin, dass Sie als deutscher Staatsangehöriger ohne jeden Vorbeitrag bei Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen das Recht zur freiwilligen Versicherung haben.
Um abzuklären, ob diese Voraussetzungen für die freiwillige Versicherung erfüllt sind, sollten Sie und Ihre Frau jeweils vor dem Verzug ins Ausland den entsprechenden Antrag auf freiwillige Versicherung beim zuständigen Rentenversicherungsträger stellen.
Weitere Informationen zum Thema „freiwillige Versicherung“ finden Sie unter:
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/2_Rente_Reha/01_Rente/01_allgemeines/02_freiwillige_versicherung/00_freiwillige_versicherung_node.html#doc189676bodyText1

Zu Ihrer 4. Frage („…, bzw lohnt sich das ohne steuerliche Vorteile davon zu haben?“):
Zur rentensteigernden Wirkung freiwilliger Beiträge sollten Sie sich in der Broschüre „Rente: So wird sie berechnet“ auf Seite 13 die Tabelle anschauen.
Die Broschüre finden Sie im Internetangebot der Deutschen Rentenversicherung unter:
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/03_broschueren_und_mehr/broschueren/broschueren_rente_node.html?cms_gtp=262592_list%253D2

zu Ihrer 5. Frage („Kann ich evtl auch in 4 Jahren, falls ich wieder In D arbeite, die Rentenbeiträge nachzahlen …?“)
Nein.
Denn für die Zahlung freiwilliger Beiträge gilt, dass diese für ein Kalenderjahr bis zum 31.03. des Folgejahres gezahlt werden müssen. Fällt der 31.03. auf einen Sonn- oder Feiertag endet die Frist am nächsten Werktag. So müssen die Beiträge für 2018 beispielsweise bis zum 01.04.2019 gezahlt werden.

von
Thorsten

Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort
Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr